Blautopfhöhle
Die Blautopfhöhle – auch als Blauhöhle oder Blautopf-Unterwasserhöhle bezeichnet – ist der Hauptteil des Blauhöhlensystems, des größten Höhlensystems der Schwäbischen Alb. Der Eingang liegt am Grund des Blautopfs bei Blaubeuren; dieser Karstsee bildet zugleich den Abfluss der Höhle und speist den Fluss Blau.
Die bisher vermessene Länge der Blautopfhöhle beträgt 4.900 m; das gesamte Blauhöhlensystem wurde bis August 2009 auf mehr als 7.000 m exakt kartiert und auf insgesamt über 10 km befahren. Die großen Gangquerschnitte legen nahe, dass die tatsächliche Ausdehnung noch erheblich größer ist.

| System | Blauhöhlensystem (größtes Höhlensystem der Schwäbischen Alb) |
| Typ | Flusshöhle, überwiegend wassererfüllt (Tauchhöhle) |
| Vermessene Länge (Blautopfhöhle) | 4.900 m |
| Vermessene Gesamtlänge des Systems (Stand Aug. 2009) | 7.063 m |
| Eingang / Tiefe am Eingang | Grund des Blautopfs, ca. 21 m Wassertiefe |
| Maximale Tauchtiefe im Eingangsbereich | 42 m |
| Erste Auftauchstelle (Luftraum) | nach ca. 1.250 m Horizontalentfernung |
| Größte Halle | Apokalypse, 170 m Länge, 50 m Breite, 50 m Höhe |
| Entdeckung des Höhleneingangs | 1960er Jahre (Höhlenforschergruppe Göppingen-Eschenbach, Leitung Manfred Keller) |
| Einzugsgebiet der Quelle | ca. 150 km² |
Lage und Aufbau des Höhlensystems
Der Eingang der Blautopfhöhle befindet sich am Grund des Blautopfs in etwa 21 m Wassertiefe. Von dort verläuft der Gang zunächst nach Westen, taucht rasch auf 42 m Tiefe ab und knickt dann in nordwestliche Richtung ab.
Im weiteren Verlauf wechseln Auf- und Abstiege einander ab; der Gesamttrend ist jedoch stetig aufwärts gerichtet. Nach etwa 1.250 m Horizontaldistanz erreicht der Gang erstmals die Karstwasseroberfläche. Zusätzliche Auftauchstellen mit Lufträumen existieren bereits bei rund 380 m und bei ca. 550 m – letztere trägt den Namen Wolkenschloss.
Neben der Blautopfhöhle gehört die Vetterhöhle zum Blauhöhlensystem; von ihr wurden 2.257 m vermessen. Das geschätzte Einzugsgebiet der Blautopfquelle beträgt 150 km²; Färbeversuche belegen hohe Abflussgeschwindigkeiten, woraus Forschende auf ein weitverzweigtes offenes Flusshöhlennetz von mehreren Dutzend Kilometern Gesamtlänge schließen.
Wie entstand die Blautopfhöhle?
Die Blautopfhöhle ist vermutlich in einer Phase entstanden, in der das Blautal noch von der Donau durchflossen und dabei am tiefsten eingetieft wurde. Zu dieser Zeit dürfte die Höhle direkt in die Donau entwässert haben.
Nach der Verlagerung der Donau nach Süden übernahmen kleinere Gewässer – Schmiech, Ach und Blau – das Tal. Da diese Flüsse den anfallenden Sedimenteintrag nicht vollständig abtransportieren können, hat sich der Talboden seither um etwa 20 m aufgehöht. Die Höhle wurde dadurch überflutet; das zufließende Wasser muss nun rund 20 m aufsteigen, um die heutige Talsohle zu erreichen.
Nur weil die Schüttung der Quelle ausreichend hoch ist, bleibt der heutige Ausgang am Blautopf offen. Die genauen geologischen Zusammenhänge sind nach aktuellem Forschungsstand noch nicht vollständig geklärt.
Forschungsgeschichte: Erste Tauchgänge und Entdeckung der Höhle
Tauchversuche, in den Blautopf einzudringen, sind seit dem 19. Jahrhundert dokumentiert – alle blieben zunächst erfolglos. Erst in den 1960er Jahren gelang der Höhlenforschergruppe Göppingen-Eschenbach unter Leitung von Manfred Keller die eigentliche Entdeckung der Höhle.
In den folgenden Jahren trieb Jochen Hasenmayer die Erforschung entscheidend voran. Er leistete Pionierarbeit sowohl bei der Kartierung der Blautopfhöhle als auch bei der Weiterentwicklung der Höhlentauchtechnik. 1985 entdeckte er den Mörikedom, die erste große lufterfüllte Halle.

Hasenmayers Pause und die Entwicklung des Speleonauten
1989 erlitt Hasenmayer bei einem Tauchunfall im Wolfgangsee eine Querschnittlähmung, was die Erforschung der Blautopfhöhle für mehrere Jahre unterbrach. Gemeinsam mit dem Orgelbauer Konrad Gehringer entwickelte er daraufhin ein Höhlen-U-Boot namens Speleonaut.
Mit dem Speleonaut gelang Hasenmayer ab den 1990er Jahren die Entdeckung weiterer Hallen: des Mittelschiffs und des Äonendoms – beides Räume ähnlicher Größe wie der Mörikedom, verbunden durch brückenartige Strukturen, die sowohl überkletterbar als auch untertauchbar sind. Zusammengenommen bilden Mörikedom, Mittelschiff und Äonendom eine zusammenhängende Raumfolge von rund 30 m Breite und 30 m Höhe mit einem fünf bis zehn Meter tiefen See.
Hinter dem Äonendom setzt ein weiterer Unterwassergang nach Norden an, der sogenannte Speleonautenweg. Er teilt sich nach kurzer Zeit, wird jedoch bald zu eng für das U-Boot.
Arbeitsgemeinschaft Blautopf: Neue Methoden und Entdeckungen ab 1997
Seit Mitte der 1990er Jahre forscht eine vereinsübergreifende Gruppe von Höhlentauchern in der Blauhöhle; 1997 gründeten sie die Arbeitsgemeinschaft Blautopf. Auf sie geht die erste vollständige exakte Vermessung der gesamten Höhle zurück, ebenso die Entdeckung des Wolkenschlosses.
Technisch bedeutsam war die Einführung kompakter Kreislauftauchgeräte, die ausgeatmetes Atemgas aufbereiten und damit sowohl die Tauchzeit verlängern als auch das mitgeführte Gewicht erheblich reduzieren. In Kombination mit Tauchscootern – propellergetriebenen Schleppgeräten – verkürzte sich der Tauchgang zum Mörikedom von mehreren Stunden auf knapp eine Stunde.
2005 entdeckte die Arbeitsgemeinschaft den sogenannten Landweg, einen offenen Flusshöhlengang hinter dem Äonendom. 2006 wurde er auf fast zwei Kilometer befahren und 2007 vollständig vermessen. Am 23. September 2006 stießen Jochen Malmann und Andreas Kücha dabei auf eine außergewöhnlich große Halle, die sie Apokalypse nannten: 170 m lang, 50 m breit und 50 m hoch.
Projekt Vetterhöhle: Trockener Zugang zum Höhlensystem
Ab 2002 verfolgte die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten das Projekt Vetterhöhle mit dem Ziel, in der Nähe des Blautopfs einen trockenen, nicht tauchpflichtigen Zugang zu den großen lufterfüllten Hallen des Blauhöhlensystems zu schaffen.
Ab Mai 2006 wurden in der Vetterhöhle mehrere große Hallen gefunden. Im Herbst 2006 gelang es der Arge Blautopf gemeinsam mit der Arge Grabenstetten, die Verbindung zwischen Vetterhöhle und dem Wolkenschloss in der Blautopfhöhle nachzuweisen. Damit gehört die Vetterhöhle mit 2.257 vermessenen Metern offiziell zum Blauhöhlensystem.

Häufige Fragen
Wo befindet sich der Eingang zur Blautopfhöhle?
Der Eingang liegt am Grund des Blautopfs bei Blaubeuren in etwa 21 m Wassertiefe. Der Blautopf ist eine Karstquelle, deren abfließendes Wasser den Fluss Blau bildet. Ein Zugang ist ausschließlich für ausgerüstete Höhlentaucher möglich.
Wie lang ist die Blautopfhöhle?
Die Blautopfhöhle selbst wurde auf 4.900 m exakt vermessen. Das gesamte Blauhöhlensystem, zu dem auch die Vetterhöhle mit 2.257 m gehört, umfasst 7.063 m vermessene Strecke; insgesamt wurden bis August 2009 schätzungsweise über 10 km befahren. Aufgrund des großen Einzugsgebiets und der gemessenen Fließgeschwindigkeiten wird die tatsächliche Ausdehnung auf mehrere Dutzend Kilometer geschätzt.
Ist die Blautopfhöhle für normale Besucher zugänglich?
Die Höhle ist wassererfüllt und nur über Taucheinstiege erreichbar; ein touristischer Besuch ist nicht möglich. Der Blautopf selbst als Karstquelle ist jedoch öffentlich zugänglich und gehört zu den bekanntesten Naturdenkmälern der Schwäbischen Alb.
Was ist der Mörikedom?
Der Mörikedom ist die erste große lufterfüllte Halle der Blautopfhöhle, entdeckt 1985 von Jochen Hasenmayer. Er liegt nach einem langen Unterwasserabschnitt und bildet mit dem Mittelschiff und dem Äonendom eine zusammenhängende Raumfolge von rund 30 m Breite und 30 m Höhe, in der sich ein fünf bis zehn Meter tiefer See befindet.
Was ist die Apokalypse-Halle?
Die Apokalypse ist die bislang größte bekannte Halle im Blauhöhlensystem: 170 m lang, 50 m breit und 50 m hoch. Sie wurde am 23. September 2006 von den Höhlentauchern Jochen Malmann und Andreas Kücha entdeckt, beide Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Blautopf. Der Zugang führt über den sogenannten Landweg, einen offenen Flusshöhlengang hinter dem Äonendom.
Warum muss das Wasser im Blautopf so hoch aufsteigen?
Nach der Verlagerung der Donau nach Süden haben kleinere Flüsse das Blautal übernommen, die das anfallende Sediment nicht vollständig abtransportieren konnten. Dadurch hat sich die Talsohle um etwa 20 m aufgehöht, die Höhle wurde überflutet, und das Wasser muss seither rund 20 m aufsteigen, bevor es als Quelle austritt.
Welche Rolle spielte Jochen Hasenmayer bei der Erforschung?
Hasenmayer war über Jahrzehnte die zentrale Figur der Blautopf-Forschung. Er entdeckte 1985 den Mörikedom sowie später das Mittelschiff und den Äonendom. Nach seiner Querschnittlähmung durch einen Tauchunfall 1989 entwickelte er mit Konrad Gehringer das Höhlen-U-Boot Speleonaut, mit dem er die Erforschung ab den 1990er Jahren fortsetzen konnte.
Was ist das Wolkenschloss?
Das Wolkenschloss ist eine große lufterfüllte Halle innerhalb der Blautopfhöhle, die sich bei etwa 550 m Horizontaldistanz vom Eingang befindet und damit vor dem Mörikedom liegt. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf entdeckt und im Herbst 2006 mit der Vetterhöhle verbunden, was den trockenen Zugang zum Blauhöhlensystem ermöglichte.
Quellen
- Wikipedia: Blautopfhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags