Aven d’Orgnac
Der Aven d'Orgnac ist eine Tropfsteinhöhle nahe dem Dorf Orgnac-l'Aven im südfranzösischen Département Ardèche, zwischen dem Ardèche-Tal und der Kleinstadt Barjac in den Cevennen gelegen. Das Höhlensystem erstreckt sich über rund 4 km Länge und zählt zu den bedeutenden Schauhöhlen Frankreichs.
Seit Juni 2004 trägt die Höhle den Status Grand Site de France. Jährlich besuchen etwa 140.000 Personen die Anlage, zu der neben der Höhle selbst ein prähistorisches Museum und ein rund 5 km langer Lehrpfad gehören.

| Typ | Tropfsteinhöhle (Karstphänomen) |
| Lage | Orgnac-l'Aven, Ardèche, Cevennen, Südfrankreich |
| Gesamtlänge | rund 4 km |
| Besuchsfläche | 2 Hektar in drei großen Sälen |
| Temperatur (Besucherbereich) | durchschnittlich 11 °C |
| Erstbegehung | 19. August 1935 durch Robert de Joly |
| Erste öffentliche Besichtigung | 1938/39 |
| Schutzstatus | Grand Site de France (seit Juni 2004) |
| Natürlicher Eingang | senkrechter Schacht (Aven), rund 50 m tief |
| Jährliche Besucherzahl | rund 140.000 |
Lage und Zugang
Die Höhle befindet sich in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Dorfes Orgnac-l'Aven, das zwischen dem Ardèche-Tal und Barjac liegt. Der natürliche Eingang ist ein senkrechter Schacht von rund 50 m Tiefe, der in der provenzalischen Sprache als Aven bezeichnet wird.
Dieser Schacht war den Anwohnern der Umgebung bereits vor der wissenschaftlichen Erforschung bekannt, wurde jedoch nie begangen. Am Fuß des Schachtes liegt eine Anhäufung aus herabgebrochenen Deckenteilen und eingestürztem Gestein.
Entdeckung und frühe Erschließung
Am 19. August 1935 führte Robert de Joly als erster Höhlenforscher eine Begehung durch. Anwohner hatten ihn zu dem Schacht geleitet. De Joly und sein Team stiegen über den natürlichen Eingang in die Höhle ab und erkundeten das Höhlensystem.
Bereits 1938/39 waren erste öffentliche Besichtigungen möglich. Im Jahr 1965 wurden komfortablere Besucherwege und ein erster Aufzug eingebaut. 1966 kam mit dem »Salle de la Treize« ein weiterer Bereich hinzu, der seither als Schutzzone gilt.
Aufbau des Höhlensystems: Welche Bereiche gibt es?
Das Höhlensystem gliedert sich in drei Zonen: einen allgemein zugänglichen Besucherbereich, einen Bereich für sportliche Besucher mit Speläologie-Exkursionen sowie eine ausschließlich Forschern vorbehaltene Schutzzone.
Der Besucherbereich umfasst 2 Hektar und drei große Säle. Er ist über den natürlichen Schachteingang erreichbar; ein Aufzug ermöglicht die Rückfahrt zur Oberfläche. Die geführte Tour dauert rund eine Stunde.
Für sportlich interessierte Besucher werden Speläologie-Exkursionen in kleinen Gruppen auf unbefestigten Wegen angeboten. Je nach gewählter Tour dauern diese 3 bis 8 Stunden; die Schwierigkeitsgrade variieren.
Die drei Säle des Besucherbereichs
Der erste Saal, der »Salle Robert de Joly«, misst 125 m in der Länge, 90 m in der Breite und erreicht eine Höhe von bis zu 35 m. Charakteristisch sind Stalagmiten und Stalaktiten, deren übereinandergeschichtete Formen an Teller- oder Pfannkuchenstapel erinnern. An einer Wand befindet sich ein Sinterfall namens »Buffet d'orgue«, dessen Formgebung an Orgelpfeifen erinnert; in seiner Mitte ist eine Urne mit der Asche Robert de Jolys eingelassen.
Der zweite Saal, der »Salle du chaos«, liegt rund 70 m unterhalb der Erdoberfläche. Vor etwa 6 Millionen Jahren floss Wasser durch diesen Bereich und formte einen stollenartigen Hohlraum; die durch die Auswaschungen geschwächte Decke stürzte teilweise ein und bildet heute den Bodenbelag. Das Alter der dortigen Tropfsteine wird auf rund 190.000 Jahre geschätzt. Besonders auffällig sind farbige, teils durchscheinende Sinterfahnen, die durch an den Wänden herunterrieselndes Wasser entstanden; verschiedene im Wasser gelöste Oxide und organische Stoffe bewirken deren unterschiedliche Färbung.
Der dritte Saal, der »Salle rouge«, beherbergt den tiefsten Punkt des Besucherbereichs. Bohrungen im Lehmboden dieses Saals haben ergeben, dass in 50 bis 100 m Tiefe ein weiteres, wassergefülltes Höhlennetz existiert. Von hier führt ein Aufzug zurück zur Erdoberfläche.
Geologie und Entstehung
Die Höhle ist ein Karstphänomen; flüssiges Wasser löste über Millionen von Jahren das Kalkgestein auf und schuf so Hohlräume und Stollen. Der »Salle du chaos« dokumentiert diesen Prozess besonders anschaulich: Die Wasserführung vor rund 6 Millionen Jahren und der anschließende Deckeneinsturz sind im Gestein ablesbar.
Die Tropfsteinformationen entstanden durch Wasser, das Kalziumkarbonat ausfällte. Im »Salle du chaos« weisen die Tropfsteine ein Alter von rund 190.000 Jahren auf. Unterhalb des »Salle rouge« wurde ein weiteres Höhlenstockwerk nachgewiesen, das noch vollständig wassergesättigt ist.
Museum und Lehrpfad
Das »Musée de Préhistoire« wurde 1988 neben dem Höhleneingang eröffnet. Es widmet sich der Besiedlungsgeschichte der Ardèche über die letzten 350.000 Jahre.
Seit 2014 ergänzt die »Cité de la Préhistoire« das Angebot. Dort werden unter anderem Steinwerkzeuge aus der archäologischen Fundstätte Orgnac 3 gezeigt sowie die Lebensweise früher Menschen in der Region dargestellt. Ein Lehrpfad rund um die Höhle ist etwa 5 km lang.
Schutzstatus
Seit Juni 2004 ist der Aven d'Orgnac als Grand Site de France anerkannt. Dieser Status wird vom französischen Staat für Landschaften und Stätten von außergewöhnlicher Eigenart vergeben und ist an nachhaltige Bewirtschaftungs- und Schutzauflagen geknüpft.
Der 1966 entdeckte »Salle de la Treize« ist für die Öffentlichkeit gesperrt und bleibt der Höhlenforschung vorbehalten.

Häufige Fragen
Wann und von wem wurde der Aven d'Orgnac entdeckt?
Der Höhlenforscher Robert de Joly erkundete die Höhle erstmals am 19. August 1935. Anwohner hatten ihn zu dem bereits bekannten, aber nie begangenen Schacht geführt. De Joly und sein Team stiegen über diesen natürlichen Eingang in die Tiefe ab.
Wie tief und wie lang ist die Höhle?
Das Höhlensystem hat eine Gesamtlänge von rund 4 km. Der natürliche Eingangsschacht fällt senkrecht etwa 50 m in die Tiefe. Der tiefste Besucherpunkt liegt im »Salle rouge«; Bohrungen dort zeigen, dass sich 50 bis 100 m darunter ein weiteres Höhlennetz befindet.
Wie lange dauert die Führung durch die Höhle?
Die standardmäßige geführte Tour durch den Besucherbereich dauert rund eine Stunde. Sportliche Speläologie-Exkursionen auf unbefestigten Wegen dauern je nach Schwierigkeitsgrad und Route zwischen 3 und 8 Stunden.
Welche Tropfsteinformationen sind besonders sehenswert?
Im ersten Saal fallen Stalagmiten und Stalaktiten auf, die in gestapelten Schichten an Teller- oder Pfannkuchenstürme erinnern, sowie der Sinterfall »Buffet d'orgue« mit seiner orgelpfeifenartigen Struktur. Im zweiten Saal sind farbige, teils durchscheinende Sinterfahnen charakteristisch, deren Färbung durch gelöste Oxide und organische Stoffe im Sickerwasser entstand.
Was bedeutet der Status Grand Site de France?
Grand Site de France ist eine staatliche Auszeichnung Frankreichs für Landschaften und Stätten von außergewöhnlicher Eigenart, verbunden mit Auflagen zur nachhaltigen Bewirtschaftung. Der Aven d'Orgnac trägt diesen Status seit Juni 2004.
Gibt es ein Museum bei der Höhle?
Direkt neben dem Höhleneingang befindet sich das 1988 eröffnete »Musée de Préhistoire«, das die Besiedlungsgeschichte der Ardèche seit 350.000 Jahren dokumentiert. Seit 2014 ergänzt die »Cité de la Préhistoire« das Angebot mit Exponaten aus der Fundstätte Orgnac 3, darunter Steinwerkzeuge früher Menschengruppen der Region.
Wie viele Besucher kommen jährlich?
Die Höhle wird jährlich von rund 140.000 Personen besucht.
Kann man die gesamte Höhle besichtigen?
Nein. Der Besucherbereich umfasst drei große Säle auf 2 Hektar. Ein zweiter Bereich ist sportlichen Besuchergruppen mit Speläologie-Exkursionen zugänglich. Der dritte Bereich, darunter der 1966 entdeckte »Salle de la Treize«, ist ausschließlich Höhlenforschern vorbehalten.
Quellen
- Wikipedia: Aven d’Orgnac — Faktengrundlage dieses Eintrags