ANTIBERG › Höhlen › Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn
Höhlen

Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn

Die Bismarckgrotte ist eine natürliche Karsthöhle am Steinberg nahe dem ehemaligen Forsthaus Rinnenbrunn auf dem Gebiet der Gemeinde Hirschbach im Landkreis Amberg-Sulzbach (Bayern). Mit rund 1200 Metern Ganglänge zählt sie zu den größten Höhlen der Fränkischen Schweiz und wird im Höhlenkataster Fränkische Alb unter der Nummer A 25 geführt.

Als Durchgangshöhle verfügt sie über zwei Eingänge; der südliche Schacht wird wegen seines spiralförmigen Verlaufs »Korkenzieher« genannt, der nördliche trug bis zur Entdeckung der Verbindung beider Eingänge den eigenständigen Namen »Bismarckschacht«.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn
RinnenbrunnFoto: Unknown authorUnknown author · Public domain
TypNatürliche Karsthöhle, Durchgangshöhle
LageSteinberg bei Rinnenbrunn, Gemeinde Hirschbach, Landkreis Amberg-Sulzbach, Bayern
Gesamtganglängeca. 1200 m
Gesamttiefe (ab Südschacht)ca. 52 m
GesteinDolomit
Kataster-Nr.HFA A 25
Entdeckung1890 durch Forstpersonal
Namengebung1891 durch Förster Reichel
Erste Vermessung1903 durch Adalbert Neischl; Neuvermessung 1958 durch den Speläoclub Sulzbach-Rosenberg
ZugangsstatusFrei zugänglich; Oktober bis April zum Schutz überwinternder Fledermäuse verschlossen

Morphologie und Geologie

Die Bismarckgrotte ist ein stark zerklüftetes, weitverzweigtes Spaltengangsystem, das sich im Dolomit in mehreren Etagen entfaltet. Hallen- und kammerartige Raumerweiterungen gliedern das System, das eine vorherrschende Kluftrichtung nach NNW-SSO aufweist.

Prägend für das Erscheinungsbild der Höhle sind Kolke, Laugendeckenreste und Verbruch. Tropfsteine und Sinterbildungen treten nur in den oberen Höhlenteilen auf, während 1972 in der sogenannten Erzhalle reichhaltige Sintervorkommen entdeckt wurden.

Die Entstehungsgeschichte sowie die im System vorhandenen Erzablagerungen sind bislang nicht vollständig geklärt.

Wie ist die Höhle aufgebaut?

Der Zugang erfolgt in der Regel durch den Südschacht. Nach einem Abstieg von etwa 20 Metern öffnet sich eine Sedimenthalle. Über eine abschüssige Röhre sowie mehrere Engstellen und Schlufe erreicht man die sogenannten Gotischen Gänge.

Anschließend gelangt man in den größten Raum der Höhle nahe dem Nordeingang: Er misst rund 45 Meter in der Länge, 10 Meter in der Breite und bis zu 15 Meter in der Höhe. Von dort aus erschließen sich weitere Gangabschnitte, die jedoch teils sehr eng sind.

1958 wurde in der Nähe der Bismarckgrotte ein weiterer Schacht entdeckt, der 15 Meter tiefe Steinbergschacht (HFA A 25a). Er steht zwar nicht in direkter Verbindung mit dem Hauptsystem, wird ihm morphologisch aber zugeordnet.

Geschichte und Erforschung

Forstpersonal entdeckte die Höhle im Jahr 1890 und erschloss sie teilweise mit Steiganlagen. Die Namensgebung geht auf den Förster Reichel zurück, der die Höhle 1891 nach dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck benannte.

Die erste systematische Vermessung nahm 1903 Adalbert Neischl vor; 1958 führte der Speläoclub Sulzbach-Rosenberg eine Neuvermessung durch. Im selben Jahr wurde der Steinbergschacht A 25a entdeckt.

1910 gelang der Nachweis der Verbindung zwischen Nord- und Südeingang, was dem nördlichen Schacht seinen eigenständigen Namen nahm. Im gleichen Jahr rückte die Höhle durch die Rettung zweier verirrter Nürnberger Höhlenforscher erstmals in die breite Öffentlichkeit.

1958 blieb eine Suche nach dem sogenannten Göringschatz, der in der Höhle vermutet worden war, ergebnislos. 1972 schließlich wurde die Erzhalle mit ihren reichhaltigen Sintervorkommen entdeckt.

Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn
Bismarkgrotte 06Foto: Derzno · CC BY 3.0

Archäologische Funde

Bei Ausgrabungen im Jahr 1966 kamen im Bereich des Nordschachts vorgeschichtliche Artefakte zutage. Die Funde stützen die Annahme, dass der Nordschacht in vorgeschichtlicher Zeit als Bestattungs- oder Opferstätte genutzt wurde.

Besuch: Was ist zu beachten?

Die Bismarckgrotte ist grundsätzlich frei zugänglich. Von Oktober bis April ist sie jedoch geschlossen, um dort überwinternde Fledermäuse zu schützen.

Wegen der zahlreichen Verzweigungen und anspruchsvoller Kletterstellen empfiehlt sich eine Befahrung ausschließlich in Begleitung ortskundiger Höhlenfachleute mit geeigneter Ausrüstung. Hundert Jahre intensiver Nutzung haben sichtbare Schäden hinterlassen, weshalb ein schonender Umgang mit dem Höhlensystem geboten ist.

Anfahrt und Lage

Am ehemaligen Forsthaus Rinnenbrunn steht ein Parkplatz zur Verfügung, der über geschotterte Zufahrtsstraßen von Achtel und Finstermühle aus erreichbar ist. Das Forsthaus selbst war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bewirtschaftet und galt als beliebtes Ausflugsziel.

Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn
Bismarkgrotte 03Foto: Derzno · CC BY 3.0

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Bismarckgrotte?

Die Bismarckgrotte liegt am Steinberg nahe dem ehemaligen Forsthaus Rinnenbrunn auf dem Gebiet der Gemeinde Hirschbach im Landkreis Amberg-Sulzbach in Bayern. Sie gehört zur Fränkischen Schweiz.

Wie groß ist die Bismarckgrotte?

Die Gesamtganglänge beträgt rund 1200 Meter. Die Gesamttiefe, gemessen vom Südschacht, liegt bei etwa 52 Metern. Damit zählt sie zu den größten Höhlen der Fränkischen Schweiz.

Ist die Bismarckgrotte ganzjährig zugänglich?

Nein. Von Oktober bis April ist die Höhle verschlossen, um die dort überwinternden Fledermäuse nicht zu stören. In der übrigen Zeit ist sie frei zugänglich, jedoch nur mit höhlenkundiger Begleitung und entsprechender Ausrüstung zu empfehlen.

Warum heißt der Nordeingang auch Bismarckschacht?

Der Nordeingang wurde zunächst eigenständig unter dem Namen »Bismarckschacht« geführt. Erst 1910 stellte sich heraus, dass er mit dem Südeingang verbunden ist, woraufhin beide Zugänge als eine einzige Durchgangshöhle – die Bismarckgrotte – behandelt wurden.

Wann wurde die Höhle entdeckt und wer hat sie benannt?

Forstpersonal entdeckte die Höhle im Jahr 1890. Der Förster Reichel vergab 1891 den Namen Bismarckgrotte. Die erste wissenschaftliche Vermessung nahm Adalbert Neischl im Jahr 1903 vor.

Welche archäologischen Funde wurden in der Bismarckgrotte gemacht?

Bei Ausgrabungen 1966 wurden im Nordschacht vorgeschichtliche Artefakte gefunden. Sie legen nahe, dass der Schacht in vorgeschichtlicher Zeit als Bestattungs- oder Opferstätte diente.

Unter welcher Katasternummer ist die Höhle registriert?

Die Bismarckgrotte wird im Höhlenkataster Fränkische Alb (HFA) unter der Nummer A 25 geführt. Ein morphologisch zugehöriger Nebenschacht, der 15 Meter tiefe Steinbergschacht, trägt die Nummer A 25a.

Quellen

  1. Wikipedia: Bismarckgrotte bei Rinnenbrunn — Faktengrundlage dieses Eintrags