Bleßberghöhle
Die Bleßberghöhle – bisweilen auch Herrenberghöhle genannt – ist eine Tropfsteinhöhle im Unteren Muschelkalk Thüringens, die am 30. März 2008 während des Vortriebs am Bleßbergtunnel der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt zufällig aufgeschlossen wurde.
Die Höhle verläuft von West-Nordwest nach Ost-Südost und kreuzt die Tunnelröhre etwa 250 Meter vom Südportal entfernt; in westlicher Richtung erstreckt sie sich auf mehrere hundert Meter, östlich geht der begehbare Hohlraum nach rund 15 Metern in schmale Spalten über.
| Typ | Tropfsteinhöhle (Karsthöhle) |
| Gestein | Unterer Muschelkalk |
| Lage | Thüringen, unterhalb der Trasse des Bleßbergtunnels |
| Entdeckung | 30. März 2008 beim Tunnelvortrieb |
| Gangrichtung | West-Nordwest nach Ost-Südost |
| Ausdehnung West | mehrere hundert Meter begehbar |
| Ausdehnung Ost | rund 15 Meter, danach schmale Spalten |
| Abstand zum Südportal | ca. 250 Meter (Kreuzungspunkt mit Tunnel) |
| Forschungszugang | eingerichtet im Frühjahr 2012 |
| Baudurchgangs-Zugang | dauerhaft verschlossen 2009 |
Lage und geologische Einordnung
Die Bleßberghöhle liegt im Unteren Muschelkalk, einer Gesteinsformation, die in Teilen Thüringens verkarstungsfähige Karbonate aufweist. Ihr Gangverlauf orientiert sich in einer West-Nordwest–Ost-Südost-Richtung und wird an einer Stelle von der Röhre des Bleßbergtunnels geschnitten.
Geologen wiesen frühzeitig darauf hin, dass der beim Tunnelbau eingefüllte Beton natürliche Karstwasserwege unterbrechen könnte. Ein ansteigender Karstwasserspiegel und die damit verbundene Überflutung von Höhlenteilen wurden als mögliche Folge dieser Eingriffe diskutiert.
Entdeckung beim Tunnelbau 2008
Am 30. März 2008 stießen Mineure beim Vortrieb im Bleßbergtunnel auf einen zunächst unbekannt großen Hohlraum. Der Versuch, diesen mit rund 500 Kubikmetern Beton zu verfüllen, scheiterte, weil die gesamte Betonmasse in der Höhle verschwand.
Daraufhin schaltete der Bauherr das Eisenbahn-Bundesamt ein und zog Höhlenforscher hinzu. Bis zum 3. April 2008 fand eine Eilerkundung durch Geologen statt; anschließend wurde der Höhleneingang verschlossen und der Vortrieb zunächst fortgesetzt.
Wenige Tage nach dem Verschluss des westlichen Höhlenteils traf der Tunnelvortrieb auf die östliche Fortsetzung der Bleßberghöhle. Daraufhin stoppte die Deutsche Bahn am 9. April 2008 die Bauarbeiten vorübergehend.
Auseinandersetzungen um Naturschutz und Erforschung
Der BUND kritisierte, das rasche Verfüllen mit Beton könnte gegen thüringisches und europäisches Naturschutzrecht verstoßen haben, und erstattete Anfang April 2008 Strafanzeige gegen Unbekannt.
Am 10. April 2008 verständigten sich das Landesbergamt Thüringen und die Deutsche Bahn nach einer gemeinsamen Ortsbegehung auf eine zwei- bis dreiwöchige Erkundungspause. Ein »Arbeitskreis Karst« legte Mitte April das weitere Vorgehen fest: Der Vortrieb sollte bald wieder aufgenommen werden, begleitet von Sondierungsbohrungen, und nach dessen Abschluss sollten beide Höhlengänge für die Forschung wieder zugänglich sein.
Der Vorsitzende des Thüringer Höhlenvereins warf der Deutschen Bahn vor, entgegen getroffener Absprachen gehandelt zu haben; man sei über die Ergebnisse des Arbeitskreises nicht informiert worden. Höhlenforscher aus ganz Deutschland versuchten Anfang Mai 2008 unabhängig davon, über das sogenannte Fuchsloch – eine wasserführende Felsspalte im Bereich des Südportals – von außen Zugang zur Höhle zu gewinnen.
Erkundungen 2008 und 2009
Bis Mitte April 2008 wurden die ersten 700 Meter der Höhle vermessen und grob kartiert. Im September 2008 war eine erneute Öffnung geplant; die formelle Erkundung des östlichen Höhlenteils begann am 18. November 2008 und war auf etwa eine Woche angelegt.
Im Januar 2009 erhielten Mitglieder des Thüringer Höhlenvereins für neun Tage Zugang, auch Besuchergruppen konnten die Höhle in dieser Zeit betreten. Anschließend wurde der beim Tunnelbau entstandene Zugang dauerhaft verschlossen.
Für die Statik des Tunnels wurde die Tunnelschale auf rund 500 Metern im Bereich der Höhle auch im Sohlenbereich rund ausgeführt; zusätzlich wurde die Sohle im Kreuzungsbereich mit Gestein und Beton verstärkt.
Touristisches Erschließungsvorhaben und sein Scheitern
2011 wurden Pläne vorgestellt, die Höhle touristisch zugänglich zu machen: Von einem oberirdischen Informationszentrum sollte ein Gang zur Höhle gebohrt und ein Einblick durch Scheiben ermöglicht werden.
Der damalige Bahnprojektleiter Olaf Drescher erklärte, dieses Vorhaben stehe »im krassen Gegensatz« zur Aufgabe, mit der Eisenbahn über die Trasse zu fahren. Letztlich setzte sich die Deutsche Bahn durch, das Projekt wurde nicht realisiert.
Forschungszugang ab 2012
Im Frühjahr 2012 wurde ein separater Forschungszugang zur Bleßberghöhle geschaffen, der unabhängig vom Tunnel genutzt werden kann. Dieser Zugang ermöglicht die wissenschaftliche Erkundung, ohne den Bahnbetrieb zu beeinträchtigen.
Häufige Fragen
Wann und wie wurde die Bleßberghöhle entdeckt?
Die Höhle wurde am 30. März 2008 entdeckt, als Mineure beim Vortrieb des Bleßbergtunnels auf einen unbekannten Hohlraum stießen. Ein erster Verfüllversuch mit rund 500 Kubikmetern Beton scheiterte, weil der Beton vollständig in der Höhle verschwand. Erst danach wurden Höhlenforscher und das Eisenbahn-Bundesamt einbezogen.
Wie lang ist die Bleßberghöhle?
In westlicher Richtung vom Kreuzungspunkt mit dem Tunnel erstreckt sich die Höhle auf mehrere hundert Meter. Bis Mitte April 2008 wurden 700 Meter vermessen und grob kartiert. Östlich des Tunnels geht der begehbare Hohlraum nach rund 15 Metern in schmale Spalten über.
Kann die Bleßberghöhle besichtigt werden?
Ein touristisches Erschließungsvorhaben aus dem Jahr 2011 – mit Informationszentrum und Einblick durch Scheiben – wurde nicht realisiert. Der beim Tunnelbau entstandene Zugang wurde 2009 dauerhaft verschlossen. Seit Frühjahr 2012 existiert ein Forschungszugang, der wissenschaftlichen Zwecken dient.
Welches Gestein bildet die Bleßberghöhle?
Die Höhle liegt im Unteren Muschelkalk, einer verkarstungsfähigen Karbonatgesteinsformation. Die Höhle ist als Tropfsteinhöhle ausgebildet und wird von Karstwasser beeinflusst.
Welche Auswirkungen hatte der Betoneinbau auf das Karstwasser?
Geologen äußerten die Befürchtung, dass durch den eingefüllten Beton natürliche Karstwasserwege abgeschnitten worden sein könnten, was zu einem Anstieg des Karstwasserspiegels führen und die Tunnelstabilität gefährden könnte. Die Überflutung von Höhlenteilen wurde als mögliche Folge dieser Aufstauung bewertet.
Warum kritisierte der BUND das Vorgehen beim Tunnelbau?
Der BUND sah im raschen Verfüllen der Höhle mit Beton einen möglichen Verstoß gegen thüringisches und europäisches Naturschutzrecht und erstattete Anfang April 2008 Strafanzeige gegen Unbekannt. Kern der Kritik war, dass naturschutzrechtlich relevante Belange nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
Wie wurde der Tunnel im Bereich der Höhle gesichert?
Auf einer Länge von rund 500 Metern erhielt die Tunnelschale im Höhlenbereich eine runde Ausführung, die auch den Sohlenbereich einschließt. Zusätzlich wurde die Sohle im unmittelbaren Kreuzungsbereich mit Gestein und Beton verstärkt.
Quellen
- Wikipedia: Bleßberghöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags