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Drachenhöhle bei Mixnitz

Die Drachenhöhle bei Mixnitz, früher auch Kogellucken genannt, liegt auf 950 m ü. A. im Röthelstein südlich von Bruck an der Mur in der Steiermark. Ihr weithin sichtbares Portal, rund 15 Meter hoch und 20 Meter breit, machte die Höhle in der Region seit jeher bekannt.

Internationale Bedeutung erlangte die Höhle durch Funde von schätzungsweise 30.000 Höhlenbären-Individuen sowie durch altsteinzeitliche Artefakte aus dem Aurignacien, die eine menschliche Nutzung während einer Warmphase der Würm-Eiszeit belegen.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Drachenhöhle bei Mixnitz
DrachenhöhleFoto: IKAl · CC BY-SA 3.0
LageRöthelstein, Mixnitz, Steiermark, Österreich
Höhe über Adria950 m ü. A.
Portalgrößeca. 15 m hoch, ca. 20 m breit
TypKarsthöhle mit Hauptgang und Seitenteil (Windloch)
Bedeutende Fundeca. 30.000 Höhlenbären-Individuen; rund 800 altsteinzeitliche Artefakte
KulturschichtAurignacien, Würm-Warmphase zwischen 65.000 und 31.000 v. Chr.
Historische NutzungAbbau von Fledermausguano 1919–1923 (ca. 3.000 Tonnen)
Aktuelle ForschungsträgerVerein für Höhlenkunde St. Lorenzen/Mürztal »Höhlenbären« (ab 1983)
SammlungenLandesmuseum Joanneum, Graz; Naturhistorisches Museum, Wien

Lage und Portal

Die Drachenhöhle befindet sich im Röthelstein, einem Kalkstockmassiv südlich von Bruck an der Mur, auf einer Seehöhe von 950 m ü. A. Administrativ gehört sie zur Gemeinde im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag in der Steiermark.

Das Portal zählt mit etwa 15 Metern Höhe und 20 Metern Breite zu den markantesten Höhleneingängen der Ostalpen. Seine Weitläufigkeit war der Grund dafür, dass die Höhle der lokalen Bevölkerung stets bekannt war und in Sagen Eingang fand.

Volksüberlieferung: Woher kommt der Name »Drachenhöhle«?

Die massenhaft in der Höhle liegenden Knochen wurden von der Bevölkerung nicht als Bärenreste, sondern als Überbleibsel von Drachen gedeutet. Aus dieser Fehldeutung entstand die Sage vom Drachentöter von Mixnitz, die dem Höhlenname bis heute zugrunde liegt.

Der ältere Name Kogellucken beschreibt nüchtern die topografische Situation: ein Loch im Kogel, also im Hügel. Mit zunehmender Bekanntheit der Drachensage setzte sich der heutige Name durch.

Erforschung und erste urkundliche Erwähnungen

Bereits 1387 drang Pfarrer Otto von Bruck 500 Meter weit in die Höhle vor und erreichte dabei den sogenannten großen Dom. Ein Wappenstein im Inneren erinnert an diese frühe Expedition.

Im Jahr 1921 wurde im Zuge der Guano-Abbauarbeiten das Windloch entdeckt, ein weit verzweigter und schwierig befahrbarer Seitenteil mit mehreren Schächten. Die systematische Vermessung von Hauptgang und Windloch begann erst 1973 durch Mitglieder des Landesvereines für Höhlenkunde in der Steiermark. Ab 1978 setzte der Verein für Höhlenkunde in Langenwang die Arbeiten fort; seit 1983 liegt die Forschungsverantwortung beim Verein für Höhlenkunde St. Lorenzen/Mürztal »Höhlenbären«.

Die Höhlendüngeraktion 1919–1923

Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Österreich akuter Mangel an Düngemitteln. Um dem entgegenzuwirken, begann man 1919 mit dem Abbau der bis zu zwölf Meter mächtigen Fledermausguano-Ablagerungen in der Drachenhöhle. Für den Abtransport wurde eigens eine Seilbahn zum Höhleneingang errichtet.

Mit einem Gesamtabbau von rund 3.000 Tonnen stellte die Drachenhöhle die Hauptquelle der sogenannten Österreichischen Höhlendüngeraktion dar. Nebenprodukt der Abbauarbeiten war die Bergung einer enormen Menge an Höhlenbärenknochen, die bis dahin ungestört in den Ablagerungen ruhten.

1923 waren die Guano-Vorräte erschöpft; der Abbau wurde eingestellt und die gesamte Infrastruktur bis auf ein gemauertes Seilbahnfundament neben dem Höhlenportal abgetragen.

Höhlenbärenfunde: Was wurde entdeckt?

Die Zahl der in der Drachenhöhle nachgewiesenen Höhlenbären-Individuen wird auf rund 30.000 geschätzt. Damit gehört die Fundstätte zu den bedeutendsten Höhlenbären-Lagerstätten Europas. Knochen aus dieser Höhle sind heute im Landesmuseum Joanneum in Graz und im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt.

Kurt Ehrenberg (1896–1979) nutzte das Material für seine Habilitationsschrift, mit der er sich 1923 am Paläobiologischen Institut der Universität Wien habilitierte. Der Titel lautete »Die ontogenetische Entwicklung des Höhlenbären aus der Drachenhöhle von Mixnitz, Steiermark«. Die umfassende wissenschaftliche Auswertung erfolgte 1931 in der Monografie von Othenio Abel und Georg Kyrle, erschienen in der Reihe Speläologische Monographien (Bände 7/8 und 9).

Altsteinzeitliche Funde aus dem Aurignacien

Neben den Höhlenbärenknochen lieferte die Höhle Belege für menschliche Anwesenheit. Aus der Hauptkulturschicht stammen rund 800 Steingeräte, die dem Aurignacien zugeordnet werden, sowie Reste von Feuerstellen.

Die Datierung verweist auf eine Warmphase der Würm-Eiszeit im Zeitraum zwischen 65.000 und 31.000 v. Chr. Die Funde zeigen, dass die Höhle als zeitweiliger Aufenthaltsort genutzt wurde, ohne dass bisher Hinweise auf eine dauerhafte Besiedlung vorliegen.

Wissenschaftliche Publikationen

Ludwig Teißl legte 1921 im zweiten Band der Berichte der staatlichen Höhlenkommission den ersten veröffentlichten Plan der Höhle vor. Otto Schmidtgen publizierte 1931 in der Zeitschrift Palaeobiologica eine eigenständige Beschreibung der Höhle.

Das Standardwerk bleibt die 1931 von Othenio Abel und Georg Kyrle herausgegebene Monografie, erschienen in der Österreichischen Staatsdruckerei Wien. Für einen kompakten Überblick mit Zugangsbeschreibung eignet sich der Höhlenführer von Robert Bouchal und Josef Wirth (Pichler Verlag, Wien 2001, S. 207–210).

Drachenhöhle bei Mixnitz
Drachenhoele bei mixnitz inneresFoto: Irma.servatius · CC BY-SA 4.0

Häufige Fragen

Wo genau liegt die Drachenhöhle bei Mixnitz?

Die Höhle befindet sich auf 950 m ü. A. im Röthelstein südlich von Bruck an der Mur in der Steiermark, Österreich. Das weithin sichtbare Portal mit rund 15 Metern Höhe und 20 Metern Breite markiert den Eingang.

Wie viele Höhlenbären wurden in der Drachenhöhle gefunden?

Die Schätzungen gehen von rund 30.000 Individuen aus. Ein Großteil der Knochen kam beim Guano-Abbau zwischen 1919 und 1923 zutage. Teile des Materials sind heute im Landesmuseum Joanneum in Graz und im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt.

Woher stammt der Name »Drachenhöhle«?

Die massenhaft vorgefundenen Knochen wurden von der Bevölkerung als Drachenreste gedeutet, was zur Entstehung der Sage vom Drachentöter von Mixnitz führte. Der ältere Name Kogellucken beschreibt dagegen schlicht die topografische Lage.

Was hat es mit dem Guano-Abbau in der Höhle auf sich?

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Höhle bis zu zwölf Meter mächtige Fledermausguano-Ablagerungen abgebaut, um den Mangel an Düngemitteln zu lindern. Von 1919 bis 1923 wurden rund 3.000 Tonnen abgetragen; die Drachenhöhle war damit die Hauptquelle der Österreichischen Höhlendüngeraktion. Für den Transport wurde eine Seilbahn zum Eingang gebaut, von der heute nur noch ein Fundamentrest erhalten ist.

Welche altsteinzeitlichen Funde stammen aus der Drachenhöhle?

Aus der Hauptkulturschicht liegen rund 800 Steingeräte des Aurignacien sowie Feuerstellen-Reste vor. Die Datierung verweist auf eine Warmphase der Würm-Eiszeit zwischen 65.000 und 31.000 v. Chr., in der die Höhle als zeitweiliger Aufenthaltsort genutzt wurde.

Wer erforscht die Drachenhöhle heute?

Seit 1983 liegt die Forschungsverantwortung beim Verein für Höhlenkunde St. Lorenzen/Mürztal »Höhlenbären«. Zuvor hatten ab 1973 Mitglieder des Landesvereines für Höhlenkunde in der Steiermark und ab 1978 der Verein für Höhlenkunde in Langenwang die Vermessung und Erkundung durchgeführt.

Was ist das Windloch in der Drachenhöhle?

Das Windloch ist ein 1921 beim Guano-Abbau entdeckter Seitenteil der Höhle. Es handelt sich um ein weit verzweigtes, schwierig befahrbares System mit mehreren Schächten, das von den Forschungsvereinen ab 1973 systematisch vermessen wurde.

Welche wissenschaftlichen Standardwerke gibt es zur Drachenhöhle?

Das Hauptwerk ist die 1931 von Othenio Abel und Georg Kyrle herausgegebene Monografie »Die Drachenhöhle bei Mixnitz«, erschienen in der Reihe Speläologische Monographien der Österreichischen Staatsdruckerei Wien. Ergänzend sind die Beiträge von Ludwig Teißl (1921) und Otto Schmidtgen (1931) sowie der Höhlenführer von Bouchal und Wirth (2001) zu nennen.

Quellen

  1. Wikipedia: Drachenhöhle bei Mixnitz — Faktengrundlage dieses Eintrags