Hohler Fels
Der Hohler Fels ist eine Karsthöhle rund einen Kilometer östlich des Stadtkerns von Schelklingen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Seit dem 19. Jahrhundert gilt er als einer der bedeutendsten archäologischen Fundplätze des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. 2017 wurde er als Teil der Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Aus der Höhle stammen Elfenbeinfigurinen, Musikinstrumente und Schmuckobjekte des Aurignacien, die zu den ältesten bekannten figürlichen Kunstwerken der Menschheit zählen. Bis 2016 wurden mehr als 80.000 Steinartefakte und fast 300 Schmuckobjekte geborgen.

| Lage | ca. 1 km östlich des Stadtkerns von Schelklingen, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg |
| Einganghöhe | 534 m ü. NHN |
| Geologie | Schwammstotzen des Weißen Jura, rechter Hangfuß des Achtals |
| Höhlentyp | Karsthöhle, Backofenhöhle |
| Abmessungen | 30 m langer Eingangsgang, Halle mit bis zu 30 m Höhe, 500 m² Grundfläche, 6.000 m³ Rauminhalt, zwei Seitengänge je etwas über 20 m |
| Zeitliche Nutzung | Mittelpaläolithikum (über 60.000 Jahre BP) bis Jungpaläolithikum (Aurignacien, Magdalénien) |
| UNESCO-Welterbe | seit 2017 (»Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«) |
| Geopark-Status | Herausragendes Geotop, Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb seit 2017 |
| Laufende Grabungsleitung | Nicholas Conard, Universität Tübingen (seit 1997) |
Lage und Geologie
Der Hohle Fels liegt im Achtal, einem Seitental der Schwäbischen Alb, am rechten Hangfuß in einem Schwammstotzen des Weißen Jura. Der Eingang befindet sich auf 534 m ü. NHN.
Aufgrund ihrer Form wird die Höhle als Backofenhöhle bezeichnet: Auf einen 30 Meter langen Eingangsgang folgt eine weiträumige Halle, von der zu beiden Seiten je ein etwas über 20 Meter langer Gang abzweigt. Die Halle misst bis zu 30 Meter in der Höhe, umfasst 500 m² Grundfläche und ein Volumen von rund 6.000 m³ und gehört damit zu den größten Höhlenhallen der Schwäbischen Alb.
Namensgeschichte
Seit dem 19. Jahrhundert ist die zusammengeschriebene Form »Hohlefels« belegt. Neuerdings findet sich auch die getrennte Schreibung ohne Deklination des Adjektivs: »Hohle Fels«. Im Nachschlagewerk wird die Form »Hohler Fels« verwendet, die die historisch korrekte adjektivische Deklination bewahrt.

Forschungsgeschichte
Den ersten bekannten Kontakt mit der Höhle hatte 1830 der Töpfer Karl Friedrich Rixinger, der beim Abbau von Lehm und Tonerde auf Höhlenbärenknochen stieß. Er verkaufte die Funde ohne Fundortangabe an den Sammler Friedrich von Mandelsloh. 1844 ließ der Baumwollfabrikant Georg Reichenbach aus Urspring Fledermausguano und andere Ablagerungen in größerem Umfang als Dünger verwerten.
1870 ließ Oscar Fraas vom Königlichen Naturalienkabinett den Höhlenlehm untersuchen, ohne von der früheren Düngergewinnung zu wissen. Er stellte einen Phosphatanteil von rund 19 Prozent fest. Die anschließende Grabung von Fraas und Pfarrer Josef Hartmann (1870/71) erbrachte Reste von Höhlenbär, Ren, Mammut und Wildpferd.
1872 besichtigte Rudolf Virchow, Gründer der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, mit dem Anthropologischen Verein die Höhle am Rande einer Tagung. Für den Besuch war der Eingang vergittert und mit Holztreppen und -stegen ausgestattet worden. Tagungsteilnehmer erhielten Funde als Souvenire; der verbliebene Rest füllte einen ganzen Eisenbahnwaggon, der ins Königliche Naturalienkabinett nach Stuttgart gelangte.
Robert Rudolf Schmidt ordnete die von Fraas geborgenen Werkzeuge später dem Aurignacien und dem Magdalénien zu. 1906 untersuchte er die Höhle erneut, traf jedoch auf keine weiteren archäologischen Schichten. Von 1958 bis 1960 führten Gertraud Matschak und Gustav Riek Grabungen durch. 1966 vermessen wurde die Höhle von Bernhard Mangold, Andreas Pöhler und Helmut Frank. Ab 1977 leitete Joachim Hahn (†1997) vom Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen die Ausgrabungen, finanziert durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und zeitweilig den Sonderforschungsbereich 53 der Universität Tübingen. Seit 1997 leitet Nicholas Conard die jährlichen Grabungskampagnen.
Funde aus dem Mittelpaläolithikum
Im Jahr 2020 wurde im mittelpaläolithischen Horizont X eine bifaziell bearbeitete Blattspitze aus lokalem Jurahornstein gefunden. Der Fundhorizont liegt etwa 1,2 Meter unterhalb der Basis der Aurignacien-Schichten und ist mehr als 60.000 Jahre alt.
Eine Gebrauchsspurenanalyse ergab, dass die Blattspitze am weniger spitzen Ende geschäftet und als Jagdwaffe eingesetzt worden war. Die Beschädigungen deuten am ehesten auf die Verwendung als Spitze einer Stoßlanze hin, ohne dass die genaue Waffenführung sicher bestimmt werden kann.

Funde aus dem Aurignacien: Figürliche Kunst
Die jungpaläolithischen Kleinkunstwerke des Aurignacien von der Schwäbischen Alb gehören zu den ältesten bekannten figürlichen Kunstwerken; ältere gegenständliche Darstellungen sind durch mindestens 51.200 Jahre alte Höhlenmalereien auf Sulawesi belegt. Neben dem Hohlen Fels stammen aurignacienzeitliche Elfenbeinfigurinen aus dem Geißenklösterle, der Vogelherdhöhle und dem Hohlenstein im Lonetal.
1999 wurde ein Kopf einer Tierfigurine aus Mammutelfenbein geborgen, zunächst als Pferdekopf gedeutet. Ein 2022 entdecktes anpassendes Körperfragment führte zur Neubewertung; diskutiert werden heute vor allem eine Darstellung eines Höhlenbären oder eines Höhlenlöwen, ohne dass eine sichere Zuordnung möglich ist.
2001 und 2002 kamen zwei zusammenpassende Fragmente einer 4,7 Zentimeter langen Vogelfigurine aus Mammutelfenbein zutage. Die langgestreckte Form und die Körperhaltung werden als Abbildung eines Wasservogels interpretiert. 2002 wurde eine 2,5 cm große menschliche Gestalt aus Elfenbein gefunden, die möglicherweise einen Felidenkopf trägt; sie wird in Anlehnung an den Löwenmenschen vom Hohlensteinstadel als »Löwenmenschle« bezeichnet.
2008 wurde in Schicht V (älteres Aurignacien) die »Venus vom Hohlefels« geborgen, eine 6 cm große Frauenfigurine aus Elfenbein mit einem Mindestalter von 32.000 BP (mindestens 35.000 cal BC). Sie gilt neben der Venus vom Galgenberg als bisher älteste bekannte geborgene Venusfigurine der Menschheit.
Funde aus dem Aurignacien: Musikinstrumente und Geräte
Ebenfalls 2008 wurde in Schicht Va die Gänsegeierflöte vom Hohlefels entdeckt, eine fast vollständige Flöte aus der Speiche eines Gänsegeierknochenknochens. Sie gehört zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der Menschheit.
Zu den weiteren Funden zählen aufwendig bearbeitete Geräte aus Mammutelfenbein sowie Schmuckobjekte. Bis 2016 waren insgesamt mehr als 80.000 Steinartefakte und fast 300 Schmuckobjekte aus der Höhle geborgen worden.

Schutzstatus
Seit 2017 ist der Hohle Fels Bestandteil der UNESCO-Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«. In dieser Stätte sind mehrere Höhlen der Schwäbischen Alb mit ihren paläolithischen Fundkomplexen zusammengefasst.
Darüber hinaus trägt die Höhle seit 2017 das Prädikat »Herausragendes Geotop« und ist als Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb ausgezeichnet.
Häufige Fragen
Wo liegt der Hohle Fels?
Der Hohle Fels befindet sich rund einen Kilometer östlich des Stadtkerns von Schelklingen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Der Eingang liegt auf 534 m ü. NHN am rechten Hangfuß des Achtals.
Warum ist der Hohle Fels UNESCO-Welterbe?
Die Höhle wurde 2017 als Teil der Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Grund dafür sind die außergewöhnlichen jungpaläolithischen Funde, darunter einige der ältesten figürlichen Kunstwerke und Musikinstrumente der Menschheit.
Was ist die Venus vom Hohlefels?
Die Venus vom Hohlefels ist eine 6 cm große Frauenfigurine aus Elfenbein, die 2008 in der älteren Aurignacien-Schicht V gefunden wurde. Sie hat ein Mindestalter von 32.000 BP (mindestens 35.000 cal BC) und gilt neben der Venus vom Galgenberg als älteste bekannte geborgene Venusfigurine der Menschheit.
Welche Musikinstrumente wurden im Hohlen Fels gefunden?
2008 wurde in Schicht Va die Gänsegeierflöte vom Hohlefels entdeckt, eine fast vollständige Flöte aus der Speiche eines Gänsegeierknochenknochens. Sie zählt zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der Menschheit.
Wie groß ist die Höhle?
Auf einen 30 Meter langen Eingangsgang folgt eine Halle mit bis zu 30 Metern Höhe, 500 m² Grundfläche und einem Rauminhalt von 6.000 m³. Von der Halle zweigen zu beiden Seiten je ein etwas über 20 Meter langer Gang ab.
Wie alt sind die ältesten Funde aus dem Hohlen Fels?
Der älteste gesicherte Fundhorizont liegt im Mittelpaläolithikum und ist mehr als 60.000 Jahre alt. Dort wurde 2020 eine bifaziell bearbeitete Blattspitze aus Jurahornstein geborgen, die als Jagdwaffe verwendet worden war.
Wer leitet die Ausgrabungen im Hohlen Fels?
Seit 1997 leitet Nicholas Conard von der Universität Tübingen die jährlichen Grabungskampagnen. Zuvor hatte ab 1977 Joachim Hahn das Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen die Arbeiten geleitet, finanziert durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
Was bedeutet »Backofenhöhle« im Zusammenhang mit dem Hohlen Fels?
Als Backofenhöhle wird eine Höhlenform bezeichnet, bei der ein relativ enger Gang in eine deutlich größere Halle mündet. Beim Hohlen Fels schließt sich an den 30 Meter langen Eingangsgang eine Halle mit bis zu 30 Meter Deckenhöhe und 500 m² Grundfläche an, von der seitliche Gänge abzweigen.
Quellen
- Wikipedia: Hohler Fels — Faktengrundlage dieses Eintrags