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Chilchlihöhle

Die Chilchlihöhle – auch Chilchlihöhli genannt – befindet sich auf 1810 Metern über Meer im Stockhorngebiet, oberhalb von Erlenbach im Simmental im Berner Oberland. Sie ist sowohl als altsteinzeitliche Fundstelle als auch als historischer Zufluchtsort verfolgter Täufer dokumentiert.

Mit einer überdachten Bodenfläche von 60 Quadratmetern und einem Raumvolumen von rund 160 Kubikmetern gehört die Höhle zu den kleineren, aber archäologisch bedeutsamen Karsthohlräumen der Region.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
LageStockhorngebiet, oberhalb Erlenbach im Simmental, Kanton Bern, Schweiz
Seehöhe1810 m ü.M.
Überdachte Bodenfläche60 m²
Höhlenvolumenca. 160 m³
TypNaturhöhle, archäologische Fundstelle
Zeitstellung der FundePaläolithikum (Altsteinzeit, älter als 10 000 Jahre)
ErforschungAlbert und David Andrist sowie Walter Flükiger, nach 1925 über rund 30 Jahre
ZugangAn der Wanderroute Schnurenloch im Simmental

Lage und Beschreibung

Die Chilchlihöhle liegt auf 1810 Metern über Meer im Stockhorngebiet des Berner Oberlandes, administrativ zur Gemeinde Erlenbach im Simmental gehörig. Sie ist Teil einer Gruppe prähistorischer Fundstellen in der näheren Umgebung, zu der auch das Ranggiloch auf 1845 Metern und das Schnurenloch auf 1230 Metern zählen.

Der Höhlenraum ist mit einer überdachten Fläche von 60 Quadratmetern und einem Volumen von rund 160 Kubikmetern vergleichsweise kompakt. Die Höhle ist über die Wanderroute zum Schnurenloch im Simmental erreichbar.

Welche Spuren der Altsteinzeit wurden gefunden?

Ab dem Jahr 1925 untersuchten Albert und David Andrist gemeinsam mit Walter Flükiger die Höhle und ihre unmittelbare Umgebung über einen Zeitraum von rund dreißig Jahren. Grabungen erfassten den Hang unterhalb der Höhle, den Höhlenvorplatz sowie den Höhlenboden.

Dabei kamen zahlreiche Knochenfragmente verschiedener Tierarten zutage. Unter den insgesamt 21 Stücken aus werkzeugtauglichem Gestein wiesen alle Spuren menschlicher Bearbeitung auf – es handelt sich vorwiegend um Abschlaggeräte. Die Forschenden ordneten die Funde dem Paläolithikum zu, also einer Zeit, die mehr als 10 000 Jahre zurückliegt.

Zusammen mit dem Ranggiloch und dem Schnurenloch gilt die Chilchlihöhle damit als Teil eines altsteinzeitlichen Rastplatzsystems im Simmental. Die Ergebnisse der Grabungen wurden 1964 in der Publikation »Das Simmental zur Steinzeit« (Verlag Stämpfli & Cie, Bern) veröffentlicht.

Die Höhle als Zufluchtsort verfolgter Täufer

Nach der Reformation verfolgte die Berner Regierung Angehörige der Täuferbewegung systematisch und verwies sie des Landes. In dieser Zeit nutzte Peter Thöne(n) von Reutigen, ein Vorfahre der Familie Thöne(n), die Chilchlihöhle als Versteck.

Viele Täufer flohen in dieser Periode in die Pfalz, in die Niederlande oder nach Amerika. Der Fall Thöne(n) ist ein lokales Zeugnis dieser Verfolgungsgeschichte, die im breiteren Kontext des bernischen Täufertums steht.

Einbettung in die Forschungsgeschichte des alpinen Paläolithikums

Die Funde aus der Chilchlihöhle, dem Ranggiloch und dem Schnurenloch stehen im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Debatte über altsteinzeitliche Präsenz im Alpenraum, insbesondere der Frage nach einem sogenannten alpinen Moustérien. Jean-Marie Le Tensorer hat diesen Forschungsstand im Historischen Lexikon der Schweiz dargestellt.

Die dreißigjährige Feldarbeit der Andrists und Flükingers gilt als eine der frühesten systematischen Erfassungen steinzeitlicher Fundstellen im Simmental.

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Chilchlihöhle?

Die Höhle befindet sich auf 1810 Metern über Meer im Stockhorngebiet des Berner Oberlandes, oberhalb von Erlenbach im Simmental in der Schweiz. Sie liegt entlang der Wanderroute zum Schnurenloch im Simmental.

Wie groß ist die Chilchlihöhle?

Die überdachte Bodenfläche beträgt 60 Quadratmeter, das Raumvolumen umfasst rund 160 Kubikmeter. Es handelt sich damit um eine vergleichsweise kleine, aber archäologisch gut dokumentierte Höhle.

Welche archäologischen Funde stammen aus der Chilchlihöhle?

Ausgrabungen im Höhlenboden, auf dem Vorplatz und am Hang lieferten Knochenfragmente verschiedener Tierarten sowie 21 Steinartefakte mit Bearbeitungsspuren, darunter Abschlaggeräte. Die Funde werden dem Paläolithikum zugeordnet, also einer Zeit vor mehr als 10 000 Jahren.

Wer hat die Chilchlihöhle erforscht?

Albert und David Andrist sowie Walter Flükiger erforschten die Höhle über rund dreißig Jahre nach 1925. Ihre Ergebnisse erschienen 1964 im Band »Das Simmental zur Steinzeit« beim Verlag Stämpfli & Cie in Bern.

Was hat die Chilchlihöhle mit den Täufern zu tun?

Nach der Reformation nutzte Peter Thöne(n) von Reutigen, ein Vorfahre der Familie Thöne(n), die Höhle als Versteck. Er gehörte zur Täuferbewegung und wurde von der Berner Regierung verfolgt und zur Ausweisung aus dem Land gesucht.

Wie ist die Chilchlihöhle zu erreichen?

Die Höhle liegt an der Wanderroute Schnurenloch im Simmental. Ausgangspunkt ist Erlenbach im Simmental im Berner Oberland.

In welchem Zusammenhang stehen Chilchlihöhle, Ranggiloch und Schnurenloch?

Alle drei Fundstellen im Simmental wurden von Andrist und Flükiger dem Paläolithikum zugeordnet und gemeinsam als altsteinzeitliche Rastplätze interpretiert. Sie liegen auf unterschiedlichen Höhen: das Schnurenloch auf 1230, die Chilchlihöhle auf 1810 und das Ranggiloch auf 1845 Metern über Meer.

Quellen

  1. Wikipedia: Chilchlihöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags