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Anna-Kapellen-Höhle

Die Anna-Kapellen-Höhle – auch Annakapellenhöhle oder Göpfelsteingrotte genannt – ist eine Karsthöhle nordwestlich von Veringenstadt im Landkreis Sigmaringen, Baden-Württemberg. Sie gehört zu den kleinsten Steinzeithöhlen der Region und ist gleichzeitig Naturdenkmal sowie archäologisches Bodendenkmal.

Trotz ihrer geringen Größe belegen Grabungsfunde eine Besiedlung von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter. Mit der benachbarten Göpfelsteinhöhle und der Nikolaushöhle bildet das Laucherttal eines der bedeutendsten Höhlengebiete der Schwäbischen Alb.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Anna-Kapellen-Höhle
Veringenstadt AnnakapellenhöhleFoto: Th. Fink Veringen · CC BY-SA 4.0
AlternativnameGöpfelsteingrotte, Annakapellenhöhle
TypKarsthöhle (einstige Wohnhöhle)
LageNordwestlich von Veringenstadt, rechts oberhalb der Lauchert, Landkreis Sigmaringen, Baden-Württemberg
Maße8 m Länge, 6 m Breite, 2 m Höhe; ca. 10 m² nutzbare Grundfläche
GesteinWeißjura ζ1 (Liegende Bankkalke, Kimmeridgium ki4)
HöhleneingangNach Norden ausgerichtet
EntstehungsalterFreigelegt vor ca. 3 Millionen Jahren (Ende des Tertiärs) durch die Urlauchert
SchutzstatusFlächenhaftes Naturdenkmal ND8437049 (seit 1971), Bodendenkmal
NaturraumMittlere Flächenalb
Grabungen1909 (R. R. Schmidt), 1934/1935 (E. Peters)

Lage und Zugang

Die Höhle befindet sich nordwestlich von Veringenstadt, rechts oberhalb der Lauchert und rund 100 Meter nordwestlich des Eingangs zur Göpfelsteinhöhle. Der Zugang liegt etwa 10 Meter südlich der Zufahrtsstraße zur Ruine der Burg Veringen, ist aber nicht ausgeschildert.

Das Laucherttal zählt neben dem Raum Bad Urach und dem Blautal zu den drei bedeutendsten Höhlengebieten der Schwäbischen Alb – sowohl hinsichtlich der Höhlenzahl als auch ihrer Relevanz für frühgeschichtliche und erdgeschichtliche Forschung.

Wie entstand die Höhle?

Vor etwa drei Millionen Jahren, am Ende des Tertiärs, schnitt die damalige Urlauchert in die Kalkfelsen ein und legte dabei die heutige Höhle frei. Im Laufe der Zeit hat sich das Flussbett der Lauchert um rund 30 Meter in die Tiefe eingeschnitten, sodass die Höhle heute deutlich oberhalb des Talbodens liegt.

Beschreibung des Höhlenraums

Die Anna-Kapellen-Höhle ist acht Meter lang, sechs Meter breit und zwei Meter hoch. Mit einer nutzbaren Grundfläche von etwa 10 Quadratmetern ist sie die kleinste der Veringenstädter Steinzeithöhlen.

Sie ist in den massigen Felsen des Weißjura ζ1 (Liegende Bankkalke, Kimmeridgium ki4) angelegt, der Eingang öffnet sich nach Norden.

Geschichte: Von der Kapelle zur Höhlenstele

Der Name der Höhle leitet sich von der Kapelle der St.-Anna-Kaplanei ab, die bis ins 18. Jahrhundert in der Nähe stand. Diese Kapelle wurde 1515 errichtet; erster Kirchenpfleger war der Maler Peter Strüb aus Veringenstadt. 1817 wurde sie abgebrochen.

Eine Stele vor der Höhle, gestaltet von Ilse Wolf aus Inneringen, erinnert seither an die Kapelle. Sie wurde am 1. Mai 1998 eingeweiht.

Archäologische Erforschung

Die erste dokumentierte Grabung führte 1909 Robert Rudolf Schmidt vom Geologischen Institut der Universität Tübingen durch. Über den Verbleib seiner Funde und seiner Dokumentation ist nichts bekannt.

Eduard Peters, Oberpostrat a. D., führte 1934 eine Probegrabung durch, die paläolithische Kulturreste nachwies, und ließ von Juli bis Oktober 1935 eine systematische Kampagne folgen. Danach galt die Höhle als vollständig ausgeräumt: Unberührte Sedimentschichten waren nicht mehr vorhanden, da frühere Grabungen den Boden weitgehend entfernt oder durchwühlt hatten.

Welche Kulturen haben die Höhle genutzt?

Die ältesten Belege stammen aus dem Magdalénien (Jungpaläolithikum). Peters barg 77 Silices, darunter 18 Werkzeuge oder Werkzeugbruchstücke – Klingen, einen Mittelstichel, ein Messerchen mit abgedrücktem Rücken und ein sägeartiges Gerät. Hinzu kamen ein bearbeitetes Gagatbruchstück sowie das Fragment eines scheibenförmigen Kohlestücks, das als Schmuckanhänger interpretiert wird. An Tierresten wurden Knochen von Wildpferd und Ren gefunden.

Aus dem Neolithikum stammt der Einzelfund einer zerbrochenen Hammeraxt, die der spätneolithischen Altheimer Kultur zugerechnet wird. Ein weiteres Axtfragment mit zylindrischem Nacken wurde in Höhlennähe entdeckt. Ähnliche Streitaxtfunde häufen sich im Laucherttal, auch aus Benzingen, Veringendorf, Hausen an der Lauchert und Kleinengstingen sind sie bekannt.

Scherbenfunde belegen eine Nutzung in der Frühbronzezeit sowie in der frühen Eisenzeit (Hallstatt- und Latènekultur). Die dünne Belegung in der Hallstattzeit wird auf das damals feuchte atlantische Klima zurückgeführt. Aus der Römischen Kaiserzeit (ca. 2. Jahrhundert n. Chr.) stammt das Randstück eines Rätischen Bechers. Mittelalterliche Scherben aus dem 11. und 12. Jahrhundert schließen die Nutzungsgeschichte ab; bis ins 19. Jahrhundert diente die Höhle wie andere Höhlen der Region als Viehstall.

Verbleib der Funde

Die Dokumentation sowie nahezu alle Funde aus den Grabungen sind seit 1945 verschollen. Erhalten geblieben sind lediglich einige Silices im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen sowie eine vorrömische Scherbe im Heimatmuseum Veringenstadt, das sich im Obergeschoss des Rathauses befindet.

Schutzstatus

Seit 1971 ist die Anna-Kapellen-Höhle als flächenhaftes Naturdenkmal (ND8437049) im Naturraum Mittlere Flächenalb ausgewiesen. Zusätzlich gilt sie als archäologisches Bodendenkmal.

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Anna-Kapellen-Höhle?

Die Höhle liegt nordwestlich von Veringenstadt im Landkreis Sigmaringen, rechts oberhalb der Lauchert. Der Zugang befindet sich etwa 10 Meter südlich der Zufahrtsstraße zur Burg Veringen und ist nicht ausgeschildert.

Wie groß ist die Anna-Kapellen-Höhle?

Die Höhle misst 8 Meter in der Länge, 6 Meter in der Breite und 2 Meter in der Höhe. Die nutzbare Grundfläche beträgt rund 10 Quadratmeter, womit sie die kleinste der Veringenstädter Steinzeithöhlen ist.

Woher hat die Höhle ihren Namen?

Der Name geht auf die Kapelle der St.-Anna-Kaplanei zurück, die 1515 in der Nähe erbaut und 1817 abgebrochen wurde. Eine Stele, eingeweiht am 1. Mai 1998, erinnert heute an sie.

Welche archäologischen Funde wurden in der Anna-Kapellen-Höhle gemacht?

Belegt sind Nutzungsphasen vom Magdalénien über das Neolithikum, die Früh­bronzezeit, die Eisenzeit (Hallstatt und Latène) und die Römische Kaiserzeit bis ins Mittelalter. Zu den bedeutendsten Einzelfunden zählen magdalénienzeitliche Feuersteinklingen, ein Schmuckanhänger aus Kohle sowie eine neolithische Hammeraxt der Altheimer Kultur.

Wo werden die Funde aus der Anna-Kapellen-Höhle aufbewahrt?

Die meisten Funde und die gesamte Grabungsdokumentation sind seit 1945 verschollen. Einzelne Silices befinden sich im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen, eine vorrömische Scherbe im Heimatmuseum Veringenstadt im Rathaus.

Steht die Höhle unter Naturschutz?

Ja. Die Anna-Kapellen-Höhle ist seit 1971 als flächenhaftes Naturdenkmal (ND8437049) im Naturraum Mittlere Flächenalb geschützt und gilt zusätzlich als archäologisches Bodendenkmal.

Welche anderen Höhlen liegen in der Nähe?

Direkt benachbart sind die Göpfelsteinhöhle, deren Zugang rund 100 Meter südöstlich liegt, sowie die Nikolaushöhle. Gemeinsam bilden diese Höhlen einen der bedeutendsten prähistorischen Fundplatzkomplexe auf der Schwäbischen Alb.

Wann wurde die Anna-Kapellen-Höhle archäologisch untersucht?

Die erste Grabung führte Robert Rudolf Schmidt 1909 durch; über Funde und Dokumentation dieser Kampagne ist nichts überliefert. Eduard Peters untersuchte die Höhle 1934 mit einer Probegrabung und von Juli bis Oktober 1935 mit einer vollständigen Kampagne, nach der die Höhle als ausgeräumt galt.

Quellen

  1. Wikipedia: Anna-Kapellen-Höhle — Faktengrundlage dieses Eintrags