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Bocksteinhöhle

Die Bocksteinhöhle liegt im mittleren Lonetal auf der Gemarkung der Gemeinde Rammingen in Baden-Württemberg, nahe dem Herbrechtingener Stadtteil Bissingen ob Lontal. Es handelt sich um eine Karsthöhle, die als einer der bedeutendsten Fundplätze des Jungpaläolithikums in Süddeutschland gilt.

Im Jahr 2017 wurde die Bocksteinhöhle gemeinsam mit fünf weiteren Höhlen der Schwäbischen Alb in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen – als Teil der Stätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Bocksteinhöhle
Blick aus der Bocksteinhöhle ins LonetalFoto: Klausrohwer · CC BY-SA 4.0
TypKarsthöhle
LageGemarkung Rammingen, Baden-Württemberg, zwischen Öllingen und Bissingen im mittleren Lonetal
Höhe über Talsohle50 Meter; 12 Meter über dem Tal an dieser Stelle
Abmessungenca. 20 m Breite, ca. 15 m Tiefe
EingängeZwei: erweiterter Haupteingang (19. Jh. gesprengt) und das Bocksteintörle (1950er Jahre wiederentdeckt)
Geologische EinheitWeißer Jura (Schichten des Lonetal-Einschnitts)
Älteste Funde50.000 bis 70.000 Jahre (ältester Neandertaler-Siedlungskomplex Süddeutschlands)
UNESCO-WelterbeSeit 2017, als eine von sechs Höhlen der Stätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«
FundverwahrungÜberwiegend im Ulmer Museum
Erste dokumentierte Ausgrabung1883–1884 durch Ludwig Bürger und Friedrich Losch

Lage und unmittelbare Umgebung

Die Bocksteinhöhle befindet sich an einem Nordwesthang im mittleren Lonetal, rund 50 Meter über der Talsohle bzw. 12 Meter über dem Tal an dieser Stelle. Geografisch liegt sie zwischen den Ortschaften Öllingen und Bissingen auf der Gemarkung Rammingen, unweit der bayerischen Grenze.

In direkter Nachbarschaft befinden sich weitere Höhlen: das Westloch, das Bocksteinloch und die Bocksteingrotte. Vor dem Bocksteinloch liegt der als Bocksteinschmiede bezeichnete Vorplatz. Oberhalb der Bocksteinhöhle selbst steht eine Schutzhütte.

Geologie: Wie entstand das Lonetal?

Die Lone hat sich in Schichten des Weißen Jura eingeschnitten, die das geologische Grundgerüst des gesamten Tals bilden. In weiten Teilen der Region bedecken Lössböden die Landschaft und machen sie für die Landwirtschaft nutzbar.

Durch jahrzehntelange Bewirtschaftung wurden Hügel abgetragen und Senken verfüllt, sodass das ursprüngliche Relief heute weniger ausgeprägt ist als in früheren Epochen. Die Lone führt heute in vielen Jahren kein dauerhaftes Wasser; während der Würm-Kaltzeit dürfte sie jedoch regelmäßig Wasser geführt haben. Der Grundwasserspiegel liegt nahe der Bocksteinhöhle dicht unter der Oberfläche, weshalb selbst in trockenen Zeiten Pfützen im Flussbett entstehen.

Beschreibung der Höhle

Die Höhle misst rund 20 Meter in der Breite und etwa 15 Meter in der Tiefe. Sie verfügt über zwei Eingänge, deren Geschichte sehr unterschiedlich verläuft.

Der heute genutzte Haupteingang war ursprünglich deutlich kleiner und lag bis ins 19. Jahrhundert in einer Höhe von zwei Metern über dem Höhlenboden. Für die frühen Ausgrabungen wurde er durch Sprengungen bis auf Bodenniveau erweitert, um den Abtransport von Abraum und Fundstücken zu erleichtern. Den eigentlichen steinzeitlichen Hauptzugang, das sogenannte Törle, entdeckte Robert Wetzel erst in den 1950er Jahren bei seinen Grabungen als pleistozänen Eingang zur Höhle.

Grabungsgeschichte: Wer hat wann geforscht?

Den Anstoß zu den ersten Grabungen gab der Fund von Höhlenbärenknochen in der benachbarten Bärenhöhle. Der Oberförster von Langenau, Ludwig Bürger, und der Pfarrer Friedrich Losch führten 1883 und 1884 Ausgrabungen an und in der Bocksteinhöhle durch. Dabei kamen Wildtierknochen, Stein- und Knochengeräte sowie zwei menschliche Skelette zutage – das einer jungen Frau und das eines Säuglings, der zu ihren Füßen lag.

Über die Datierung der Skelette entstand ein Expertenstreit: Bürger, Losch, Oscar Fraas und Hermann Schaaffhausen hielten sie für prähistorisch; Hermann Hölder und Rudolf Virchow sprachen ihnen ein junges Alter zu. Der Pfarrer von Öllingen, Emil Lechler, fand schließlich im Kirchenbuch einen Eintrag von 1739, der den Suizid einer jungen Frau mit Kind und deren Beisetzung im Lonetal beschreibt. Die Skelette galten daraufhin als historisch und gerieten in Vergessenheit – bis das Skelett des Neugeborenen in den 1990er Jahren im Museum Ulm wiederentdeckt und auf 6300 bis 6200 v. Chr. datiert wurde. Damit lag die Spätmesolithik-Einschätzung von Bürger und Losch letztlich richtig.

Robert Rudolf Schmidt legte 1908 einen Grabungsschnitt an und traf dieselben Fundschichten wie die Altgrabungen, ohne jedoch direkte Anschlüsse an deren Funde herstellen zu können. Ab 1932 führte Robert Wetzel gemeinsam mit Anton Bamberger Ausgrabungen im Bocksteingebiet durch, die mit Unterbrechungen bis 1956 andauerten. In dieser Zeit wurde unter anderem ein Sondagegraben bis zum Talgrund angelegt und das Bocksteintörle als pleistozäner Zugang identifiziert.

Kulturelle Funde: Was belegen die Artefakte?

Die kulturellen Funde lassen sich auf einen Zeitraum von 50.000 bis 70.000 Jahren zurückdatieren und bezeugen den ältesten bekannten Siedlungskomplex des Neandertalers in Süddeutschland. Zu den Werkzeugfunden zählen 50 Faustkeile sowie mehrere Hundert Spitzen aus Quarzit oder Hornstein.

Daneben wurden Schmuckgegenstände geborgen: ein Höhlenbärenzahn mit durchbohrtem Loch sowie Schmuckobjekte aus Mammutelfenbein und Tonschiefer. Die Artefakte entstammen verschiedenen Kulturstufen – darunter Aurignacien, Gravettien und Magdalénien (dem modernen Menschen zugeordnet) sowie Micoquien und Moustérien (dem Neandertaler zugeordnet).

Tierreste und Umweltrekonstruktion

In allen Schichten der Höhle fanden sich neben Artefakten auch Skelette und Gebisse von Tieren, die Rückschlüsse auf die damalige Umwelt erlauben. Brand- und Schnittspuren an Knochen belegen in allen Schichten eine menschliche Besiedlung.

Pferde stellten – mit Ausnahme des Gravettiens – in den meisten Schichten die häufigste Tierart dar. Im Gravettien dominierten Rentiere, die aber auch in anderen Perioden regelmäßig vorkamen. Weitere Herbivore wie Wildrinder, Hasen und Nager sowie Reste von Höhlenbären und anderen Fleischfressern wurden ebenfalls nachgewiesen.

In den meisten Schichten überwiegen Zeigerarten für Waldsteppen, darunter Auerhühner, Elche und Luchse. Einzig im Gravettien fanden sich ausschließlich Steppentiere, was auf eine weitgehend waldfreie Landschaft in dieser Periode hindeutet.

UNESCO-Welterbe: Was umfasst die Stätte?

Seit 2017 gehört die Bocksteinhöhle zur UNESCO-Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«. Diese Stätte umfasst insgesamt sechs Höhlen der Region.

Die Aufnahme in das Welterbe würdigt den außergewöhnlichen universellen Wert der Höhlen als Fundplätze früher menschlicher Kultur und Kunst aus der Eiszeit.

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Bocksteinhöhle?

Die Bocksteinhöhle liegt im mittleren Lonetal auf der Gemarkung der Gemeinde Rammingen in Baden-Württemberg, zwischen den Orten Öllingen und Bissingen ob Lontal, nahe der bayerischen Grenze. Sie befindet sich an einem Nordwesthang, rund 50 Meter über der Talsohle.

Seit wann ist die Bocksteinhöhle UNESCO-Welterbe?

Die Bocksteinhöhle wurde 2017 als eine von sechs Höhlen in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Stätte trägt den Namen »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«.

Welche archäologischen Funde stammen aus der Bocksteinhöhle?

Zu den wichtigsten Funden zählen 50 Faustkeile, mehrere Hundert Spitzen aus Quarzit oder Hornstein sowie Schmuckgegenstände aus Mammutelfenbein, Tonschiefer und ein durchlochter Höhlenbärenzahn. Die Artefakte belegen eine Besiedlung durch den Neandertaler vor 50.000 bis 70.000 Jahren sowie spätere Nutzung durch den modernen Menschen in Kulturstufen wie Aurignacien, Gravettien und Magdalénien.

Was ist das Bocksteintörle?

Das Bocksteintörle ist der ursprüngliche, steinzeitliche Haupteingang der Bocksteinhöhle. Robert Wetzel entdeckte ihn in den 1950er Jahren bei Ausgrabungen als pleistozänen Zugang zur Höhle. Der heute genutzte Eingang wurde im 19. Jahrhundert durch Sprengungen auf Bodenniveau erweitert.

Wer hat die Bocksteinhöhle ausgegraben und wann?

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen führten Ludwig Bürger und Friedrich Losch 1883 und 1884 durch. Robert Rudolf Schmidt legte 1908 einen weiteren Grabungsschnitt an. Die umfangreichsten Untersuchungen leitete Robert Wetzel, der von 1932 bis 1956 – mit Unterbrechungen – gemeinsam mit Anton Bamberger arbeitete.

Wo werden die Funde aus der Bocksteinhöhle aufbewahrt?

Die bei den verschiedenen Ausgrabungen geborgenen Funde befinden sich größtenteils im Ulmer Museum. Dort wurde in den 1990er Jahren auch das Skelett eines Neugeborenen wiederentdeckt, das auf 6300 bis 6200 v. Chr. datiert wurde.

Welche anderen Höhlen liegen in unmittelbarer Nähe?

In direkter Nachbarschaft der Bocksteinhöhle befinden sich das Westloch, das Bocksteinloch und die Bocksteingrotte. Vor dem Bocksteinloch liegt ein als Bocksteinschmiede bezeichneter Vorplatz.

Was sagen die Tierknochen über die damalige Umwelt aus?

Die Tierreste belegen für die meisten Zeitepochen eine Waldsteppenlandschaft, wie sie Zeigerarten wie Auerhühner, Elche und Luchse anzeigen. Einzig im Gravettien dominierten ausschließlich Steppentiere, was auf eine weitgehend baumfreie Umgebung in dieser Periode hindeutet. Pferde waren – außer im Gravettien, wo Rentiere überwogen – die häufigste Tierart in den Schichten.

Quellen

  1. Wikipedia: Bocksteinhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags