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Bilsteinhöhle

Die Bilsteinhöhle ist ein Höhlensystem im Naturpark Arnsberger Wald, knapp drei Kilometer südwestlich von Warstein in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Gesamtganglänge von rund 1700 Metern gehört sie zu den bedeutenderen Karsthöhlen Westfalens; etwa 450 Meter davon sind als Schauhöhle ganzjährig zugänglich.

Bekannt ist die Höhle vor allem durch paläontologische Knochenfunde aus der Weichsel-Kaltzeit sowie durch vorgeschichtliche Artefakte, die auf eine kultische Nutzung von der Mittelsteinzeit bis in die Eisenzeit hindeuten.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Bilsteinhöhle
Feuersalamander Bewohner der Bilsteinhöhle fdFoto: Friedhelm Dröge · CC BY-SA 4.0
LageNaturpark Arnsberger Wald, ca. 3 km südwestlich von Warstein (NRW)
GesteinMitteldevonischer Massenkalk (Warsteiner Sattel)
Gesamtganglängeca. 1700 m
Schauhöhlenlängeca. 450 m
Tiefeca. 50 m
Entdeckung (neuer Teil)17. September 1887, Franz Kersting
Erste Führung27. September 1887
Aktueller BetreiberVerein Bilsteintal e. V. (seit 1. September 2011)
ZugangLandesstraße L 735 zwischen Warstein und Hirschberg, am Ostufer des Bilsteinbachs

Lage und Karsthydrologie

Die Bilsteinhöhle liegt am Ostufer des Bilsteinbachs an der Landesstraße L 735, die Warstein mit dem Ortsteil Hirschberg verbindet. Sie befindet sich im östlichen Teil des Naturparks Arnsberger Wald, dem sogenannten Warsteiner Wald.

Der Bilsteinbach versickert in mehreren Bachschwinden am Fuß des Bilsteinfelsens und tritt als Karstquelle – dem Portal der Bilstein-Bachhöhle – direkt am Höhlenparkplatz wieder ans Tageslicht. Unterhalb dieser Quelle trägt der Bach den Namen Hirschberger Bach. Beide Phänomene sind stark von der jeweiligen Wasserführung und dem Stand des Karstgrundwassers abhängig.

Geologie: In welchem Gestein liegt die Bilsteinhöhle?

Die Höhle entwickelte sich im äußersten Westen des Warsteiner Sattels, einer Sattelstruktur aus mitteldevonischem Massenkalk. Dieser Sattel erstreckt sich von der Bilsteinhöhle im Westen bis nach Kallenhardt im Osten über eine Strecke von etwa acht Kilometern.

Typisch für Karstgebiete in diesem Gestein sind die Bachschwinden, die Karstquelle und das verzweigte unterirdische Gangsystem, das neben der eigentlichen Schauhöhle weitere Höhlenteile umfasst, die teils miteinander verbunden sind.

Paläontologische und vorgeschichtliche Funde

Die Knochenfunde in der Bilsteinhöhle stammen überwiegend aus der Weichsel-Kaltzeit. Nachgewiesen wurden Höhlenbär, Höhlenlöwe, Höhlenhyäne und Rentier.

Aus verschiedenen menschlichen Besiedlungsphasen sind mehrere Fundhorizonte dokumentiert: eine mittelsteinzeitliche Jägerstation, ein Kupferdolch der Glockenbecherkultur (um 2300 v. Chr.), ein Zylinderhalsgefäß der Urnenfelderkultur (um 800 v. Chr.) sowie Keramik, Schmuck und menschliche Knochen aus der vorrömischen Eisenzeit (um 500 v. Chr.).

Die eisenzeitlichen Funde deuten – ähnlich wie bei vergleichbaren Höhlen im Sauerland – auf eine kultische Bedeutung des Ortes hin, die wahrscheinlich mit Bestattungsriten verbunden war. Heute nutzen Feuersalamander Teile der Höhle als Winterquartier.

Entdeckung und erste Erschließung

Am 17. September 1887 stieß der Warsteiner Waldarbeiter Franz Kersting bei Wegebauarbeiten im Auftrag des Warsteiner Verschönerungsvereins auf einen bis dahin unbekannten Höhlenteil. Der Name Bilsteinhöhle setzte sich erst danach durch; zeitweise war auch die Bezeichnung Warsteiner Höhle im Gespräch.

Der Geologe Emil Carthaus übernahm die Erschließungsarbeiten und erforschte das gesamte Höhlensystem. Er führte Ausgrabungen in allen Höhlen rund um den Bilsteinfelsen durch. Bereits zehn Tage nach der Entdeckung begannen erste Führungen; Franz Kersting und sein Arbeitskollege Caspar Eßfeld fungierten als erste Höhlenführer. Besucher wurden vom heutigen Höhlenausgang bis in die »Große Halle« geleitet.

Im November 1887 schloss die Höhle für den Winter, damit die notwendigen Bauarbeiten durchgeführt werden konnten. Im Mai 1888 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, nun mit einem ausgebauten Schacht als Höhleneingang.

Bilsteinhöhle
Bilsteinhoehle Warstein, Halle der 60 RiesenFoto: Stefan Enste at de.wikipedia · CC BY-SA 2.0 de

Wie gelangt man heute in die Bilsteinhöhle?

Vierzig Jahre lang diente der 1888 angelegte Eingangsschacht als Zugang zur Schauhöhle, bis die Treppenkonstruktion verrostete und aufgegeben werden musste. Nach längerer Diskussion entstand 1937 ein Verbindungstunnel von der sogenannten »Kulturhöhle 3« in die Tropfsteinhöhle.

Die feierliche Eröffnung dieses neuen Eingangs fiel mit dem 50. Jahrestag der Höhlenentdeckung zusammen. Seitdem wird die Kulturhöhle 3 als Eingang genutzt.

Die Gasfabrik und spätere Jugendherberge

Für die Erstbeleuchtung der Schauhöhle ließ man direkt unterhalb des Höhlenausgangs eine kleine Gasfabrik errichten, in der Wassergas hergestellt wurde. Diese Beleuchtung erwies sich als wenig zuverlässig.

Das ursprüngliche Gebäude der Gasfabrik – neun mal sechs Meter Grundfläche bei rund fünf Metern Höhe – ist im Erdgeschoss der später daraus hervorgegangenen Jugendherberge noch erhalten.

Gastronomie, Hotelbetrieb und Vereinsbetrieb

Bereits im Winter 1887/88 entstand an der Straße Warstein–Hirschberg ein Restaurationsgebäude mit einem angeschlossenen Zimmermuseum, in dem die Grabungsfunde präsentiert wurden. In den 1950er-Jahren ersetzte ein größerer Neubau mit Hotel, Gastronomie und Saal den Altbau.

1998 erwarb die Warsteiner Brauerei das Gebäude. Nach einer Schließungsphase und Renovierung wurde der Hotelbetrieb nicht wieder aufgenommen. Seit April 2012 ist der Verein Bilsteintal e. V. Pächter der Gastronomie.

Den Schauhöhlenbetrieb und den Wildpark im Bilsteintal übernimmt der gemeinnützige Verein Bilsteintal e. V. auf Basis eines Pachtvertrags mit der Stadt Warstein, der am 1. September 2011 unterzeichnet wurde. Der Verein war im Mai 2011 gegründet worden.

Besucherzahlen

Die jährlichen Besucherzahlen erreichten mehrfach knapp 100.000 Personen; zuletzt 1991 mit rund 96.000 Besuchern. Im Jahr 2010 sank die Zahl auf unter 27.000 – den bisherigen Tiefststand.

Aktuelle Zahlen sowie Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind auf der offiziellen Website des Vereins Bilsteintal e. V. zu finden.

Bilsteinhöhle
Eingangsbereich WikiFoto: Stefan Enste · CC BY-SA 3.0

Häufige Fragen

Wie lang ist die Bilsteinhöhle insgesamt?

Das bekannte Gangsystem der Bilsteinhöhle umfasst eine Gesamtlänge von rund 1700 Metern. Davon sind etwa 450 Meter als Schauhöhle für Besucher zugänglich. Die Höhle erreicht eine Tiefe von rund 50 Metern.

Wann und von wem wurde die Bilsteinhöhle entdeckt?

Der Waldarbeiter Franz Kersting entdeckte am 17. September 1887 bei Wegebauarbeiten einen bis dahin unbekannten Teil des Höhlensystems. Kersting führte zusammen mit seinem Kollegen Caspar Eßfeld auch die ersten Höhlenführungen durch, die bereits zehn Tage nach der Entdeckung begannen.

Welche vorgeschichtlichen Funde wurden in der Bilsteinhöhle gemacht?

Dokumentiert sind eine mittelsteinzeitliche Jägerstation, ein Kupferdolch der Glockenbecherkultur (um 2300 v. Chr.), ein Zylinderhalsgefäß der Urnenfelderkultur (um 800 v. Chr.) sowie Keramik, Schmuck und menschliche Knochen aus der vorrömischen Eisenzeit (um 500 v. Chr.). Die eisenzeitlichen Funde werden im Zusammenhang mit kultischen Bestattungsriten interpretiert.

Welche eiszeitlichen Tiere sind in der Bilsteinhöhle nachgewiesen?

Die Knochenfunde aus der Weichsel-Kaltzeit belegen das Vorkommen von Höhlenbär, Höhlenlöwe, Höhlenhyäne und Rentier. Die Funde wurden im Rahmen der Ausgrabungen unter Leitung des Geologen Emil Carthaus nach 1887 geborgen.

Wie kommt man zur Bilsteinhöhle?

Die Höhle liegt an der Landesstraße L 735 zwischen Warstein und dem Ortsteil Hirschberg, am Ostufer des Bilsteinbachs. Ein Parkplatz befindet sich direkt an der Karstquelle des Bilsteinbachs vor Ort.

Wer betreibt die Bilsteinhöhle heute?

Seit dem 1. September 2011 betreibt der gemeinnützige Verein Bilsteintal e. V. die Schauhöhle sowie den Wildpark im Bilsteintal auf Grundlage eines Pachtvertrags mit der Stadt Warstein. Den Gastronomiebereich pachtet der Verein seit April 2012.

In welchem Gestein liegt die Bilsteinhöhle, und was ist der Warsteiner Sattel?

Die Bilsteinhöhle ist im mitteldevonischen Massenkalk des Warsteiner Sattels entstanden. Dieser Sattel erstreckt sich über etwa acht Kilometer von der Bilsteinhöhle im Westen bis nach Kallenhardt im Osten. Die Höhle liegt am westlichsten Punkt dieser Gesteinsstruktur.

Gibt es in der Bilsteinhöhle lebende Tiere?

Feuersalamander suchen Teile der Bilsteinhöhle als Winterquartier auf und sind dort stellenweise anzutreffen. Weitere aktuelle Faunaangaben enthält das Quellenmaterial nicht.

Quellen

  1. Wikipedia: Bilsteinhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags