Coves d’Artà
Die Coves d'Artà (auch Coves de s'Ermità) sind ein Tropfsteinhöhlensystem an der Ostküste der Baleareninsel Mallorca. Sie liegen im Gemeindegebiet von Capdepera, östlich des Ortes Canyamel, und gehören neben den Coves del Drac und den Coves dels Hams zu den bekanntesten Höhlen der Region Llevant.
Der Höhleneingang befindet sich an der Südseite des Cap Vermell, rund 50 Meter über dem Meeresspiegel. Von dort bietet sich ein weiter Blick über die Bucht von Canyamel, in die der Torrent de Canyamel mündet.

| Typ | Karsthöhle / Tropfsteinhöhlensystem |
| Lage | Cap Vermell, Gemeinde Capdepera, Mallorca, Spanien |
| Region (Comarca) | Llevant |
| Höhenage Ausgang | ca. 50 m über dem Meeresspiegel |
| Eingangsbereich | Felsbogen ca. 100 m breit, ca. 25 m hoch |
| Größte Halle | »Paradies«, 54 m Höhe |
| Bedeutende Tropfsteinsäule | »Königin der Säulen«, 22 m hoch (lt. anderer Angabe 15 m) |
| Erste dokumentierte Erforschung | 1806–1808, Juan Garau y Serra |
| Gedenkbuch | seit 1869 ausgelegt |
| Besichtigung | ausschließlich mit Führung (mehrsprachig) |
Lage und Namensherkunft
Der Name Coves d'Artà entstand, bevor Capdepera 1858 eine eigenständige Gemeinde wurde. Zuvor gehörte das Gebiet gemeinsam mit Son Servera zur Gemeinde Artà, was den Ortsnamen im Höhlennamen konserviert hat.
Gegenüber den Coves del Drac und den Coves dels Hams bei Porto Cristo liegen die Coves d'Artà etwa 15 Kilometer weiter nordöstlich. Der gut ausgeschilderte Zufahrtsweg endet an einem Parkplatz direkt am Eingangsbereich.
Wie sind die Höhlen aufgebaut?
Der Besuch beginnt unter einem weitgespannten Felsbogen, durch den ein asphalierter Vorplatz führt. Der eigentliche Eingang liegt links unterhalb einer Steintreppe, die 1860 anlässlich des Besuchs von Königin Isabella II. errichtet wurde; über diese Treppe verlässt man die Höhlen auch wieder.
Ein Stollen verbindet den Eingang mit dem ersten großen Raum, dem »Vestibül«. Dieser Vorsaal ist 75 Meter lang, zwischen 20 und 40 Meter breit sowie 15 bis 25 Meter hoch. Der markanteste Tropfstein dort trägt den Namen »Virgen del Pilar«.
Es folgen der »Saal der 1000 Säulen«, in dem zahlreiche Stalaktiten und Stalagmiten zu durchgehenden Säulen zusammengewachsen sind, und der »Saal der Säulenkönigin« mit der namensgebenden, besonders schlanken Säule in der Saalmitte. Am Ende dieses Saals stehen zwei als »Zelt« (vier Meter hoch) und »Tabernakel« (acht Meter hoch) bezeichnete Einzelformationen.
Über den »Vorsaal der Hölle« – in dem eine bei einem Erdbeben gebrochene Säule erhalten ist – gelangt man in die »Hölle«, deren Säulen dicker als in anderen Bereichen sind. Den Abschluss bildet das »Paradies«, mit 54 Metern Deckenhöhe die volumenmäßig größte Halle des Systems; ihr Volumen soll das der Kathedrale von Palma übertreffen.

Besondere Formationen und ihre Namen
Die »Königin der Säulen« im gleichnamigen Saal ist 22 Meter hoch (nach anderen Angaben 15 Meter) und zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Schlankheitsverhältnis aus; zwischen ihrer Spitze und dem Deckengewölbe bleibt noch ein kleiner Zwischenraum. 1841 bot eine englische Gesellschaft 25.000 Pfund Sterling für den Erwerb dieser Stalagmitenformation – der Kauf kam nicht zustande.
Im »Flaggensaal« tragen zwei breite, gefaltete Steinvorhänge dem Raum seinen Namen. Eine Säulengruppe erinnert optisch an eine Orgel; einige Säulen, »Glocken« genannt, erzeugen beim Anschlagen mit Steinen harmonische Klänge, was den Besuchern während der Führung vorgeführt wird.
In der »Hölle« befindet sich am Fuß eines gelblichen Felsens eine schlanke gewundene Säule in einem Bereich, der als »Sarg von Napoleón« bezeichnet wird. Spitze Ablagerungen in diesem Saal werden »Höllenflament« genannt.
Geschichte und frühe Nutzung
Die Höhlen wurden nachweislich als Wohn- und Zufluchtsstätte genutzt. Im Jahr 1229 sollen sich dort die letzten maurischen Soldaten vor dem Heer Jaume I. von Aragón verschanzt haben; das stark geschwärzte Gestein im Eingangsbereich wird auf damalige Ausräucherungsversuche zurückgeführt.
Aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen Inschriften im Inneren, die laut Antonio Cabra auf die Jahre 1517 und 1614 datiert werden. Die erste systematische Erforschung des Systems geht auf den Geistlichen Juan Garau y Serra zurück, der dies zwischen 1806 und 1808 unternahm.

Gedenkbuch und berühmte Besucher
Seit 1869 liegt in den Coves d'Artà ein Gedenkbuch aus, in das Besucher ihren Namen eintragen können. Darin finden sich unter anderem die Einträge von Jules Verne, Victor Hugo, Alexandre Dumas, Antonio Maura und Erzherzog Leopold Salvator von Österreich.
Der besondere Besuch, dem die 1860 erbaute Steintreppe ihren Ursprung verdankt, war der von Königin Isabella II. von Spanien, zu dessen Anlass der repräsentative Auf- und Abstieg angelegt wurde.
Literarischer Bezug: Miquel Costa i Llobera
Im »Flaggensaal« ist an der Felswand eine Tafel mit einem Absatz aus dem Gedicht »La deixa del Geni Grench« des mallorquinischen Dichters Miquel Costa i Llobera (1854–1922) eingraviert. Das Gedicht spielt in den Coves d'Artà.
Die Inschrift erinnert an eine Vorlesung von Teilen dieses Werkes durch den Dichter Guillem Colom i Ferrà (1890–1979) in den Höhlen.

Besuch: Was erwartet einen dort?
Die Coves d'Artà sind ausschließlich im Rahmen einer Führung zu besichtigen; Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten. Gesicherte Wege verbinden die einzelnen Hallen, die sämtlich elektrisch beleuchtet sind.
In der »Hölle« wird zusätzlich eine Ton-Wechsellicht-Schau geboten. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreis finden sich auf der offiziellen Website der Coves d'Artà.
Häufige Fragen
Wo genau liegen die Coves d'Artà?
Die Höhlen befinden sich an der Südseite des Cap Vermell im Gemeindegebiet von Capdepera, östlich des Ortes Canyamel an der Ostküste Mallorcas. Der Eingang liegt etwa 50 Meter über dem Meeresspiegel mit Blick auf die Bucht von Canyamel.
Wie groß sind die Hallen der Coves d'Artà?
Das Vestibül ist 75 Meter lang, 20 bis 40 Meter breit und 15 bis 25 Meter hoch. Die größte Halle, das »Paradies«, erreicht eine Deckenhöhe von 54 Metern; ihr Volumen soll das der Kathedrale von Palma übertreffen.
Wie hoch ist die berühmte Tropfsteinsäule in den Coves d'Artà?
Die »Königin der Säulen« im gleichnamigen Saal wird mit 22 Metern angegeben, nach anderen Quellen mit 15 Metern. Sie gilt als besonders schlank im Verhältnis zu ihrer Höhe und hat noch einen kleinen Abstand zum Deckengewölbe.
Kann man die Coves d'Artà eigenständig erkunden?
Nein, eine Besichtigung ist ausschließlich mit einer Führung möglich. Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten. Die Wege sind gesichert und die Hallen elektrisch beleuchtet.
Welche bekannten Persönlichkeiten haben die Höhlen besucht?
Seit 1869 liegt ein Gedenkbuch aus, in dem sich unter anderem Jules Verne, Victor Hugo, Alexandre Dumas, Antonio Maura und Erzherzog Leopold Salvator von Österreich eingetragen haben. Bereits 1860 besuchte Königin Isabella II. die Höhlen, zu deren Empfang die steinerne Außentreppe errichtet wurde.
Warum heißen die Höhlen noch immer »d'Artà«, obwohl sie in Capdepera liegen?
Der Name stammt aus der Zeit vor 1858, als Capdepera noch keine eigenständige Gemeinde war und das Gebiet gemeinsam mit Son Servera zur Gemeinde Artà gehörte. Die historische Bezeichnung hat sich seitdem gehalten.
Welche historische Nutzung hatten die Coves d'Artà vor dem Tourismus?
Die Höhlen dienten als Wohn- und Zufluchtsstätte. Im Jahr 1229 sollen sich die letzten maurischen Soldaten dort vor dem Heer Jaume I. versteckt haben; das geschwärzte Gestein im Eingangsbereich zeugt noch von Ausräucherungsversuchen. Auch Piraten nutzten die Höhlen nachweislich als Versteck.
Gibt es in den Coves d'Artà einen literarischen Bezug?
Im »Flaggensaal« ist eine Tafel mit einem Absatz aus dem Gedicht »La deixa del Geni Grench« des mallorquinischen Dichters Miquel Costa i Llobera (1854–1922) angebracht. Das Gedicht spielt in diesen Höhlen; die Tafel erinnert an eine Lesung des Dichters Guillem Colom i Ferrà (1890–1979) vor Ort.
Quellen
- Wikipedia: Coves d’Artà — Faktengrundlage dieses Eintrags