ANTIBERG › Höhlen › Distlergrotte
Höhlen

Distlergrotte

Die Distlergrotte ist eine Karsthöhle am Südhang des Weinberges bei der Finstermühle, einem Ortsteil des mittelfränkischen Marktes Neuhaus an der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land. Sie ist auch unter dem Namen Finstermühlhöhle bekannt und im Höhlenkataster Fränkische Alb als A 26 geführt.

Bekanntheit erlangte die Höhle vor allem durch die Freilegung eiszeitlicher Tierknochen ab 1909 sowie durch Siedlungsfunde aus der Urnenfelder- und Hallstattzeit. Heute ist sie als Geotop, Naturdenkmal und Bodendenkmal ausgewiesen.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Distlergrotte
Distlergrotte 02Foto: Derzno · CC BY 3.0
LageHasellohetal, Südhang des Weinberges, ca. 1 km südöstlich von Neuhaus an der Pegnitz, Bayern
KatasterbezeichnungHFA A 26; Geotop 574H003; Bodendenkmal D-5-6335-0021
HöhlentypKarsthöhle, abwärtsführendes Etagensystem mit Spalten- und Hallenräumen
Gesamtganglängeca. 90 m
Eingangsgrößeca. 0,5 × 1,5 m (teilvermauert), 13 m über dem Talgrund
Tiefster PunktHöhlensee, 17 m unter dem Eingangsniveau, 4 m unter der Talsohle
Entdeckung und BenennungJohannes Distler, 1905
SchutzstatusGeotop, Naturdenkmal, Bodendenkmal (Urnenfelderzeit); Sperrung 1. Oktober bis 31. März (Fledermausschutz)
ZugangFrei zugänglich; Karstkundlicher Wanderpfad (grüner Punkt auf weißem Grund) ab Neuhaus

Lage und Erreichbarkeit

Die Distlergrotte liegt am Eingang des Haselohletals an einem Trockental-Südhang, etwa einen Kilometer südöstlich des Ortskerns von Neuhaus an der Pegnitz. Der Eingang befindet sich 13 Meter über dem Talgrund.

Ab Neuhaus führt der Karstkundliche Wanderpfad, gekennzeichnet mit einem grünen Punkt auf weißem Grund, direkt zur Höhle. Für einen Besuch sind Höhlenerfahrung und geeignete Ausrüstung empfehlenswert, da das Innere abwärtsführende Stufen und enge Passagen aufweist.

Wie ist die Distlergrotte aufgebaut?

Der teilvermauerte Eingang misst etwa 0,5 × 1,5 Meter. Unmittelbar dahinter öffnet sich die Mittelhalle, mit 20 Metern Länge, 8 Metern Breite und einer Höhe zwischen 2 und 9 Metern der größte Raum der Höhle.

Von der Mittelhalle zweigen zwei Gänge ab: Der Ostgang führt über eine Kletterstufe in die Tiefe und endet im Verbruchgestein. Der Westgang verläuft linksseitig vom Eingang abwärts über Felsstufen zu einem kleinen Höhlensee von etwa 6 × 2 Metern Grundfläche und bis zu 2 Metern Tiefe.

Der Höhlensee liegt 17 Meter unterhalb des Eingangs und 4 Meter tiefer als die Talsohle des angrenzenden Trockentals. Sein Wasserspiegel schwankt um bis zu 2 Meter und markiert damit zugleich den tiefsten Punkt der gesamten Höhle.

Welche Sinterbildungen und Höhlenformen sind vorhanden?

In der Distlergrotte sind noch vereinzelte Sintergruppen, Mondmilch und Deckenkolke erhalten. Die Höhlenstruktur als abwärtsführendes Etagensystem mit Spalten- und kleinen Hallenräumen ist charakteristisch für Karsthöhlen der Fränkischen Alb.

Geschichte und Erforschung

Die Höhle trägt den Namen ihres Entdeckers Johannes Distler, der sie 1905 auffand und bis 1928 erste systematische Grabungen durchführte. Zwischenzeitlich diente sie als Bierkeller und wurde bis 1915 als Schauhöhle genutzt.

1909 untersuchte der Paläontologe Max Schlosser die Fundsituation und legte eiszeitliche Tierknochen frei. 1955 folgten weitere zoologische Funde durch den Regensburger Manfred Moser. Im Jahr 2003 wurde die Distlergrotte als eine von drei Höhlen für die Willi-wills-wissen-Folge »Wer traut sich rein in dunkle Höhlen?« genutzt.

Welche Tierfunde wurden gemacht?

Max Schlosser dokumentierte 1909 Knochen von Mammut, wollhaarigem Nashorn, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Rentier, Rothirsch, Wildpferd, Bison und Urrind. Diese Faunengemeinschaft verweist auf die letzte Eiszeit.

1955 entdeckte Manfred Moser zusätzliche Tierreste von Halsbandlemming, Steppeniltis, Eisfuchs und Schneehuhn. Die Umstände, unter denen diese Tiere in die Höhle gelangten, sind bislang nicht abschließend geklärt.

Die Fundstücke sind heute im Museum der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg sowie im Naturkundemuseum Regensburg zu besichtigen.

Archäologische Funde

Im Eingangsbereich der Höhle wurden Siedlungsspuren aus der Urnenfelderzeit und der Hallstattzeit nachgewiesen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Fundstelle als Bodendenkmal mit der Bezeichnung »Höhlenstation der Urnenfelderzeit« (D-5-6335-0021) eingetragen.

Schutzstatus

Die Distlergrotte ist gleichzeitig als Geotop (574H003), als Naturdenkmal und als Bodendenkmal ausgewiesen. Diese Mehrfachausweisung spiegelt sowohl die geologische als auch die archäologische und paläontologische Bedeutung des Objekts wider.

Zum Schutz der dort überwinternden Fledermäuse wird der Eingang jeweils vom 1. Oktober bis zum 31. März mit einer Eisenstange verschlossen. In diesem Zeitraum ist die Höhle nicht zugänglich.

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Distlergrotte?

Die Distlergrotte befindet sich am Südhang des Weinberges am Eingang des Haselohletals, etwa einen Kilometer südöstlich von Neuhaus an der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land in Bayern. Der Eingang liegt 13 Meter über dem Grund des angrenzenden Trockentals.

Ist die Distlergrotte ganzjährig zugänglich?

Nein. Zum Schutz der überwinternden Fledermäuse ist die Höhle vom 1. Oktober bis zum 31. März geschlossen; in dieser Zeit versperrt eine Eisenstange den Eingang. Außerhalb dieser Sperrzeit ist sie frei zugänglich.

Wie gelangt man zur Distlergrotte?

Von Neuhaus an der Pegnitz führt der Karstkundliche Wanderpfad, der mit einem grünen Punkt auf weißem Grund markiert ist, direkt zur Höhle. Wer die Höhle vollständig erkunden möchte, sollte Höhlenerfahrung und entsprechende Ausrüstung mitbringen.

Was wurde in der Distlergrotte an Tierfossilien gefunden?

Der Paläontologe Max Schlosser dokumentierte 1909 Knochen von Mammut, wollhaarigem Nashorn, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Rentier, Rothirsch, Wildpferd, Bison und Urrind. 1955 kamen durch Manfred Moser Reste von Halsbandlemming, Steppeniltis, Eisfuchs und Schneehuhn hinzu. Die Funde sind in Nürnberg und Regensburg ausgestellt.

Welche archäologischen Funde stammen aus der Distlergrotte?

Im Eingangsbereich wurden Siedlungsspuren aus der Urnenfelderzeit und der Hallstattzeit entdeckt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Höhle deshalb als Bodendenkmal eingetragen.

Wie ist die Distlergrotte im Höhlenkataster erfasst?

Im Höhlenkataster Fränkische Alb trägt sie die Bezeichnung A 26. Zusätzlich ist sie als Geotop 574H003 und als Bodendenkmal D-5-6335-0021 ausgewiesen sowie als Naturdenkmal geschützt.

Wie groß ist die Distlergrotte, und was ist ihr markantestes Merkmal?

Die Gesamtganglänge beträgt rund 90 Meter. Besonders markant ist der Höhlensee am Ende des Westgangs: Er misst etwa 6 × 2 Meter, ist bis zu 2 Meter tief und liegt 17 Meter unterhalb des Eingangs – damit ist er der tiefste Punkt der Höhle.

Quellen

  1. Wikipedia: Distlergrotte — Faktengrundlage dieses Eintrags