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Nebelhöhle

Die Nebelhöhle ist eine Tropfsteinhöhle auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Sie liegt auf den Gemarkungen der Gemeinden Sonnenbühl (Ortsteil Genkingen) und Lichtenstein im Landkreis Reutlingen und gehört zu den am längsten dokumentierten Schauhöhlen der Region.

Die derzeit bekannte Gesamtlänge beträgt 813 Meter, wovon 450 Meter für Besucher erschlossen sind. Ihren Namen verdankt die Höhle einem natürlichen Felsportal, aus dem im Winter sichtbar Nebel aufstieg.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Nebelhöhle
Nebelhoehle Abgesaegter TropfsteinFoto: Ty von Sevelingen · CC BY-SA 3.0
TypTropfsteinhöhle (Karsthöhle)
LageSchwäbische Alb, Gemarkungen Sonnenbühl/Genkingen und Lichtenstein, Landkreis Reutlingen, Baden-Württemberg
GesteinWeißer Jura delta
Seehöhe Höhlensohleca. 780 m ü. NN
Gesamtlänge813 m (bekannt)
Erschlossene Länge450 m
Höhlentemperatur8–10 °C ganzjährig
Luftfeuchtigkeitca. 90 %
Erste urkundliche Erwähnung1486 (als »Nebelloch«)
Touristisch erschlossen seit1803

Lage und geologischer Rahmen

Die Höhle befindet sich im Weißen Jura delta unterhalb einer Kuppe nahe dem Albtrauf. Die Höhlensohle liegt auf etwa 780 Metern über dem Meeresspiegel.

Ein Hinweis auf das hohe Alter der Höhle ist die Tatsache, dass die umliegenden Trockentäler tiefer liegen als die Höhle selbst – ein Zeichen dafür, dass die Aushöhlung bereits weit vor der heutigen Talentwicklung stattfand.

Morphologie und Tropfsteinausstattung

Die Höhle zeichnet sich durch ungewöhnlich große Gangquerschnitte aus. An den Decken sind Kolke erkennbar, und viele Wandflächen zeigen eine angewitterte, kreidige Oberfläche von bis zu einem Zentimeter Tiefe – beides Merkmale eines langen Entwicklungszeitraums.

In mehreren Hallen liegen mächtige Versturzblöcke; ein besonders großer hängt über einem Gang. In einer Hallenmitte reihen sich trichterartige Vertiefungen aneinander.

Kennzeichnend für die Nebelhöhle sind vor allem Bodentropfsteine. Die zweite Halle ist über einen dichten Tropfsteinwald zu erreichen, in dem ein mannshoher Stalagmit mitten im Weg steht. Unterhalb von Kaminen finden sich vereinzelt Sinterkaskaden.

Nebelhöhle
Nebelhoehle2Foto: Ramessos · Public domain

Das Nebelloch – Namensherkunft

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1486 unter der Bezeichnung »Nebelloch«. Damit war ein breites, ebenerdiges Felsportal in der Höhlenwand gemeint, durch das Tageslicht in die Höhle fiel.

Im Winter kondensiert die feuchte, rund acht bis zehn Grad warme Höhlenluft beim Austritt an der Außenluft zu sichtbarem Nebel. Dieser Effekt gab dem Portal seinen Namen. In einer Zeit, in der unbekannte Erdöffnungen mit übernatürlichen Kräften assoziiert wurden, galt das Nebelloch als Verbindung zwischen Unter- und Oberwelt.

Nach dem Umbau des großen Portals zu einem bequem begehbaren Eingang im Jahr 1803 übertrug sich der Name »Nebelloch« auf ein wesentlich kleineres Loch in der Höhlendecke, das noch heute so heißt. Die Bezeichnung »Nebelhöhle« für die gesamte Höhle taucht erstmals im 19. Jahrhundert auf.

Entdeckung und frühe Geschichte

Lange Zeit galt die Überlieferung, ein Jäger habe die Höhle zu Beginn des 16. Jahrhunderts entdeckt. Auswertungen der historischen Quellen, die im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung im Mai 2008 vorgelegt wurden, konnten diese Version nicht bestätigen: In rund einem Dutzend Berichten aus den Jahren 1596 bis 1893 findet sich kein einziger Hinweis auf einen Jäger als Entdecker.

Wilhelm Schickard hielt 1631 fest, die Höhle sei seit »Menschengedenken« bekannt und von Hirtenknaben gefunden worden. Das ehemals große ebenerdige Eingangsportal – nach zeitgenössischen Beschreibungen groß genug für eine einfahrende Kutsche – ermöglichte schon früh Zugänglichkeit. Die erste urkundliche Erwähnung von 1486 legt nahe, dass die Entdeckung noch früher erfolgte und in der kollektiven Erinnerung nicht mehr bewahrt war.

Nebelhöhle
Nebelhoehle 2006Foto: macmorning · CC BY-SA 3.0

Erschließung und Nebelhöhlenfest

Im Jahr 1803 wurde die Höhle anlässlich des Besuchs von Kurfürst Friedrich I. von Württemberg mit hölzernen Treppen, Wegen und Brücken ausgebaut. Bei der Illumination wurden über 1000 Kerzen abgebrannt; das Spektakel wurde zwei Wochen später wiederholt.

Aus dieser Veranstaltung entstand die Tradition eines jährlichen Höhlenfests am Pfingstmontag. Mit dem Hinzukommen der Lichtensteinfestspiele in Honau zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte das Fest seinen Höhepunkt; an Pfingstmontagen sollen damals 30.000 und mehr Besucher gezählt worden sein.

Die Nebelhöhle in der Literatur: Wilhelm Hauffs »Lichtenstein«

Wilhelm Hauff ließ in seinem Roman »Lichtenstein« den landflüchtigen Herzog Ulrich von Württemberg in der Nebelhöhle Zuflucht nehmen. Das steigerte das öffentliche Interesse an der Höhle erheblich.

Herzog Ulrich stand um 1500 im Konflikt mit der Freien Reichsstadt Reutlingen, die inmitten seines Territoriums lag, ihm aber nicht unterstand. Hauff verknüpfte diesen historischen Stoff mit dem Ort der Nebelhöhle und trug so zu ihrer überregionalen Bekanntheit bei.

Nebelhöhle
NebellochFoto: Foto: S. Morgenstern (Username: Macmorning, eigenes Foto) · CC BY-SA 3.0

Häufige Fragen

Wo liegt die Nebelhöhle genau?

Die Nebelhöhle liegt auf der Schwäbischen Alb auf den Gemarkungen der Gemeinden Sonnenbühl (Ortsteil Genkingen) und Lichtenstein im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Die Höhlensohle befindet sich auf etwa 780 Metern über dem Meeresspiegel.

Wie lang ist die Nebelhöhle und wie viel davon ist zugänglich?

Die derzeit bekannte Gesamtlänge der Höhle beträgt 813 Meter. Für Besucher erschlossen sind davon 450 Meter.

Wie kalt ist es in der Nebelhöhle?

Die Temperatur in der Nebelhöhle beträgt das ganze Jahr über konstant etwa acht bis zehn Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei rund 90 Prozent, weshalb eine wetterfeste Kleidungsschicht empfehlenswert ist.

Woher kommt der Name »Nebelhöhle«?

Der Name geht auf ein breites Felsportal zurück, das »Nebelloch« genannt wurde, weil im Winter feuchte Höhlenluft beim Austritt an der Kälte zu sichtbarem Nebel kondensiert. Diese Erscheinung war bereits 1486 urkundlich bekannt. Die Bezeichnung »Nebelhöhle« für die gesamte Anlage ist erst seit dem 19. Jahrhundert belegt.

Seit wann ist die Nebelhöhle bekannt?

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1486. Der Chronist Wilhelm Schickard schrieb 1631, die Höhle sei seit »Menschengedenken« bekannt und von Hirtenknaben entdeckt worden. Die Entdeckung liegt damit vermutlich noch vor dem 15. Jahrhundert.

Was macht die Nebelhöhle geologisch besonders?

Die Höhle liegt im Weißen Jura delta und gilt als sehr alt: Die umliegenden Trockentäler liegen tiefer als die Höhle selbst, was auf eine Entstehung weit vor der heutigen Landschaft hindeutet. Typisch sind großräumige Gangquerschnitte, Deckenkolke, angewitterte Wände und mächtige Versturzblöcke sowie ein dichter Bestand an Bodentropfsteinen.

Welche Rolle spielt Wilhelm Hauffs Roman für die Geschichte der Höhle?

Hauff ließ in seinem Roman »Lichtenstein« den historischen Herzog Ulrich von Württemberg in der Nebelhöhle Zuflucht suchen. Das steigerte das öffentliche Interesse erheblich und trug zusammen mit dem jährlichen Pfingstfest dazu bei, dass die Höhle zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 30.000 Besucher an einem einzigen Tag anzog.

Was war das Nebelhöhlenfest?

Nach der festlichen Erschließung der Höhle für den Kurfürsten Friedrich I. im Jahr 1803, bei der über 1000 Kerzen abgebrannt wurden, entstand die Tradition einer jährlichen Illumination am Pfingstmontag. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ergänzt durch die Lichtensteinfestspiele in Honau, erreichte das Fest seinen Höhepunkt mit Besucherzahlen von 30.000 und mehr an einem Tag.

Quellen

  1. Wikipedia: Nebelhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags