Badlhöhle
Die Badlhöhle liegt an der Nordseite der Tanneben auf 495 m ü. A. bei Peggau in der Steiermark. Erreichbar ist sie über den Badlgraben von Badl an der Mur. Mit rund 500 Metern Gesamtlänge und einem zweiten Eingang 52 Meter oberhalb des Haupteingangs zählt sie zu den mehrstöckigen Karsthöhlen des mittleren Murtals.
Wissenschaftliche Bedeutung erlangte die Höhle durch prähistorische Knochenfunde, darunter zwei polierte Knochennadeln, die 1870 als menschlich bearbeitete Artefakte erkannt wurden. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Repolusthöhle, Fundort der ältesten bekannten Siedlungsspuren Österreichs.

| Lage | Nordseite der Tanneben, bei Peggau, Steiermark |
| Höhe | 495 m ü. A. |
| Gesamtlänge | ca. 500 m |
| Eingänge | 2 (zweiter Eingang 52 m über dem Haupteingang) |
| Typ | Mehrstöckige Karsthöhle |
| Erforschungsbeginn | 1827 (angebliche Wiederentdeckung), wissenschaftliche Grabungen ab 1837 |
| Schutzstatus | Geschützte Höhle nach dem Naturhöhlengesetz, abgesperrt |
| Besonderheit | Prähistorische Knochenartefakte; Schäden durch Phosphaterdeabbau 1918 |
| Zugang | Über den Badlgraben von Badl an der Mur |
Lage und Aufbau der Höhle
Die Badlhöhle öffnet sich an der Nordseite der Tanneben auf 495 Metern Seehöhe. Der Badlgraben verbindet den Ort Badl an der Mur mit dem Höhleneingang und bildet den natürlichen Zustieg.
Im Innern gliedert sich die rund 500 Meter lange Höhle in übereinanderliegende Stockwerke. Ein zweiter Eingang liegt 52 Meter höher als der Haupteingang und dokumentiert die vertikale Ausdehnung des Höhlensystems.
Wie wurde die Badlhöhle entdeckt und erforscht?
Den Einheimischen war die Höhle bereits bekannt, bevor sie im Jahr 1827 angeblich wiederentdeckt wurde. Den ersten dokumentierten wissenschaftlichen Versuch unternahmen 1837 der Höhlenbesitzer Ferdinand Freiherr von Thinnfeld und sein Schwager, der k.k. Hofrat Wilhelm Ritter von Haidinger. Ihr Ziel waren Grabungen zu »wissenschaftlichen Zwecken«.
Dabei wurden über 400 Knochen geborgen. Der Botaniker Franz Unger untersuchte das Material und bemerkte die ungewöhnliche Form einiger Stücke, darunter zwei polierte Knochennadeln. Da ihm die nötigen prähistorischen Kenntnisse fehlten, stufte er die Objekte nicht als Artefakte ein.
Erst 1870 erkannte der Geologe Carl Ferdinand Peters, dass diese Knochen von Menschenhand bearbeitet worden waren. Er beschrieb die beiden polierten Knochenspitzen in der Grazer Tagespost als Nähnadeln. Durch diesen Artikel wurde der Prähistoriker Gundaker Graf Wurmbrand-Stuppach auf die Höhle aufmerksam und nahm eigene Untersuchungen vor.

Welche Funde wurden in der Badlhöhle gemacht?
Die bedeutendsten Objekte aus der Badlhöhle sind zwei polierte Knochenspitzen, die heute als prähistorische Nähnadeln gelten. Sie zählen zu den frühen Belegen menschlicher Anwesenheit in den Höhlen des mittleren Murtals.
Walter Schmid beschrieb 1933 in den »Blättern für Heimatskunde« einen Dolchstab aus der Höhle, der auf weitere Bearbeitungsspuren an organischen Materialien hinweist. Die Grabungen der 1950er-Jahre durch Maria Mottl im Rahmen des Joanneums lieferten zusätzliche Dokumentation.
Welchen Schaden richtete der Phosphaterdeabbau 1918 an?
Im Jahr 1918 wurde in der Badlhöhle im Rahmen der Österreichischen Höhlendüngeraktion Phosphaterde abgebaut. Dabei wurden die archäologischen Schichten erheblich gestört und zerstört.
Die Beschreibungen von Gundaker Graf Wurmbrand-Stuppach aus der Zeit vor diesem Eingriff sind deshalb die einzigen verlässlichen wissenschaftlichen Dokumente, die den ursprünglichen Schichtbefund dokumentieren.

Schutzstatus und Zugänglichkeit
Die Badlhöhle steht unter dem Schutz des Naturhöhlengesetzes. Aufgrund wiederholter Raubgrabungen und Beschädigungen sowie zum Schutz der in der Höhle lebenden Fledermäuse wurde der Zugang abgesperrt.
Für Besucherinnen und Besucher ist die Höhle damit nicht frei zugänglich. Wer sich über aktuelle Regelungen oder mögliche wissenschaftliche Zugänge informieren möchte, sollte sich an die zuständigen Behörden des Landes Steiermark wenden.
Lage im regionalen Kontext: Repolusthöhle und Murtal
Unmittelbar bei der Badlhöhle befindet sich die Repolusthöhle, die als Fundort der ältesten bekannten Siedlungsspuren Österreichs gilt und damit im wissenschaftlichen Rang deutlich über der Badlhöhle steht.
Beide Höhlen gehören zum archäologisch bedeutsamen Höhlengürtel entlang des mittleren Murtals, den Heinrich Kusch 1996 kulturgeschichtlich ausgewertet hat.

Häufige Fragen
Wo liegt die Badlhöhle genau?
Die Badlhöhle befindet sich an der Nordseite der Tanneben auf 495 m ü. A. bei Peggau in der Steiermark. Sie ist über den Badlgraben, ausgehend von Badl an der Mur, erreichbar.
Kann die Badlhöhle besichtigt werden?
Nein. Die Höhle ist aufgrund von Raubgrabungen, Vandalismus und zum Schutz der Fledermäuse abgesperrt. Aktuelle Informationen zu allfälligen Ausnahmen erteilen die zuständigen Behörden des Landes Steiermark.
Welche prähistorischen Funde stammen aus der Badlhöhle?
Bei Grabungen ab 1837 wurden über 400 Knochen geborgen, darunter zwei polierte Knochenspitzen. Diese wurden 1870 von Carl Ferdinand Peters als menschlich bearbeitete Nähnadeln identifiziert. Walter Schmid beschrieb 1933 zusätzlich einen Dolchstab aus der Höhle.
Wer erkannte die Knochen aus der Badlhöhle als Artefakte?
Der Geologe Carl Ferdinand Peters erkannte 1870 als Erster, dass zwei polierte Knochenspitzen von Menschenhand bearbeitet worden waren. Er veröffentlichte diese Einschätzung in der Grazer Tagespost. Zuvor hatte der Botaniker Franz Unger die Objekte zwar als ungewöhnlich beschrieben, sie aber nicht als Artefakte eingestuft.
Warum sind die archäologischen Schichten der Badlhöhle stark gestört?
Im Jahr 1918 wurde im Zuge der Österreichischen Höhlendüngeraktion Phosphaterde aus der Höhle abgebaut. Dieser Eingriff beschädigte die archäologischen Schichten erheblich. Die einzigen verlässlichen Vorbeschreibungen stammen daher von Gundaker Graf Wurmbrand-Stuppach.
Was ist die Repolusthöhle und wie hängt sie mit der Badlhöhle zusammen?
Die Repolusthöhle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Badlhöhle und gilt als Fundort der ältesten bekannten Siedlungsspuren Österreichs. Beide Höhlen gehören zum archäologisch bedeutsamen Höhlengürtel des mittleren Murtals.
Wie ist die Badlhöhle aufgebaut?
Die Höhle ist mehrstöckig angelegt, mit übereinanderliegenden Stockwerken und einer Gesamtlänge von rund 500 Metern. Neben dem Haupteingang existiert ein zweiter Eingang, der sich 52 Meter darüber befindet.
Quellen
- Wikipedia: Badlhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags