Karls- und Bärenhöhle
Die Karls- und Bärenhöhle – umgangssprachlich meist kurz Bärenhöhle genannt – liegt rund zwei Kilometer nordöstlich des Sonnenbühler Ortsteils Erpfingen im Weißen Jurakalk der Schwäbischen Alb. Mit etwa 80.000 Besuchern pro Jahr zählt sie zur meistbesuchten Schauhöhle der Schwäbischen Alb und gehört damit zu den besucherstärksten Höhlen in ganz Deutschland.
Das Höhlensystem besteht aus zwei nacheinander entdeckten Teilen: der 1834 zugänglich gemachten Karlshöhle und der 1949 entdeckten Bärenhöhle. Bekannt ist die Anlage vor allem durch die zahlreichen Skelette und Knochen von Höhlenbären, die dort geborgen wurden und teilweise noch heute vor Ort zu sehen sind.

| Lage | ca. 2 km nordöstlich von Erpfingen, Gemeinde Sonnenbühl, Schwäbische Alb |
| Gestein | Weißer Jurakalk |
| Typ | Tropfsteinhöhle |
| Begehbare Länge (Führung) | 271 m |
| Entdeckung Karlshöhle | 30. Mai 1834 (Lehrer Fauth, Erpfingen) |
| Entdeckung Bärenhöhle | 27. Dezember 1949 (Gemeinderat Karl August Bez) |
| Ganzjährige Temperatur | 8–10 °C |
| Besucheraufkommen | ca. 80.000 pro Jahr |
| Schutzstatus | Bodendenkmal, Geotop mit überregionaler Bedeutung, UNESCO-Geopark-Infostelle (seit April 2013) |
| Fundhorizont | Pleistozän (vor über 1,5 Mio. Jahren) bis Frühe Neuzeit (17. Jahrhundert) |
Beschreibung und Aufbau
Das Höhlensystem setzt sich aus der älteren Karlshöhle und der daran anschließenden Bärenhöhle zusammen. Beide Teile werden im Rahmen der Führung vollständig durchquert, wobei der ausgebaute Weg eine Länge von 271 Metern aufweist. Die Besucher betreten die Höhle durch den natürlichen Eingang und verlassen sie auf der gegenüberliegenden Seite des Berges durch einen künstlichen Stollen.
Kennzeichnend für die Anlage sind Tropfsteinformationen sowie ausgeprägte Deckenbildungen. Zwei Hallen – je eine in der Karlshöhle und eine in der Bärenhöhle – werden farbig ausgeleuchtet. Die ganzjährig konstante Temperatur liegt zwischen 8 und 10 °C.
Entstehung und Geologie
Das Höhlensystem bildete sich über einen Zeitraum von etwa fünf Millionen Jahren im Weißen Jurakalk der Schwäbischen Alb heraus. Dieser Kalkstein ist typisch für die Hochflächen der Alb und bildet die Grundvoraussetzung für karstbedingte Hohlraumbildung durch lösende Wässer.
Der Fundhorizont der Höhle reicht vom Pleistozän, also vor mehr als 1,5 Millionen Jahren, bis in die Frühe Neuzeit des 17. Jahrhunderts. Damit dokumentiert das Sedimentarchiv einen außergewöhnlich langen Zeitraum der Erd- und Kulturgeschichte.

Geschichte und Entdeckung
Die Karlshöhle wurde am 30. Mai 1834 vom Erpfinger Lehrer Fauth entdeckt. Beim Suchen nach Heilkräutern fiel seine Schnupftabakdose in einen Felsspalt, und beim Versuch, sie zu bergen, erkannte er, dass sich darunter ein größerer Hohlraum befand. Die Öffnung in der Höhlendecke trägt seitdem den Namen Fauthsloch. Noch im selben Jahr besuchte Kronprinz Karl von Württemberg die neu entdeckte Höhle, zu dessen Ehren sie den Namen Karlshöhle erhielt.
Spuren deuten darauf hin, dass der Spalt bereits im Dreißigjährigen Krieg genutzt wurde, um Pestopfer hineinzuwerfen. Skelette, die bei der ersten Erkundung unterhalb der Öffnung gefunden wurden, belegen dies. Deshalb wird Fauths Fund oft als Wiederentdeckung bezeichnet.
Die Entdeckung der Bärenhöhle geht auf den Erpfinger Gemeinderat Karl August Bez zurück. Im Sommer 1949 beobachtete er, wie Fledermäuse in einen Spalt am Ende der letzten Halle der Karlshöhle flogen, und schloss daraus auf einen weiterführenden Hohlraum. Am 27. Dezember 1949 erkundete der Gemeinderat die Stelle mithilfe zweier zusammengebundener Leitern. Hinter dem Spalt, der etwa fünf Meter über dem Boden lag, öffnete sich ein Gang, der direkt in eine große, bislang unbekannte Halle führte. Die Fülle an Bärenknochen, die die Männer dort antrafen, gab dem neuen Höhlenteil seinen Namen.
Paläontologische Funde
Vor rund 20.000 Jahren wurde die Höhle von Höhlenbären, Höhlenlöwen und Nashörnern aufgesucht. Die Knochen der Höhlenbären sind das prägendste Fundgut: Zahlreiche Schädel und Einzelknochen sowie ein vollständig rekonstruiertes Höhlenbärenskelett sind innerhalb der Bärenhöhle ausgestellt.
Der Namenszusatz Bärenhöhle – der im allgemeinen Sprachgebrauch auf das gesamte System ausgedehnt wird – verweist unmittelbar auf diese paläontologischen Funde. Die Skelette stellen ein zentrales wissenschaftliches und anschauliches Element des Höhlenbesuchs dar.

Erschließung und Ausstattung
Der natürliche Eingang wurde bereits im Entdeckungsjahr 1834 freigelegt und ist bis heute der Ausgangspunkt der Führungen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Entdeckung erhielt die Karlshöhle 1934 eine elektrische Beleuchtung. Unmittelbar nach der Entdeckung der Bärenhöhle wurde das gesamte System mit einem durchgängig begehbaren Weg ausgestattet und der Austritt durch einen künstlichen Stollen geschaffen.
In den 1970er Jahren wurde der Besucherweg betoniert. Im Jahr 2015 ersetzte eine energiesparende LED-Beleuchtung die bis dahin genutzten älteren Leuchten. Ebenfalls 2015 fand erstmals eine sogenannte Illumination statt, bei der zusätzliche Scheinwerfer entlang des Führungswegs die Höhle zeitweise bunt ausleuchten.
Bis zur Mitte der Höhle ist der Besucherweg barrierefrei zugänglich.
Besuch
Führungen werden tagsüber ohne Aufpreis auf den Eintritt angeboten; vorangemeldete Gruppen entrichten eine gesonderte Gebühr. Die Führungsstrecke von 271 Metern wird in rund 30 Minuten zurückgelegt. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind auf der offiziellen Website der Höhle abrufbar.
Oberhalb der Bärenhöhle befindet sich seit 1974 der Freizeitpark Traumland auf der Bärenhöhle, der das touristische Angebot am Standort ergänzt.

Schutzstatus und Geopark
Die Karls- und Bärenhöhle ist unter der Bezeichnung Karls- und Bärenhöhle am Südwesthang des Höllbergs ca. 2800 m NNO von Erpfingen als Bodendenkmal geschützt. Zusätzlich besitzt sie den Status eines Geotops mit überregionaler Bedeutung.
Seit April 2013 fungiert die Bärenhöhle als eine von 26 offiziellen Infostellen des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb und trägt damit zur wissenschaftlichen Vermittlung des geologischen Erbes der Region bei.
Häufige Fragen
Wie lang ist der Führungsweg in der Karls- und Bärenhöhle?
Der ausgebaute Führungsweg misst 271 Meter. Die Strecke wird in einer Führung vollständig durchquert, was etwa 30 Minuten in Anspruch nimmt. Besucher betreten die Höhle auf einer Seite des Berges und verlassen sie auf der anderen Seite durch einen künstlichen Stollen.
Wie kalt ist es in der Höhle?
Die Temperatur in der Karls- und Bärenhöhle beträgt ganzjährig konstant zwischen 8 und 10 °C. Unabhängig von der Jahreszeit empfiehlt sich daher wärmere Kleidung für den Besuch.
Wann und von wem wurden die beiden Höhlenteile entdeckt?
Die Karlshöhle wurde am 30. Mai 1834 vom Erpfinger Lehrer Fauth entdeckt, als seine Schnupftabakdose in einen Felsspalt fiel und er dabei einen darunter liegenden Hohlraum erkannte. Die Bärenhöhle kam am 27. Dezember 1949 zum Vorschein, als der Erpfinger Gemeinderat Karl August Bez zusammen mit weiteren Gemeinderäten einem Fledermausspal in der letzten Halle der Karlshöhle nachging und dahinter eine große, bislang unbekannte Halle fand.
Welche Tierfunde gibt es in der Höhle?
In der Höhle wurden Überreste von Höhlenbären, Höhlenlöwen und Nashörnern gefunden, die vor rund 20.000 Jahren dort lebten. Zahlreiche Bärenschädel und -knochen sowie ein vollständig rekonstruiertes Höhlenbärenskelett sind in der Bärenhöhle ausgestellt. Auf diese Funde geht auch der Name der Höhle zurück.
Ist die Höhle barrierefrei zugänglich?
Der Besucherweg ist bis zur Mitte der Höhle barrierefrei begehbar. Für den weiteren Abschnitt bis zum Ausgang bestehen bauliche Einschränkungen. Es empfiehlt sich, vorab bei der Höhlenverwaltung nach aktuellen Details zu fragen.
Welchen Schutzstatus hat die Karls- und Bärenhöhle?
Das Höhlensystem ist als Bodendenkmal sowie als Geotop mit überregionaler Bedeutung geschützt. Seit April 2013 gehört die Bärenhöhle außerdem zu den offiziellen Infostellen des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb, von denen es insgesamt 26 gibt.
Quellen
- Wikipedia: Karls- und Bärenhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags