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Döbritzer Höhlen

Im Gamsental südlich der Ortschaft Döbritz im Saale-Orla-Kreis (Thüringen) liegen drei Höhlen im sogenannten Döbritzer Schweiz, einem Zechsteinmassiv mit mehreren Felsklüften: die Wüste Scheuer, die Kniegrotte und die Urdhöhle.

Die Fundstellen belegen eine intermittierende Nutzung durch den Menschen seit dem Gravettien; besonders die Kniegrotte und die Urdhöhle lieferten Funde, die ins Magdalénien datieren und Verbindungen nach Mähren, in die Schweiz und nach Westeuropa anzeigen.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Döbritzer Höhlen
Döbritz HöhleFoto: Ansgar Koreng · CC BY-SA 3.0 de
LageGamsental, südlich von Döbritz, Saale-Orla-Kreis, Thüringen
GeologieZechsteinmassiv (»Döbritzer Schweiz«)
Anzahl Höhlen3 (Wüste Scheuer, Kniegrotte, Urdhöhle)
Entdeckung Kniegrotte1930 durch Martin Richter
Entdeckung Urdhöhle1937 durch Martin Richter
KulturepocheGravettien bis Magdalénien (Jungpaläolithikum)
Ausgrabungen Kniegrotte1930–1938 (Richter et al.)
Ausgrabungen Urdhöhle1946–1959
BesonderheitJungpaläolithische Kleinkunst, gravierter Rengeweihstab, Elfenbein-Eule, Bärenköpfchen aus Renschädelknochen

Lage und geologischer Rahmen

Die drei Höhlen liegen im Gamsental, einem Tal südlich der Ortslage von Döbritz im Saale-Orla-Kreis. Das dortige Zechsteinmassiv, regional als Döbritzer Schweiz bezeichnet, weist neben den Höhlen eine Reihe von Felsklüften auf.

Kniegrotte und Urdhöhle sind einander benachbart: Die Urdhöhle befindet sich rund 100 Meter nördlich der Kniegrotte. Die Wüste Scheuer liegt am Südende des Tales.

Wüste Scheuer

Die Wüste Scheuer ist der volkstümliche Name einer Höhle am Südende des Gamsentals. Ihr ist eine wallartige Struktur vorgelagert, die das vorrangige Ziel einer Grabung gegen Ende des 19. Jahrhunderts war.

Eine weitere Grabung im Jahr 1925/26 sollte paläolithisches Fundmaterial sichern. Die dabei geborgenen Funde gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, sodass eine Rekonstruktion der Nutzungsgeschichte dieser Höhle heute nicht mehr möglich ist.

Wie wurde die Kniegrotte entdeckt und ausgegraben?

Der Laienforscher Martin Richter entdeckte die Kniegrotte im Jahr 1930 und grub sie in den folgenden acht Jahren gemeinsam mit zahlreichen Helfern aus. In den unteren Schichten kamen Feuersteingeräte und Tierknochen in größerer Menge zutage.

Die räumliche Verteilung der Artefakte zeigt, dass die Menschen sich vorwiegend vor der Höhle aufhielten, nicht in ihrem Inneren. Vor dem Eingang lag ein mehrlagiges Plattenbett aus ortsfremdem Gestein, das der primären Fundschicht zugeordnet wird; diese entstand am Ende der Weichsel-Kaltzeit während eines Interstadials.

Welche Funde stammen aus der Kniegrotte?

Das Fundspektrum der Kniegrotte erlaubt die Einordnung ins Magdalénien. Besonders bemerkenswert ist die geborgene Kleinkunst: Unter dem Plattenlager fand sich eine längs durchlochte Rengeweihstange, in die Köpfe von Moschusochse und Steinbock sowie Punkt- und Bogenreihen eingraviert waren.

Hinzu kommen eine verzierte Harpunenspitze und eine in Elfenbein gravierte Eule. Diese Objekte verweisen auf überregionale Verbindungen, die das Formenspektrum des Magdalénien nach Mähren, in die Schweiz und nach Westeuropa erkennen lässt.

Urdhöhle: Entdeckung und Ausgrabung

Martin Richter entdeckte die Urdhöhle 1937, ebenfalls im Gamsental, rund 100 Meter nördlich der Kniegrotte. Systematisch ausgegraben wurde sie zwischen 1946 und 1959.

Auch die Urdhöhle erbrachte jungpaläolithisches Fundmaterial und ergänzt damit das Bild der Döbritzer Fundlandschaft.

Was wurde in der Urdhöhle gefunden?

Aus der Urdhöhle stammt ein Bärenköpfchen, das aus dem Schädelknochen eines Rentiers unter Ausnutzung der natürlichen Form geschnitzt wurde. Dieser Fund gehört zur jungpaläolithischen Kleinkunst des Magdalénien.

Darüber hinaus fand sich in einem schwer zugänglichen Bereich der Höhle ein menschlicher Schädel, dem die Basis fehlt. In seiner Umgebung lagen weitere Menschenknochen sowie Steingeräte. Aus der Völkerkunde ist bekannt, dass bei Totenriten die Schädelbasis entfernt wird, um das Gehirn entnehmen zu können; der Fundkontext legt nahe, dass dieser Schädel im Zusammenhang mit kultischen Handlungen in die Höhle gelangte.

Der Schädel zeigt, dass der eiszeitliche Homo sapiens lediglich etwas robuster gebaut war als der heutige Mensch.

Kulturgeschichtliche Einordnung

Die Funde aus allen drei Höhlen belegen, dass das Gamsental seit dem Gravettien intermittierend aufgesucht wurde. Die Hauptnutzungsphase fällt ins Magdalénien, also in die ausgehende Weichsel-Kaltzeit.

Das Formenspektrum der Kniegrotte und der Urdhöhle zeigt Verbindungen zu Fundstellen in Mähren, der Schweiz und Westeuropa und verdeutlicht damit die weiträumige Vernetzung magdalénienzeitlicher Gruppen.

Döbritzer Höhlen
MUFT Döbritz PferdFoto: Wolfgang Sauber · CC BY-SA 4.0

Häufige Fragen

Wo genau liegen die Döbritzer Höhlen?

Die Döbritzer Höhlen liegen im Gamsental, südlich der Ortslage von Döbritz im Saale-Orla-Kreis in Thüringen. Das Gebiet gehört zum sogenannten Döbritzer Schweiz, einem Zechsteinmassiv mit mehreren Felsklüften.

Welche drei Höhlen gehören zu den Döbritzer Höhlen?

Zu den Döbritzer Höhlen zählen die Wüste Scheuer am Südende des Gamsentals, die Kniegrotte und die rund 100 Meter nördlich davon gelegene Urdhöhle. Alle drei liegen im selben Zechsteinmassiv.

Wer hat Kniegrotte und Urdhöhle entdeckt?

Beide Höhlen wurden vom Laienforscher Martin Richter entdeckt: die Kniegrotte 1930, die Urdhöhle 1937. Richter leitete auch die Grabung der Kniegrotte von 1930 bis 1938.

Welcher archäologischen Epoche werden die Funde zugeordnet?

Die Hauptfundschichten von Kniegrotte und Urdhöhle gehören ins Magdalénien, die jüngste Epoche des europäischen Jungpaläolithikums. Generell zeigen die Funde, dass das Gamsental bereits seit dem Gravettien intermittierend genutzt wurde.

Was ist die bedeutendste Kleinkunst aus der Kniegrotte?

Besonders hervorzuheben ist eine längs durchlochte Rengeweihstange mit eingravierten Köpfen von Moschusochse und Steinbock sowie Punkt- und Bogenreihen. Daneben wurden eine verzierte Harpunenspitze und eine in Elfenbein gravierte Eule gefunden.

Was verrät der Menschenschädel aus der Urdhöhle?

Der Schädel wurde in einem schwer zugänglichen Bereich der Höhle gefunden, seine Basis fehlt. Der Fundkontext — umliegende Menschenknochen und Steingeräte — deutet auf kultische Handlungen hin, vergleichbar mit Totenriten, bei denen die Schädelbasis zur Gehirnentnahme entfernt wird.

Was geschah mit den Funden aus der Wüsten Scheuer?

Die bei der Grabung von 1925/26 geborgenen Funde aus der Wüsten Scheuer gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Damit ist eine Rekonstruktion der Nutzungsgeschichte dieser Höhle heute nicht mehr möglich.

Welche überregionalen Verbindungen zeigen die Döbritzer Funde?

Das Formenspektrum des Magdalénien aus Kniegrotte und Urdhöhle lässt Verbindungen nach Mähren, in die Schweiz und nach Westeuropa erkennen. Dies spricht für weiträumige Kontakte zwischen den eiszeitlichen Menschengruppen dieser Epoche.

Quellen

  1. Wikipedia: Döbritzer Höhlen — Faktengrundlage dieses Eintrags