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Barbarossahöhle

Die Barbarossahöhle liegt bei Rottleben im Kyffhäusergebirge in Thüringen und gilt als eine von weltweit nur zwei zugänglichen Anhydrithöhlen sowie als die einzige Anhydrit-Schauhöhle Westeuropas. Als Schlotte im Kalziumsulfat-Mineral Anhydrit besteht sie aus weiträumigen Hohlräumen, Grotten und unterirdischen Seen. Ihren Namen trägt sie in Anlehnung an die mittelalterliche Barbarossasage, die eng mit dem Kyffhäusergebirge verbunden ist.

Geologisch besonders bedeutsam ist die fortlaufende Umwandlung des Anhydrits an den Oberflächen der Höhle: Die Luftfeuchtigkeit verwandelt das Mineral in Gips, der dabei an Volumen zunimmt. Die entstehenden Gipsschichten lösen sich schrittweise vom Untergrund und hängen wie ablösende Tapeten von Wänden und Decken – ein Phänomen, das als Gipslappen bezeichnet wird.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Barbarossahöhle
BarbarossahoehleFoto: Havelbaude · CC BY-SA 3.0
TypSchlotte im Anhydrit (Kalziumsulfat)
LageKyffhäusergebirge bei Rottleben, Thüringen
Grundflächeca. 15.000 m²
Lufttemperatur10 °C
Wassertemperatur8,5 °C
Entdeckung20. Dezember 1865
Eröffnung als Schauhöhle1866
StatusSchauhöhle, Eigenbetrieb der Gemeinde Kyffhäuserland
BesonderheitEine von zwei zugänglichen Anhydrithöhlen weltweit; einzige Anhydrit-Schauhöhle Westeuropas
Hydraulische VerbindungArensbrunnen

Geologie und Mineralbestand

Die Höhle ist eine Schlotte – ein durch Auslaugung entstandener Hohlraum – im Mineral Anhydrit, einer wasserfreien Form des Kalziumsulfats. Anhydrit kommt im Kyffhäusergebirge in mächtigen Schichten vor und bildet dort die Grundlage für das Entstehen solcher Hohlräume.

An den Wänden und Decken läuft dauerhaft ein Umwandlungsprozess ab: Die Luftfeuchtigkeit in der Höhle reagiert mit dem Anhydrit und wandelt dessen Oberflächen in Gips um. Da Gips ein größeres Volumen einnimmt als Anhydrit, wölben sich die neu gebildeten Schichten vom Untergrund weg und lösen sich schließlich ab. Diese herabhängenden Platten werden Gipslappen genannt und prägen das visuelle Bild weiter Teile der Höhle.

Eine hydraulische Verbindung besteht zum Arensbrunnen. Die Lufttemperatur in der Höhle liegt konstant bei 10 °C, die Wassertemperatur der unterirdischen Seen bei 8,5 °C.

Unterirdische Seen und Besonderheiten

Zu den auffälligsten Elementen der Barbarossahöhle zählen ihre unterirdischen Seen, deren Wasser durch den Gipsgehalt grünlich schimmert. Sie verleihen den Grotten eine charakteristische Farbwirkung und sind Teil der weiträumigen Hohlraumlandschaft der Schlotte.

Als markantes Ausstattungsstück gilt der sogenannte Tisch und Stuhl von Barbarossa, eine natürliche oder naturnah geprägte Felsformation, die namentlich auf die Barbarossasage Bezug nimmt. Zusammen mit den Gipslappen und den Seen gehört diese Formation zu den am häufigsten beschriebenen Elementen der Höhle.

Geschichte und Erforschung

Entdeckt wurde die Höhle am 20. Dezember 1865 während des Vortriebs eines Stollens im Rahmen des Kupferschieferbergbaus. Bereits im folgenden Jahr 1866 wurden die Räumlichkeiten für Besucher erschlossen und unter dem Namen Falkenburger Höhle als Schauhöhle eröffnet.

Die Umbenennung in Barbarossahöhle erfolgte noch im selben Jahr 1866. Der Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädtische Bergmeister Friedrich Herthum (1828–1882) aus Könitz verwendete diesen Namen erstmals auf einem von ihm angefertigten Grubenriss. Ab 1868 fand die Bezeichnung auch in der wissenschaftlichen Literatur Verbreitung, als Herthum die erste Publikation über die Höhle veröffentlichte.

Die Schauhöhle wird heute als Eigenbetrieb der Gemeinde Kyffhäuserland geführt. Ihre Grundfläche beträgt rund 15.000 Quadratmeter.

Die Barbarossasage und der Kyffhäuser

Der Name der Höhle verweist auf die mittelalterliche Sage um Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Der Überlieferung nach schläft er in einem unterirdischen Schloss im Kyffhäusergebirge, bis Deutschland geeint ist. Sein Bart wächst um einen runden Tisch; wenn er die dritte Runde vollendet hat, soll entweder das Ende der Welt anbrechen oder Barbarossa erwachen, um seine Herrschaft erneut anzutreten.

Die geografische Lage der Höhle im Kyffhäusergebirge machte sie zu einem naheliegenden Bezugspunkt dieser Sage. Die namentliche Verbindung zwischen Höhle und Sagenstoff ist damit sowohl historisch – durch die Benennung 1866 – als auch kulturell begründet.

Weltweiter Vergleich: Anhydrithöhlen

Weltweit sind nur zwei Anhydrithöhlen öffentlich zugänglich. Neben der Barbarossahöhle ist dies die Kungurskaja-Eishöhle im russischen Kreis Perm im Westural. Beide Höhlen entstanden durch die Auslaugung von Anhydritschichten, unterscheiden sich jedoch in ihrer weiteren geologischen Ausprägung deutlich voneinander.

Die Kungurskaja-Eishöhle ist für ihre Eisformationen bekannt, während die Barbarossahöhle durch die Gipslappen und die grünlich schimmernden Seen charakterisiert wird. Der direkte Vergleich verdeutlicht, wie unterschiedlich sich dasselbe Ausgangsmineral unter verschiedenen klimatischen und hydrologischen Bedingungen entwickeln kann.

Rezeption und kulturelle Wirkung

Die Verbindung zwischen Höhle, Sagengestalt und Landschaft hat über die wissenschaftliche Dokumentation hinaus kulturelle Spuren hinterlassen. Das Brettspiel Barbarossa und die Rätselmeister greift die Sage um die Höhle als zentrales Spielthema auf.

Wissenschaftlich ist die Höhle durch mehrere Publikationen erschlossen. Zu den jüngeren Werken gehören eine monografische Rückschau auf 150 Jahre Schauhöhlengeschichte von Michael K. Brust (2015) sowie ein Naturdenkmalsführer von Janina Baumbauer (2018). Archäologische Zusammenhänge der Kyffhäuserregion behandelt Günter Behm-Blancke in einem älteren Tatsachenbericht.

Besuch

Die Barbarossahöhle ist als Schauhöhle für die Öffentlichkeit zugänglich und wird als Eigenbetrieb der Gemeinde Kyffhäuserland betrieben. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten, Führungsterminen und Eintrittspreisen sind auf der offiziellen Webseite der Kultureinrichtung abrufbar.

Aufgrund der konstanten Temperatur von 10 °C in der Höhle empfiehlt sich wärmere Kleidung unabhängig von der Jahreszeit. Die Höhle liegt im Kyffhäusergebirge bei Rottleben in Thüringen und ist über die umliegenden Ortschaften erreichbar.

Barbarossahöhle
Gipsplatten BarbarossahoehleFoto: Kora27 · CC BY-SA 4.0

Häufige Fragen

Was macht die Barbarossahöhle geologisch einzigartig?

Sie ist eine Schlotte im Anhydrit, einem wasserfreien Kalziumsulfat-Mineral, und damit eine von weltweit nur zwei zugänglichen Anhydrithöhlen. Innerhalb Westeuropas ist sie die einzige Anhydrit-Schauhöhle überhaupt. Charakteristisch sind die sogenannten Gipslappen: Flächen, an denen sich Anhydrit durch Luftfeuchtigkeit oberflächlich in Gips umgewandelt hat und sich in Platten vom Untergrund ablöst.

Wie wurde die Barbarossahöhle entdeckt?

Die Höhle wurde am 20. Dezember 1865 zufällig während Bergbauarbeiten entdeckt, als beim Vortrieb eines Stollens für den Kupferschieferbergbau die unterirdischen Hohlräume freigelegt wurden. Schon 1866 wurde sie als Schauhöhle eröffnet, zunächst unter dem Namen Falkenburger Höhle.

Warum heißt die Höhle Barbarossahöhle?

Der Name geht auf den Bergmeister Friedrich Herthum zurück, der ihn 1866 auf einem Grubenriss verwendete. Er bezieht sich auf die Barbarossasage, der zufolge Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Kyffhäusergebirge schläft. Ab 1868 verbreitete sich der Name auch in der wissenschaftlichen Literatur.

Welche Temperaturen herrschen in der Höhle?

Die Lufttemperatur in der Barbarossahöhle beträgt konstant 10 °C, die Wassertemperatur der unterirdischen Seen liegt bei 8,5 °C. Besucher sollten entsprechend wärmere Kleidung einplanen.

Was sind die Gipslappen in der Barbarossahöhle?

Als Gipslappen bezeichnet man Schichten aus Gips, die sich an Wänden und Decken der Höhle gebildet haben, weil die Luftfeuchtigkeit den Anhydrit an seiner Oberfläche chemisch in Gips umwandelt. Da Gips mehr Volumen einnimmt als Anhydrit, wölben sich diese Schichten nach außen, lösen sich vom Untergrund und hängen dann ähnlich wie Tapetenstücke herab.

Wo finde ich aktuelle Besucherinformationen zur Barbarossahöhle?

Aktuelle Angaben zu Öffnungszeiten, Führungen und Eintrittspreisen stellt der Eigenbetrieb der Gemeinde Kyffhäuserland auf seiner offiziellen Webseite bereit. Da sich diese Angaben regelmäßig ändern können, wird empfohlen, dort direkt nachzuschauen.

Quellen

  1. Wikipedia: Barbarossahöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags