Hohlenstein
Der Hohlenstein ist ein Kalksteinmassiv am rechten Talrand des Lonetals, rund 2,5 Kilometer nordwestlich von Asselfingen im östlichen Baden-Württemberg. Der Begriff bezeichnet den gesamten Fels einschließlich der drei darin liegenden Karsthöhlen: der Bärenhöhle, dem Stadel und der Kleinen Scheuer. Bekannt ist der Hohlenstein vor allem durch den Fund des Löwenmenschen, einer rund 40.000 Jahre alten Elfenbeinskulptur aus dem Stadel.
2017 wurde der Hohlenstein-Stadel als Teil der Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Zugleich gelten die Höhlen als bedeutendes Geotop und Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.

| Lage | Rechter Talrand des Lonetals, ca. 2,5 km nordwestlich von Asselfingen, östliches Baden-Württemberg |
| Gesteinsart | Kalkstein (Karstmassiv) |
| Enthaltene Höhlen | Bärenhöhle (ca. 89 m), Stadel/Hohlenstein-Stadel (ca. 69 m), Kleine Scheuer (Felsnische) |
| Höhlentyp | Horizontalhöhlen |
| Erste wissenschaftliche Grabungen | Ab 1860 durch Oscar Fraas, Naturkundemuseum Stuttgart |
| Bedeutendster Fund | Löwenmensch aus Mammut-Elfenbein, 31 cm hoch, ca. 40.000 Jahre alt (Aurignacien) |
| Verbleib des Löwenmenschen | Museum Ulm |
| UNESCO-Welterbe seit | 2017 (als Teil der Stätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«) |
| Zugänglichkeit | Ganzjährig gesperrt (Naturschutz, Fledermäuse) |
| Topographischer Name | Hohlenstein (amtlich), historisch auch Hohler Stein |
Lage und Namensgeschichte
Der Hohlenstein liegt etwa in der Mitte zwischen der Bocksteinhöhle und der Vogelherdhöhle, beide ebenfalls im Lonetal. Die Zusammenschreibung »Hohlenstein« ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und gilt heute als amtliche topographische Bezeichnung; die ältere Form lautete »Hohler Stein«.
Der Name bezieht sich auf den gesamten Felskörper, nicht nur auf eine einzelne Höhle. Bärenhöhle, Stadel und Kleine Scheuer sind nebeneinander in diesen Kalksteinfelsen eingetieft.
Die Bärenhöhle
Die Bärenhöhle liegt im westlichen Teil des Hohlensteins, nur 2 m über der Talsohle. Ihr nach Norden ausgerichteter Eingang ist dreieckig, 6 m breit und 4 m hoch. Die Horizontalhöhle ist insgesamt rund 89 m lang; der begehbare Gang erstreckt sich über etwa 30 m mit seitlichen Ausbuchtungen und mündet in eine größere Halle.
Ihren Namen verdankt die Höhle den massenhaften Überresten von Höhlenbären: Rund 98 % der tierischen Funde stammen von dieser Art, die zahlreichen Schädel und Unterkiefer verweisen auf mehrere hundert Individuen. Daneben wurden Wildpferd, Wollhaarmammut, Bison, Elch, Rothirsch und Rentier nachgewiesen.
Das Schichtprofil am Eingang, wo die Erdschichten am mächtigsten waren, umfasst drei kulturelle Horizonte: Magdalénien (Schicht Ia), Aurignacien (Schicht II) und Mittelpaläolithikum (Schicht III).

Der Hohlenstein-Stadel
Der Stadel liegt östlich der Bärenhöhle und verläuft mit seinem langschmalen Grundriss parallel zu ihr. Sein Eingang misst 8 m in der Breite und 4 m in der Höhe; der Höhlenboden liegt 5 m über der Talsohle, also etwas höher als bei der Bärenhöhle. Die Horizontalhöhle ist rund 69 m lang und besitzt keine größeren Hallen, die Wände werden lediglich durch Nischen und Verengungen gegliedert.
Bereits 1591 wurde der Eingang zugemauert, um »zwielichtigen Gestalten« keinen Unterschlupf zu bieten – ein früher Hinweis auf die damalige Wahrnehmung des Ortes. Das vollständigste Schichtprofil wurde aus der Mitte der Höhle aufgenommen und umfasst fünf Horizonte: Magdalénien (III), Aurignacien (IV, mit dem Fund des Löwenmenschen) sowie drei mittelpaläolithische Schichten (V, VI, VII).
Die Faunenreste belegen eine artenreiche Tierwelt: In der Magdalénien-Schicht wurden unter anderem Höhlenbär, Hyäne, Wolf, Mammut, Wildpferd, Rentier und Wildrind nachgewiesen; die Aurignacien-Schicht enthielt zusätzlich Wollnashorn. In den mittelpaläolithischen Schichten kommen außerdem Riesenhirsch und Hirsch vor.
Neandertaler-Fund im Stadel
In den mittelpaläolithischen Schichten des Stadels kam der Oberschenkelknochen eines männlichen Neandertalers zutage. Posth und weitere Forschende publizierten 2017 ein Alter zwischen 183.000 und 62.000 Jahren für dieses Fossil.
Analysen der mitochondrialen DNA ergaben Hinweise auf einen Genfluss von einer bislang unbekannten oder frühen afrikanischen Population des Homo sapiens zu den Vorfahren dieses Neandertalers. 2019 wurden Teile der Kern-DNA sequenziert; die Ergebnisse zeigten – ähnlich wie beim Fund aus der Grotte Scladina – eine engere genetische Verwandtschaft mit den vor rund 40.000 Jahren in Westeuropa lebenden Neandertalern als mit annähernd gleich alten Neandertalern aus Sibirien. Dies wird als Beleg für eine kontinuierliche Besiedlungsgeschichte Westeuropas interpretiert.

Der Löwenmensch
Bei Ausgrabungen im Stadel, geleitet von dem Arzt Robert Wetzel und seinem Grabungsleiter Otto Völzing, wurden 1939 Splitter eines Mammut-Stoßzahns geborgen. Erst 1969 setzte Joachim Hahn diese Fragmente zu einer Skulptur zusammen, die als »Löwenmensch« bekannt wurde. 2013 erfolgte eine erneute, ergänzte Zusammensetzung, die zu einem etwas veränderten Erscheinungsbild führte.
Die Figur ist 31 cm hoch, aus Mammut-Elfenbein gefertigt und auf ein Alter von rund 40.000 Jahren datiert. Sie gehört dem Aurignacien an und gilt als die älteste bekannte Darstellung eines Mischwesens weltweit. Kopf, Oberkörper und Pranken zeigen einen Höhlenlöwen, während der Unterkörper aufrecht-menschlich gestaltet ist.
Das Original wird heute im Museum Ulm ausgestellt. Der Fund wird der altsteinzeitlichen Kultur des Aurignacien zugeordnet.
Geschichte der Erforschung
Die systematische wissenschaftliche Erforschung begann 1860, als Oscar Fraas vom Naturkundemuseum Stuttgart paläontologische Grabungen in der Bärenhöhle aufnahm. Diese Arbeit gilt zugleich als Grundstein der wissenschaftlichen Paläolithikum-Forschung in Deutschland, auch wenn die frühen Funde überwiegend natürlich verendete Höhlenbären umfassten.
Später wurden auch der Stadel und die Kleine Scheuer ausgegraben. Die zahlreichen Knochen, Steinartefakte und Keramikscherben belegen eine intensive Besiedlungsgeschichte, die bis ins Mittelpaläolithikum zurückreicht.

Schutzstatus und Zugänglichkeit
Alle Höhlen des Hohlensteins sind aus Gründen des Naturschutzes ganzjährig gesperrt; als Grund wird der Schutz der dort lebenden Fledermäuse genannt. Ein Besuch des Inneren ist daher nicht möglich.
Seit 2017 ist der Hohlenstein-Stadel Bestandteil der UNESCO-Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«. Außerdem tragen die Höhlen des Hohlensteins die Auszeichnung als bedeutendes Geotop und Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.
Häufige Fragen
Wo genau liegt der Hohlenstein?
Der Hohlenstein befindet sich am rechten Talrand des Lonetals, rund 2,5 Kilometer nordwestlich von Asselfingen im östlichen Baden-Württemberg. Er liegt etwa in der Mitte zwischen der Bocksteinhöhle und der Vogelherdhöhle.
Welche Höhlen befinden sich im Hohlenstein?
Im Hohlenstein liegen drei Hohlräume: die Bärenhöhle im westlichen Teil (rund 89 m lang), der Stadel im östlichen Teil (rund 69 m lang) sowie die Kleine Scheuer, eine kleinere Felsnische zwischen den beiden großen Höhlen.
Was ist der Löwenmensch und wo wird er aufbewahrt?
Der Löwenmensch ist eine 31 cm hohe Skulptur aus Mammut-Elfenbein, die 1939 im Hohlenstein-Stadel gefunden und 1969 erstmals zusammengesetzt wurde. Sie ist rund 40.000 Jahre alt und gilt als die älteste bekannte Darstellung eines Mischwesens weltweit. Das Original befindet sich heute im Museum Ulm.
Kann man die Höhlen des Hohlensteins besichtigen?
Nein. Alle Höhlen sind aus Naturschutzgründen – konkret wegen der dort lebenden Fledermäuse – ganzjährig gesperrt und für Besucher nicht zugänglich.
Seit wann gehört der Hohlenstein-Stadel zum UNESCO-Welterbe?
Der Hohlenstein-Stadel wurde 2017 als Teil der Weltkulturerbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Welche menschlichen Fossilien wurden im Hohlenstein gefunden?
Im Stadel kam in den mittelpaläolithischen Schichten der Oberschenkelknochen eines männlichen Neandertalers zutage. Das Fossil wurde auf ein Alter zwischen 183.000 und 62.000 Jahren datiert. DNA-Analysen lieferten Hinweise auf genetische Verbindungen zu frühen afrikanischen Populationen sowie auf eine enge Verwandtschaft mit späteren westeuropäischen Neandertalern.
Wann begannen die wissenschaftlichen Grabungen am Hohlenstein?
Oscar Fraas vom Naturkundemuseum Stuttgart begann ab 1860 mit paläontologischen Grabungen in der Bärenhöhle. Diese Arbeiten gelten als Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Erforschung des Paläolithikums in Deutschland.
Warum heißt die Bärenhöhle so?
In der Bärenhöhle wurden massenhaft Knochen von Höhlenbären gefunden; rund 98 % aller tierischen Überreste stammen von dieser Art. Die zahlreichen Schädel und Unterkiefer lassen auf mehrere hundert Individuen schließen.
Quellen
- Wikipedia: Hohlenstein — Faktengrundlage dieses Eintrags