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Baumannshöhle

Die Baumannshöhle liegt in Rübeland im Harz, unmittelbar neben der Hermannshöhle, und gilt als älteste Schauhöhle Deutschlands. Ihre Geschichte als öffentlich zugängliche Höhle reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Besondere Bedeutung erlangte die Höhle 1668, als der Braunschweiger Herzog Rudolf August eine Schutzverordnung für sie erließ – damit gilt sie als erstes Naturdenkmal Deutschlands, das rechtlich unter Schutz gestellt wurde.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Baumannshöhle
Fotothek df roe neg 010 Bärenskelett im Eingangsbereich zur BaumannshöhleFoto: Roger Rössing / Renate Rössing · CC BY-SA 3.0 de
LageRübeland, Harz, Sachsen-Anhalt
GesteinstypDevon-Kalk des Elbingeröder Komplexes
TypKarsthöhle, Schauhöhle
StatusÄlteste Schauhöhle Deutschlands; erstes rechtlich geschütztes Naturdenkmal Deutschlands (1668)
Größter RaumGoethesaal, Grundfläche ca. 2500 m²
HöhenunterschiedHöchster Punkt (Himmelreich) 440 m ü. NN, tiefster Punkt (Wassergang) 61 m tiefer
Neuer ZugangSeit 1927/28: 74 Meter langer Stollen ab Eingangshalle in der Ortsmitte
Reguläre FührungenSeit 1649 (Privileg der Familie Wagner)
Nahe gelegene HöhleHermannshöhle, Rübeland

Wie entstand die Baumannshöhle?

Die Höhle bildete sich im Devon-Kalk des Elbingeröder Komplexes heraus. Entscheidend war das Zusammenspiel von altangelegten Störungszonen im Gestein und der Ausformung des Bodetals.

Karstprozesse nutzten diese tektonischen Schwächezonen und schufen im Lauf geologischer Zeiträume das verzweigte System aus Hohlräumen, Schlucht­passagen und Hallen, das die Höhle heute ausmacht.

Geschichte und erste Besuche

Eine nicht belegte Sage schreibt die Entdeckung der Höhle dem Bergmann Friedrich Baumann zu, der auf Erzsuche in die Höhle gelangt sein soll und sich nach Verlöschen seines Lichts drei Tage lang darin verirrte. Das in dieser Überlieferung genannte Jahr 1536 wurde erst in den 1930er Jahren erfunden, um ein Jubiläum begehen zu können.

Tatsächlich sind Besuche seit dem 16. Jahrhundert belegt. 1649 erhielt der Rübeländer Valentin Wagner mit seiner Familie das herzogliche Privileg, Gäste durch die Höhle zu führen; dies gilt als Beginn des regulären Führungsbetriebs.

Die älteste überlieferte Darstellung des Höhleninneren stammt von Matthäus Merian aus dem Jahr 1654. Der älteste Höhlenplan wurde 1665 angefertigt.

Schutz und frühe Regulierung

Wegen der Zerstörung von Tropfsteinen durch Besucher erließ Herzog Rudolf August von Braunschweig am 10. April 1668 eine Schutzverordnung für die Baumannshöhle. Damit ist sie das erste bekannte Naturdenkmal Deutschlands mit rechtlichem Schutzstatus.

1688 wurde der Höhleneingang mit einer Tür gesichert, um unerlaubten Zutritt zu unterbinden. Diese Maßnahme trug dazu bei, dass der Tropfsteinschmuck im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben ist.

Bekannte Besucher

Unter den historisch belegten Besuchern ragt Johann Wolfgang von Goethe heraus, der die Höhle 1777, 1783 und 1784 aufsuchte. Auf ihn geht der Name des Goethesaals zurück, außerdem befindet sich in der Höhle ein kleinerer Saal namens Hamburger Wappen: Goethe hatte eine dortige Gesteinsformation mit dem Hamburger Stadtwappen verglichen.

Bereits 1656 besichtigte der Theologe Gottfried Olearius die Höhle, 1690 folgte der Philosoph und Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz.

Baumannshöhle
Conrad Buno03Foto: Conrad Buno (1616-1671) · Public domain

Erforschung und Vermessung

Eine systematischere Erkundung begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am 1. Juli 1888 stieß Höhlenführer Streitberg auf bis dahin unbekannte Teile der Höhle, die seither als Neue Baumannshöhle bezeichnet werden. Noch im selben Jahr fertigte Oberforstmeister Nehring einen genauen Plan an.

1928 und 1929 führte Stolberg eine teilweise Neuvermessung durch. In den 1990er Jahren nahm die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde e. V. weitere Untersuchungen und Vermessungen vor.

Im heutigen Goethesaal untersuchten die Wolfenbütteler Forscher Elster und Geitel 1901 die natürliche Radioaktivität. Bei Grabungen 1965 kamen neue steinzeitliche Funde zutage.

Veränderter Zugang und Infrastruktur

Der ursprüngliche Eingang lag hoch am westlichen Hang des Bodetals und war schwer erreichbar. 1927/28 wurde ein neuer Zugang in der Ortsmitte angelegt: Besucher durchqueren seither einen 74 Meter langen, steil ansteigenden Stollen, der zur eigentlichen Höhle führt.

Der alte Eingang ist für die Öffentlichkeit gesperrt und dient nur noch betrieblichen Zwecken. Im Inneren wurden neue Wege eingerichtet, dennoch sind nicht alle Höhlenteile öffentlich zugänglich.

Raum und Ausstattung

Der Goethesaal ist mit einer Grundfläche von rund 2500 m² der größte Raum der Höhle. Er verfügt über zwei Bühnen und Sitzplätze für bis zu 300 Personen; dort finden Konzerte und in den Schulferien gelegentlich Theateraufführungen statt. Ein künstlich angelegter, bis zu 80 Zentimeter tiefer See – der Wolfgangsee – liegt ebenfalls in diesem Saal. Bis 1928 hieß dieser Raum Tanzsaal.

Die Leuchterschlucht ist von zahlreichen, bis zu einem Meter hohen Stalagmiten geprägt. In der als Hamburger Wappen bezeichneten Höhle findet sich der Stalagmit Mönch, der künstlich verändert wurde und etwa einen Meter hoch ist.

Als besonders reich ausgestatteter Raum gilt die Säulenhalle mit Stalaktiten, Stalagmiten, Sinterfahnen und feinen Sinterröhrchen (sogenannten Makkaronis). Ihr Wahrzeichen ist der Stalagmit Lebensbaum. Die Palmengrotte trägt ihren Namen nach einer palmenähnlichen Sinterformation; das Himmelreich markiert mit 440 m ü. NN den höchsten Punkt der Höhle, der Wassergang den tiefsten, 61 Meter darunter.

Zur Neuen Baumannshöhle gehört die Schildkrötenschlucht, deren Name auf eine Sinter- und Bruchformation zurückgeht, die an eine Schildkröte erinnert. Oberhalb der Schlucht befindet sich eine Treppenanlage, die häufig für Gruppenfotos genutzt wird.

Nutzung und Standesamt

Der Goethesaal fungiert als Außenstelle des örtlichen Standesamts. Seit dem Jahr 2000 können dort Trauungen stattfinden.

Als 1890 der reguläre Betrieb der benachbarten Hermannshöhle mit elektrischer Beleuchtung startete, gingen die Besucherzahlen der Baumannshöhle spürbar zurück. Verrußte Wände, glanzlos gewordene Tropfsteine und fehlende Formationen – als Souvenirs mitgenommen oder verkauft – zeugten damals vom jahrzehntelangen unkontrollierten Betrieb.

Baumannshöhle
1820 circa Christoph Gottfried Wiederhold, (Verlag in Göttingen), Baumannshöhle am Harz, kolorierter Kupferstich, BlattausschnittFoto: Verlag von Christoph Gottfried Wiederhold · Public domain

Häufige Fragen

Was macht die Baumannshöhle historisch besonders?

Die Baumannshöhle gilt als älteste Schauhöhle Deutschlands mit regulärem Führungsbetrieb seit 1649. Zudem erließ Herzog Rudolf August 1668 eine Schutzverordnung, die sie zum ersten rechtlich geschützten Naturdenkmal Deutschlands macht.

War Goethe wirklich in der Baumannshöhle?

Ja, Johann Wolfgang von Goethe besuchte die Höhle nachweislich dreimal: 1777, 1783 und 1784. Nach ihm ist der größte Raum, der Goethesaal, benannt. Eine Gesteinsformation, die Goethe an das Hamburger Wappen erinnerte, gab einem weiteren Saal seinen Namen.

Wie gelangt man heute in die Baumannshöhle?

Seit 1927/28 führt ein 74 Meter langer, steil aufwärts verlaufender Stollen vom Eingangsgebäude in der Ortsmitte zur eigentlichen Höhle. Der ursprüngliche Eingang am Hang des Bodetals ist für Besucher gesperrt.

Kann man in der Baumannshöhle heiraten?

Ja. Der Goethesaal ist Außenstelle des örtlichen Standesamts. Seit dem Jahr 2000 werden dort standesamtliche Trauungen durchgeführt.

Welche besonderen Formationen gibt es in der Höhle?

Bekannt sind unter anderem der Stalagmit Lebensbaum als Wahrzeichen der Höhle, der Stalagmit Mönch im Hamburger Wappen sowie die Sinterröhrchen (Makkaronis) in der Säulenhalle. Die Palmengrotte und die Schildkrötenschlucht tragen ihre Namen nach Sinterformationen, die an die jeweiligen Objekte erinnern.

Was wurde in der Baumannshöhle wissenschaftlich erforscht?

1901 untersuchten die Forscher Elster und Geitel im heutigen Goethesaal die natürliche Radioaktivität. Bei Grabungen 1965 kamen steinzeitliche Funde zutage. In den 1990er Jahren führte die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde e. V. Vermessungen und Untersuchungen durch.

Wann wurden unbekannte Teile der Höhle entdeckt?

Am 1. Juli 1888 fand Höhlenführer Streitberg den Zugang zu bis dahin unerforschten Abschnitten. Diese werden seither als Neue Baumannshöhle bezeichnet. Oberforstmeister Nehring erstellte noch im selben Jahr einen genauen Plan dieser Bereiche.

Wo liegt die Baumannshöhle, und gibt es eine Nachbarhöhle?

Die Baumannshöhle liegt in Rübeland im Harz. Unmittelbar daneben befindet sich die Hermannshöhle, die seit 1890 ebenfalls als Schauhöhle betrieben wird. In der Vergangenheit war in der Nähe auch die Bielshöhle für Besucher zugänglich.

Quellen

  1. Wikipedia: Baumannshöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags