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Binghöhle

Die Binghöhle ist eine natürliche Karsthöhle nahe Streitberg, einem Ortsteil der oberfränkischen Gemeinde Wiesenttal im Landkreis Forchheim. Sie liegt im Frankendolomit des Malm Beta, reicht bis zu 60 m unter die Erdoberfläche und wird seit 1906 als Schauhöhle betrieben.

Als einzige der fränkischen Schauhöhlen erstreckt sie sich in geschichtetem Kalkstein und stellt eine heute trockenliegende Flusshöhle dar, die einst von einem Zubringer der damals höher fließenden Wiesent durchflossen wurde.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Binghöhle
Binghöhle 100Foto: Michael Diefenbach · CC BY-SA 3.0
LageStreitberg, Gemeinde Wiesenttal, Landkreis Forchheim, Bayern
HöhlentypNatürliche Karsthöhle, heute trockenliegende Flusshöhle
GesteinFrankendolomit (Malm Beta), geschichteter Kalkstein
Höhenlage375 m ü. NHN
Tiefebis zu 60 m unter der Erdoberfläche
Bekannte Ganglänge (Stand 1936)ca. 300 m (ursprünglich ca. 230 m, 1936 weitere 70 m erschlossen)
Entdeckung1905 durch Ignaz Bing, Nürnberg
Schauhöhle seit1906
BesonderheitEinzige fränkische Höhle in geschichtetem Kalkstein; Tropfstein-Galeriehöhle
ZugehörigkeitErlebniswelt Jurahöhle

Lage und Geographie

Die Höhle befindet sich am südwestlichen Steilhang des Schauertals, das von Norden in das Wiesental mündet. Vom Kirchenstandort in Streitberg aus beträgt die Entfernung zum Höhleneingang etwa 375 m in westnordwestlicher Richtung.

Die Binghöhle liegt etwa 60 m oberhalb der Gemeinde. Das Städtedreieck Nürnberg–Bayreuth–Bamberg umrahmt die Region; die Bundesstraße 470, die Forchheim mit Pegnitz verbindet, erschließt das Gebiet verkehrlich.

Geologie und Entstehung

Die Höhle ist im Frankendolomit des Malm Beta angelegt und damit die einzige bekannte fränkische Höhle, die sich in geschichtetem Kalkstein erstreckt. Als einstige Flusshöhle wurde sie von einem Zubringer der Wiesent durchströmt, als deren Talniveau noch deutlich höher lag.

Heute ist die Höhle trocken. Zahlreiche Tropfsteinformationen verschiedenster Art sind auf engem Raum konzentriert, weshalb die Bezeichnung Tropfstein-Galeriehöhle gebräuchlich ist.

Entdeckung 1905

Ignaz Bing, Kommerzienrat und Inhaber der Nürnberger Bing-Werke, erwarb 1899 eine Villa in Streitberg, das er von Kuraufenthalten kannte. Seine Leidenschaft für das Suchen nach Altertümern in Höhlen der Umgebung führte schließlich zur Entdeckung der nach ihm benannten Höhle.

Bings Nachbar Braungart wies ihn auf mehrere Felsspalten am Hang oberhalb der Villa Marie hin. Mit Einverständnis des zuständigen Försters, dem die Öffnungen als Fuchs- und Dachslöcher bekannt waren, ließ Bing ab Juli 1905 in einer dieser Spalten graben.

Bei den Arbeiten kamen in einer als »Grotte im Petersholz« bezeichneten Felsnische, die der Familie Braungart gehörte, fossile Knochen und prähistorische Scherben zutage. Sedimente bis zu 1,8 m Mächtigkeit wurden ausgegraben; Bing beschriftete die Funde sorgfältig und bewahrte sie in seiner Villa auf.

Am 10. August 1905 berichtete der Wiesent-Bote erstmals über die Entdeckung. Wenige Tage später ging die Höhle in Bings Besitz über, und ein Bericht vom 16. August beschrieb neue Räume mit ausgedehnten Tropfsteinbildungen.

Binghöhle
Binghöhle 120Foto: Michael Diefenbach · CC BY-SA 3.0

Weitere Erschließung und Ausbau

Durch Sprengarbeiten gelang es, am Ende des zunächst bekannten Höhlenteils eine mächtige Sinterschicht zu durchbrechen und einen rund 50 m langen Fortsatz freizulegen. Dieser Abschnitt, die heutige Tropfsteingalerie, war ursprünglich so niedrig, dass Begehungen kaum möglich waren.

In viermonatiger Arbeit entstand ein begehbarer schmaler Gang durch die Sinterschicht. Nahe der Decke wurde dabei eine etwa 1,5 m lange enge Öffnung entdeckt; eine brennende Kerze zeigte dort einen schwachen Luftzug an, der auf eine Fortsetzung der Höhle hindeutete.

Da die Öffnung für Erwachsene zu eng und Sprengungen ausgeschlossen waren, erklärte sich am 31. Oktober der 13-jährige Konrad Braungart bereit, den Spalt zu durchkriechen. Er bestätigte, dass sich dahinter ein weiterer großer Höhlenraum befand.

1936 wurden schließlich weitere 70 m Ganglänge erschlossen und der heutige Ausgang angelegt. Vor diesem Ausbau war die bekannte Länge der Höhle mit rund 230 m angegeben worden.

Funde

Bei den Grabungen 1905 kamen prähistorische Scherben, fossile Knochen sowie Versteinerungen zum Vorschein. Unter den Fossilfunden wurden auch einzelne Tellinarien verzeichnet.

Bing dokumentierte und montierte die Funde auf Papptafeln, bevor er sie in seiner Villa aufbewahrte. Eine systematische wissenschaftliche Auswertung ist im vorliegenden Quellenmaterial nicht belegt.

Besuch

Die Binghöhle ist Teil der Erlebniswelt Jurahöhle. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintritt sind auf der offiziellen Website der Erlebniswelt Jurahöhle verfügbar.

Die Anfahrt erfolgt über die B 470 zwischen Forchheim und Pegnitz; der Höhleneingang liegt rund 375 m in westnordwestlicher Richtung von der Streitberger Kirche entfernt.

Binghöhle
Binghoehle StalagmitFoto: No machine-readable author provided. Immanuel Giel assumed (based on copyright claims). · CC BY-SA 3.0

Häufige Fragen

Wann wurde die Binghöhle entdeckt?

Ignaz Bing ließ ab Juli 1905 in den Felsspalten oberhalb seiner Villa graben. Bereits im August 1905 berichtete die lokale Presse über die Entdeckung neuer Räume mit Tropfsteinbildungen.

Seit wann ist die Binghöhle als Schauhöhle zugänglich?

Die Höhle wurde 1906 für Besucher geöffnet und wird seitdem als Schauhöhle betrieben. 1936 kamen weitere 70 m Ganglänge hinzu, und der heutige Ausgang wurde angelegt.

Was macht die Binghöhle geologisch besonders?

Sie ist die einzige bekannte fränkische Höhle, die sich in geschichtetem Kalkstein erstreckt, und liegt im Frankendolomit des Malm Beta. Zudem handelt es sich um eine einstige Flusshöhle, die von einem Zubringer der Wiesent durchflossen wurde, als deren Talniveau noch höher lag.

Wie tief reicht die Binghöhle?

Die Höhle reicht bis zu 60 m unter die Erdoberfläche. Der Eingang liegt auf 375 m ü. NHN, etwa 60 m oberhalb der Gemeinde Streitberg.

Nach wem ist die Binghöhle benannt?

Die Höhle trägt den Namen ihres Entdeckers Ignaz Bing, Kommerzienrat und Inhaber der Nürnberger Bing-Werke. Er erwarb das Gelände 1905 und ließ die Grabungen durchführen, die zur Erschließung der Höhle führten.

Was wurde bei den Grabungen 1905 gefunden?

Die Grabungen förderten fossile Knochen, prähistorische Scherben, Versteinerungen und Tellinarien zutage. Bing beschriftete und montierte die Funde sorgfältig auf Papptafeln.

Wie gelangt man zur Binghöhle?

Die Höhle ist über die B 470 zwischen Forchheim und Pegnitz erreichbar. Der Eingang liegt rund 375 m in westnordwestlicher Richtung von der Kirche in Streitberg entfernt, am südwestlichen Steilhang des Schauertals.

Quellen

  1. Wikipedia: Binghöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags