Almequelle
Die Almequellen im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis liegen beim Briloner Stadtteil Alme und bilden den Ursprung der Alme, eines 59,1 Kilometer langen Lippe-Nebenflusses. Das Quellsystem besteht aus 104 Einzelaustritten, die durch einen Damm zu einem Teich angestaut wurden.
Das unterirdische Einzugsgebiet des gemeinsamen Quellsystems von Alme- und Moosspringquellen umfasst 56 bis 71 Quadratkilometer und entwässert damit rund zwei Drittel der Briloner Hochfläche durch den stark zerklüfteten Briloner Massenkalk.

| Lage | Stadtteil Alme, Brilon, Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen |
| Höhenlage Quellteich/Einzelquellen | 320,9 bis 322,5 m ü. NHN |
| Gewässer | Alme (Lippe-Nebenfluss, 59,1 km) |
| Anzahl Einzelquellen | 104 |
| Wassertemperatur | 8,5 °C (kälteste) bis 11,3 °C (wärmste), ganzjährig nahezu konstant |
| Gesamtschüttung | 300 bis 1370 l/s, Mittelwert ca. 800 l/s |
| Unterirdisches Einzugsgebiet | ca. 56 bis 71 km² |
| Naturschutzgebiet | Tinne / Nehder Kopf, 187,20 ha, ausgewiesen 2008 |
| FFH-Gebiet | Wälder und Quellen des Almetals (DE 4517-301) |
| Quelltyp | Überlaufquellen an der Grenze Massenkalk/Schiefer |
Lage und Umgebung
Der Quellteich liegt etwa 0,66 Kilometer südsüdwestlich der Almer Kirche. Die nächstgelegenen vergleichbaren Quellen sind die Moosspringquellen beim Forsthaus Moosspring, rund 0,73 Kilometer nordöstlich, sowie der Ort Nehden, 1,9 Kilometer südöstlich.
Der Abfluss aus dem Quellteich verläuft über einen rund fünf Meter breiten Obergraben zur ehemaligen Papierfabrik Alme und über das Flussbett der Alme selbst.
Geologie: Warum tritt das Wasser hier aus?
Das Quellgebiet liegt am Nordrand der Briloner Hochfläche, die aus dem sogenannten Briloner Massenkalk aufgebaut ist. Dieser Kalkstein erreicht eine Mächtigkeit von 600 bis 1400 Metern und besteht zu 98 bis 99 Prozent aus reinem Kalk, was ihn besonders klüftenreich macht.
Oberirdische Fließgewässer versickern in diesen Klüften, lösen den Kalk auf und erzeugen so großräumige Hohlräume im Untergrund. Am Ost- und Südrand der Hochfläche versinken Bäche in Schwalglöchern, sobald sie vom schiefrigen Gestein auf den Massenkalk treffen. Der Briloner Massenkalk entwässert im Westen über den Möhneursprung und im Osten über das gemeinsame System der Alme- und Moosspringquellen.
An der Nordgrenze, wo Massenkalk auf Schiefer trifft, tritt das unterirdisch geflossene Wasser an der tiefsten verfügbaren Stelle zwischen 320 und 322 m ü. NHN wieder an die Oberfläche – als Überlaufquellen.
Einzugsgebiet: Wie groß ist das Wasserreservoir?
Das unterirdische Einzugsgebiet der Alme- und Moosspringquellen zusammen beträgt 56 bis 71 Quadratkilometer. Da sich beide Quellsysteme nur rund 800 Meter voneinander entfernt befinden, lässt sich kein getrenntes Einzugsgebiet für jedes System bestimmen.
Zum Vergleich: Das nach orographischen Kriterien abgegrenzte oberirdische Einzugsgebiet würde nur rund 34 Quadratkilometer umfassen. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass Wasser aus Gebieten, die topografisch zu anderen Einzugsgebieten gehören, unterirdisch zu den Almequellen abgeleitet wird.

Quellbeschreibung und Schüttung
Von den 104 Einzelquellen des Systems weisen die meisten ganzjährig nahezu konstante, aber untereinander verschiedene Wassertemperaturen auf. Die kälteste (Quelle 1) hat 8,5 °C, die wärmste (Quelle 104) 11,3 °C. Auch die chemische Zusammensetzung des Wassers variiert zwischen den Einzelquellen.
Die Gesamtschüttung schwankt zwischen 300 und 1370 Litern pro Sekunde; der langjährige Mittelwert liegt bei etwa 800 l/s. Ein Damm staut die meisten Einzelquellen zu einem Teich auf, weshalb nur noch wenige der 104 Austritte am Süd- und Ostrand des Quellgebiets direkt sichtbar sind.
Das aufgestaute Wasser wird heute über den historischen Obergraben zur Stromerzeugung genutzt; früher diente er der ehemaligen Papierfabrik Alme.
Flora: Welche Pflanzen wachsen an den Quellen?
An den Quellaustritten findet sich das Pyrenäen-Löffelkraut (Cochlearia pyrenaica), das zusammen mit dem Starknervmoos (Cratoneuron commutatum) die sehr seltene Pyrenäen-Löffelkraut-Gesellschaft (Cochleario pyrenaicae-Cratoneuretum commutati) bildet. Diese Pflanzengemeinschaft kommt ausschließlich an Kalkquellen im nord- und mitteleuropäischen Bergland vor.
In Deutschland tritt das Pyrenäen-Löffelkraut nur noch vereinzelt im Alpenvorland, in Franken, in der Rhön und im Jagsttal bei Rothenburg o. d. Tauber auf. Das Vorkommen bei Alme ist damit das nördlichste in Deutschland.
Begleitend wächst im Quellgebiet das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara), das im Frühjahr die Quellränder mit weißen Blüten bedeckt, sowie der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), der im Spätsommer zwischen Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem seltenen Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) blüht. Im weiteren Verlauf der Alme bis zum Schloss Alme prägen Aufrechte Berle, Flutender Wasserhahnenfuß, Echte Brunnenkresse, Blauer Wasser-Ehrenpreis, Bachbunge und Wassersterne Ufer und Gewässerbett.
Schutzstatus
Die Almequellen liegen im Naturschutzgebiet Tinne / Nehder Kopf (187,20 Hektar), das der Hochsauerlandkreis 2008 im Rahmen des Landschaftsplans Briloner Hochfläche ausgewiesen hat.
Gleichzeitig gehört das Gebiet zum FFH-Gebiet Wälder und Quellen des Almetals (Gebiets-Code DE 4517-301), das dem europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 angehört.

Besuch und Erreichbarkeit
Die Sauerland-Waldroute führt direkt an den Quellen vorbei. Ergänzend erschließt die »Sauerland-Spur« Quellenweg Alme, ein rund fünf Kilometer langer Rundweg, das Quellgebiet. Weitere Wanderwege und ein Radweg sind in der Umgebung ausgeschildert.
Häufige Fragen
Wo genau liegen die Almequellen?
Die Almequellen befinden sich beim Briloner Stadtteil Alme im Hochsauerlandkreis, etwa 0,66 Kilometer südsüdwestlich der Almer Kirche. Die Quellaustritte liegen auf einer Höhe zwischen 320,9 und 322,5 m ü. NHN.
Wie viele Quellaustritte hat das System?
Das Quellsystem weist insgesamt 104 Einzelaustritte auf. Da die meisten durch einen Damm überstaut sind, sind nur noch wenige am Süd- und Ostrand des Quellgebiets direkt sichtbar.
Wie groß ist die Schüttung der Almequellen?
Der Gesamtabfluss aller Quellen liegt zwischen 300 und 1370 Litern pro Sekunde. Die mittlere Schüttung beträgt etwa 800 l/s.
Welchen Fluss speisen die Almequellen?
Die Almequellen sind der Ursprung der Alme, eines 59,1 Kilometer langen Nebenflusses der Lippe.
Warum variieren die Wassertemperaturen zwischen den Einzelquellen?
Die 104 Einzelquellen haben unterschiedliche Fließwege und Verweilzeiten im Untergrund, was zu verschiedenen Temperaturen zwischen 8,5 °C und 11,3 °C führt. Innerhalb jeder Einzelquelle bleibt die Temperatur jedoch ganzjährig nahezu konstant.
Welche seltene Pflanze macht die Almequellen botanisch bedeutsam?
Das Pyrenäen-Löffelkraut (Cochlearia pyrenaica) bildet hier zusammen mit dem Starknervmoos die sehr seltene Pflanzengesellschaft Cochleario pyrenaicae-Cratoneuretum commutati. Das Vorkommen bei Alme ist das nördlichste in Deutschland; in der übrigen Bundesrepublik tritt die Art nur noch vereinzelt im Alpenvorland, in Franken, der Rhön und im Jagsttal auf.
Unter welchem Schutzstatus stehen die Almequellen?
Die Quellen liegen im Naturschutzgebiet Tinne / Nehder Kopf (187,20 ha), das 2008 ausgewiesen wurde, und gehören zum FFH-Gebiet Wälder und Quellen des Almetals (DE 4517-301) des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Warum ist das unterirdische Einzugsgebiet größer als das oberirdische?
Der extrem klüftenreiche Briloner Massenkalk leitet Wasser auch aus Bereichen unterirdisch zu den Almequellen, die topografisch zu anderen Einzugsgebieten gehören würden. Das unterirdische Einzugsgebiet beträgt 56 bis 71 km², das oberirdisch abgrenzbare nur rund 34 km².
Quellen
- Wikipedia: Almequelle — Faktengrundlage dieses Eintrags