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Eisriesenwelt

Die Eisriesenwelt (Katasternummer 1511/24, auch Posselthöhle) ist ein Höhlensystem im Tennengebirge im Land Salzburg, Österreich, nahe dem Ort Tenneck, etwa 50 km südlich von Salzburg. Mit einer Gesamtlänge von 42 km gilt sie als die größte Eishöhle der Welt.

Das Eingangsportal liegt auf 1640 m ü. A. Nur der erste Kilometer des Systems ist vereist und im Rahmen geführter Touren zugänglich; der weitaus größere Rest der Höhle bleibt der Forschung vorbehalten.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Eisriesenwelt
Höhlenausgang eisriesenweltFoto: Geolina163 · CC BY-SA 3.0
LageTennengebirge, oberhalb Wimm bei Tenneck, Land Salzburg, Österreich
Katasternummer1511/24
HöhlentypEishöhle (Karstgebiet)
Gesamtlänge42 km
Eingangsportal1640 m ü. A.
Ende der Höhle (Neue Welt)1595 m ü. A.
Entdeckung1879, Anton von Posselt-Czorich
GrundeigentümerÖsterreichische Bundesforste
BetriebEisriesenwelt Gesellschaft m.b.H.
Jährliche Besucherzahlca. 150.000

Beschreibung und Ausdehnung

Das Höhlensystem erstreckt sich über 42 km in den Kalkstock des Tennengebirges. Auf dem ersten Kilometer bildet sich dauerhaft Eis; dieser Abschnitt ist der einzige, der für Besucherinnen und Besucher zugänglich ist. Den Abschluss des Führungsteils markiert der sogenannte Eispalast.

Hinter dem Eispalast führt ein steiler Bockstollen zum U-Tunnel. Es folgt das Midgards, der breiteste Gang der Höhle mit einer Breite zwischen 8 und 30 Metern, von dem aus sich das System in alle Richtungen verzweigt. Das Ende der erforschten Höhle bildet die Neue Welt auf 1595 m Höhe.

Entstehung des Eises

Die Vereisung im ersten Kilometer entsteht durch einen Kamineffekt: Im Winter strömen kalte Luftmassen durch das Eingangsportal ins Innere und kühlen das umliegende Gestein stark ab. Diese gespeicherte Kälte hält bis ins Frühjahr an.

Wenn außen die Temperaturen steigen und die Schneeschmelze einsetzt, sickert Wasser durch Risse und Spalten im Fels in die noch gefrorenen Höhlenbereiche und gefriert dort. Im Sommer taut die oberste Eisschicht wieder ab – etwa 5 bis 10 cm der Bodeneisdecke verschwinden. Da das Nachwachsen im Frühjahr diesen Schwund in der Regel übersteigt, wächst der Gesamteiskörper langfristig leicht an.

Eisriesenwelt
Eisriesenwelt Werfen Austria 01Foto: MatthiasKabel, modified by Werckmeister / Wildfeuer · CC BY-SA 3.0

Entdeckung und frühe Erforschung

Den ersten dokumentierten Vorstoß unternahm 1879 der Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich. Er drang rund 200 m ins Innere vor, bis ihn eine zu steile Eisdecke und unzureichende Ausrüstung zur Umkehr zwangen. Den Wendepunkt markierte er mit einem schwarzen Kreuz am Felsen, dem sogenannten Posselt-Kreuz. Danach geriet die Höhle weitgehend in Vergessenheit.

Erst 1913 gelang es Alexander von Mörk, Erwin Angermayer und Hermann Rihl, den steilsten Abschnitt der Eisdecke, den Großen Eiswall, zu überwinden. Von Mörk war auch der erste, der den damals unter Wasser stehenden Engpass Sturmsee passierte und dahinter eine große Halle entdeckte, die später seinen Namen erhielt.

Alexander von Mörk und seine Grablege

Alexander von Mörk zog 1914 in den Ersten Weltkrieg und fiel dort im Alter von 27 Jahren. Seinem letzten Willen entsprechend wurde seine Urne in der Höhle beigesetzt – Mitte der 1920er Jahre im von ihm entdeckten Alexander-von-Mörk-Dom. Sie steht dort noch heute über einem Höhlendurchgang.

Eisriesenwelt
ETH BIB Eisriesenwelt Höhle, Längsschnitt Dia 247 Z 00128Foto: AnonymousUnknown author · CC BY-SA 4.0

Erschließung nach dem Ersten Weltkrieg

Ab 1919 trieb der Salzburger Rechtsanwalt Friedrich Oedl (1894–1969) die Erforschung und touristische Erschließung voran, unterstützt von seinem Bruder Franz Robert Oedl und Leopoldine Fuhrich. Oedl errichtete die erste Unterkunft, das Forscherhüttl. Die ersten öffentlichen Führungen fanden 1920 statt.

Der Salzburger Verein für Höhlenkunde hatte zunächst eine vorläufige Pacht mit den Österreichischen Bundesforsten als Grundeigentümer vereinbart. Nach Gründung der Eisriesenwelt Gesellschaft m.b.H. im Jahr 1928 – deren erster Geschäftsführer Oedl war – ging diese Vereinbarung in einen langfristigen Pachtvertrag über. Später übernahm Erwin Angermayer die Geschäftsführung. Die Eintrittsgelder dienen der Erforschung und Erschließung; die Bundesforste erhalten daraus einen jährlichen Prozentsatz.

Besuch

Eine Seilbahn befördert bis zu 2500 Gäste pro Tag zur Bergstation nahe dem Höhleneingang (Dr.-Friedrich-Oedl-Haus). Innerhalb der Höhle führen die Guides die Gruppen über rund 1400 Stufen – je 700 hinauf und wieder herunter. Die Führung dauert etwa 75 Minuten. Besucher erhalten LED-Nachbildungen von Karbidlampen; die Führer beleuchten die Eisfiguren mit Magnesiumlicht.

Fotografieren und Filmen ist in der Höhle nicht gestattet. Als Begründung gilt, dass Verzögerungen durch Fotoaufnahmen den Rhythmus der aufeinanderfolgenden Führungsgruppen stören würden. Die Temperaturen im Inneren liegen auch im Sommer meist unter dem Gefrierpunkt, weshalb warme Kleidung empfohlen wird.

In den Wintermonaten ist der Zugang wegen der hochalpinen Lage und Lawinengefahr nicht möglich. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind auf www.eisriesenwelt.at abrufbar.

Eisriesenwelt
ETH BIB Eisriesenwelt Höhle, Grundriss Dia 247 Z 00127Foto: AnonymousUnknown author · CC BY-SA 4.0

Häufige Fragen

Warum gilt die Eisriesenwelt als größte Eishöhle der Welt?

Die Eisriesenwelt hat eine erforschte Gesamtlänge von 42 km, was sie zum längsten bekannten Eishöhlensystem der Erde macht. Nicht die gesamte Länge ist vereist – Eis tritt dauerhaft nur im ersten Kilometer des Systems auf.

Wie entsteht das Eis in der Höhle und bleibt es dauerhaft erhalten?

Ein Kamineffekt transportiert im Winter Kaltluft bis auf rund 1 km in die Höhle. Das Gestein speichert diese Kälte, sodass im Frühjahr einsinkendes Schmelzwasser zu Eis gefriert. Obwohl im Sommer 5–10 cm der Bodeneisdecke auftauen, übersteigt das jährliche Nachwachsen den Schwund, weshalb der Eiskörper insgesamt leicht zunimmt.

Wer hat die Eisriesenwelt entdeckt?

Der Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich drang 1879 als Erster dokumentiert in die Höhle vor. Er erreichte etwa 200 m Tiefe und markierte seinen Umkehrpunkt mit dem Posselt-Kreuz. Den Großen Eiswall und die hinteren Teile der Höhle erschloss erst 1913 eine Gruppe um Alexander von Mörk.

Was hat es mit der Urne im Inneren der Höhle auf sich?

Alexander von Mörk, einer der bedeutendsten Erforscher der Höhle, fiel im Ersten Weltkrieg mit 27 Jahren. Seinem ausdrücklichen Wunsch gemäß wurde seine Urne Mitte der 1920er Jahre im nach ihm benannten Alexander-von-Mörk-Dom beigesetzt, wo sie noch heute steht.

Wie gelangt man zum Höhleneingang?

Eine Seilbahn fährt bis in die Nähe des Eingangs (Dr.-Friedrich-Oedl-Haus) auf 1640 m. Sowohl der Anstieg zur unteren Seilbahnstation als auch der Weg von der Bergstation zum Eingang sowie die rund 1400 Stufen innerhalb der Höhle erfordern eine gewisse körperliche Kondition.

Darf man in der Höhle fotografieren?

In der Eisriesenwelt gilt Film- und Fotografierverbot. Die Betreiber begründen dies mit der Taktung der Führungsgruppen, die durch Fotografierpausen beeinträchtigt würde.

Wann ist die Höhle nicht zugänglich?

In den Wintermonaten ist das Eingangsportal auf 1640 m wegen der hochalpinen Lage und Lawinengefahr nicht erreichbar. Über aktuelle Öffnungszeiten informiert die offizielle Website www.eisriesenwelt.at.

Wem gehört die Eisriesenwelt und wer betreibt sie?

Grundeigentümerin ist die Österreichischen Bundesforste. Den Betrieb führt die 1928 gegründete Eisriesenwelt Gesellschaft m.b.H. auf Basis eines langfristigen Pachtvertrags. Ein jährlicher Prozentsatz der Eintrittsgelder fließt an die Bundesforste.

Quellen

  1. Wikipedia: Eisriesenwelt — Faktengrundlage dieses Eintrags