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Birsmatten-Basisgrotte

Die Birsmatten-Basisgrotte, auch Lüdiana genannt, liegt an der Birs bei Nenzlingen im Kanton Basel-Landschaft. Sie gilt als eine der bedeutendsten mittelsteinzeitlichen Fundstellen der Schweiz, weil sie das älteste bisher bekannte menschliche Skelett des Landes enthielt.

Über 50'000 Fundgegenstände aus mehreren Schichten belegen eine periodische Nutzung der Höhle vom Mesolithikum (7500–4500 v. Chr.) bis in die Bronzezeit (bis ca. 800 v. Chr.).

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Birsmatten-Basisgrotte
Grellingen AbriFoto: Paebi · CC BY-SA 4.0
LageNenzlingen, Kanton Basel-Landschaft, an der Birs
AlternativnameLüdiana
TypNatürliche Höhle, mittelsteinzeitliche Fundstelle
NutzungszeitraumMesolithikum 7500–4500 v. Chr., Neolithikum und Bronzezeit bis ca. 800 v. Chr.
EntdeckungCarl Lüdin, 1940 (erste Funde), 1944 (Skeletfund)
Wissenschaftliche GrabungHans-Georg Bandi, 1955 und 1956
Gesamtzahl FundeÜber 50'000 Gegenstände, davon ca. 30'000 Feuersteinobjekte
Bedeutendstes FundobjektNahezu vollständiges Skelett einer Frau, ca. 1,6 m gross, 40–45 Jahre alt

Lage und Einordnung

Die Birsmatten-Basisgrotte befindet sich im unteren Birstal bei Nenzlingen, Kanton Basel-Landschaft. Das Birstal ist archäologisch reich erschlossen: Weitere alt- und mittelsteinzeitliche Fundplätze in der Region sind unter anderem die Kohlerhöhle (Brislach), das Abri Büttenloch (Ettingen), das Abri Wachtfels (Grellingen), mehrere Fundstellen in Liesberg sowie die Brügglihöhle im selben Ort Nenzlingen.

Die Höhle ist unter beiden Namen bekannt: Birsmatten-Basisgrotte als wissenschaftliche Bezeichnung und Lüdiana als inoffizieller Name, der auf den Entdecker Carl Lüdin verweist.

Entdeckung und erste Grabungen durch Carl Lüdin

Der Amateurarchäologe Carl Lüdin (1900–1986) stieß 1940 nahe der Höhlenrückwand auf Feuersteinartefakte und Tierknochen. Vier Jahre später, 1944, entdeckte er menschliche Knochen und legte ein nahezu vollständiges Skelett frei. Lüdin führte bis 1946 eigenständige Grabungen durch, ohne seine Tätigkeit öffentlich zu machen.

Erst 1955 informierte er den Urgeschichtler Hans-Georg Bandi über die Fundstelle. Nach Lüdins Tod konnte auf sein Fundmaterial und seine Aufzeichnungen zurückgegriffen werden; seine Dokumentation erwies sich dabei als zuverlässig und ermöglichte eine spätere Rekonstruktion der Fundsituation.

Wissenschaftliche Grabungen und internationale Bedeutung

Hans-Georg Bandi führte 1955 und 1956 umfassende Grabungen durch, bei denen er auch den Vorplatz der Höhle einbezog. Die Auswertung stützte sich auf naturwissenschaftliche Methoden und lieferte neue Erkenntnisse zur zeitlichen Abfolge früh- und spätmesolithischer Fundinventare in der Schweiz.

Die Arbeit wurde 1963 in den Acta Bernensia publiziert und erlangte als Referenzgrabung für das alpine Mesolithikum auch international Beachtung. Weitere wissenschaftliche Aufarbeitungen, insbesondere zum Skelettfund, erschienen 1996 und 1998.

Was wurde in der Höhle gefunden?

Das Fundspektrum des Frühmesolithikums (7500–6000 v. Chr.) umfasst Wildtierknochen von Biber, Braunbär, Hirsch, Reh und Wildschwein. Hinzu kommen bearbeitete Eber-Eckzähne, Hirschgeweihstücke, ein Schmuckanhänger aus einer durchlochten Hirschgrandel, Knochenpfrieme und zahlreiche Feuersteinwerkzeuge.

In spätmesolithischen Schichten sind Objekte aus Tierknochen noch häufiger. Neu erscheinen Harpunenspitzen aus Hirschgeweih, weitere Feuersteinwerkzeugtypen sowie Klingen. Besonders bemerkenswert sind ein Rippenfragment mit eingravierten gitterartigen Verzierungen und ein Schmuckanhänger aus einer Schneckenart mediterraner Herkunft, die auf weitreichende Beziehungen im Spätmesolithikum hinweist.

