Laichinger Tiefenhöhle
Die Laichinger Tiefenhöhle liegt rund 1,5 Kilometer südlich von Laichingen auf der Schwäbischen Alb und ist die einzige zur Schauhöhle ausgebaute Schachthöhle Deutschlands. Der öffentlich zugängliche Führungsweg reicht bis in eine Tiefe von 55 Metern, die Gesamthöhle bis auf etwa 80 Meter.
Hydrografisch gehört die Höhle zum Einzugsgebiet des Blautopfs bei Blaubeuren. Färbeversuche belegten eine unterirdische Verbindung über rund 15 Kilometer Luftlinie, wobei das Wasser die Strecke in etwa 36 Stunden zurücklegt – ein Hinweis auf ein tieferliegendes, hydraulisch leistungsfähiges Höhlenstockwerk.

| Typ | Schachthöhle, zur Schauhöhle ausgebaut |
| Lage | ca. 1,5 km südlich von Laichingen, Schwäbische Alb |
| Gesamtlänge | ca. 1.300 m |
| Maximale Tiefe | ca. 80 m |
| Tiefe des Führungswegs | 55 m |
| Führungsweglänge | 350 m |
| Temperatur (ganzjährig) | 8 °C |
| Entdeckung | 1892 durch Johann Georg Mack |
| Erste Vermessung | 1894 durch Architekt Paul Kienzle |
| Tiefster Punkt erreicht | 1906 (Expedition Kaulfuß), 80 m |
Geologie und Gesteinsaufbau
Der Höhleneingang liegt im Dolomit, der an der Oberfläche als Sand abgebaut wurde. Der Hauptteil der Höhle erschließt sich im darunter liegenden Massenkalk, einem massiven, ungeschichteten Kalkstein riffischen Ursprungs. An den Höhlenwänden sind vielerorts die Schwämme erkennbar, die das einstige Riff aufbauten.
Tropfsteine sind in der Tiefenhöhle kaum vorhanden. Geologisch bemerkenswert sind dagegen Wasserstandsmarken, Lösungskolke, Karren sowie größere Vorkommen von Perlsinter – kugelig aggregierte Kalzitkristalle, die sich in flachem, bewegtem Wasser bilden.
Geschichte und Erforschung
1892 stieß der Sandgräber Johann Georg Mack beim Abbau von Dolomitsand auf die Höhle. Bereits 1894 nahm der Architekt Paul Kienzle eine erste systematische Vermessung vor. Da geeignete Kletterausrüstung fehlte, sicherten selbst gezimmerte Holzleitern die zahlreichen Schächte.
1906 erreichte die nach ihrem Leiter Kaulfuß benannte Expedition erstmals den tiefsten Punkt in 80 Metern und erstellte eine erneute Vermessung. In den 1930er Jahren erfolgte der Ausbau zur Schauhöhle mit elektrischer Beleuchtung. 1975 wurde ein künstlicher Ausgangsschacht angelegt, sodass die Höhle seitdem auf einem Rundweg befahren werden kann.
Hydrologische Bedeutung und Verbindung zum Blautopf
Färbeversuche weisen die Laichinger Tiefenhöhle als Teil des Einzugsgebiets des Blautopfs aus. Über eine Luftliniendistanz von 15 Kilometern beträgt die Fließzeit des Wassers rund 36 Stunden, was einer vergleichsweise hohen Fließgeschwindigkeit entspricht.
Diese Geschwindigkeit legt ein tieferliegendes Höhlenstockwerk nahe, auf dessen Karstwasserspiegel das Wasser in etwa 180 Metern Tiefe strömt. Das andere Ende des Systems ist die Blautopfhöhle bei Blaubeuren, die 2007 bedeutende Forschungsfortschritte verzeichnete. Ihr Hauptgang weist grob in Richtung Laichingen; falls eine durchgehende Höhle nachgewiesen werden kann, wäre das System mit mehr als 15 Kilometern Ganglänge eines der längsten Deutschlands.
Aus diesem Grund werden derzeit mehrere Höhlen der Blaubeurer Alb – darunter die Tiefenhöhle selbst, der Fabrikschacht und der RÜB-Schacht – systematisch auf alternative Zugänge zu dem tieferen Stockwerk untersucht, bislang ohne Durchbruch.
Speläologisches Museum
Seit 2002 beherbergt das Eingangsgebäude ein Speläologisches Museum. Es dokumentiert Entstehung und Inhalte von Höhlen, behandelt Tropfsteine, Tierknochen und archäologische Artefakte sowie Techniken der Befahrung und Vermessung.
Großformatige Modelle zeigen die auf der Schwäbischen Alb verbreiteten Höhlentypen und Sedimentationsprozesse; ein aufgerichtetes Skelett des Höhlenbären (Ursus spelaeus) gehört zu den zentralen Exponaten. Seit Juni 2006 ist das Museum eine von 26 Infostellen des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.
Besuch der Höhle
Der 350 Meter lange Führungsweg führt über mehrere steile Eisentreppen bis auf 55 Meter Tiefe. Festes Schuhwerk ist deshalb unbedingt erforderlich. Am Eingang erhalten Besucher Gamaschen zum Schutz vor Höhlenlehm.
Ganzjährig herrschen in der Höhle 8 °C, weshalb eine warme Jacke auch im Sommer empfohlen wird. Aktuelle Informationen zu Führungszeiten und Eintritt sind über die offizielle Website des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen erhältlich.
Lage, Anfahrt und Umgebung
Die Höhle liegt etwa 1,5 Kilometer südlich des Laichinger Stadtzentrums und verfügt über einen eigenen Parkplatz. Am Eingang befindet sich ein teilweise überdachter Biergarten mit Höhlenrasthaus sowie ein Spielplatz, mehrere Feuerstellen und eine Grillhütte.
Ein rund zwölf Kilometer langer Karstwanderweg, dessen Ausgangspunkt der Höhlenparkplatz ist, verbindet weitere Karsterscheinungen der Umgebung: den Hohlen Stein (eine Höhlenruine), natürliche und künstliche Hülen sowie die Vogts Grub, eine der größten Dolinen der mittleren Alb, die etwa einen Kilometer entfernt liegt. Informationsmaterial ist an der Höhlenkasse erhältlich.

Häufige Fragen
Wie tief steigt man in der Laichinger Tiefenhöhle hinab?
Der Führungsweg reicht bis auf 55 Meter unter die Erdoberfläche. Die Höhle selbst hat eine maximale Tiefe von etwa 80 Metern, die 1906 erstmals erreicht wurde.
Was macht die Laichinger Tiefenhöhle in Deutschland einzigartig?
Sie ist die einzige Schachthöhle Deutschlands, die zur Schauhöhle ausgebaut wurde. Statt durch horizontale Gänge führt der Weg über mehrere steile Eisentreppen senkrecht in die Tiefe.
Welche Kleidung ist für einen Besuch nötig?
Die Höhlentemperatur beträgt ganzjährig 8 °C, daher ist eine warme Jacke unbedingt ratsam. Festes Schuhwerk ist wegen der steilen Treppen Pflicht; Gamaschen gegen Höhlenlehm werden am Eingang ausgegeben.
Hat die Tiefenhöhle Tropfsteine?
Tropfsteine sind kaum vorhanden. Geologisch bemerkenswert sind dagegen Perlsinter, Wasserstandsmarken, Lösungskolke und Karren sowie die sichtbaren Schwammstrukturen des einstigen Korallenriffs im Massenkalk.
Welche Verbindung besteht zwischen der Tiefenhöhle und dem Blautopf?
Färbeversuche belegen, dass das Wasser aus der Tiefenhöhle zum Blautopf bei Blaubeuren fließt – 15 Kilometer Luftlinie in rund 36 Stunden. Das Wasser bewegt sich dabei auf dem Karstwasserspiegel in etwa 180 Metern Tiefe durch ein tieferliegendes Höhlenstockwerk.
Was zeigt das Speläologische Museum an der Tiefenhöhle?
Das seit 2002 bestehende Museum im Eingangsgebäude stellt Höhlenentstehung, Tropfsteine, Tierknochen, archäologische Funde und Vermessungstechnik vor. Zu den zentralen Exponaten gehört ein aufgerichtetes Skelett des Höhlenbären (Ursus spelaeus). Seit 2006 ist es Infostelle des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.
Wann und von wem wurde die Laichinger Tiefenhöhle entdeckt?
Der Sandgräber Johann Georg Mack entdeckte die Höhle 1892 beim Abbau von Dolomitsand. Die erste Vermessung führte 1894 der Architekt Paul Kienzle durch; 1906 erreichte die Expedition unter Kaulfuß den tiefsten Punkt von 80 Metern.
Gibt es in der Umgebung weitere Karstsehenswürdigkeiten?
Ein rund zwölf Kilometer langer Karstwanderweg verbindet vom Höhlenparkplatz aus mehrere Karsterscheinungen: den Hohlen Stein, natürliche und künstliche Hülen sowie die Vogts Grub, eine der größten Dolinen der mittleren Alb, etwa einen Kilometer von der Höhle entfernt.
Quellen
- Wikipedia: Laichinger Tiefenhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags