Drexlerloch
Das Drexlerloch ist eine horizontale Karsthöhle im Brudertal, einem Trockental im Hegau zwischen Engen und Bittelbrunn im Landkreis Konstanz. Die Höhle enthält eine weitgehend ungestörte Schichtenfolge mit Spuren menschlicher Begehung, die bis mindestens in das Obere Magdalénien zurückreicht.
Radiokarbondatierungen aus dem Jahr 2017 belegen, dass die rote Kulturschicht an der Oberkante 16.050 bis 15.750 Jahre cal BP alt ist – damit ist das Drexlerloch etwas älter als die benachbarten Fundstellen Petersfels und Gnirshöhle.

| Typ | Horizontale Karsthöhle |
| Lage | Brudertal bei Engen, Landkreis Konstanz, Baden-Württemberg |
| Entdeckung | 7. März 1978 durch Gerd Albrecht und Claus-Joachim Kind |
| Erstreckung (geophysikalisch ermittelt) | ca. 20 m Länge, mehrere Meter Höhe |
| Datierung Kulturschicht | 16.050–15.750 Jahre cal BP (Oberes Magdalénien) |
| Abstand zu Petersfels | ca. 280 m westlich |
| Abstand zu Gnirshöhle | ca. 130 m nordwestlich |
| Zugänglichkeit | Nicht zugänglich; beide bekannten Eingänge zugeschüttet |
| Schutzstatus | Grabungsschutzgebiet seit 22. Februar 2016 (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg) |
| Funde archiviert | Institut für Ur- und Frühgeschichte, Tübingen |
Lage und Topographie
Das Drexlerloch befindet sich am Fuß der linken Talflanke des Brudertals, eines Trockentals im Hegau. Die Höhle liegt unter der Talsohle; ihre beiden bislang bekannten Eingänge sind zugeschüttet und damit unzugänglich.
Das gesamte Brudertal ist seit dem 22. Februar 2016 in der Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Grabungsschutzgebiet eingetragen, was Eingriffe in den Boden rechtlich stark einschränkt.
Wie wurde das Drexlerloch entdeckt?
Am 7. März 1978 begleiteten der Archäologe Gerd Albrecht und der damalige Student Claus-Joachim Kind Tiefbauarbeiten zur Verlegung einer Abwasserleitung im Brudertal. Ein Fehler im Baugenehmigungsverfahren hatte dazu geführt, dass die Leitungstrasse zu nah am Petersfels verlief und dabei archäologische Fundschichten durch den Bagger beschädigt wurden.
Eine Sprengung riss die Höhlendecke auf einer Fläche von etwa 60 × 60 cm auf und gab so den Blick in einen nahezu vollständig mit Sediment verfüllten Nebenarm der Höhle frei. Auf diesen Zufallsbefund geht die Benennung der gesamten Anlage zurück.
Woher stammt der Name Drexlerloch?
Die Höhle trägt den Namen von Ludwig Drexler, dem Wirt des Gasthauses Krone in Bittelbrunn, der Gerd Albrecht Ende 1977 auf die bevorstehenden Erdarbeiten im Brudertal aufmerksam gemacht hatte.
Die Endsilbe »-loch« ist im Alemannischen eine gebräuchliche Bezeichnung für einen Höhlenraum jeder Größe; vergleichbare Bildungen sind das Kesslerloch in der Schweiz und das Bauerloch auf der Schwäbischen Alb. In neuerer Fachliteratur wird »Drexlerloch« gelegentlich nur für das 1978 entstandene Deckenloch verwendet, während der eigentliche Hohlraum dann als »Drexlerhöhle« erscheint.
Grabungen und Funde
Wenige Tage nach der Entdeckung legten Albrecht und Kind einen kleinen Suchschnitt an und schlämmten mehrere Eimer Sediment. Unterhalb einer bis zu 50 cm mächtigen holozänen Humusauflage kam eine durch Rötel stark rot verfärbte Kulturschicht zutage.
Aus dieser Schicht stammen ein großer Silexabschlag, mehrere Absplisse sowie zerschlagene Knochen von Ren, Pferd, Fuchs und Schneehase, von denen einige Schnittspuren aufweisen. Eine Platte aus Flysch – einem Gestein, das in der unmittelbaren Umgebung nicht ansteht – trägt Spuren von Feuereinwirkung und belegt ebenfalls die Anwesenheit von Menschen.
Da die Mittel für weitere Grabungen fehlten, wurde das Deckenloch mit Steinen verschlossen und zugeschüttet. Die geborgenen Funde wurden am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen archiviert; ihre systematische Auswertung begann erst rund vier Jahrzehnte nach der Entdeckung.
Radiokarbondatierung und zeitliche Einordnung
2017 wurden am Klaus-Tschira-Archäometrie-Zentrum in Mannheim ein bearbeitetes Schulterblatt vom Pferd und eine Rippe vom Ren mit der Radiokarbonmethode datiert. Die Ergebnisse weisen die Oberkante der roten Kulturschicht einem Zeitraum von 16.050 bis 15.750 Jahren cal BP zu.
Das Drexlerloch ist damit stratigraphisch etwas älter als die benachbarten Fundstellen Petersfels (bekannt seit Ende der 1920er-Jahre) und Gnirshöhle. Alle drei Stellen dokumentieren die Nutzung des Brudertals durch Cro-Magnon-Gruppen des Oberen Magdalénien.
Geophysikalische Untersuchungen 2023
Im April 2023 lieferten geophysikalische Messungen erstmals ein Bild der Gesamtgeometrie: Der Höhlenraum ist mehrere Meter hoch und erstreckt sich über eine Länge von rund 20 m. Gleichzeitig ließ sich die Lage des ursprünglichen Höhlenportals bestimmen, an dem ein vollständiges stratigraphisches Profil dokumentiert werden konnte.
Nach Abschluss der Grabungskampagne wurde der Zugang wieder verfüllt. Weitere Forschungen waren für 2024 geplant.
Schutzstatus und Zugänglichkeit
Das Brudertal ist seit 2016 als Grabungsschutzgebiet ausgewiesen, was Bodeneingriffe ohne behördliche Genehmigung untersagt. Die Höhle selbst ist nicht zugänglich; ihre beiden bekannten Eingänge befinden sich unter der Talsohle und sind verschüttet.
Funde und Dokumentation werden am Institut für Ur- und Frühgeschichte in Tübingen verwahrt und ausgewertet.
Häufige Fragen
Kann man das Drexlerloch besichtigen?
Das Drexlerloch ist nicht öffentlich zugänglich. Beide bekannten Eingänge sind zugeschüttet und liegen unter der Talsohle des Brudertals. Das gesamte Areal steht seit 2016 unter Grabungsschutz.
Wie alt sind die Funde aus dem Drexlerloch?
Radiokarbondatierungen aus dem Jahr 2017 ergaben für die obere Kulturschicht ein Alter von 16.050 bis 15.750 Jahren cal BP. Das entspricht dem Oberen Magdalénien und macht die Fundstelle etwas älter als den nahe gelegenen Petersfels und die Gnirshöhle.
Was wurde im Drexlerloch gefunden?
Aus der roten Kulturschicht stammen ein großer Silexabschlag, Absplisse sowie Knochen von Ren, Pferd, Fuchs und Schneehase mit Schnittspuren. Eine Flyschplatte mit Brandspuren belegt zusätzlich die Feuerbenutzung durch die einstigen Bewohner.
Wer hat das Drexlerloch entdeckt?
Der Archäologe Gerd Albrecht und der damalige Student Claus-Joachim Kind entdeckten die Höhle am 7. März 1978, als sie Tiefbauarbeiten zur Verlegung einer Abwasserleitung im Brudertal beobachteten.
Wie groß ist das Drexlerloch?
Geophysikalische Messungen aus dem Jahr 2023 ergaben eine Länge von rund 20 m bei einer Höhe von mehreren Metern. Der genaue Grundriss und weitere Details werden noch erforscht.
Warum heißt die Höhle Drexlerloch und nicht Drexlerhöhle?
Den ursprünglichen Namen wählte Entdecker Gerd Albrecht nach Ludwig Drexler, dem Wirt des Gasthauses Krone in Bittelbrunn. Die Endsilbe »-loch« ist im Alemannischen eine traditionelle Bezeichnung für jeden Höhlenraum. Die Form »Drexlerhöhle« tauchte erst später in Teilen der Literatur auf und bezieht sich dabei enger auf den unterirdischen Hohlraum.
Welchen Schutzstatus hat das Brudertal?
Das Brudertal bei Engen ist seit dem 22. Februar 2016 in der Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Grabungsschutzgebiet eingetragen. Bodeneingriffe ohne entsprechende Genehmigung sind damit untersagt.
Quellen
- Wikipedia: Drexlerloch — Faktengrundlage dieses Eintrags