Bärentalhöhle
Die Bärentalhöhle liegt im Bärental bei Hütten, einem Ortsteil von Schelklingen, und gilt als typisches Beispiel einer kleinräumigen Höhle der Schwäbischen Alb. Bekannt ist sie vor allem durch jahrzehntelange Grabungsaktivitäten, die einen horizontal verlaufenden, überwiegend sehr engen Gang schrittweise freigelegt haben.
Fast der gesamte befahrbare Bereich der Höhle existiert nur deshalb, weil Sedimentablagerungen aus früheren Warmzeiten durch Ausgrabungen entfernt wurden. Ohne diese Arbeiten wäre der Hohlraum für Menschen unzugänglich.
| Lage | Bärental bei Hütten, Gemeinde Schelklingen, Schwäbische Alb |
| Typ | Typische kleinräumige Albhöhle, horizontal verlaufend |
| Erschlossene Länge (Stand 2010) | 388 m |
| Profil | Durchgehendes Druckröhrenprofil |
| Höhenlage | Deutlich über dem aktuellen Karstwasserniveau (alter Grundwasserhorizont) |
| Fundbedeutung | Knochen vom Höhlenbären (Ausgrabungen frühes 20. Jahrhundert) |
| Schutzstatus | Fledermausquartier; Betretungsverbot 1. Oktober bis 31. März (§ 39 Abs. 6 BNatSchG) |
| Aktiver Forschungsträger (ab 2008) | Höhlenverein Blaubeuren |
| Monitoring (ab 2010) | Drahtlose Telemetrieanlage für Temperatur, Luftdruck und CO₂ |
Beschreibung und Geologie
Die Bärentalhöhle folgt einem horizontalen Verlauf, der durch ein durchgehendes Druckröhrenprofil geprägt ist. Dieses Profil belegt, dass der Gang einst vollständig wassererfüllt war und unter hydrostatischem Druck stand.
Bohrungen haben nachgewiesen, dass die natürlichen Hohlräume deutlich größer angelegt sind, als die aktuell befahrbaren Bereiche vermuten lassen. Sedimente aus den Warmzeiten zwischen den Eiszeiten haben die Gänge nahezu vollständig verfüllt. Die Höhle liegt merklich über dem heutigen Karstwasserniveau und kennzeichnet damit einen sehr alten Grundwasserhorizont der Schwäbischen Alb.
Der hintere Bereich der Höhle zeigt einen Feuchtigkeitswechsel: Die sonst trockene Anlage wird in einem Abschnitt, der 2011 als »Oase« bezeichnet wurde, deutlich feuchter. Im hinteren Teil verzweigt sich das Gangsystem in mehrere Fortsetzungen.
Wie begann die wissenschaftliche Erforschung der Bärentalhöhle?
Im frühen 20. Jahrhundert führte Gustav Riek, der bis 1965 den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte in Tübingen innehatte, archäologisch-paläontologische Ausgrabungen in der Bärentalhöhle durch. Dabei kamen mehrere Knochen vom Höhlenbären zutage.
Im Zuge dieser Arbeiten legte Riek die ersten 28 Meter der Höhle auf das heutige Niveau tiefer. Damit schuf er die Grundlage für alle späteren Erkundungen und machte die Bärentalhöhle dauerhaft zu einem Grabungsobjekt.
Grabungsgeschichte nach 1986
1986 begann eine Gruppe der ARGE Höhle und Karst Grabenstetten am damaligen Höhlenende bei 28 m zu graben. Nach dem Abtragen von 7 Metern Sediment öffnete sich ein lufterfüllter Fortsatz von rund 300 Metern Länge, der anschließend dokumentiert werden konnte.
2002 nahm die Jugendgruppe des Landesverbandes für Höhlen und Karstforschung die Grabungen wieder auf. 2003 wurde die Arbeit mit einem 72-stündigen Schichtbetrieb — einem sogenannten »Grabungsmarathon« — intensiviert. Da an der Grabungsstelle keine natürliche Bewetterung vorhanden war, musste der CO₂-Ansammlung mit künstlicher Belüftung entgegengewirkt werden.
Ab 2008 übernahmen Mitglieder des Höhlenvereins Blaubeuren die Grabungsarbeiten. 2009 öffnete sich eine Spalte in der Höhlendecke, aus der ein deutlicher Luftzug austrat, womit das CO₂-Problem auf natürlichem Weg gelöst wurde. 2010 wurden zwei vergleichsweise geräumige Kammern freigelegt sowie die »Abzweighalle« mit einer Höhe von 2 Metern entdeckt; zu diesem Zeitpunkt hatte die Höhle eine dokumentierte Länge von 388 m erreicht.
Logistik und technische Herausforderungen
Das Grabungsmaterial kann innerhalb der Höhle kaum zwischengelagert werden, da der enge Gang so gut wie keinen Stauraum bietet. In regelmäßigen »Säckeaktionen« werden daher jährlich hunderte Sandsäcke mit ausgehobenem Material aus der Höhle nach draußen transportiert.
Seit 2010 ist eine drahtlose Telemetrieanlage installiert, die Messwerte zu Temperatur, Luftdruck und CO₂-Gehalt kontinuierlich ins Internet überträgt. Damit lassen sich die Verhältnisse in der Höhle dauerhaft und ohne ständige Begehung beobachten.
Schutzstatus und Befahrbarkeit
Die Bärentalhöhle dient als Fledermausquartier. Auf Grundlage von § 39 Abs. 6 des Bundesnaturschutzgesetzes ist die Befahrung vom 1. Oktober bis zum 31. März generell untersagt.
Außerhalb dieser Sperrzeit ist die Höhle ausschließlich für erfahrene Höhlensportler geeignet, da der durchgehend enge und horizontale Gang die Befahrung körperlich anspruchsvoll macht.
Häufige Fragen
Wo liegt die Bärentalhöhle genau?
Die Bärentalhöhle befindet sich im Bärental bei Hütten, einem Ortsteil von Schelklingen auf der Schwäbischen Alb. Genaue Anfahrtsinformationen sind beim Höhlenverein Blaubeuren erhältlich.
Wie lang ist die Bärentalhöhle?
Stand 2010 beträgt die dokumentierte Länge der Bärentalhöhle 388 Meter. Da Grabungsarbeiten fortgesetzt werden, kann sich dieser Wert erhöht haben.
Wann darf die Bärentalhöhle nicht befahren werden?
Vom 1. Oktober bis zum 31. März gilt ein gesetzliches Betretungsverbot nach § 39 Abs. 6 des Bundesnaturschutzgesetzes, weil die Höhle als Fledermausquartier dient.
Welche Funde wurden in der Bärentalhöhle gemacht?
Gustav Riek barg im frühen 20. Jahrhundert mehrere Knochen vom Höhlenbären. Die Ausgrabungen hatten damit zunächst einen paläontologischen Schwerpunkt, bevor spätere Arbeiten vorrangig der Erschließung weiterer Höhlenbereiche dienten.
Warum wurde so viel gegraben, um die Höhle zugänglich zu machen?
Die natürlichen Gänge wurden in den Warmzeiten zwischen den Eiszeiten durch Sediment nahezu vollständig verfüllt. Ohne systematisches Ausheben dieser Ablagerungen wären die Hohlräume für Menschen nicht befahrbar.
Was hat es mit dem CO₂-Problem in der Bärentalhöhle auf sich?
Beim Graben an bestimmten Stellen fehlte jede natürliche Luftzirkulation, sodass sich Kohlendioxid gefährlich ansammelte und künstliche Belüftung nötig war. 2009 öffnete sich eine Deckenspalte mit natürlichem Luftzug, der das Problem löste.
Für wen ist die Bärentalhöhle geeignet?
Die Höhle ist ausschließlich für erfahrene Höhlensportler zugänglich. Der überwiegend sehr enge, horizontal verlaufende Gang macht die Befahrung körperlich anspruchsvoll; eine touristische Erschließung besteht nicht.
Quellen
- Wikipedia: Bärentalhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags