Coves del Drac
Die Coves del Drac (kastilisch: Cuevas del Drach, »Drachenhöhlen«) sind ein Tropfsteinhöhlensystem an der Ostküste Mallorcas, im Gemeindegebiet von Manacor, südlich von Porto Cristo. Das begehbare System erstreckt sich über 1700 Meter und liegt in der Comarca Llevant.
Im Inneren befindet sich der Llac Martel, der größte unterirdische See Europas: 177 Meter lang, durchschnittlich 40 Meter breit und bis zu 9 Meter tief, mit einer konstanten Wassertemperatur von 20 °C. Insgesamt enthält das Höhlensystem sieben Seen.

| Lage | Gemeindegebiet Manacor, südlich Porto Cristo, Ostküste Mallorca, Balearen, Spanien |
| Comarca | Llevant |
| Typ | Tropfsteinhöhle (Karsthöhle) |
| Ausdehnung | 1700 Meter begehbare Länge |
| Anzahl Seen | 7 (darunter der Llac Martel) |
| Llac Martel – Länge | 177 Meter |
| Llac Martel – Breite | durchschnittlich 40 Meter |
| Llac Martel – Tiefe | bis zu 9 Meter |
| Llac Martel – Temperatur | konstant 20 °C |
| Touristische Erschließung | ab 1922 durch Juan Servera Camps; offizielle Eröffnung 1935 |
Beschreibung und Geologie
Das Höhlensystem besteht aus Kalkstein, der durch Karstprozesse geformt wurde. An zahlreichen Stellen haben sich Stalaktiten und Stalagmiten herausgebildet; wo beide aufeinandertreffen, entstanden Säulen.
Das Wasser der Seen ist kristallklar. Der Llac Martel hält ganzjährig eine Temperatur von 20 °C. Neben ihm enthält das System sechs weitere Seen.
Frühe Geschichte: Legende und erste Erkundungen
Die Höhlen sind seit mindestens 3000 Jahren bekannt. Frühgeschichtliche Funde talayotischer Herkunft in der Nähe des Eingangs führten zur Wiederentdeckung des Zugangs. Lokale Überlieferungen berichteten, Piraten und Templer hätten dort Schätze versteckt und einem Drachen anvertraut — daher der Name.
Bis in historische Zeit wagten sich weder die Urbevölkerung noch spätere Besucher weiter als 200 Meter hinein, also so weit, wie das Tageslicht noch sichtbar war. 1339 entsandte der Gouverneur von Mallorca nach der Auflösung des Templerordens Soldaten, um nach Templerbesitz zu suchen. Die dabei entstandenen Aufzeichnungen und Karten sind die ersten schriftlichen Dokumente über die Höhle; die zugehörige Urkunde wird seit 1339 im Archiv des Königreichs Mallorca aufbewahrt.
Wissenschaftliche Erforschung im 19. und frühen 20. Jahrhundert
1878 verirrten sich eine Gruppe katalanischer Forscher für drei Tage im Inneren. Sie überlebten, konnten aber nicht angeben, wie weit sie vorgedrungen waren. In ihrer Not ritzten sie die Worte »No hi ha esperança« (»Es gibt keine Hoffnung mehr«) in die Höhlenwand.
1880 legte der deutsche Höhlenforscher Will Karten des vorderen Abschnitts an. Er beobachtete dabei eine zunehmende Kompassabweichung von Nord, je weiter er ins Innere vordrang.
Die systematische Erforschung erfolgte 1896 durch den französischen Höhlenforscher Édouard Alfred Martel, finanziert von Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich-Toskana. Martel kartografierte 1300 Meter des Systems und entdeckte den großen unterirdischen See, der seither seinen Namen trägt.

Zoologischer Fund: Begründung der Biospeläologie
1904 entdeckte der rumänische Meeresbiologe Emil Racoviță im Höhlensystem eine bis dahin unbekannte Assel-Gattung und -Art. Er beschrieb sie 1905 unter dem Namen Typhlocirolana moraguesi.
Dieser Fund lenkte Racoviță dauerhaft auf die Erforschung unterirdischer Ökosysteme. Er gilt heute als Begründer der Biospeläologie, der Wissenschaft von der Lebewelt in Höhlen.
Touristische Erschließung ab 1922
1922 kaufte der Mallorquiner Juan Servera Camps das Grundstück oberhalb des Höhleneingangs bei Porto Cristo. Nach damaligem Recht gehörten Höhlen dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Eingang lag, unabhängig von der unterirdischen Ausdehnung. Servera ließ Wege, Treppen und Sitzplätze anlegen und bei der Cala Murta einen zweiten Zugang schaffen.
1934 beauftragte er den Ingenieur Carles Buïgas i Sans mit der dramatischen Beleuchtung der Höhlenräume. Auf dem Llac Martel fuhren erstmals beleuchtete Orchesterboote, denen Besucherboote folgten. Nach einigen privaten Vorführungen mit Musik und Ballett fand 1935 die offizielle Eröffnung statt.
Die Räume erhielten Fantasienamen: Einige, wie »Feentheater« oder »Dianas Bad«, verweisen auf Stimmungen; andere, wie »Fahne«, »Mönch« oder »Kaktus«, beschreiben Gesteinsformationen.
Wie läuft ein Besuch heute ab?
Die Coves del Drac sind ganzjährig geöffnet. Besucher werden in Gruppen durch die ausgeleuchteten Gänge geführt; in der Hochsaison erfolgt dies im Stundentakt, da individuelle Führungen bei der Besucherzahl nicht möglich sind.
Am Llac Martel befindet sich ein Auditorium mit rund 1100 Plätzen, in dem musikalische Darbietungen mit beleuchteten Booten auf dem See stattfinden — eine Praxis, die auf die Inszenierungen von 1934 zurückgeht. Fotografieren ohne Blitz und Filmen ohne Stativ ist außerhalb des Auditoriums gestattet (Stand September 2022).
Die starke Kommerzialisierung und der hohe Besucherstrom ziehen Kritik auf sich. Für aktuelle Öffnungszeiten und Ticketinformationen empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Website der Betreiber.

Häufige Fragen
Wo genau liegen die Coves del Drac?
Die Höhlen liegen im Gemeindegebiet von Manacor an der Ostküste Mallorcas, südlich des Ortes Porto Cristo. Administrativ gehören sie zur Comarca Llevant.
Was ist der Llac Martel?
Der Llac Martel ist der größte unterirdische See Europas. Er ist 177 Meter lang, durchschnittlich 40 Meter breit und bis zu 9 Meter tief. Das Wasser hält ganzjährig eine konstante Temperatur von 20 °C. Benannt ist er nach dem französischen Höhlenforscher Édouard Alfred Martel, der ihn 1896 entdeckte.
Wie viele Seen gibt es in den Coves del Drac?
Das Höhlensystem enthält insgesamt sieben Seen, darunter der Llac Martel als größter.
Welche wissenschaftliche Bedeutung haben die Höhlen?
1904 entdeckte der Meeresbiologe Emil Racoviță dort die Assel Typhlocirolana moraguesi, eine bis dahin unbekannte Gattung und Art. Dieser Fund veranlasste ihn, sich der Erforschung unterirdischer Ökosysteme zu widmen; er gilt deshalb als Begründer der Biospeläologie.
Wann wurden die Höhlen erstmals kartografiert?
Erste Karten entstanden nach einer Expedition im Jahr 1339. Wissenschaftlich kartografiert wurde der vordere Abschnitt 1880 durch den deutschen Forscher Will; 1300 Meter des Systems erfasste der Franzose Édouard Alfred Martel im Jahr 1896.
Was ist das Besondere am musikalischen Programm in den Höhlen?
Am Llac Martel befindet sich ein Auditorium mit etwa 1100 Plätzen. Dort fahren beleuchtete Orchesterboote über den See, begleitet von Musik — eine Tradition, die auf Vorführungen zurückgeht, die Juan Servera Camps ab 1934 einführte.
Seit wann sind die Höhlen für Besucher zugänglich?
Die touristische Erschließung begann 1922, als Juan Servera Camps das Grundstück über dem Eingang erwarb und Wege sowie Beleuchtung anlegen ließ. Die offizielle Eröffnung für die Öffentlichkeit fand 1935 statt.
Darf man in den Coves del Drac fotografieren?
Fotografieren ohne Blitz und Filmen ohne Stativ ist in den Höhlen erlaubt, ausgenommen im Auditorium am Llac Martel (Stand: September 2022).
Quellen
- Wikipedia: Coves del Drac — Faktengrundlage dieses Eintrags