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Andritz-Ursprung

Der Andritz-Ursprung ist eine Karstquelle im südlichen Grazer Bergland, gelegen auf 401 m ü. A. am südwestlichen Rand des Schöckl-Massivs in der Gemeinde Stattegg, einem nördlichen Vorort von Graz. Seit 1978 steht die Quelle als Naturdenkmal unter Schutz. Mit einer durchschnittlichen Schüttung von 210 l/s gilt sie als das bei Weitem größte Quellphänomen des Grazer Berglandes.

Der Quelltümpel liegt innerhalb einer historischen Maueranlage auf Privatgrund und ist durch seine türkisblaue Färbung auffällig, die auf eine flächendeckend auftretende Algenart zurückgeht. Das Wasser hält ganzjährig eine konstante Temperatur von 10 °C.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Andritz-Ursprung
ID 588 Andritz Ursprung1Foto: Christian Pirkl · CC BY-SA 3.0 at
TypKarstquelle
LageGemeinde Stattegg, südliches Grazer Bergland, Steiermark
Seehöhe401 m ü. A.
GesteinSchöcklkalk
Durchschnittliche Schüttung210 l/s
Maximale gemessene Schüttung1640 l/s (1938)
Wassertemperaturkonstant 10 °C (ganzjährig)
SchutzstatusNaturdenkmal seit 1978
EigentümerJakob-Lorber-Gesellschaft (seit 1956)
ZugangPrivatgrund; Besichtigung nur nach telefonischer Vereinbarung

Hydrogeologie und Einzugsgebiet

Die Quelle ist im Schöcklkalk fundiert und tritt wallend in einem Quelltümpel am Fuß einer Felswand zutage. Sie entwässert einen großen Teil des Schöckl-Massivs und liegt an einer tektonischen Störungslinie, dem Stattegger Tal.

Bei außergewöhnlich hohem Wasserstand wird eine hydraulische Verbindung zur rund 200 Meter nördlich gelegenen Höhle Frauenloch (Kataster-Nr. 2832/1) aktiv, aus der dann ebenfalls Wasser austritt. Diese Verbindung belegt die weiträumige unterirdische Vernetzung des Karstsystems im Schöckl-Massiv.

Das türkisblaue Erscheinungsbild des Quelltümpels entsteht durch eine spezifische Algenart, die den Boden des Tümpels flächendeckend besiedelt. Die Quelltemperatur bleibt das ganze Jahr über bei konstant 10 °C, was für Karstquellen dieser Größe typisch ist.

Ist der Andritz-Ursprung wirklich die Quelle des Andritzbachs?

Trotz des Namens entspringt der Andritzbach nicht am Andritz-Ursprung. Der Bach, im Oberlauf als Stattegger Bach bezeichnet, hat seinen eigentlichen Ursprung weiter nördlich am Ostabhang der Hohen Rannach.

Die Karstquelle ist jedoch als Zufluss bedeutend und trägt erheblich zur Wasserführung des Baches bei. Die Verwechslung findet sich auch in der Fachliteratur und geht auf die geografische Nähe und den gemeinsamen Namensbezug zurück.

Geschichte der Nutzung und Erschließung

Bereits 1570 ließ Erzherzog Karl II. den Quelltümpel zur Forellenzucht nutzen. Um Fischdiebstahl zu unterbinden, ließ er eine Mauereinfassung um den Teich errichten, die bis heute erhalten ist. Im Urbar von 1572 wird das Fischwasser vom Ursprung bis zur Mur ausdrücklich dem landesfürstlichen Amt Aigen zugeordnet.

Mehrfach bestanden Pläne, das Quellwasser nach Graz zu leiten, erstmals um 1600 zur Versorgung der landesfürstlichen Burg. Keiner dieser Pläne wurde verwirklicht.

1830 besuchten Kaiser Franz I., seine Gemahlin Caroline, Erzherzogin Marie Louise von Parma, Erzherzog Johann sowie der Herzog von Reichstadt die Quelle. Eine noch heute vorhandene Marmortafel erinnert an diesen Besuch.

Jakob Lorber und die religiöse Überlieferung

Der Mystiker Jakob Lorber, heute als »Schreibknecht Gottes« bekannt, besuchte die Quelle im Jahr 1840 und berichtete von einer Engelserscheinung an diesem Ort. In der Folge wurde dem Quellwasser eine heilende Wirkung zugeschrieben, die wissenschaftlich nicht belegt werden konnte. Zeitweise war sogar die Errichtung einer Kaltwasserkuranstalt im Gespräch.

Seit 1956 befindet sich das Grundstück im Besitz der deutschen Jakob-Lorber-Gesellschaft, die dort eine Begegnungsstätte eingerichtet hat.

Andritz-Ursprung
ID 588 Andritz Ursprung2Foto: Christian Pirkl · CC BY-SA 3.0 at

Sagen und volkskundliche Überlieferung

Aufgrund der außergewöhnlichen Erscheinung der Quelle und der mystischen Berichte Jakob Lorbers fand der Andritz-Ursprung Eingang in mehrere Sagen. Eine davon handelt von der Nixe vom Andritz-Ursprung: Zwei betrunkene Burschen sollen die Nixe gefangen und misshandelt haben; sterbend verweigerte sie ihnen die Auskunft über ein angebliches Goldvorkommen.

Eine frühe Beschreibung aus der Pfarrchronik von St. Veit am Aigen (1816) hält fest, dass die Quelle im Sommer zahlreiche Stadtbewohner aus Graz anzog, und erwähnt bereits die Vermutung unterirdischer Verbindungen zum Schöcklberg.

Das Frauenloch und die Hochwasserproblematik

Das Frauenloch (Kataster-Nr. 2832/1) liegt etwas nördlich des Andritz-Ursprungs und ist bei Hochwasser hydraulisch mit ihm verbunden. In der Vergangenheit führten Wasseraustritte aus dieser Höhle wiederholt zu Überschwemmungen im Stattegger Gemeindegebiet.

Nach einem besonders schweren Hochwasserereignis wurde das Frauenloch 1961 mit Haldenmaterial aus einem benachbarten Steinbruch verfüllt und damit dauerhaft verschlossen.

Wassernutzung heute

Das Quellwasser wird weiterhin für die Fischzucht genutzt, allerdings in eigenen Becken der benachbarten Forellenzucht Igler. Eine direkte Trinkwassernutzung findet aufgrund erhöhter Keimbelastung nicht mehr statt; lediglich das Gebäude der Begegnungsstätte wird noch von der Quelle versorgt.

Über eine Ableitung am Andritzbach im Bereich einer Maschinenfabrik trägt der Ursprung indirekt zur Grazer Wasserversorgung bei, indem das Wasser zur Grundwasseranreicherung im Wasserwerk Andritz verwendet wird.

Besuch und Zugang

Das Naturdenkmal befindet sich auf Privatgrund innerhalb der historischen Maueranlage und ist nur nach telefonischer Vereinbarung zugänglich. Eine Schöpfstelle am Ablauf des Quelltümpels ist freitags bis 16 Uhr frei nutzbar.

Da sich das Grundstück im Besitz der Jakob-Lorber-Gesellschaft befindet, empfiehlt sich für aktuelle Informationen zur Besichtigung die direkte Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft.

Andritz-Ursprung
Reliefkarte ÖsterreichFoto: Tschubby · CC BY-SA 3.0

Häufige Fragen

Was ist der Andritz-Ursprung?

Der Andritz-Ursprung ist eine Karstquelle im südlichen Grazer Bergland in der Gemeinde Stattegg bei Graz. Mit einer durchschnittlichen Schüttung von 210 l/s gilt sie als die größte Karstquelle des Grazer Berglandes. Seit 1978 ist sie als Naturdenkmal ausgewiesen.

Wie hoch ist die Schüttung des Andritz-Ursprungs?

Die durchschnittliche Schüttung beträgt 210 l/s. Der bislang gemessene Höchstwert wurde 1938 mit 1640 l/s dokumentiert.

Woher kommt die türkisblaue Farbe des Quelltümpels?

Die türkisblaue Färbung des Wassers ist auf eine spezifische Algenart zurückzuführen, die den Boden des Quelltümpels flächendeckend besiedelt. Dieser Effekt ist unabhängig von der Wassertemperatur, die das Jahr über konstant 10 °C beträgt.

Ist der Andritz-Ursprung die eigentliche Quelle des Andritzbachs?

Nein. Der Andritzbach entspringt weiter nördlich am Ostabhang der Hohen Rannach und wird im Oberlauf auch als Stattegger Bach bezeichnet. Der Andritz-Ursprung ist jedoch ein bedeutender Zufluss und trägt erheblich zur Wasserführung des Baches bei.

Kann man den Andritz-Ursprung besichtigen?

Das Naturdenkmal liegt auf Privatgrund der Jakob-Lorber-Gesellschaft innerhalb einer historischen Maueranlage. Eine Besichtigung ist nur nach telefonischer Vereinbarung möglich. Eine Schöpfstelle am Ablauf des Quelltümpels ist freitags bis 16 Uhr frei zugänglich.

Welche Verbindung besteht zwischen dem Andritz-Ursprung und dem Frauenloch?

Bei außergewöhnlichem Hochwasser wird eine unterirdische Verbindung zwischen dem Andritz-Ursprung und der Höhle Frauenloch (Kataster-Nr. 2832/1) aktiv, woraufhin auch aus dem Frauenloch Wasser austritt. In der Vergangenheit verursachte das wiederholt Überschwemmungen im Gemeindegebiet Stattegg. 1961 wurde das Frauenloch nach einem besonders schweren Ereignis mit Haldenmaterial eines nahegelegenen Steinbruchs verfüllt.

Welche historische Bedeutung hat die Quelle?

Bereits 1570 ließ Erzherzog Karl II. den Quelltümpel zur Forellenzucht nutzen und eine Mauereinfassung errichten, die noch heute besteht. 1830 stattete Kaiser Franz I. mit Begleitung der Quelle einen Besuch ab, woran eine Marmortafel erinnert. 1840 besuchte der Mystiker Jakob Lorber die Quelle und berichtete von einer Engelserscheinung; seitdem befindet sich das Grundstück seit 1956 im Besitz der Jakob-Lorber-Gesellschaft.

Wird das Quellwasser des Andritz-Ursprungs als Trinkwasser genutzt?

Eine direkte Trinkwassernutzung findet aufgrund erhöhter Keimanteile nicht mehr statt. Lediglich das Gebäude der Begegnungsstätte der Jakob-Lorber-Gesellschaft wird noch vom Quellwasser versorgt. Indirekt trägt die Quelle über eine Ableitung am Andritzbach zur Grundwasseranreicherung im Wasserwerk Andritz bei und fließt so in die Grazer Wasserversorgung ein.

Quellen

  1. Wikipedia: Andritz-Ursprung — Faktengrundlage dieses Eintrags