Blätterhöhle
Die Blätterhöhle (Katasternummer 4611/090) ist der heute noch zugängliche Rest einer ursprünglich größeren Felshöhle am Weißenstein im Tal der Lenne in Hagen-Holthausen, Nordrhein-Westfalen. Bekannt wurde sie durch menschliche Skelettreste, die aus der späten Altsteinzeit, der frühen und späten Mittelsteinzeit sowie der Jungsteinzeit stammen.
Der Eingangsbereich der Höhle stürzte offenbar während der späten Mittelsteinzeit ein; erst im Jahr 2004 öffneten Höhlenforscher des Arbeitskreises Kluterthöhle die verschüttete Anlage für wissenschaftliche Untersuchungen. Seitdem gehört der Fundplatz zu den archäologisch bedeutendsten Stätten Westfalens.

| Katasternummer | 4611/090 (vormals 4710/114) |
| Lage | Hagen-Holthausen, am Weißenstein im Lennetal, Nordrhein-Westfalen |
| Höhlentyp | Felshöhle, ursprünglich Abri bzw. große Portalhöhle |
| Entdeckt als Fundplatz | 1983 durch den Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) |
| Wissenschaftliche Grabungen | ab 2004; DFG-Forschungsprojekt genehmigt 2010 |
| Betreuende Institution | Universität zu Köln, ab 2014 im Forschungsverbund mit LWL, Land NRW und Stadt Hagen |
| Bedeutende Funde | Menschenreste aus später Altsteinzeit, früher und später Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit |
| Zugang | Teil des Naturschutzgebiets NSG Mastberg und Weißenstein; Schutztor vorhanden |
Lage und Landschaft
Die Blätterhöhle liegt in einem sich zum Canyon verengenden Seitental der Lenne, das durch die markanten, leuchtend weißen Kalkfelsen des Weißensteins geprägt wird. Diese Felsformation bildet eine weithin sichtbare Landmarke im unteren Lennetal.
Topographisch markiert das Felsmassiv den Übergang zwischen zwei sehr unterschiedlichen Landschaftsräumen: Nördlich öffnet sich das Lennetal zu einer weiten Terrassenlandschaft, die vom Ruhrtal und den südlichen Ausläufern des Ardeygebirges mit dem Syberg abgeschlossen wird. Südlich verengt sich das Tal ab Hohenlimburg zu einem tiefen Gebirgstal.
Wie entstand die Höhle?
In ihrer ursprünglichen Form entsprach die Blätterhöhle einem Abri oder einer großen Portalhöhle. Der Eingangsbereich brach offenbar während der späten Mittelsteinzeit ein und versiegelte die Anlage unter meterhohen Hangsedimenten.
Vergleichbare Felsdächer und Überhänge im sauerländischen Massenkalk sind nach neueren Erkenntnissen nicht selten, wurden jedoch bis auf die Blätterhöhle in dieser Region wissenschaftlich noch nicht untersucht. Die Grabungskampagne von 2012 ließ die Decke einer vollständig mit Sediment verfüllten größeren Portalhöhle deutlich erkennen.
Geschichte der Erforschung
Schon vor 1930 war die Umgebung als archäologischer Fundplatz bekannt, nachdem der Hagener Lehrer Albert Schäfer auf dem Weißenstein und den angrenzenden Feldern zahlreiche Steinartefakte aufgelesen hatte. Aus Höhlen an der benachbarten Hünenpforte sind steinzeitliche Artefakte, prähistorische Keramikscherben sowie Funde aus der Eisenzeit dokumentiert.
1983 entdeckte der Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) ein mit Laub verfülltes Loch, das unter der Katasternummer 4710/114 als »Blätterloch« in den Höhlenkataster aufgenommen wurde. Da der Weißenstein unter Naturschutz steht, erfolgten zunächst keine weiteren Befahrungen.
Im Februar 2004 beauftragte die Stadt Hagen den AKKH im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Steinbruchs Donnerkuhle mit einer Untersuchung der hydrologischen Verhältnisse. Nach dem Einbau eines Schutzgittertors wurden rund 20 Tonnen Sediment aus dem verschütteten Eingangsbereich entnommen, ein Aufwand von etwa 250 Arbeitsstunden.
Beim Abtrag kamen Tierschädel und Kleinknochen zutage; das entnommene Material wurde für Nachuntersuchungen eingelagert. An einer eng umgrenzten Stelle im Höhleninneren fanden sich schließlich menschliche Knochen, darunter Schädel- und Langknochenfragmente. Nach Meldung an die Untere Denkmalbehörde konnte der AKKH die Arbeiten unter wissenschaftlicher Aufsicht fortsetzen und dabei in einen offenen, mit Sinterformationen ausgestatteten Gangbereich vordringen.
Was wurde in der Blätterhöhle gefunden?
Die menschlichen Skelettreste decken einen außergewöhnlich langen Zeitraum ab: Sie stammen aus der späten Altsteinzeit, der frühen und späten Mittelsteinzeit sowie der Jungsteinzeit. Diese Abfolge macht die Blätterhöhle zu einem für die archäologische Forschung besonders wertvollen Fundplatz.
Die gefundenen Menschenknochen wurden zunächst rechtsmedizinisch als älter als 100 Jahre eingestuft, womit ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt ausgeschlossen werden konnte. Erst danach wurden wissenschaftliche Untersuchungen in vollem Umfang eingeleitet.
Forschungsprojekte und beteiligte Institutionen
Im Sommer 2010 genehmigte die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Forschungsprojekt zur Blätterhöhle, das an der Universität zu Köln betreut wird. Ab 2014 sind die Untersuchungen in einem Forschungsverbund organisiert, dem neben der Universität zu Köln weitere Universitäten, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Hagen angehören.
Einbettung in eine historische Kulturlandschaft
Unmittelbar gegenüber der Blätterhöhle befindet sich die Hünenpforte, ein imposantes Felsentor als Rest einer eingestürzten Höhle. Südlich schließt sich der Raffenberg an, der die Ruine einer kurkölnischen Landesburg aus dem 13. Jahrhundert trägt.
Das Schloss Hohenlimburg, südlich im Blickfeld, ist urkundlich erstmals 1242 erwähnt. Im engen Talabschnitt zwischen Weißenstein und Burgberg liegt zudem die Oeger Höhle mit archäologischen Funden seit dem Jungpaläolithikum, besonders aber aus der Jungsteinzeit.
Seit dem Mittelalter sind mit den Felsformationen im Lennetal zahlreiche Sagen verbunden, in denen Riesen, Raubritter, Zwerge, Werwölfe, Gespenster und sogenannte »Weiße Frauen« im Bereich von Weißenstein, Hünenpforte und Raffenberg auftreten.
Naturschutz
Der Weißenstein mit seinen Kalkbuchenwäldern gehört zum Naturschutzgebiet NSG Mastberg und Weißenstein, das europäischen Rang hat. Die Vegetation umfasst Orchideen und weitere geschützte Pflanzen- und Tierarten.
Am Fuß des Weißensteins liegt der Barmer Teich, eine der wenigen verkarsteten Quellteiche in Europa und die einzige Vauclusequelle in Westfalen. Straßen- und sonstige Baumaßnahmen in den 1960er und 1970er Jahren haben diesen Teich teilweise zerstört; die verbliebenen Reste stehen ebenso wie der gesamte Weißenstein unter Natur- und Landschaftsschutz.

Häufige Fragen
Wo genau liegt die Blätterhöhle?
Die Blätterhöhle befindet sich am Weißenstein in Hagen-Holthausen, in einem sich zum Canyon verengenden Seitental der Lenne. Die leuchtend weißen Kalkfelsen des Weißensteins sind eine weithin sichtbare Landmarke im unteren Lennetal.
Welche archäologischen Funde wurden in der Blätterhöhle gemacht?
Gefunden wurden menschliche Skelettreste – darunter Schädel und Langknochen – aus der späten Altsteinzeit, der frühen und späten Mittelsteinzeit sowie der Jungsteinzeit. Diese zeitliche Bandbreite macht den Fundplatz für die prähistorische Forschung besonders bedeutsam.
Wann und von wem wurde die Höhle entdeckt?
Der Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) entdeckte 1983 das zugangsartige Loch und dokumentierte es als »Blätterloch« im Höhlenkataster. Wissenschaftliche Grabungen begannen erst 2004, nachdem die Stadt Hagen den AKKH mit hydrologischen Untersuchungen beauftragte.
Welche Institutionen forschen in der Blätterhöhle?
Seit 2010 wird die Forschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und an der Universität zu Köln betreut. Ab 2014 arbeiten mehrere Universitäten gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Hagen in einem Forschungsverbund.
Steht die Blätterhöhle unter Naturschutz?
Ja. Die Höhle liegt innerhalb des Naturschutzgebiets NSG Mastberg und Weißenstein, das europäischen Rang besitzt. Das Schutzgebiet umfasst Kalkbuchenwälder mit seltenen Orchideen und weiteren geschützten Arten sowie den verkarsteten Barmer Teich.
Was ist die Hünenpforte und wie hängt sie mit der Blätterhöhle zusammen?
Die Hünenpforte ist ein markantes Felsentor direkt gegenüber der Blätterhöhle; es handelt sich um den Rest einer eingestürzten Höhle. Aus Höhlen an der Hünenpforte sind ebenfalls steinzeitliche Artefakte und prähistorische Keramikscherben bekannt.
Wie kam es zur wissenschaftlichen Untersuchung der Menschenknochen?
Als beim Freilegen des verschütteten Eingangsbereichs menschliche Knochen auftauchten, stellte der AKKH die Grabungen zunächst ein und zeigte den Fund bei der Unteren Denkmalbehörde an. Nach rechtsmedizinischer Bestätigung, dass die Knochen älter als 100 Jahre sind, erhielt der AKKH die Freigabe, die Arbeiten unter wissenschaftlicher Aufsicht fortzusetzen.
Quellen
- Wikipedia: Blätterhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags