Iberger Tropfsteinhöhle
Die Iberger Tropfsteinhöhle liegt im Iberg bei Bad Grund im Landkreis Göttingen (Südniedersachsen) und gehört zu den größten der rund 100 bekannten Höhlen dieses Kalkmassivsystems. Sie entstand im Kalk eines oberdevonischen Atollriffs und ist eine Korrosionshöhle vom seltenen Typ der Verwitterungshöhle. Seit 2008 wird sie unter dem Namen HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle (HEZ) als Schauhöhle mit archäologischem Museum betrieben.
Geologisch bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte: Die kohlensäurehaltige Lösung, die das Kalkgestein aushöhlte, stammte überwiegend nicht aus Oberflächenwasser, sondern aus der Verwitterung des Eisenkarbonats Siderit – ein in Europa als einzigartig geltender Höhlenbildungsprozess.

| Lage | Südostflanke des Ibergs (562,6 m ü. NHN), ca. 1,4 km nordöstlich von Bad Grund, Landkreis Göttingen, Niedersachsen |
| Höhleneingang | ca. 420 m ü. NHN |
| Begehbarer Teil (Schauhöhle) | 123 m |
| Gesamtlänge inkl. Stollen und Grotte | 300 m |
| Höhlentyp | Korrosionshöhle, Untertyp Verwitterungshöhle |
| Gestein | Kalk eines oberdevonischen Atollriffs (ca. 385 Millionen Jahre) |
| Erstbeschreibung | Franz Ernst Brückmann, 30. März 1723 (veröffentlicht 1737) |
| Schauhöhlenbetrieb | seit 1874 |
| Beleuchtung | elektr. seit 1912, LED-Umrüstung Februar 2013 |
| Naturpark | Naturpark Harz, Westteil des Oberharzes |
Lage und Erschließung
Der Eingang der Iberger Tropfsteinhöhle befindet sich auf etwa 420 m Höhe an der Südostflanke des 562,6 m hohen Ibergs, rund 1,4 km nordöstlich des Stadtzentrums von Bad Grund. Die Harzhochstraße (Bundesstraße 242) verläuft unmittelbar südlich am Eingang vorbei; ein Parkplatz ist vorhanden.
Das HöhlenErlebnisZentrum ist über die Buslinie 460 an das Liniennetz Osterode – Bad Grund – Clausthal-Zellerfeld angeschlossen. Die Höhle liegt innerhalb des Naturparks Harz im westlichen Teil des Oberharzes.
Beschreibung der Höhle
Der für Besucher zugängliche Teil der Höhle misst 123 m. Zusammen mit dem 78 m langen Hauptmann-Spatzier-Stollen, der Grube Gelber Stieg und der Oskar-Klingebiel-Grotte ergibt sich eine Gesamtlänge von 300 m.
Die Oskar-Klingebiel-Grotte ist durch besonders ausgeprägte Deckenkolken gekennzeichnet. Die Rotfärbung des Sinters an verschiedenen Stellen geht auf Eisenverbindungen zurück; an einigen Stellen findet sich auch blaugrün verfärbter Sinter, der auf Kupfermineralien hindeutet.
Im Iberg sind bisher rund 100 Höhlen bekannt; die Iberger Tropfsteinhöhle zählt zu den größten davon. Alle Iberger Höhlen sind Korrosionshöhlen, überwiegend vom Typ der Verwitterungshöhle.
Geologie und Entstehung
Das Kalkmassiv des Ibergs umfasst eine Fläche von etwa 1,5 km² und ragt stellenweise als Steilklippe aus dem Gelände. Das Gestein ist der Rest eines Korallenriffs, das sich vor rund 385 Millionen Jahren in einem tropischen Flachmeer bildete – vermutlich auf der Kuppe eines untermeerischen Seebergs oder Vulkans, ungefähr dort, wo heute Madagaskar liegt. Durch Kontinentaldrift gelangte das Riff über Hunderte von Millionen Jahren an seinen heutigen Standort.
Vor etwa 370 Millionen Jahren endete das Riffwachstum weltweit; als Ursache werden Meeresspiegelschwankungen und ein daraus resultierendes Massensterben der Rifforganismen vermutet. In den folgenden Jahrmillionen überdeckten mächtige Erosionssedimente das Riff; sie sind heute als Grauwacken und Tonschiefer um den Iberg herum erhalten.
Vor rund 300 Millionen Jahren wurde der Iberg durch die variszische Gebirgsbildung aus seiner Umgebung herausgequetscht und in sich zerrissen. Vor etwa 100 Millionen Jahren stieg der Harz ein zweites Mal auf; dabei drangen heiße metallhaltige Wässer in die Kalkrisse ein und wandelten Teile des Gesteins in das Eisenkarbonat Siderit sowie verschiedene Mineralien um.
Den entscheidenden Anstoß zur Höhlenbildung gab die besonders starke Heraushebung des Harzes in den letzten rund 6 Millionen Jahren. Sicker- und Grundwasser erreichten das Kalk-Siderit-Gestein; der darin gelöste Sauerstoff oxidierte das zweiwertige Eisen des Siderits zu Brauneisenerz (Limonit). Das dabei freigesetzte Kohlendioxid bildete im Grundwasser Kohlensäure, die das benachbarte Kalkgestein auflöste. Weil die Kohlensäure überwiegend aus dieser Sideritverwitterung und nicht aus Oberflächenwasser stammte, gilt der Prozess als in Europa einzigartig. Mit der weiteren Heraushebung fielen die wassergefüllten Hohlräume trocken, und Tropfsteine konnten sich bilden.

Geschichte und Erforschung
Archäologische Befunde belegen, dass am und im Iberg bereits seit etwa 600 v. Chr. Brauneisenerz geschürft wurde. Um 1500 entdeckten vermutlich Bergleute, die nach diesem Erz suchten, die Höhle. Die erste schriftliche Beschreibung stammt vom Wolfenbüttler Arzt und Naturforscher Franz Ernst Brückmann, der die Höhle am 30. März 1723 befuhr; sein Bericht erschien 1737.
Im Jahr 1874 wurden Wege und Treppen angelegt, und die Schauhöhle nahm ihren Betrieb auf. Der Hauptmann-Spatzier-Stollen, der zwischen 1910 und 1911 aufgefahren wurde, erschloss neben dem Haupthohlraum auch die Grube Gelber Stieg – ein vermutlich im 16. Jahrhundert ausgeräumtes Brauneisenerzlager – sowie die Oskar-Klingebiel-Grotte und dient seitdem als neuer Eingang.
Die elektrische Beleuchtung wurde 1912 eingerichtet, 1935 und in den 1950er-Jahren erweitert und 1972 erneuert. Im Februar 2013 ersetzte der damalige Landkreis Osterode am Harz die gesamte Anlage einschließlich Kabeln, Schaltkästen und Haken durch eine LED-Beleuchtung; die Kosten beliefen sich auf rund 100.000 Euro.
HöhlenErlebnisZentrum
Zwischen 2006 und 2008 wurde die Schauhöhle zur erweiterten Einrichtung HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle (HEZ) ausgebaut. Die drei thematischen Schwerpunkte sind »Faszination Höhle«, »Ein Riff auf Reisen« und »Die älteste Familie der Welt«.
Seit Januar 2025 ist der Besuch der Höhle erst ab einem Alter von vier Jahren möglich. Zugleich wurde ein eigenes Eintrittssegment nur für das archäologische Museum eingeführt. Seit April 2026 ist am HEZ ein dauerhafter Sonderstempel der Harzer Wandernadel erhältlich.
Fossilien und Mineralien
An den Höhlenwänden sind Fossilien einstiger Riffbewohner erhalten, die das Alter und die Herkunft des Kalkgesteins dokumentieren. Die häufige Rotfärbung des Sinters geht auf Eisenverbindungen zurück, die blaugrüne Färbung an einzelnen Stellen auf Kupfermineralien. Der Reichtum an Mineralarten resultiert aus den metallhaltigen hydrothermalen Wässern, die vor rund 100 Millionen Jahren in die Kalkrisse des Ibergs eindrangen.

Häufige Fragen
Wie lang ist die Iberger Tropfsteinhöhle?
Der für Besucher zugängliche Teil misst 123 m. Einschließlich des Hauptmann-Spatzier-Stollens (78 m), der Grube Gelber Stieg und der Oskar-Klingebiel-Grotte beträgt die Gesamtlänge 300 m.
Was ist eine Verwitterungshöhle, und warum gilt der Iberg als Besonderheit?
Bei einer Verwitterungshöhle stammt die höhlenlösende Kohlensäure nicht aus Oberflächenwasser, sondern aus der chemischen Verwitterung eines Minerals im Gestein. Im Iberg war das das Eisenkarbonat Siderit, dessen Oxidation Kohlendioxid freisetzte, das wiederum Kalk auflöste. Dieser Prozess gilt in Europa als einzigartig.
Wie alt ist das Gestein der Iberger Tropfsteinhöhle?
Der Kalk des Ibergs ist der Rest eines Korallenriffs, das sich vor rund 385 Millionen Jahren im Oberdevon bildete. Entstanden ist es damals ungefähr dort, wo sich heute Madagaskar befindet, und gelangte durch Kontinentaldrift an seinen heutigen Standort im Harz.
Wann wurde die Höhle entdeckt und wann als Schauhöhle geöffnet?
Um 1500 stießen vermutlich Bergleute bei der Suche nach Brauneisenerz auf die Höhle. Als Schauhöhle mit Wegen und Treppen wurde sie 1874 eröffnet. Die erste schriftliche Beschreibung einer Befahrung stammt von 1723, veröffentlicht 1737.
Wie erreicht man die Iberger Tropfsteinhöhle ohne Auto?
Das HöhlenErlebnisZentrum ist über die Buslinie 460 an das Liniennetz Osterode – Bad Grund – Clausthal-Zellerfeld angebunden. Der Eingang liegt rund 1,4 km nordöstlich vom Zentrum Bad Grunds, unmittelbar an der Bundesstraße 242.
Gibt es in der Höhle auch ein Museum?
Ja. Seit dem Umbau zum HöhlenErlebnisZentrum (2006–2008) gehört ein archäologisches Museum zum Angebot. Seit Januar 2025 können Besucher auch eine Eintrittskarte ausschließlich für das Museum erwerben, ohne die Höhle zu begehen.
Ab welchem Alter können Kinder die Höhle besuchen?
Seit Januar 2025 ist der Besuch der Iberger Tropfsteinhöhle erst ab einem Alter von vier Jahren möglich.
Warum ist der Sinter in der Höhle oft rötlich gefärbt?
Die Rotfärbung des Sinters rührt von Eisenverbindungen her, die aus der Verwitterung des Eisenkarbonats Siderit stammen. An einzelnen Stellen findet sich auch blaugrün verfärbter Sinter, dessen Farbe auf Kupfermineralien zurückgeht.
Quellen
- Wikipedia: Iberger Tropfsteinhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags