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Atta-Höhle

Die Atta-Höhle, auch Attendorner Tropfsteinhöhle genannt, liegt in Attendorn im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) und zählt zu den bekanntesten Schauhöhlen Deutschlands. Ihre Vielfalt an Tropfsteinformen sowie die durch Eisenoxide hervorgerufene Farbigkeit der Sinterfahnen machen sie unter Fachleuten und Besuchern gleichermaßen bekannt.

Mit jährlich rund 150.000 bis 200.000 Besuchern (Stand 2009) gehört sie zu den meistfrequentierten Schauhöhlen des Landes. Seit 2006 ist sie als Naturschutzgebiet und als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen, seit 2016 zudem Teil des Natura-2000-Netzes.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Atta-Höhle
Naturschutzgebiet Atta HöhleFoto: Martin Lindner · CC BY-SA 3.0
LageAttendorn, Kreis Olpe, Nordrhein-Westfalen
TypTropfsteinhöhle (Karsthöhle)
Erforschte Gesamtlängeca. 6000 m
Schauhöhlen-Rundwegca. 500 m (Erschließungsstollen ca. 90 m)
Entdeckung19. Juli 1907, beim Kalksteinabbau im Steinbruch der Biggetaler Kalkwerke
Touristisch erschlossen seit1907
EigentümerErben des Steinbruchbesitzers Eberhardt Epe
SchutzstatusNaturschutzgebiet (NSG) und FFH-Gebiet seit 2006, Natura 2000 seit 2016
NSG-Fläche13,25 ha
Besucherfrequenzca. 150.000–200.000 pro Jahr (Stand 2009)

Beschreibung und Ausstattung

Die Atta-Höhle gliedert sich in 52 benannte Einzelbereiche mit Namen wie Prophetenhalle, Thronsaal der Fürstin Atta, Doppelgletscher, Sieben Zwerge sowie Nikolaus und Storch. Diese Bezeichnungen spiegeln die unterschiedlichen Formenwelten der Tropfsteinbildungen wider.

Charakteristisch für die Höhle sind eisenoxidgefärbte Sinterfahnen, die eine ungewöhnlich warme Farbpalette erzeugen. Daneben finden sich klassische Stalaktiten (von der Decke hängende Formen), Stalagmiten (vom Boden aufwachsende Formen) sowie Stalagnaten, bei denen beide Formen miteinander verwachsen sind.

Einzelne Calcitkristallbildungen wurden aus schwer zugänglichen Höhlenteilen in den öffentlich begehbaren Bereich verbracht, um sie Besuchern zugänglich zu machen. Die Höhle wird von Fledermäusen bewohnt, die über Felsspalten im Bergrücken in das Höhlensystem gelangen.

Geologie und Entstehung

Die Gesteinsgrundlage der Höhle entstand im Devon, vor etwa 400 Millionen Jahren. Das Gebiet lag damals in einer Meeresbucht; die dort abgelagerten Kalksteinschichten bilden heute das Trägergestein.

Im Laufe der Erdgeschichte löste kohlensäurehaltiges Regenwasser, das durch den Boden versickerte, Teile des Kalkgesteins auf. Ergänzt wurde dieser Prozess durch Mischungskorrosion, bei der zwei unterschiedlich gesättigte Wässer zusammentreffen und gemeinsam eine höhere Lösungskapazität entfalten als jedes für sich allein. So bildeten sich die heutigen Hohlräume.

Ein Erdbeben vor einigen Zehntausend Jahren brach einzelne Tropfsteine ab, was sich an herabgefallenen Exemplaren im Höhleninneren ablesen lässt.

Atta-Höhle
Attendorn Eingangsbereich Attahöhle FFSN 4559Foto: Petra Klawikowski · CC BY-SA 3.0

Entdeckung und Erforschung

Am 19. Juli 1907 stießen Arbeiter der Biggetaler Kalkwerke beim Kalksteinabbau zufällig auf das Höhlensystem. Der damalige Steinbruchbesitzer Eberhardt Epe ließ die Höhle noch im selben Jahr für den Besucherverkehr erschließen.

Von 1982 bis 1983 untersuchten Mitarbeiter des Geographischen Instituts der Ruhr-Universität Bochum die Höhle systematisch und erstellten eine neue Vermessung. In dieser Zeit entdeckte eine Höhlenforschergruppe unter der Leitung von Elmar Hammerschmidt (1950–2016) weitere Teile des Systems.

Die bislang erforschte Gesamtlänge aller Gänge und Hallen beläuft sich auf rund 6000 Meter. Die Höhle befindet sich bis heute im Besitz der Erben Eberhardt Epes.

Erschließung und Infrastruktur

Bereits 1907 wurde ein rund 260 Meter langes Teilstück für Besucher zugänglich gemacht. Ab Januar 1914 begannen Arbeiten an einem Zugangsstollen zum damaligen Höhlenrestaurant; dieser Stollen wurde jedoch erst 1925 eröffnet. Der ursprüngliche Eingang nördlich des heutigen Zugangs ist mit einer Metalltür verschlossen.

Für den Schauhöhlenbetrieb steht ein Rundweg von etwa 500 Metern Länge zur Verfügung, der über einen rund 90 Meter langen Zugangsstollen erreicht wird. In einem abgetrennten Bereich der Höhle wird Käse gelagert, der unter dem Namen Atta-Käse vermarktet wird; eine Tür verhindert die Ausbreitung des Geruchs in den Schauhöhlenbereich.

Das seit der Anfangszeit bestehende Restaurant wurde 1990 neu gebaut. Im April 2013 kam ein neues Hotel hinzu, das weitere Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher bietet. Ein Parkplatz steht am Eingang zur Verfügung.

Atta-Höhle
Atta HöhleFoto: Rainer Lippert · Public domain

Anfahrt und Lage

Der Bahnhof Attendorn liegt wenige hundert Meter westlich der Höhle und bietet eine direkte Anbindung ohne eigenes Fahrzeug. Darüber hinaus sind mehrere Zufahrtswege über das Straßennetz vorhanden.

Die Höhle liegt unterhalb des Stürzenberges, dessen Bergrücken und angrenzende Flächen zum Naturschutzgebiet gehören. Der ehemalige Kalksteinbruch mit einer bis zu 60 Meter hohen Bruchwand befindet sich nördlich der Höhle und ist ebenfalls Teil des Schutzgebiets.

Schutzstatus

Über lange Zeit war die Höhle als Naturdenkmal geschützt. Im Jahr 2006 wurde sie zum Naturschutzgebiet (NSG) Atta-Höhle mit einer Gesamtfläche von 13,25 Hektar aufgewertet. Gleichzeitig erfolgte die Ausweisung als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet unter dem Namen Attendorner Tropfsteinhöhle. Seit 2016 ist das Gebiet Teil des europäischen Schutznetzes Natura 2000.

Zum Schutzgebiet zählt neben der Höhle selbst ein Großteil des Stürzenberges. Auf dem Bergrücken wachsen Schluchtwald und Hangmischwald; die Freiflächen umfassen Kalkmagerrasen-Reste, Hecken, Feldgehölze sowie Grünlandflächen, darunter Glatthafer- und Wiesenknopf-Silgenwiesen.

Die Fledermausvorkommen in der Höhle sind ein zentraler Schutzgrund für die FFH-Ausweisung, da mehrere Fledermausarten auf solche unterirdischen Winterquartiere angewiesen sind.

Atta-Höhle
Postkarte Atta Höhle 1910Foto: no creator given · Public domain

Bedeutung und öffentliche Wahrnehmung

Nach Angaben der 2007 gegründeten Touristischen Arbeitsgemeinschaft Süd-Sauerland hatten bis 2012 schätzungsweise mehr als 40 Millionen Personen die Höhle besucht. Gemeinsam mit dem Biggesee gilt die Atta-Höhle als einer der bedeutenden wirtschaftlichen Faktoren für die Stadt Attendorn.

Kritik richtet sich gelegentlich gegen das Fotografierverbot innerhalb der Höhle. Außerdem wird beanstandet, dass die vom Betreiber angegebene Weglänge im Schauhöhlenbereich von 1800 Metern nicht der tatsächlichen Weglänge von etwa 560 Metern entspricht.

Aktuelle Informationen zu Eintrittspreisen, Öffnungszeiten und Führungen sind auf der offiziellen Website der Atta-Höhle verfügbar.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Atta-Höhle insgesamt, und wie viel davon ist für Besucher zugänglich?

Das bisher erforschte Höhlensystem erstreckt sich über rund 6000 Meter. Für den öffentlichen Besuch steht ein Rundweg von etwa 500 Metern Länge zur Verfügung, der über einen rund 90 Meter langen Zugangsstollen erschlossen wird.

Wann und wie wurde die Atta-Höhle entdeckt?

Die Höhle wurde am 19. Juli 1907 zufällig beim Kalksteinabbau im Steinbruch der Biggetaler Kalkwerke freigelegt. Noch im selben Jahr ließ der damalige Besitzer Eberhardt Epe sie touristisch erschließen.

Welchen Schutzstatus hat die Atta-Höhle?

Seit 2006 ist sie als Naturschutzgebiet (NSG Atta-Höhle, 13,25 ha) und als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Seit 2016 gehört das Gebiet zum europäischen Netz Natura 2000.

Welche besonderen Tropfsteinformen sind in der Atta-Höhle zu sehen?

Neben Stalaktiten, Stalagmiten und Stalagnaten sind vor allem eisenoxidgefärbte Sinterfahnen charakteristisch, die dem Inneren eine ungewöhnlich warme Farbwirkung verleihen. Zudem wurden Calcitkristallbildungen aus abgelegenen Höhlenteilen in den Besucherbereich verbracht.

Wie ist die Atta-Höhle mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?

Der Bahnhof Attendorn liegt wenige hundert Meter westlich der Höhle und ermöglicht eine Anreise ohne eigenes Fahrzeug. Für Besucher mit Auto stehen mehrere Zufahrtswege und ein Parkplatz am Eingang zur Verfügung.

Leben in der Atta-Höhle Tiere?

Ja, die Höhle wird von Fledermäusen bewohnt, die durch Felsspalten im Bergrücken in das System gelangen. Ihre Anwesenheit ist einer der Hauptgründe für die Ausweisung als FFH-Gebiet, da viele Fledermausarten auf solche Winterquartiere angewiesen sind.

Quellen

  1. Wikipedia: Atta-Höhle — Faktengrundlage dieses Eintrags