Insgesamt wurden rund 30'000 Feuersteinobjekte geborgen. Diese Menge unterstreicht, dass die Höhle wiederholt als Aufenthaltsort genutzt wurde. Funde aus dem Neolithikum und der Bronzezeit (4500–800 v. Chr.) zeigen, dass die Stätte auch nach dem Mesolithikum gelegentlich aufgesucht wurde.

Das Skelett der ältesten Schweizerin

Das 1944 von Carl Lüdin ausgegrabene Skelett gilt als das älteste menschliche Skelett, das bislang in der Schweiz gefunden wurde. Die spätere wissenschaftliche Datierung und Analyse waren möglich, weil Lüdins Dokumentation eine Rekonstruktion der Fundsituation erlaubte.

Anfangs wurde das Skelett wegen eines auffallend dicken Schädels als »sicher männlich« eingestuft. Spätere Untersuchungen ergaben jedoch, dass das Becken weiblich ist. Die Person war demnach eine Frau von etwa 1,6 Metern Körpergröße, die im Alter zwischen 40 und 45 Jahren starb.

Weitere Fundplätze im Birstal

Das Birstal weist eine hohe Dichte an alt- und mittelsteinzeitlichen Fundstellen auf. Neben der Birsmatten-Basisgrotte zählen dazu: Kohlerhöhle (Brislach), Abri Büttenloch (Ettingen), Abri Wachtfels (Grellingen), Grubenbalm, Liesberghöhle, Fundstelle unter dem Löffelberg, Liesbergmüli obere Höhle sowie Liesbergmüli VI (alle in Liesberg), Brügglihöhle (Nenzlingen), Abri Angenstein und Schalberg Höhle 4 (Pfeffingen BL), Tschäpperfels (Röschenz), Neumühle und Ritzigrund (Roggenburg BL) sowie Abri Weihermatten (Zwingen).

Einige dieser Fundstellen sind zugleich als Kulturgüter eingestuft, was die überregionale Bedeutung des Birstals für die Erforschung der Steinzeit in der Schweiz widerspiegelt.

Häufige Fragen

Warum ist die Birsmatten-Basisgrotte archäologisch bedeutend?

Die Höhle enthielt über 50'000 Fundgegenstände aus mehreren Schichten sowie das älteste bekannte menschliche Skelett der Schweiz. Ihre wissenschaftliche Aufarbeitung durch Hans-Georg Bandi in den 1950er Jahren machte sie zur Referenzgrabung für das alpine Mesolithikum.

Wann wurde die Höhle entdeckt und von wem?

Der Amateurarchäologe Carl Lüdin fand 1940 die ersten Artefakte in der Höhle. 1944 legte er ein nahezu vollständiges menschliches Skelett frei. Professionelle Grabungen folgten erst ab 1955, nachdem Lüdin den Urgeschichtler Hans-Georg Bandi informiert hatte.

Wem gehörte das Skelett aus der Birsmatten-Basisgrotte?

Das Skelett gehörte einer Frau von etwa 1,6 Metern Körpergröße, die im Alter zwischen 40 und 45 Jahren starb. Anfangs wurde es aufgrund eines dicken Schädels als männlich eingestuft; erst die Analyse des Beckens ergab das weibliche Geschlecht.

Welche Tierarten sind in den Funden belegt?

Aus frühmesolithischen Schichten stammen Knochen von Biber, Braunbär, Hirsch, Reh und Wildschwein. Außerdem wurden bearbeitete Eber-Eckzähne und Hirschgeweihstücke gefunden.

Was verrät der Schmuckanhänger aus der Schnecke über die damaligen Menschen?

Der Schmuckanhänger besteht aus einer Schneckenart, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt. Ihr Vorkommen in einer spätmesolithischen Schicht des Birstals weist darauf hin, dass die damaligen Bewohner über weitreichende Kontakt- oder Handelsnetzwerke verfügten.

Wie lange wurde die Höhle genutzt?

Die Hauptnutzungsphase lag im Mesolithikum zwischen 7500 und 4500 v. Chr. Funde aus dem Neolithikum und der Bronzezeit zeigen, dass die Höhle bis etwa 800 v. Chr. gelegentlich aufgesucht wurde.

Wo wird das Fundmaterial aufbewahrt?

Das Quellenmaterial nennt keinen konkreten Aufbewahrungsort für die Funde. Für aktuelle Informationen empfiehlt sich eine Anfrage bei den zuständigen archäologischen Dienststellen des Kantons Basel-Landschaft.

Quellen

  1. Wikipedia: Birsmatten-Basisgrotte — Faktengrundlage dieses Eintrags