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Burkhardtshöhle

Die Burkhardtshöhle ist eine zerstörte Karsthöhle und ein archäologischer Fundplatz des Magdalénien auf dem Gebiet der Gemeinde Westerheim im Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg. Sie liegt am Nordrand der Mittleren Schwäbischen Alb in 735 m ü. NHN und ist heute als Höhlenruine erhalten. Als eine der wenigen altsteinzeitlichen Fundstellen dieses rauen Randbereichs gilt sie als wichtige regionale Referenzfundstelle.

Bedeutung erlangte die Burkhardtshöhle durch den Nachweis spätglazialer Menschenreste, deren mitochondriale DNA im Jahr 2016 sequenziert werden konnte, sowie durch Steinartefakte, die weitreichende Mobilitätsnetzwerke eiszeitlicher Jäger- und Sammlergruppen belegen.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Burkhardtshöhle
Burkhardtshöhle bFoto: Thilo Parg · CC BY-SA 4.0
GemeindeWesterheim, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg
Lageca. 3,5 km nordwestlich des Westerheimer Ortskerns, Waldgebiet Hochbuch, Trockental
Höhe735 m ü. NHN
TypKarsthöhle (Halbhöhle), heute Höhlenruine
Abmessungen (ursprünglich)6,50 m breit, 4,00 m tief
Archäologische EpocheMagdalénien (Jungpaläolithikum, Spätglazial)
Entdeckung14. Februar 1933 durch Gustav Riek
ZerstörungFrühjahr 1945, Sprengung eines Munitionsdepots der Wehrmacht
Schutzstatus / GeopointGeopoint des UNESCO Global Geoparks Schwäbische Alb
Benannt nachGeorg Burkhardt, Geislinger Studiendirektor und Heimatforscher

Lage und natürliche Situation

Die Burkhardtshöhle befindet sich im steilen Trockental des Waldgebiets Hochbuch, rund 3,5 Kilometer nordwestlich des Westerheimer Ortskerns. Ihr Eingang öffnete sich am rechten Talhang, rund 300 Meter nördlich und talabwärts des als Steinernem Haus bekannten Felsgebildes.

Das Trockental wirkt im Winter aufgrund von Inversionslagen als klimatische Kältefalle. Dies spricht dafür, dass die Halbhöhle vorrangig im Frühjahr und Sommer als kurzzeitiges Saisondomizil genutzt wurde.

Zusammen mit der benachbarten Schertelshöhle und dem Steinernen Haus bildet die Ruine einen offiziell ausgewiesenen Geopoint des UNESCO Global Geoparks Schwäbische Alb.

Entdeckung und Ausgrabungen

Gustav Riek, Archäologe und Geologe, entdeckte die Höhle am 14. Februar 1933. Er lokalisierte sie durch eine lediglich 40 Zentimeter hohe Felsspalte am Fuß einer niedrigen Felswand. Der Name ehrt Georg Burkhardt, den Geislinger Studiendirektor und Heimatforscher, der in diesem Bereich bereits eine verschüttete Höhle vermutet hatte.

In zwei Grabungskampagnen — Frühjahr 1933 und August 1934 — räumte Riek die Erdschichten der Halbhöhle in rund dreiwöchiger Arbeitszeit vollständig aus. Im Juni 1973 führte das Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen eine Nachgrabung durch. Da der Höhlenraum zu diesem Zeitpunkt bereits zerstört war, legten die Forscher ein Profil am östlichen Hangvorplatz an und gewannen durch systematisches Schlämmen des alten Riekschen Grabungsaushubs 48 bis dahin übersehene kleine Steinartefakte des Magdalénien.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die Wehrmacht die von Riek freigelegte Felshalle als Artilleriemunitionsdepot. Beim Rückzug im Frühjahr 1945 wurde die eingelagerte Munition gesprengt.

Die Explosion ließ das schützende Felsdach vollständig kollabieren und verwandelte die Höhle in ein Trümmerfeld, das seither unzugänglich ist. Damit wurde eine vollständig ausgegrabene, dokumentierte Fundstelle dauerhaft vernichtet.

Stratigraphie und Sedimentprofil

Riek dokumentierte ein 6,62 Meter tiefes Sedimentprofil, das in 12 feinstufige Schichten gegliedert war. Die altsteinzeitliche Kulturschicht beschränkte sich ausschließlich auf die spätglazialen Kalkschuttsedimente der Schicht V.

Innerhalb dieser Schicht legte Riek zwei Herdanlagen frei, die mit ortsfremden Kalkplatten künstlich ausgebildet worden waren und als Kochplätze sowie handwerkliche Arbeitsbereiche gedient hatten.

Was wurde in der Burkhardtshöhle gefunden?

Das archäologische Gesamtinventar umfasst 825 Steinartefakte. Unter den Werkzeugformen überwiegen Rückenspitzen (Federmesser) und Stichel; Bohrer und Kratzer treten seltener auf. Daneben fanden sich organische Objekte: ein verzierter Knochenpfriem, eine Querangel zum Fischfang sowie ein gekerbter fossiler Belemnit, der als Schmuckanhänger getragen wurde.

Das Rohmaterialspektrum setzt sich aus lokalem Jurahornstein der zentralen Schwäbischen Alb (57 %), Tertiärhornstein aus dem nahen Randecker Maar (35 %) und Plattenhornstein aus Ostbayern (6 %) zusammen. Spektroskopisch konnte der Randecker-Maar-Hornstein auch in weit entfernten Fundstellen des Ach- und Lonetals nachgewiesen werden, was auf Transportnetzwerke zur Albsüdseite hinweist. Der ostbayerische Plattenhornstein belegt Kontakte über mehr als 150 Kilometer entlang der Donau-Achse.

Spätglaziale Fauna und Jagdwirtschaft

Nach der Neubestimmung der Faunalreste durch Hubert Berke im Jahr 1988 wird das Tierartenspektrum von Wildpferd und Rentier dominiert, die den Hauptteil der Fleischversorgung stellten. Als Beifunde traten Knochen von Schneehase, Polarfuchs, Steinbock, Braunbär und Elch auf.

Fischschuppen sowie Wirbel von Forelle und Hecht deuten auf die Nutzung der nahen Fils hin. Das Artenspektrum insgesamt passt zu einer kurzzeitigen Frühjahrs- und Sommernutzung der Halbhöhle.

Paläogenetik: Was verraten die Menschenknochen?

Bei der wissenschaftlichen Neuaufnahme des Fundmaterials 1993 wurden fünf menschliche Schädelfragmente identifiziert. Die Radiokarbondatierung ergab ein Alter von 12.450 ± 110 BP.

Im Rahmen einer globalen Genomstudie 2016 gelang die Sequenzierung der mitochondrialen DNA dieser Knochen. Die Sequenzen wurden der ur-europäischen Haplogruppe U8a zugeordnet, was biologische Kontinuität und eine Wiederbesiedlung Mitteleuropas aus südeuropäischen Refugien nach dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit belegt.

Besuch und Zugänglichkeit

Die Höhlenruine ist im Gelände vorhanden, jedoch nicht begehbar. Sie liegt im Waldgebiet Hochbuch und ist als Geopoint des UNESCO Global Geoparks Schwäbische Alb ausgewiesen, der gemeinsam mit der Schertelshöhle und dem Steinernen Haus besichtigt werden kann.

Aktuelle Informationen zu Wegführung und Zugänglichkeit bietet der UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb auf seinen offiziellen Seiten.

Häufige Fragen

Warum ist die Burkhardtshöhle heute eine Ruine?

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lagerte die Wehrmacht Artilleriemunition in der freigelegten Felshalle. Beim Rückzug im Frühjahr 1945 wurde die Munition gesprengt, was das Felsdach vollständig zum Einsturz brachte und die Höhle in ein unzugängliches Trümmerfeld verwandelte.

Wer entdeckte die Burkhardtshöhle und wann?

Der Archäologe und Geologe Gustav Riek entdeckte die Höhle am 14. Februar 1933. Er fand sie anhand einer nur 40 Zentimeter hohen Felsspalte am Fuß einer niedrigen Felswand. Benannt wurde sie nach Georg Burkhardt, dem Geislinger Studiendirektor und Heimatforscher, der in diesem Bereich bereits eine verschüttete Höhle vermutet hatte.

Welcher archäologischen Epoche werden die Funde zugeordnet?

Die Funde stammen aus dem Magdalénien, einer Kulturphase des Jungpaläolithikums im Spätglazial. Die menschlichen Knochen wurden auf 12.450 ± 110 BP datiert. Charakteristische Werkzeuge wie Federmesser und Stichel bestätigen diese Zuordnung.

Was belegen die Rohmaterialien der Steinartefakte?

Das Inventar enthält neben lokalem Jurahornstein (57 %) auch Tertiärhornstein aus dem Randecker Maar (35 %) und Plattenhornstein aus Ostbayern (6 %). Das Auftreten des ostbayerischen Materials belegt Mobilitätsnetzwerke über mehr als 150 Kilometer entlang der Donau-Achse. Umgekehrt wurde Randecker-Maar-Hornstein in Fundstellen des Ach- und Lonetals auf der Albsüdseite nachgewiesen.

Was ergab die Analyse der menschlichen Knochen aus der Burkhardtshöhle?

Fünf Schädelfragmente, 1993 im Fundmaterial neu erkannt, wurden 2016 im Rahmen einer globalen Genomstudie analysiert. Die mitochondriale DNA ließ sich der ur-europäischen Haplogruppe U8a zuordnen. Dieser Befund stützt die These einer Wiederbesiedlung Mitteleuropas aus südeuropäischen Refugien nach dem letzten glazialen Maximum.

Welche Tiere jagten die Menschen an der Burkhardtshöhle?

Wildpferd und Rentier dominierten die Jagdfauna und bildeten die Hauptgrundlage der Fleischversorgung. Daneben belegen Knochen von Schneehase, Polarfuchs, Steinbock, Braunbär und Elch ein breites Spektrum. Fischschuppen und Wirbel von Forelle und Hecht weisen auf Fischfang in der nahen Fils hin.

Ist die Burkhardtshöhle Teil eines Geoparks?

Ja. Die Ruine bildet zusammen mit der benachbarten Schertelshöhle und dem Steinernen Haus einen offiziellen Geopoint des UNESCO Global Geoparks Schwäbische Alb. Alle drei Objekte liegen im selben Trockental im Waldgebiet Hochbuch bei Westerheim.

Wie wurde die Halbhöhle von eiszeitlichen Menschen genutzt?

Aufgrund der Fundzusammensetzung und der klimatischen Eigenschaften des Trockentals — das im Winter als Kältefalle wirkt — wird die Burkhardtshöhle als kurzzeitiges Saisondomizil interpretiert, das primär im Frühjahr und Sommer aufgesucht wurde. Die zwei freigelegten Herdanlagen dienten als Kochplätze und handwerkliche Arbeitsbereiche.

Quellen

  1. Wikipedia: Burkhardtshöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags