Alfelder Windloch
Das Alfelder Windloch ist eine natürliche Karsthöhle am Südhang des Schwarzenbergs bei Kauerheim, einem Gemeindeteil von Alfeld im Landkreis Nürnberger Land in Bayern. Mit einer kartierten Gesamtlänge von etwa 2200 Metern gilt sie als zweitgrößte Höhle der Fränkischen Alb, übertroffen nur von der Mühlbachquellhöhle im Altmühltal.
Das labyrinthartig verzweigte Kluftsystem mit einer maximalen Höhendifferenz von 52 Metern ist mehrfach registriert: als Geotop, Naturdenkmal, Bodendenkmal und Teil des FFH-Gebiets »Höhlen der nördlichen Frankenalb«. Eiszeitliche Tierfossilien und überwinternde Fledermäuse verleihen der Höhle besondere naturkundliche Bedeutung.

| Typ | Natürliche Karsthöhle (fossiles Schwammriff-System, Malm Delta) |
| Lage | Südhang des Schwarzenbergs, ca. 700 m südlich von Kauerheim, ca. 1800 m südlich von Alfeld, Landkreis Nürnberger Land, Bayern |
| Gesamtlänge | ca. 2200 m (kartiert 1992) |
| Maximale Höhendifferenz | ca. 52 m |
| Rang Fränkische Alb | Zweitgrößte Höhle (nach der Mühlbachquellhöhle im Altmühltal) |
| Höhlenkataster | HFA E 11 |
| Geotop-Nummer | 574H005 |
| Naturdenkmal | ND-05169 |
| Bodendenkmal | D-5-6535-0001 |
| FFH-Gebiet | 6335-305 Höhlen der nördlichen Frankenalb |
Lage und Zugang
Die Höhle liegt etwa 1800 Meter südlich von Alfeld und 700 Meter südlich von Kauerheim am Südhang des Schwarzenbergs. Sie ist ausschließlich zu Fuß erreichbar, über einen Wanderweg, der mit einem Blaupunkt oder einer weißen »3« auf rotem Grund markiert ist.
Der Eingang selbst ist unscheinbar: eine teilvermauerte Öffnung von etwa 80 mal 40 Zentimetern in einem Einsturztrichter. Die Höhle trägt auch die Alternativnamen Windloch bei Kauerheim, Höhle im Schwarzenberg und Schwarzenberghöhle.
Geologie und Entstehung
Das Höhlensystem liegt in einem Komplex fossiler Schwammriffe des Malm Delta. Geologisch gliedert es sich in zwei Hauptbereiche, die durch einen Verzahnungsbereich voneinander getrennt sind: Unter einer ersten Erhebung befindet sich die große Eingangshalle, unter einer zweiten die sogenannten neuen Teile.
Die räumliche Gliederung in mehrere Etagen geht auf ein stark verzweigtes Kluftsystem zurück. Charakteristisch sind rechtwinklig zueinander stehende Kletterstellen und Spalten sowie ausgeprägte Verbruchbereiche.
Beschreibung der Höhlenräume
Unmittelbar hinter dem Eingang öffnet sich eine Eingangshalle von etwa 120 mal 70 mal 5 Metern – eine der größten Hallen der Fränkischen Alb. Ihr starker Neigungswinkel von 45 Grad lässt sie optisch kleiner erscheinen, als sie ist. Zahlreiche Wege und Öffnungen führen von hier in die weitläufigen neuen Teile; farbige Pfeile in alle Richtungen erschweren die Orientierung eher, als dass sie sie erleichtern.
Nennenswerte Tropfsteine oder Sinterschmuck fehlen weitgehend; im Eingangsbereich wurden Teile davon geraubt oder zerstört. Prägend sind stattdessen tektonische Formen: Verbruch, enge Schlufstellen und Kletterstellen.
Zu den bekanntesten Abschnitten zählen die »Elefantenfußhalle« – eine bis zu 2,50 Meter hohe Schichtfuge mit Lösungskolken an der Decke –, die »Sandhalle«, die »Seifenblase« (auch »Dom« genannt) mit einem halbkugelförmigen Profil von etwa 15 mal 15 Metern, der enge »Briefkasten« sowie die »Altarhalle« mit dem markanten »R.I.P.-Stein«.
Geschichte und frühe Erforschung
Die älteste urkundliche Erwähnung stammt vom Höhlenforscher Christian Schöffel aus dem Jahr 1694 (möglicherweise bereits 1679). 1708 beschrieb der Medizinprofessor Johann Jakob Baier von der Universität Altdorf die Höhle in seinem Werk »Oryctographia Norica«.
Erste dokumentierte Erschließungsversuche unternahm Vikar Sondermann um 1856. 1906 versah der sogenannte Schwarzbauer aus Kauerheim die Höhle mit einer Tür und bot Führungen an, ohne dass ein regulärer Schauhöhlenbetrieb entstand. Eine systematische speläologische Befahrung erfolgte erst 1921/22 durch die fränkischen Höhlenforscher Richard Spöcker und Helmuth Cramer.
Mündliche Überlieferungen reichen bis in die sogenannte Heidenzeit zurück: Sagen beschreiben die Höhle als Sitz von Druiden und Weissagerinnen. Die neuen Teile wurden vermutlich erst zwischen 1960 und 1980 erschlossen; 1992 wurde das Gesamtsystem umfassend vermessen und auf 2200 Meter kartiert.
Entdeckung der Elefantenfußhalle und paläontologische Funde
Am 4. November 1962 entdeckten H. Raum, A. Beyer und G. Euskirchen die Elefantenfußhalle; »Dom« und »Briefkasten« wurden etwa ein Jahr später erstmals befahren. Auf dem Boden der ersten beiden Räume lagen fossile Reste eiszeitlicher Tiere: ein Oberschenkelknochen eines Wollnashorns, zahlreiche Rippenfragmente von Rentieren sowie ein gut erhaltener Backenzahn eines Waldelefanten.
Alle Funde wurden dem Paläontologischen Institut der Universität Erlangen übergeben, wo Florian Heller 1963 umfangreiche Grabungen durchführte. Anhand von dabei geborgenen Mausezähnchen datierte er die Fundschicht in die letzte Zwischeneiszeit.
Bemerkenswert waren zudem bis zu 10 Zentimeter mächtige Schichten von Fledermauskot auf den Deckplatten in der Mitte der Elefantenfußhalle – ungewöhnlich wegen der großen Entfernung vom Höhleneingang.
Schutzstatus
Die Höhle ist unter mehreren Rechtstiteln geschützt: als Naturdenkmal (ND-05169), als Geotop (574H005), als Bodendenkmal (D-5-6535-0001) und als Bestandteil des FFH-Gebiets 6335-305 »Höhlen der nördlichen Frankenalb«. Im Höhlenkataster Fränkische Alb ist sie unter der Nummer E 11 verzeichnet.
Seit 1984 wird der Eingang von Oktober bis April mit einer Eisenstange verschlossen, um überwinternde Fledermäuse zu schützen. Von April bis September ist die Höhle frei zugänglich.
Worauf müssen Besucherinnen und Besucher achten?
Das labyrinthartige System mit vielen Verzweigungen, engen Schlufstellen und Kletterstellen erfordert Erfahrung im Höhlenbegehen sowie geeignete Ausrüstung. Die widersprüchlichen farbigen Pfeilmarkierungen innerhalb der Höhle tragen zur Orientierungslosigkeit bei, und gefährliche Abstiege wiederholen sich im gesamten System.
Aufgrund dieser Bedingungen ereignen sich regelmäßig Unfälle. Die Höhle sollte ausschließlich von erfahrenen Speläologinnen und Speläologen mit vollständiger Ausrüstung befahren werden.
Häufige Fragen
Wo genau liegt das Alfelder Windloch?
Die Höhle befindet sich am Südhang des Schwarzenbergs, etwa 700 Meter südlich von Kauerheim und 1800 Meter südlich von Alfeld im Landkreis Nürnberger Land in Bayern. Sie ist nur über einen markierten Wanderweg zu Fuß erreichbar.
Wie groß ist das Alfelder Windloch?
Das kartierte Gangsystem hat eine Gesamtlänge von rund 2200 Metern und eine maximale Höhendifferenz von etwa 52 Metern. Damit ist es die zweitgrößte Karsthöhle der Fränkischen Alb.
Wann ist die Höhle zugänglich?
Von April bis September ist die Höhle frei zugänglich. Von Oktober bis April ist der Eingang seit 1984 mit einer Eisenstange gesichert, um die überwinternden Fledermäuse nicht zu stören.
Welche eiszeitlichen Funde wurden in der Höhle gemacht?
1962 kamen in der Elefantenfußhalle Fossilien von Wollnashorn, Rentier und Waldelefant zutage. Grabungen von Florian Heller am Paläontologischen Institut der Universität Erlangen (1963) datierten die Fundschicht anhand von Mausezähnchen in die letzte Zwischeneiszeit.
Ist das Alfelder Windloch eine Schauhöhle?
Nein, ein regulärer Schauhöhlenbetrieb ist nicht dokumentiert. 1906 wurde zwar eine Tür eingebaut und Führungen wurden angeboten, doch handelte es sich dabei um keine organisierte Schauhöhle. Die Höhle ist bis heute nur für erfahrene Speläologen empfohlen.
Warum ist das Alfelder Windloch so schwer zu befahren?
Das System ist labyrinthartig und stark verzweigt, mit teils nur über extreme Engstellen erreichbaren Bereichen sowie rechtwinkligen Kletterstellen und gefährlichen Abstiegsstellen. Uneinheitliche Pfeilmarkierungen im Inneren erschweren die Orientierung zusätzlich; Unfälle kommen regelmäßig vor.
Welche Schutzausweisungen trägt die Höhle?
Das Alfelder Windloch ist gleichzeitig Naturdenkmal, Geotop, Bodendenkmal und Teil des FFH-Gebiets »Höhlen der nördlichen Frankenalb« (6335-305). Im Höhlenkataster Fränkische Alb wird sie unter der Nummer E 11 geführt.
Welche besonderen Räume hat die Höhle?
Bekannte Abschnitte sind die Elefantenfußhalle (Schichtfuge mit Deckenkolken), die Sandhalle, die Seifenblase bzw. der Dom (Halbkugelprofil von ca. 15 × 15 m), der enge Briefkasten sowie die Altarhalle mit dem »R.I.P.-Stein«. Die Eingangshalle misst rund 120 × 70 × 5 Meter und zählt zu den größten der Fränkischen Alb.
Quellen
- Wikipedia: Alfelder Windloch — Faktengrundlage dieses Eintrags