Aggertalhöhle
Die Aggertalhöhle ist eine Schauhöhle knapp einen Kilometer westlich des Ortsteils Ründeroth der Gemeinde Engelskirchen im Oberbergischen Kreis, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt in einem Nebental des Flusses Agger, dem sie ihren heutigen Namen verdankt, nahe der Landesstraße 307 (Im Krümmel).
Mit einer Gesamtlänge von 1071 Metern und einem maximalen Höhenunterschied von 31 Metern gehört sie zu den bedeutenderen Höhlen des Rheinischen Schiefergebirges. Besonders bekannt ist sie für gut sichtbare Meeresversteinerungen aus dem Devon sowie für großflächige Bündel aus Aragonit-Kristallnadeln an den Wänden.

| Typ | Schauhöhle (Karsthöhle) |
| Lage | Westlich von Ründeroth, Gemeinde Engelskirchen, Oberbergischer Kreis, NRW |
| Gesamtlänge | 1071 Meter |
| Maximaler Höhenunterschied | 31 Meter |
| Begehbare Führungsstrecke | ca. 270 Meter, Höhenunterschied 10 Meter |
| Ganzjährige Temperatur | 6–8 °C |
| Schutzstatus | Naturschutzgebiet Altenberg im Walbachtal (47 Hektar) |
| Wissenschaftliche Betreuung | Arbeitskreis Kluterthöhle e. V., seit 1995 |
| Geologisches Alter (Gestein) | Mitteldevon, ca. 350 Millionen Jahre |
| Früheste gesicherte Erschließung | Zugangsstollen 1890, Schauhöhlenbetrieb ab Anfang 1920er-Jahre |
Lage und Schutzstatus
Die Aggertalhöhle befindet sich im 47 Hektar großen Naturschutzgebiet Altenberg im Walbachtal. Zu diesem Schutzgebiet gehören neben der Aggertalhöhle auch mehrere kleinere Höhlen der Umgebung.
Der Zugang erfolgt von der Landesstraße 307 aus, die das Tal erschließt. Das Naturschutzgebiet sichert sowohl den Höhlenkomplex als auch den ihn umgebenden Lebensraum.
Wie entstand die Aggertalhöhle?
Die geologischen Wurzeln der Höhle reichen in das Mitteldevon zurück, als das heutige Bergische Land von einem flachen Meer bedeckt war. Das damals feuchttropische Klima begünstigte das Wachstum von Korallen und Stromatoporen auf den Meeresbodenerhebungen des späteren Rheinischen Schiefergebirges. In die Falten dieser Erhebungen drang Meerwasser ein und schuf bereits in der Devonperiode erste Hohlräume.
Gegen Ende des Devons und zu Beginn des Karbons – vor rund 350 Millionen Jahren – wurden die Meeresböden durch die Variszische Orogenese gefaltet und gehoben. Aus Korallen- und Fossilienmaterial sowie Schlamm und Geröll des vormaligen Meeresgrundes bildeten sich Felsenformationen aus Grauwacke.
Im Verlauf von Jahrmillionen sickerte kohlensäurehaltiges Regenwasser in diese Gesteinsschichten und weitete durch Kalkauswaschung bestehende Hohlräume aus. Aufgestaute Wassermassen bewirkten stellenweise den Einsturz von Deckenpartien. Die dabei entstandenen Erdfälle (Dolinen) verbinden die Höhlen des Rheinischen Schiefergebirges mit der Erdoberfläche; einer dieser Erdfälle war ursprünglich der einzige Zugang zur Aggertalhöhle.

Warum gibt es so wenige Tropfsteine?
Über der Aggertalhöhle lagern Tonschieferschichten, die das Eindringen kalkhaltigen Wassers weitgehend verhindern. Das durchsickernde Wasser führt kaum Kalk mit sich, weil es zuvor nur kalkarme Bodenschichten durchfließt. Darin unterscheidet sich die Aggertalhöhle deutlich von der benachbarten Wiehler Tropfsteinhöhle.
Tropfsteine bilden sich folglich nur an wenigen Stellen in geringer Zahl. Umgekehrt bleiben dadurch die Gesteinsschichten mit ihren fossilen Meerestieren und den Erosionsspuren unverdeckt und sind für Besucher unmittelbar sichtbar.
Fossilien und Aragonit-Kristallnadeln
In den Wänden der Aggertalhöhle sind zahlreiche Meeresversteinerungen aus dem Devon erhalten, die gut zu erkennen sind. Sie stammen von Organismen, die einst den Meeresboden des heutigen Bergischen Landes besiedelten.
Eine besondere Erscheinung sind kleinere Aragonit-Kristallnadeln, die an den Wänden verbreitet vorkommen und vielerorts großflächige Bündel bilden. Es handelt sich dabei um Reste von Korallen aus magnesiumhaltigem Kalk – ein vergleichsweise seltenes Merkmal unter den Höhlen dieser Region.

Geschichte: Entdeckung und frühe Erschließung
Der genaue Zeitpunkt der ersten menschlichen Begehung ist nicht überliefert. Einigen alten Berichten zufolge soll die Höhle 1773 erstmals betreten worden sein. Die möglicherweise früheste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Akte des Oberbergamtes Bonn von 1819, in der von einer »Feckelsberger Höhle« die Rede ist – benannt nach der nahe gelegenen Ortschaft Feckelsberg. Ob damit die heutige Aggertalhöhle gemeint war, lässt sich wegen der Vielzahl kleinerer Höhlen in der Umgebung nicht mit Sicherheit sagen.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Höhle kaum erforscht; der damals einzige Zugang führte über eine tiefe Doline und galt als beschwerlich. 1890 wurde nahe dieser Doline ein rund 30 Meter langer horizontaler Zugangsstollen gebohrt. Zu jener Zeit gehörte das Gebiet dem Kölner Industriellen Theodor Guilleaume, weshalb die Höhle zeitweise als Guilleaume-Höhle bezeichnet wurde.
Erforschung und Einrichtung als Schauhöhle
Systematische Erforschungen begannen Anfang des 20. Jahrhunderts. 1910 legte der Höhlenforscher Benno Wolf den ersten Plan der Höhle vor, der damals noch vergleichsweise einfach gehalten war.
Nachdem der Grundbesitz auf den Industriellen Otto Wolff übergegangen war, ließ dieser den 1890 angelegten, mittlerweile verfallenen Stollen erneuern. In den frühen 1920er-Jahren fanden erste Führungen und Festlichkeiten statt, bei denen die Höhlenwege zunächst mit Pechfackeln beleuchtet wurden.
Zwischen 1927 und 1930 richtete der Verschönerungsverein Ründeroth die Höhle für einen regelmäßigen Besucherverkehr her, nachdem der Grundbesitzer sie dem Verein pachtfrei für Führungen überlassen hatte. Seit 1995 betreut und erforscht der Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. die Höhle wissenschaftlich.

Besuch: Was ist zu erwarten?
Geführte Rundgänge erschließen eine Strecke von rund 270 Metern mit einem Höhenunterschied von 10 Metern. Ganzjährig herrscht in der Höhle eine Temperatur von 6 bis 8 °C, sodass wärmere Kleidung empfehlenswert ist.
Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind der offiziellen Website der Höhle zu entnehmen, da diese Angaben regelmäßigen Änderungen unterliegen können.
Häufige Fragen
Wo genau liegt die Aggertalhöhle?
Die Höhle liegt knapp einen Kilometer westlich des Ortsteils Ründeroth der Gemeinde Engelskirchen im Oberbergischen Kreis, Nordrhein-Westfalen. Sie befindet sich in einem Nebental des Flusses Agger nahe der Landesstraße 307 (Im Krümmel), eingebettet im Naturschutzgebiet Altenberg im Walbachtal.
Wie lang ist die Aggertalhöhle und wie viel davon ist zu besichtigen?
Die Gesamtlänge der Aggertalhöhle beträgt 1071 Meter bei einem maximalen Höhenunterschied von 31 Metern. Für Besucher ist eine geführte Strecke von etwa 270 Metern mit einem Höhenunterschied von 10 Metern zugänglich.
Warum hat die Aggertalhöhle kaum Tropfsteine?
Über der Höhle lagern Tonschieferschichten, die das Eindringen kalkhaltigen Wassers weitgehend unterbinden. Das wenige Wasser, das durchsickert, durchfließt nur kalkarme Bodenschichten und kann daher keinen Kalk aufnehmen und ablagern. Tropfsteine bilden sich deshalb nur an wenigen Stellen und in geringer Zahl.
Welche besonderen Mineralien oder Fossilien gibt es in der Höhle?
In den Wänden sind gut erkennbare Meeresversteinerungen aus dem Devon erhalten. Besonders auffällig sind großflächige Bündel aus Aragonit-Kristallnadeln – Reste von Korallen aus magnesiumhaltigem Kalk, die an vielen Stellen der Höhlenwände vorkommen.
Wie warm oder kalt ist es in der Aggertalhöhle?
In der Höhle herrscht das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von 6 bis 8 °C. Besucher sollten entsprechend warme Kleidung einplanen.
Wann wurde die Aggertalhöhle entdeckt und erschlossen?
Die früheste mögliche Erwähnung stammt aus einer Akte des Oberbergamtes Bonn von 1819. Der erste horizontale Zugangsstollen wurde 1890 angelegt. Der regelmäßige Schauhöhlenbetrieb begann in den frühen 1920er-Jahren; von 1927 bis 1930 richtete der Verschönerungsverein Ründeroth die Höhle systematisch für den Besucherverkehr her.
Wer betreut die Aggertalhöhle wissenschaftlich?
Seit 1995 übernimmt der Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. die wissenschaftliche Betreuung und Erforschung der Aggertalhöhle.
Quellen
- Wikipedia: Aggertalhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags