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Blockheide

Die Blockheide ist ein Naturschutzgebiet im nordwestlichen Waldviertel, nahe der Stadt Gmünd in Niederösterreich. Bekannt ist das Gebiet vor allem für seine markanten Granitformationen — sogenannte Blockburgen und Restlinge, darunter mehrere Wackelsteine — sowie für seltene silikatische Trockenrasen.

Seit 1964 besteht zugleich der Naturpark Blockheide-Eibenstein. Teile des Wegenetzes und mehrere Sehenswürdigkeiten liegen im angrenzenden Kirchenwald auf dem Gemeindegebiet von Hoheneich.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Blockheide
Aussichtsturm BlockheideFoto: HellasX · Public domain
LageBei Gmünd, nordwestliches Waldviertel, Niederösterreich
TypNaturschutzgebiet und Naturpark (Naturpark Blockheide-Eibenstein)
Naturschutzgebiet seit1960
Naturpark gegründet1964
FFH-GebietSeit 1999 Teil des FFH-Gebiets Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft
GesteinGranit und Gneis (Böhmische Masse)
Entstehung der FelsformenWollsackverwitterung
Aussichtsturm (aktuell)23,2 m hoch, errichtet 2003, Aussichtsplattform auf 20,35 m, 117 Stufen
NaturdenkmaleChristophsstein, Schullerstein, Teufelsbett, Teufelsbrotlaib, Wackelstein II (alle ausgewiesen vom Land Niederösterreich)

Geologie: Wie entstanden die Granitformationen?

Die Felsgebilde der Blockheide sind Überreste eines einstigen Hochgebirges der Böhmischen Masse. Durch Wollsackverwitterung — ein Prozess, bei dem Wasser entlang von Klüften im Gestein angreift und die Kanten und Ecken der Blöcke abrundet — entstanden im Laufe von Jahrmillionen die charakteristischen abgerundeten Granitblöcke.

Die verbleibenden Restlinge sind häufig bizarr geformt und treten als Blockburgen oder als Wackelsteine in Erscheinung. Wackelsteine sind Restlinge, die so auf ihrem Untergrund balancieren, dass sie sich bei Kraftaufwand leicht bewegen lassen.

Landschaft und Vegetation

Das Gebiet vereint kleinräumige Ackerfelder, extensiv genutzte Wiesen und Mischwälder. Rotföhren, Birken und Eichen prägen das Waldbild.

Besonders schutzwürdig sind die Ranker — silikatische, kalkfreie Trockenrasen, die in Österreich selten sind. Ihre Erdschicht über dem Granit- oder Gneisgestein beträgt nur wenige Zentimeter. Diese kleinräumige bäuerliche Kulturlandschaft gilt als eines der Kernelemente des Naturparks, ist jedoch durch den hohen Arbeitsaufwand und die geringe Rentabilität der Bewirtschaftung schwer zu erhalten.

Geschichte des Naturschutzgebiets und Naturparks

Das Gebiet wurde 1960 zum Naturschutzgebiet erklärt. Vier Jahre später, 1964, entstand auf Initiative des österreichischen Bildhauers Carl Hermann der Naturpark Blockheide-Eibenstein. Auslöser war der damals bestehende Plan, die Granitblöcke zur Erleichterung landwirtschaftlicher Arbeit zu sprengen.

Carl Hermann gestaltete auch die Granittafeln, die bei mehreren bekannten Steinformationen aufgestellt wurden: Sie nennen den jeweiligen Spitznamen und zeigen eine eingeritzte humoristische Illustration. Seit 1999 ist die Blockheide Teil des FFH-Gebiets Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft.

Blockheide
2004 09 12 Gmünd Naturpark Blockheide 03Foto: Mühlstein Vinzenz · Public domain

Benannte Steinformationen und Naturdenkmale

Mehrere Granitformationen tragen volkstümliche Namen. Zu den bekanntesten zählen der Elefantenstein, der Haifischstein und die Koboldsteine. Fünf Objekte sind vom Land Niederösterreich als Naturdenkmale ausgewiesen: der Christophsstein, der Schuller- oder Schuldnerstein, das Teufelsbett, der Teufelsbrotlaib sowie der Wackelstein II.

Knapp außerhalb des Parkgeländes befinden sich weitere benannte Felsen, darunter der Fuchsstein, der Kegel- oder Kopfstein (beide in Privatgärten), der Pilzstein und ein weiterer Wackelstein (Wackelstein IV). Am nahe gelegenen Braunaubach gibt es einen renaturierten Granitsteinbruch namens Malerwinkel.

Menschliche Nutzung und Opfersteintheorie

Bereits Menschen der jungsteinzeitlichen Bemaltkeramik hinterließen in der Region Spuren. Weitere Belege für menschliche Anwesenheit stammen erst aus dem Mittelalter, der Zeit der slawischen und bairischen Landnahme.

Die von Franz Xaver Kießling und seinen Anhängern vertretene Opfersteintheorie — wonach die Steinformationen in ur- und frühgeschichtlicher Zeit kultisch genutzt worden seien — entspricht nach heutigem Forschungsstand nicht den Tatsachen. Sie wurzelt im romantischen und nationalen Historismus des späten 19. Jahrhunderts.

Einrichtungen und Themenwege

Im ehemaligen Wasserreservoir von 1908 sind eine Ausstellung zur Entstehung der Heidelandschaft und eine Dioramen-Schau unter dem Titel »Die Geburt der Wackelsteine« untergebracht, ergänzt durch ein Informationszentrum. Über dem Reservoir steht seit 2003 der dritte Aussichtsturm an diesem Standort: ein hölzerner Turm mit 23,2 m Gesamthöhe, dessen Aussichtsplattform über 117 Stufen auf 20,35 m Höhe erreichbar ist. Vorgänger waren ein 1964 errichteter 17-m-Turm und ein 1980 gebauter 20-m-Turm.

Für die Gebietserschließung wurden mehrere Themenwege eingerichtet: die GranitkulTOUR, die MythologieTOUR und die LandschaftskulTOUR. Der Meridianweg folgt dem 15. östlichen Meridian. Im Kirchenwald gibt es ein geologisches Freilichtmuseum mit Exponaten aus Granit, Gneis, Marmor und Magmatit aus dem Waldviertel, außerdem einen Natur-Kinderspielplatz mit Steinlabyrinth sowie einen Picknickplatz.

Blockheide
Arnoseris minima sl9Foto: Stefan.lefnaer · CC BY-SA 4.0

Mondteiche und Steinbrüche

Im Kirchenwald außerhalb des Naturparks befindet sich ein aktiver Steinbruch. Ein älterer, stillgelegter Steinbruch in unmittelbarer Nähe weist zwei ehemalige Abbaugruben auf, die sich mit Wasser gefüllt haben und als Mondteiche bekannt sind.

Zugänge und Anfahrt

Der Naturpark verfügt über drei Eingänge: einen in Grillenstein beim Schüsselwirt mit großem Parkplatz, einen bei der Textilfabrik Backhausen im Gemeindegebiet Hoheneich — von dort führt ein Weg über den Braunaubach von Südosten in die Blockheide — sowie einen dritten Eingang hinter dem Malerwinkel.

Volkskundliche Überlieferung

Die ungewöhnlichen Steinformen regten zu Namensgebungen wie Pyramide, Pilzstein, Opferschale oder Brotlaib an. Eine lokale Legende erklärt die Entstehung der Blocklandschaft damit, dass Gott nach der Erschaffung der Welt Steine in einem Tuch sammelte, das in der Gegend der Blockheide unter der Last zerriss. Die Steine blieben liegen, weil Gott erschöpft war und nach Hause gehen wollte.

Blockheide
Aphanes australis sl3Foto: Stefan.lefnaer · CC BY-SA 4.0

Häufige Fragen

Was sind die Wackelsteine in der Blockheide?

Wackelsteine sind Granitrestlinge, die durch Wollsackverwitterung so geformt wurden, dass sie auf ihrem Untergrund balancieren und sich bei Kraftaufwand bewegen lassen. In der Blockheide sind mindestens zwei solcher Steine als Naturdenkmale ausgewiesen (Wackelstein II und Wackelstein IV).

Wann wurde der Naturpark Blockheide-Eibenstein gegründet?

Der Naturpark wurde 1964 gegründet, nachdem es Pläne gegeben hatte, die Granitblöcke für landwirtschaftliche Zwecke zu sprengen. Die Initiative ging vom österreichischen Bildhauer Carl Hermann aus. Das zugehörige Naturschutzgebiet bestand bereits seit 1960.

Wie hoch ist der Aussichtsturm in der Blockheide?

Der aktuelle, 2003 errichtete Holzturm ist 23,2 m hoch. Die Aussichtsplattform liegt auf 20,35 m und ist über 117 Stufen erreichbar. Es handelt sich um den dritten Turm an diesem Standort; die Vorgänger stammten aus den Jahren 1964 und 1980.

Welche Steinformationen sind als Naturdenkmale ausgewiesen?

Das Land Niederösterreich hat fünf Objekte in der Blockheide als Naturdenkmale ausgewiesen: den Christophsstein, den Schuller- oder Schuldnerstein, das Teufelsbett, den Teufelsbrotlaib und den Wackelstein II.

Stimmt es, dass die Steine in vorgeschichtlicher Zeit als Opfersteine genutzt wurden?

Nein. Die Opfersteintheorie, die auf Franz Xaver Kießling zurückgeht, entspricht nach aktuellem Forschungsstand nicht den Tatsachen. Die Steinformationen wurden in ur- und frühgeschichtlicher Zeit nicht kultisch genutzt. Die Theorie hat ihre Wurzeln im romantischen und nationalen Historismus des späten 19. Jahrhunderts.

Was sind die Mondteiche?

Die Mondteiche sind zwei mit Wasser gefüllte ehemalige Abbaugruben eines alten Steinbruchs im Kirchenwald, unmittelbar außerhalb des Naturparks. Sie liegen am Wegesrand und gelten als markanter Anlaufpunkt in der näheren Umgebung.

Wie gelangt man in den Naturpark?

Es gibt drei Eingänge: in Grillenstein beim Schüsselwirt (mit großem Parkplatz), bei der Textilfabrik Backhausen im Gemeindegebiet Hoheneich sowie hinter dem Malerwinkel. Vom Eingang Backhausen führt ein Weg über den Braunaubach von Südosten durch den Wald in die Blockheide.

Was ist in der Ausstellung im ehemaligen Wasserreservoir zu sehen?

Das 1908 errichtete Wasserreservoir beherbergt eine Ausstellung zur Entstehung der Heidelandschaft mit ihren Granitrestlingen sowie eine Dioramen-Schau unter dem Titel »Die Geburt der Wackelsteine«. Ergänzt wird das Angebot durch ein angeschlossenes Informationszentrum.

Quellen

  1. Wikipedia: Blockheide — Faktengrundlage dieses Eintrags