Doux (Schüss)
Die Doux – auch Dou, La Doux, La Dou oder Le Torrent genannt – ist ein kurzer, wasserreicher Karstbach nahe der Ortschaft Cormoret im St.-Immer-Tal des Berner Juras. Sie entspringt einer ergiebigen Karstquelle im kleinen Tal La Combe des Baumes und mündet nach weniger als einem halben Kilometer von links in die Schüss.
Die Quelle und die eingeschnittene Schlucht gelten als lokale Sehenswürdigkeit. Das Wasser der Doux wird seit dem Mittelalter gewerblich genutzt und speist heute ein Kleinkraftwerk.

| Gewässertyp | Karstbach (Douvequelle) |
| Lage | La Combe des Baumes, ca. 1 km westlich von Cormoret, St.-Immer-Tal, Berner Jura |
| Länge | ca. 0,5 km |
| Durchschnittliche Schüttung | ca. 250 Liter pro Sekunde |
| Zufluss (Nebenquelle) | Petite Doux (ebenfalls Karstquelle, östlich der Grande Doux) |
| Vorfluter | Schüss (Linkszufluss) |
| Einzugsgebiet (Karstleiter) | Montagne du Droit und Hochplateau des Nordwestschweizer Juras |
| Kraftwerk (aktueller Betreiber) | Société des Forces électriques de la Goule (SEG), Saint-Imier, seit 1988 |
| Trinkwassernutzung | Seit 1964 Einspeisung in das Trinkwassernetz von Saint-Imier |
Geografie und Quellgebiet
Die Doux entspringt im Tal La Combe des Baumes (»Tal der Höhlen«), einem kleinen Seitental rund einen Kilometer westlich von Cormoret. Die Quelle liegt unter grobem Blockschutt verborgen und ist karsthydrologisch mit dem benachbarten Karstbach Raissette verbunden, der ebenfalls in Cormoret entspringt.
Der Lauf des Bachs ist mit etwa einem halben Kilometer außergewöhnlich kurz. Er unterquert kurz vor seiner Mündung drei unmittelbar nebeneinander liegende Brücken: die Eisenbahnbrücke der Strecke Biel/Bienne–La Chaux-de-Fonds, die Hauptstrasse 30 und eine historische Bogenbrücke der alten Landstrasse.
Östlich der Grande Doux entspringt aus einer weiteren Karstquelle die Petite Doux (»Kleine Doux«), die als Zufluss in die Grande Doux entwässert. Zusammen mit der Raissette zählen Grande Doux und Petite Doux zu den wichtigsten Karstquellen des St.-Immer-Tals.
Wie funktioniert die Karsthydrologie der Doux?
Das Einzugsgebiet der Doux liegt im verkarsteten Kalkmassiv der Bergkette Montagne du Droit und dem Hochplateau des Nordwestschweizer Juras. Niederschlagswasser versickert dort durch Dolinen und andere Klüfte – unter anderem durch das Schluckloch im Gebiet der Tourbière de la Chaux d'Abel – in den durchlässigen Felsboden.
Der unterirdische Karstgrundwasserleiter, der die Doux speist, ist möglichweise derselbe, aus dem auch die Raissette schöpft. Beide Quellen zeichnen sich durch eine hohe und gleichmässige Schüttung aus, was die gewerbliche und trinkwasserwirtschaftliche Nutzung über Jahrhunderte begünstigt hat.

Gewerbliche Nutzung vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert
Bereits im Mittelalter nutzte eine Mühle an der Landstrasse das Wasser der Doux. Im 17. Jahrhundert kam eine Schmiede hinzu; das Ensemble trug den Namen Moulin et Martinets du Gros Torrent. Der Betrieb konnte dank der Wasserkraft Produkte bis ins Burgund und ins Elsass exportieren und gilt als frühindustrielles Gewerbequartier.
Beim Bau der Bahnstrecke um 1870 wurde die Schmiede abgebrochen. 1889 übernahm die Teigwarenfabrik Usine de Produits alimentaires du Torrent, Cormoret den Mühlenbetrieb. Das grosse Gefälle und die hohe Schüttung ermöglichten den Betrieb mehrerer Wasserräder unter dem aufgestauten Mühleweiher. 1899 erhielt der Betrieb einen Bahnanschluss.
Wandel zum elektrischen Kraftwerksbetrieb
Seit den 1920er Jahren erzeugten Turbinen den Strom für die Fabrikbeleuchtung. Nach einem Brand 1932 wurde die Anlage neu aufgebaut. In den 1960er Jahren stellte das Unternehmen auf reinen Kraftwerksbetrieb um: Eine neue Kaplanturbine übernahm den Antrieb der Maschinen und ersetzte die bisherige mechanische Kraftübertragung. Das Unterwasser der Turbine fliesst seither über einen separaten Kanal zur Schüss.
Nach dem Übergang der Fabrikgebäude an die Genossenschaft Landi – die die Liegenschaften als Lebensmittellager nutzt – verkaufte die Landi das Kleinkraftwerk 1988 an die Société des Forces électriques de la Goule (SEG) mit Sitz in Saint-Imier. Die SEG betreibt es seither als eigenständige Energiequelle.

Trinkwasserversorgung und Landschaftspfad
Seit 1964 zapft das Wasserwerk von Saint-Imier die Doux für die Trinkwasserversorgung der talaufwärts gelegenen Gemeinde an und speist das Wasser in das kommunale Trinkwassernetz ein.
Als die Sophie und Karl Binding Stiftung 2003 der Bürgergemeinde Cormoret den Binding-Waldpreis für »Waldpflege als Beitrag zur nachhaltigen Landschaftsgestaltung« verlieh, entstand ein Landschaftspfad. Dieser führt auf einem Abschnitt durch die Doux-Schlucht mit der Karstquelle und informiert über die Wasserwirtschaft der Gemeinde.
Ortsname Le Torrent
Das französische Wort torrent bedeutet im Deutschen »Wildbach«. Die Gewerbesiedlung westlich von Cormoret übernahm diese Bezeichnung für den Quellbach und trägt seither den Ortsnamen Le Torrent.

Häufige Fragen
Wo liegt die Karstquelle der Doux?
Die Quelle liegt im Tal La Combe des Baumes (»Tal der Höhlen«), etwa einen Kilometer westlich der Ortschaft Cormoret im St.-Immer-Tal, Berner Jura. Sie ist von grobem Blockschutt überdeckt und nicht direkt zugänglich.
Wie viel Wasser führt die Doux?
Die Doux hat eine durchschnittliche Schüttung von rund 250 Litern pro Sekunde. Dieser vergleichsweise hohe Wert erklärt, warum der kurze Bach trotz seiner Länge von nur etwa einem halben Kilometer seit dem Mittelalter gewerblich genutzt wird.
Was ist die Petite Doux?
Die Petite Doux (»Kleine Doux«) ist ein Zufluss der Grande Doux. Sie entspringt ebenfalls aus einer Karstquelle, die östlich der Hauptquelle der Grande Doux liegt.
Wer betreibt das Kraftwerk an der Doux heute?
Das Kleinkraftwerk wird seit 1988 von der Société des Forces électriques de la Goule (SEG) mit Sitz in Saint-Imier betrieben. Die SEG erwarb es von der Genossenschaft Landi und betreibt es unabhängig vom früheren Fabrikbetrieb als Energiequelle.
Woher kommt das Wasser der Doux unterirdisch?
Das Wasser stammt aus einem unterirdischen Karstgrundwasserleiter unter der Bergkette Montagne du Droit und dem Hochplateau des Nordwestschweizer Juras. Niederschlagswasser gelangt über Dolinen und Klüfte – darunter ein Schluckloch im Gebiet der Tourbière de la Chaux d'Abel – in den verkarsteten Felsboden.
Gibt es einen Besuchspfad zur Doux-Schlucht?
Seit 2003 existiert ein Landschaftspfad, der durch die Doux-Schlucht mit der Karstquelle führt. Er wurde anlässlich der Verleihung des Binding-Waldpreises an die Bürgergemeinde Cormoret angelegt und informiert auch über die lokale Wasserwirtschaft.
Seit wann wird die Doux für die Trinkwasserversorgung genutzt?
Seit 1964 entnimmt das Wasserwerk von Saint-Imier Wasser aus der Doux und speist es in das Trinkwassernetz der Gemeinde ein, die oberhalb im St.-Immer-Tal liegt.
Quellen
- Wikipedia: Doux (Schüss) — Faktengrundlage dieses Eintrags