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Dachstein-Rieseneishöhle

Die Dachstein-Rieseneishöhle liegt im Nordteil des Dachsteinmassivs auf dem Gemeindegebiet von Obertraun im oberösterreichischen Salzkammergut. Mit einer bisher erkundeten Gesamtlänge von 2700 m und rund 150.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr zählt sie zu den bedeutenden Schauhöhlen Österreichs.

Die Höhle ist eine dynamische Eishöhle: Durch jahreszeitlich wechselnde Luftströmungen bleibt ein 340 m langer Höhlenast dauerhaft gefroren und enthält schätzungsweise 13.000 m³ Eis. Sie liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbegebiets Kulturlandschaft Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Dachstein-Rieseneishöhle
Dachstein Rieseneishöhle ParzifaldomFoto: Tigerente · CC BY-SA 4.0
TypDynamische Eishöhle
LageSchönbergwand, Nordteil des Dachsteinmassivs, Obertraun, Oberösterreich
Gesamtlänge (bekannt)2700 m
Schauhöhlenlänge800 m
Höhenlage Eingang (Führung)1421 m ü. A.
Tiefster Punkt (König-Artus-Dom)1384 m ü. A.
Eismasse (geschätzt)ca. 13.000 m³, Oberfläche ca. 5000 m²
Offizielles Entdeckungsdatum17. Juli 1910
Führungen seit1912
SchutzstatusNaturdenkmal (nd597) seit 1973; UNESCO-Welterbe WHS 806; FFH-/Vogelschutzgebiet AT3101000

Lage und Zugang

Die Höhle befindet sich in der Schönbergwand, rund 100 m oberhalb der Schönbergalm. Seit 1951 ist das Gebiet mit der Dachstein Krippenstein-Seilbahn erreichbar; von der Talstation Schönbergalm führt ein asphaltierter Fußweg zu den touristisch genutzten Ein- und Ausgängen.

Die Höhle besitzt drei begehbare Öffnungen. Der Führungseingang liegt auf 1421 m ü. A., das Portal des Großen Windlochs, das heute als Ausgang dient, auf 1459 m ü. A. Ein dritter Eingang auf 1436 m ü. A. erschließt nicht öffentlich zugängliche Bereiche.

Aufbau und Führungsweg

Der Führungsweg beginnt im eisfreien Teil der Höhle. Er führt zunächst am Bachlauf Korsa entlang zum Lehmhallenlabyrinth, einer Halle mit Tropfsteinbildungen, und dann über den alten Flusslauf Plimisoel weiter in die Tiefe.

Am Ende dieses Abstiegs liegt der König-Artus-Dom auf 1384 m ü. A., dem tiefsten Punkt des Schaubereichs. Der Raum ist von mächtigen Versturzblöcken geprägt, die sich im Laufe geologischer Zeiträume von der Decke lösten. Bereits die ersten Forschenden fanden dort Knochen von Höhlenbären, weshalb der Bereich auch Bärenfriedhof heißt.

Über Stiegen gelangt man zum Keyeschluff und durch eine Wettertür in den Eisteil der Höhle. Auf den Parsivaldom mit dem Kristallogletscher folgt der Tristandom als letzte große Halle des Führungswegs. Dort überquert eine Hängebrücke den Eisabgrund; alternativ kann ein Weg entlang der Höhlenwand begangen werden.

Die Benennung der Höhlenteile geht auf die Entdecker zurück und orientiert sich überwiegend an Begriffen und Namen aus dem keltisch-germanischen Sagenkreis.

Bewetterung und Eisbildung

Als dynamische Eishöhle verfügt das System über mindestens zwei Öffnungen in unterschiedlicher Höhe. Im Winter strömt wärmere Höhlenluft durch Gesteinsklüfte zu den oberen Ausgängen auf der Hochfläche – vermutlich zwischen 1600 und 1900 m gelegen – während kalte Außenluft durch die unteren Eingänge nachgezogen wird. Im Sommer kehrt sich die Strömungsrichtung um.

Von Dezember bis März verläuft die Strömung höhlenauswärts, von Juli bis September höhleneinwärts; in den Übergangsmonaten wechselt die Richtung häufig. Die mittlere Strömungsgeschwindigkeit beträgt 4 m/s.

Das Eiswachstum hängt maßgeblich von der Sickerwasserzufuhr ab und findet hauptsächlich während der Schneeschmelze auf dem Plateau in den Monaten April bis Juni statt. Nur im südöstlichen, 340 m langen, von Südwest nach Nordost verlaufenden Höhlenast herrschen dauerhaft Bedingungen, die Eisbildung erlauben. Pollenanalysen deuten auf ein Alter des vorhandenen Eises von etwa 500 Jahren hin.

2007 wurden Eismächtigkeiten per Bodenradar gemessen: Im Tristandom beträgt sie maximal 15 m, im Parsivaldom zwischen 2 und 6 m. Seit 2002 ist ein durchschnittlicher Eisrückgang von 6 cm pro Jahr belegt.

Dachstein-Rieseneishöhle
Dachstein Rieseneishöhle Tristandom HängebrückeFoto: Tigerente · CC BY-SA 4.0

Geschichte und Erforschung

Eine Legende besagt, der Obertrauner Peter Gamsjäger habe die Höhle 1897 bei der Suche nach vermisstem Vieh entdeckt. Diese Überlieferung gilt jedoch als wahrscheinlich nicht zutreffend; es ist anzunehmen, dass die Höhle der einheimischen Bevölkerung schon früher bekannt war.

Als offizielles Entdeckungsdatum gilt der 17. Juli 1910. An diesem Tag gelang es Hanna und Hermann Bock aus Brünn sowie Georg Lahner aus Linz, den Großen Eisabgrund zu überwinden und erstmals tiefer in die Höhle einzudringen.

Ab 1912 wurden regelmäßige Führungen angeboten. Bereits 1928 erhielt die Höhle eine elektrische Beleuchtung, 1952 wurde ein neuer Eingang angelegt.

Funde

Im König-Artus-Dom stießen die ersten Forschenden auf Knochen von Höhlenbären. Der Fundbereich wird seither auch als Bärenfriedhof bezeichnet.

Besuch

Die Höhle ist in den Sommermonaten zugänglich; aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind auf der offiziellen Website der Schauhöhle abrufbar. Die Führung dauert knapp eine Stunde; Höhepunkte des Schauwegs sind die Eiskapelle und die Gralsburg.

Aufgrund der ganzjährig niedrigen Temperaturen im Eisteil wird warme Bekleidung sowie festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle empfohlen. Auf der Schönbergalm befindet sich zudem die Dachstein-Mammuthöhle; die Koppenbrüllerhöhle liegt im Tal und kann ebenfalls besucht werden.

Dachstein-Rieseneishöhle
Schauhöhlen in Österreich (2012)Foto: C.Stadler/Bwag · CC BY-SA 3.0

Schutzstatus

In Österreich stehen Höhlen generell unter gesetzlichem Naturschutz. Die Dachstein-Rieseneishöhle wurde 1973 zusätzlich als Naturdenkmal ausgewiesen (nd597, Naturschutzbuch OÖ-63/Obertraun).

Das Gebiet liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbegebiets Kulturlandschaft Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut (WHS 806) sowie im Europa- und Naturschutzgebiet Dachstein, das als Vogelschutz- und FFH-Gebiet (AT3101000/EU02; n098) ausgewiesen ist.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Dachstein-Rieseneishöhle?

Die bisher bekannte Gesamtlänge beträgt 2700 m. Davon sind 800 m als Schauhöhle touristisch erschlossen.

Wie kommt man zur Höhle?

Die Höhle ist seit 1951 mit der Dachstein Krippenstein-Seilbahn erreichbar. Von der Schönbergalm führt ein asphaltierter Fußweg zu den Eingängen.

Warum gibt es in der Höhle Eis?

Die Höhle ist nach dem Typ der dynamischen Eishöhlen aufgebaut. Durch jahreszeitlich wechselnde Luftströmungen zwischen tief und hoch gelegenen Öffnungen wird ein Teil des Systems im Winter stark abgekühlt. Das Eis bildet sich hauptsächlich aus Sickerwasser während der Schneeschmelze in den Monaten April bis Juni.

Wie dick ist das Eis in der Höhle?

Bodenradarmessungen aus dem Jahr 2007 ergaben im Tristandom eine maximale Eismächtigkeit von 15 m, im Parsivaldom zwischen 2 und 6 m. Die gesamte Eismasse wird auf rund 13.000 m³ geschätzt.

Schmilzt das Höhleneis?

Ja. Seit 2002 ist ein durchschnittlicher Eisrückgang von 6 cm pro Jahr belegt. Schon geringe Klimaschwankungen können zu einer Zu- oder Abnahme des Eises führen; Pollenanalysen legen nahe, dass die Höhle in der Nacheiszeit mehrfach ver- und enteist war.

Wann wurde die Höhle entdeckt?

Als offizielles Entdeckungsdatum gilt der 17. Juli 1910, als Hanna und Hermann Bock aus Brünn sowie Georg Lahner aus Linz den Großen Eisabgrund überwanden und erstmals tiefer in die Höhle vordrangen. Führungen werden seit 1912 durchgeführt.

Welchen Schutzstatus hat die Höhle?

Die Höhle steht seit 1973 als Naturdenkmal unter Schutz. Sie liegt zudem in der Kernzone des UNESCO-Welterbegebiets Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut sowie im Vogelschutz- und FFH-Gebiet Dachstein.

Was sollte man für einen Besuch mitbringen?

Empfohlen werden warme Bekleidung und festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle, da im Eisteil der Höhle ganzjährig sehr niedrige Temperaturen herrschen. Die Führung dauert knapp eine Stunde.

Quellen

  1. Wikipedia: Dachstein-Rieseneishöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags