Dine (Arkadien)
Dine – altgriechisch Δίνη, »Wirbel« – bezeichnet eine bedeutende submarine Karstquelle an der arkadischen Ostküste des Peloponnes. Die Quelle liegt rund 750 m südlich des Dorfs Kiveri, etwa 6 m vom steilen, strandlosen Ufer entfernt, und steigt ganzjährig ergiebig aus dem Meeresboden auf. Heute ist sie unter den Namen Mikros Anavalos und Agios Georgios bekannt.
Bereits im zweiten Jahrhundert n. Chr. beschrieb der Geograf Pausanias in seinem Werk »Beschreibung Griechenlands« (Buch 8, Arkadien) sowohl die Quelle als auch den unterirdischen Wasserweg, der von einer Karstsenke im arkadischen Hochland bis zur Küste führt. Geologische Untersuchungen des 20. Jahrhunderts bestätigten diese Verbindung durch Färbeversuche.

| Lage | Ca. 750 m südlich von Kiveri, Ostküste des Peloponnes, Argolischer Golf |
| Typ | Submarine Karstquelle (aufsteigende Süßwasserquelle im Meerwasser) |
| Abstand zur Küste | Ca. 6 m vom Ufer |
| Schüttung | Ganzjährig ergiebig (genaue m³/s-Angabe nicht belegt) |
| Technische Fassung | 1972 durch eine semi-circulare, durchlassregulierte Mauer abgeschlossen |
| Planer der Fassung | Deutscher Ingenieur Wolfgang Ständer |
| Wasserqualität | Chlorid- und Schadstoffgehalt sehr gering; für Bewässerung geeignet |
| Nutzung | Bewässerungskanal von ca. 50 km Länge zur Ebene von Argos |
| Antike Kultstätte | Poseidon-Kultstätte »Genethlion« (Geburtsstelle des Poseidon) direkt neben der Quelle |
| Erste geologische Belegpublikation | Mariolakos 2004 und 2010 (Geomythologie, Karsthydrogeologie) |
Lage und geografischer Überblick
Die Quelle Dine liegt an der Ostküste des Peloponnes, an jener Küstenpassage, die zum Argolischen Golf gehört. Das nächste bewohnte Zentrum ist das Dorf Kiveri, auf dessen Schwemmkegel Richtung Süden die Quelle folgt.
Rund 8,1 km weiter südlich befindet sich eine zweite submarine Karstquelle, heute nach dem Nachbarort benannt: »Das Auge von Lileika« (griechisch Λιλέϊκο Μάτι) oder Anavalos Xiropigadou. Sie liegt etwa 200 m von der Küste entfernt auf dem Meeresboden in rund 80 m Tiefe. Im Frühjahr fördert sie bis zu 40 m³ Süßwasser pro Sekunde und erzeugt bei ruhiger See ein sichtbares »Auge« von etwa 20 m Durchmesser sowie einen Wirbel von bis zu 70 m Durchmesser.
Geologie: Woher kommt das Wasser der Dine?
Das Karstwasser aller Quellen am Argolischen Golf stammt aus Ponoren – auf Griechisch Katavothrenen – in den Poljen des arkadischen Hochlandes sowie aus Poljen der Hochländer von Korinthia und Argolis. Konkret gespeist wird die Dine durch das Karstbecken Argon Pedion (»Faules Feld«), dessen Katavothra bei Nestani das Wasser aufnimmt und unterirdisch zur Küste leitet.
Die Quelle »Auge von Lileika« hingegen entwässert einen eigenen Einzugsbereich: das südliche Tripoli-Becken mit dem Taka-See. Große Verwerfungsstrukturen begünstigen in dieser Region hydrotektonische Wasserwege nach Osten und Südosten zum Argolischen Golf hin.
Chemische und physikalische Färbeversuche aus den Jahren 1983 und 1984 quantifizierten die unterirdischen Verbindungen und deren Verweilzeiten. Sie sind in der umfangreichen Studie von Morfis und Zojer (»Karst Hydrogeology of the Central and Eastern Peloponnesus«, Graz 1986) dokumentiert.
Wasserqualität und wassertechnische Nutzung
Erste Analysen des Quellwassers ergaben einen sehr geringen Anteil an Chloriden und anderen Schadstoffen – trotz der Lage im Meerwasser. Spätere Untersuchungen an der Dine und vergleichbaren Unterwasserquellen im Mittelmeerraum bestätigten diesen Befund.
Die geringe Schadstoffbelastung machte das Wasser für landwirtschaftliche Bewässerung geeignet. Der deutsche Ingenieur Wolfgang Ständer entwarf eine semi-circulare Mauer mit regulierbaren Durchlässen, die Süßwasser und Meerwasser trennt. Nach längerer Genehmigungsphase wurde der Bau 1972 abgeschlossen.
Von der gefassten Quelle führt ein Bewässerungskanal aus Beton über rund 50 km bis zur Ebene von Argos.
Mythologie und Kultstätte: Was bedeutet »Genethlion«?
Unmittelbar neben der Quelle Dine liegt die antike Poseidon-Kultstätte mit dem Namen »Genethlion«, was »Geburtsstelle« bedeutet – gemeint ist die mythologische Geburtsstätte des Meeresgottes Poseidon. Sowohl hellenistische Überlieferungen als auch heute noch gepflegte griechische Mythen kennen diese Zuordnung.
Pausanias schilderte in »Beschreibung Griechenlands« (Buch 8) den unterirdischen Weg des Wassers von der Erdspalte im Argon Pedion bis zum Austritt in der Dine als mythische Verbindung zwischen Erde und Meer. Der Ort ist heute als Agios Georgios ein weiterhin verehrter heiliger Ort.
Wie hat Pausanias die Quelle beschrieben, und was weiß die Wissenschaft heute?
Pausanias benannte im zweiten Jahrhundert n. Chr. beide Endpunkte eines Unterwasserwegs: die Katavothra (Erdspalte) im Argon Pedion und die Quelle Dine an der Küste. Damit beschrieb er faktisch ein unterirdisches Karst-Drainagesystem, wie es die Hydrogeologie heute definiert.
Der griechische Geologe Ilias Mariolakos legte in Publikationen von 2004 und 2010 dar, dass Pausanias' Beschreibung mit der nachgewiesenen hydraulischen Verbindung zwischen der Katavothra Nestani und der Quelle Dine exakt übereinstimmt. Er bezeichnete diesen Ansatz als »geomythologisch« – die Analyse antiker Mythen mit geologischen Methoden.
Forschungsgeschichte
Frühe neuzeitliche Beschreibungen der Quelle finden sich bei William Martin Leake (»Travels in the Morea«, London 1830). Die erste systematische hydrogeologische Erfassung des gesamten Einzugsgebiets erfolgte durch Morfis und Zojer in ihrer 301 Seiten umfassenden Studie (Steirische Beiträge zur Hydrogeologie 37/38, Graz 1986).
Mariolakos veröffentlichte die geomythologische Einordnung 2004 und 2010, letztere als Exkursionsführer zum 12. Internationalen Kongress der Geologischen Gesellschaft Griechenlands in Patras. Klaus Tausend behandelte die antiken Verkehrswege und die hydrogeografische Bedeutung der Quelle 2006 in seiner Studie zu den Verkehrswegen der Argolis.

Häufige Fragen
Was bedeutet der Name »Dine«?
Der Name Dine leitet sich vom altgriechischen Wort Δίνη ab, das »Wirbel« bedeutet. Er verweist auf das charakteristische Aufsteigen des Süßwassers im Salzwasser, das Verwirbelungen erzeugt.
Wo genau liegt die Quelle Dine?
Die Quelle liegt rund 750 m südlich des Dorfs Kiveri an der Ostküste des Peloponnes am Argolischen Golf. Sie tritt etwa 6 m vom strandlosen, steilen Ufer entfernt aus dem Meeresboden auf.
Hat die Quelle eine Verbindung zum arkadischen Hochland?
Ja. Färbeversuche aus den Jahren 1983 und 1984 belegten die unterirdische Verbindung zwischen der Katavothra Nestani im Karstbecken Argon Pedion und der Dine. Große Verwerfungsstrukturen ermöglichen diesen hydrotektonischen Wasserweg nach Südosten zur Küste.
Wann wurde die Quelle wassertechnisch erschlossen?
Der Bau einer semi-circularen Mauer zur Trennung von Süß- und Salzwasser wurde 1972 abgeschlossen. Planer war der deutsche Ingenieur Wolfgang Ständer. Das gefasste Wasser wird über einen rund 50 km langen Betonkanal zur Ebene von Argos geführt.
Was ist das »Auge von Lileika« und wie unterscheidet es sich von der Dine?
Das Auge von Lileika (Anavalos Xiropigadou) ist eine zweite submarine Karstquelle, rund 8,1 km südlich der Dine. Sie liegt in etwa 80 m Meerestiefe, rund 200 m von der Küste entfernt, schüttet im Frühjahr bis zu 40 m³ pro Sekunde und bildet bei ruhiger See ein sichtbares Oberflächenphänomen von bis zu 70 m Durchmesser. Sie entwässert ein eigenes Einzugsgebiet im südlichen Tripoli-Becken.
Welche mythologische Bedeutung hat die Quelle?
Direkt neben der Dine liegt das »Genethlion«, die mythologische Geburtsstätte des Meeresgottes Poseidon. Pausanias beschrieb im zweiten Jahrhundert n. Chr. die unterirdische Verbindung vom Argon Pedion zur Quelle als Teil dieses Mythos. Der Ort wird bis heute als heiliger Platz unter dem Namen Agios Georgios verehrt.
Was ist Geomythologie im Zusammenhang mit der Dine?
Geomythologie bezeichnet die wissenschaftliche Methode, antike Mythen auf ihren geologischen Gehalt hin zu untersuchen. Der Geologe Ilias Mariolakos zeigte 2004 und 2010, dass Pausanias' mythische Beschreibung des Wasserwegs von der Erdspalte zur Quelle Dine mit dem nachgewiesenen Karst-Drainagesystem übereinstimmt.
Ist das Wasser der Dine trotz Meeresnähe trinkbar oder nutzbar?
Analysen ergaben einen sehr geringen Chlorid- und Schadstoffgehalt. Das Wasser gilt daher als für Bewässerungszwecke geeignet und wird über einen rund 50 km langen Kanal bis in die Ebene von Argos geleitet.
Quellen
- Wikipedia: Dine (Arkadien) — Faktengrundlage dieses Eintrags