Hermannshöhle (Niederösterreich)
Die Hermannshöhle liegt im Eulenberg nordwestlich von Kirchberg am Wechsel und ist die größte Tropfsteinhöhle Niederösterreichs. Sie wird als Schauhöhle betrieben, ist seit 1931 Naturdenkmal und Teil des Europaschutzgebietes Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax.
Mit 17 nachgewiesenen Fledermausarten gilt sie als artenreichste Fledermaushöhle Österreichs. Daneben zieht sie Höhlenforscher und Zoologen an, unter anderem wegen eines österreichweit einzigartigen Fundorts des Kleinkrebses Bathynella natans.

| Lage | Eulenberg nordwestlich von Kirchberg am Wechsel, Niederösterreich |
| Typ | Tropfsteinhöhle (Karsthöhle), Schauhöhle |
| Gesamtlänge | 4277 m |
| Höhenunterschied | 73 Höhenmeter (mehrere Etagen) |
| Haupteingang (Seehöhe) | Windloch, 627 m ü. A. |
| Durchschnittstemperatur | ca. +7 °C ganzjährig |
| Schutzstatus | Naturdenkmal seit 1931; Europaschutzgebiet Nordöstliche Randalpen |
| Erstbeschreibung | Josef Adalbert Krickel, publiziert 1838 |
| Namensgeber | Hermann Steiger von Amstein, Ersterschließer 1843 |
| Betreiber | Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsverein (seit 1968) |
Lage und Geologie
Der Eulenberg, in dem die Höhle liegt, ist eine Klippe von etwa 1 × 2 km Ausdehnung. Ihr Untergrund besteht aus mesozoischem, marmorartigem Kalkstein, der auf Granit und Schiefer auflagert und stark zerklüftet ist.
An der Höhlenbildung wirkten auch Gerinne aus nicht kalkhaltigen Böden mit. Ablagerungen von Feldspat, Quarz und Glimmer im Inneren bezeugen diesen Einfluss. Die Gänge verlaufen labyrinthartig auf mehreren Etagen und überwinden dabei 73 Höhenmeter.
Aufbau und Einrichtung
Das Gangsystem hat eine Gesamtlänge von 4277 Metern. Der Haupteingang, das sogenannte Windloch, liegt auf 627 Metern Seehöhe; der Ausgang führt durch das Taubenloch.
Im Inneren finden sich ausgedehnte Ablagerungen von Bergmilch sowie Stalaktiten und Stalagmiten. Seit 1957 ist der Führungsweg elektrisch beleuchtet.
Erforschungs- und Erschließungsgeschichte
Zwei Eingänge, Teufelsloch und Windloch, waren seit Jahrhunderten bekannt. Um 1790 soll ein Hüterbub beim Verfolgen von Wildtauben in das Teufelsloch gestürzt sein; bei seiner Bergung entdeckten die Retter weiterführende Räume. Seitdem trägt diese Stelle den Namen Taubenloch.
Der Reiseschriftsteller Josef Adalbert Krickel unternahm am 23. Juni 1836 gemeinsam mit Männern aus Feistritz am Wechsel einen Abstieg in die Höhle. Sein 1838 veröffentlichter Bericht ist der erste schriftliche Nachweis.
Hermann Steiger von Amstein, Verwalter der Burg Feistritz, erkundete die Höhle 1843 systematisch, fand den Durchstieg zum Windloch und erwarb die Grundstücke samt Wegrecht. 1844 musste er die Höhle an den Burgbesitzer abtreten, doch wurde sie nach ihm benannt; der Name Hermannshöhle erscheint erstmals 1845 in einer Reisebeschreibung.
Nach dem Tod des Burgherrn verfielen die Wege. Steiger ließ sie nach seiner Pensionierung wiederherstellen, woraufhin am 28. Juni 1868 die feierliche Wiedereröffnung als Schauhöhle stattfand.
Weitere Entdeckungen im 20. Jahrhundert
Ab 1922 erschlossen Wiener Höhlenforscher zusätzliche Gangabschnitte. Im Jahr 1940 entdeckten zwei Kirchberger Buben das sogenannte Kyrlelabyrinth, das nach dem 1937 verstorbenen Wiener Speläologen Georg Kyrle benannt wurde.
1948 wurde ein Eingang in diesen Labyrinthbereich gesprengt; 1962 wurde er für Besucher zugänglich gemacht. Seit 1968 liegt die Höhle im Besitz des Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsvereins, der sie seither betreut.

Fauna
Mit 17 nachgewiesenen Fledermausarten ist die Hermannshöhle die artenreichste Fledermaushöhle Österreichs. Etwa 3000 Tiere überwintern dort jährlich; die Kleine Hufeisennase ist die häufigste Art, gefolgt von der Fransenfledermaus.
Im Gangsystem leben außerdem Trauermücken, Buckenfliegen und Tausendfüßler. Das Grundwasser der Höhle ist der einzige österreichische Fundort des rund 1,5 mm kleinen Kleinkrebses Bathynella natans.
Im Eingangsbereich sind Höhlenheuschrecken, Stechmücken, Spinnen und Weberknechte anzutreffen. Als Schmetterlinge wurden dort der Wegdornspanner und die Zackeneule nachgewiesen.
Klima und Flora
Die Jahrestemperatur in der Höhle beträgt konstant etwa +7 °C, die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 100 %. Grünpflanzen fehlen im lichtlosen Innenbereich; lediglich im Bereich künstlicher Beleuchtung tritt Lampenflora auf.
Schutzstatus
Die Hermannshöhle wurde 1931 zum Naturdenkmal erklärt. Sie ist Bestandteil des Europaschutzgebietes Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax, das dem Erhalt empfindlicher Lebensräume und Arten dient.
Filmgeschichte
In den Jahren 1947 und 1948 dienten besonders tropfsteinreiche Abschnitte der Hermannshöhle als Drehort für den Film »Geheimnisvolle Tiefe« mit Ilse Werner und Paul Hubschmid.

Häufige Fragen
Wie lang ist die Hermannshöhle?
Das bekannte Gangsystem der Hermannshöhle hat eine Gesamtlänge von 4277 Metern. Die Gänge verlaufen labyrinthartig auf mehreren Etagen und überbrücken dabei 73 Höhenmeter.
Wann wurde die Hermannshöhle entdeckt und erschlossen?
Die ersten schriftlichen Nachrichten stammen aus einem 1838 publizierten Bericht Josef Adalbert Krickels, der die Höhle 1836 besuchte. Hermann Steiger von Amstein legte 1843 den Durchstieg frei und begann mit der touristischen Erschließung; die feierliche Wiedereröffnung als Schauhöhle fand am 28. Juni 1868 statt.
Wie viele Fledermausarten leben in der Hermannshöhle?
In der Hermannshöhle wurden 17 Fledermausarten nachgewiesen, was sie zur artenreichsten Fledermaushöhle Österreichs macht. Jährlich überwintern dort rund 3000 Tiere, darunter als häufigste Art die Kleine Hufeisennase.
Welchen Schutzstatus hat die Hermannshöhle?
Sie wurde 1931 zum Naturdenkmal erklärt. Zusätzlich ist sie Teil des Europaschutzgebietes Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax.
Was bedeutet der Name Hermannshöhle?
Die Höhle wurde nach Hermann Steiger von Amstein benannt, der sie 1843 systematisch erkundete, den Durchgang zwischen den beiden Eingängen fand und die erste Erschließung vorantrieb. Der Name ist seit 1845 in einer Reisebeschreibung belegt.
Welche besonderen Tierfunde gibt es in der Höhle?
Das Grundwasser der Hermannshöhle ist der einzige bekannte österreichische Fundort des Kleinkrebses Bathynella natans, der nur etwa 1,5 mm groß ist. Im Eingangsbereich leben außerdem Höhlenheuschrecken, Spinnen, Weberknechte sowie die Schmetterlinge Wegdornspanner und Zackeneule.
Wer betreibt die Hermannshöhle heute?
Seit 1968 befindet sich die Höhle im Besitz des Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsvereins, der sie als Schauhöhle betreibt und wissenschaftlich betreut. Aktuelle Informationen zu Besuch und Öffnungszeiten finden sich auf www.hermannshoehle.at.
Wie warm ist es in der Hermannshöhle?
Die Durchschnittstemperatur beträgt ganzjährig konstant etwa +7 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 100 %, weshalb entsprechende Kleidung für einen Besuch empfohlen wird.
Quellen
- Wikipedia: Hermannshöhle (Niederösterreich) — Faktengrundlage dieses Eintrags