Vogelherdhöhle
Die Vogelherdhöhle – kurz Vogelherd – ist eine Karsthöhle bei Niederstotzingen im Lonetal auf der östlichen Schwäbischen Alb. Sie gilt als einer der bedeutendsten Fundplätze des Jungpaläolithikums in Europa und wurde 2017 als Teil der UNESCO-Welterbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« anerkannt.
Weltbekannt wurde die Höhle durch elf Figuren aus Mammutelfenbein, die 1931 in den Aurignacien-Schichten entdeckt wurden. Diese Vogelherd-Figuren gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit.

| Typ | Karsthöhle |
| Lage | Bei Niederstotzingen im Lonetal, östliche Schwäbische Alb, an der L 1168 zwischen Niederstotzingen und Bissingen ob Lontal |
| Eingänge | 3 Mundlöcher (zwei große, ein enger) |
| Höhlenfläche | ca. 170 m² |
| Hauptdurchgang | ca. 40 m (Große Vogelherdhöhle), ca. 40 m (Kleine Vogelherdhöhle) |
| Entdeckung | 23. Mai 1931 durch Hermann Mohn |
| Erste Ausgrabung | 1931 unter Gustav Riek, Universität Tübingen |
| Kulturelle Nutzung | Eem-Warmzeit bis Bronzezeit, intensiv im Aurignacien |
| Schutzstatus | UNESCO-Welterbe seit 2017 (»Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«) |
| Besonderheit | Vogelherd-Figuren aus Mammutelfenbein, älteste bekannte Kunstwerke der Menschheit |
Lage und Topographie
Die Vogelherdhöhle liegt an der Landstraße 1168 zwischen Niederstotzingen und Bissingen ob Lontal im ehemaligen Archäopark Vogelherd. Das Gelände befindet sich auf der östlichen Schwäbischen Alb im Lonetal.
Die Höhle besitzt drei Eingänge. Die zwei großen Mundlöcher mit einer Höhe von 2,5 bis 3,5 m sind durch einen rund 40 m langen, gebogenen Durchgang verbunden und werden als Große Vogelherdhöhle bezeichnet. Die Kleine Vogelherdhöhle hat einen engen Eingang und ist ebenfalls etwa 40 m lang; der Verbindungsgang zwischen beiden Teilen ist bis auf einen wenige Zentimeter hohen Spalt verschüttet.
Die Gesamtfläche der Höhle beträgt etwa 170 m², die ursprüngliche Deckenhöhe lag bei drei bis vier Metern. Dass die Höhle erhalten geblieben ist, obwohl sie sehr nah unter der Erdoberfläche liegt, geht auf eine Deckenversinterung zurück, die mit Beginn des Holozäns einsetzte und das Gewölbe stabilisierte.
Entdeckung und Grabungsgeschichte
Am 23. Mai 1931 entdeckte der Heidenheimer Heimatforscher Hermann Mohn im Aushub vor einem Dachsbau am Vogelherd mehrere Feuersteinabsplisse. Dieser Zufallsfund führte zur Freilegung der Höhle.
Noch im selben Jahr führte der Tübinger Prähistoriker Gustav Riek eine dreimonatige Ausgrabung durch. Dabei wurde eine vorgeschichtliche Besiedlung von der Basis der Sedimente, die auf die Eem-Warmzeit zurückgeht, bis in bronzezeitliche Schichten nachgewiesen.
Insgesamt wurden in der Höhle 910 Steinwerkzeuge und 1223 unretuschierte Artefakte (Abschläge und Kerne) geborgen. Die Auswertung der Artefaktstreuung zeigte, dass die Bereiche unter dem Südwest- und dem Südeingang sowie die Haupthalle während des Jungpaläolithikums am intensivsten genutzt wurden.

Stratigraphie
Die Schichtenfolge der Vogelherdhöhle reicht von der Höhlensohle (mögliche Eem-Warmzeit, Schicht IX) über das Micoquien (Schicht VIII) und ein spätes Mittelpaläolithikum bzw. Moustérien (Schichten VII und VI) bis zum Aurignacien (Schichten V und IV). Darüber liegen zwei Magdalénien-Horizonte (Schichten III und II) sowie eine neolithische Schicht (Schicht I).
Etwa 90 % aller Werkzeuge aus Stein, Knochen, Elfenbein und Geweih stammen aus den Aurignacien-Schichten IV und V. Die am häufigsten verwendeten Gesteinssorten sind Hornstein und Jaspis, die beide aus der unmittelbaren Umgebung stammen.
Funde aus dem Aurignacien
Die Aurignacienschicht V enthielt zwei deutlich getrennte Feuerstellen in der Haupthalle und im Bereich des Südwesteingangs. Zu den häufigsten Steingeräten zählen Kratzer und Stichel, dazu kommen zahlreiche Kombinationswerkzeuge.
Im »Oberaurignacien« (Schicht IV) wurden neben 1729 Steinartefakten insgesamt 82 organische Artefakte dokumentiert. Darunter finden sich unterschiedliche Geschossspitzen: Eine weist eine gespaltene Basis auf, vier besitzen eine massive Basis, drei sind nur fragmentarisch erhalten, wobei eines dieser Fragmente mit Randkerben und X-Zeichen verziert ist. Einige Stücke tragen Kerbreihen als Verzierung.
Die bekanntesten Funde sind elf Figuren aus Mammutelfenbein, die sogenannten Vogelherd-Figuren. Sie gehören zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheit. Ein als »Schwirrblatt« bezeichneter Lochstab sowie ein doppelt durchlochter Anhänger aus Mammutelfenbein wurden gemeinsam an der Einmündung des Ostganges in die Haupthalle gefunden; beide Objekte gelten heute als verschollen.

Funde aus dem Magdalénien
Die Magdalénien-Schichten II und III liegen stratigraphisch über dem Aurignacien. Schicht II erbrachte einen umfangreichen Steinartefaktbestand: darunter elf Klingenmesser, verschiedene Klingentypen, Schaber sowie ein Nucleus mit grob herausgearbeiteter Stichelspitze. Organische Funde umfassen eine Rengeweihsprosse mit Schnittspuren an der Gabelung und eine Elfenbeinplatte mit feinen Ritzungen.
Aus Schicht III stammen unter anderem vier Klingenmesser, drei Klingenabschläge, ein Eckstichel sowie mehrere Rindenabschläge. Hinzu kommt ein Fragment einer Rengeweihstange mit Schnittflächen.
Menschliche Überreste und ihre Einordnung
Bei der Ausgrabung 1931 wurden menschliche Überreste entdeckt, darunter die Schädel »Stetten 1« und »Stetten 2«. Jahrzehntelang wurden sie dem Aurignacien zugeordnet, was sie zu einem vermeintlichen Beleg für den frühen anatomisch modernen Menschen in Europa gemacht hätte.
Spätere Untersuchungen ergaben jedoch, dass diese Skelettreste aus dem Neolithikum stammen. Sie stehen damit in keinem direkten Zusammenhang mit der deutlich älteren jungpaläolithischen Kleinkunst der Höhle.

UNESCO-Welterbe
Im Jahr 2017 wurde die Vogelherdhöhle gemeinsam mit fünf weiteren Höhlen der Schwäbischen Alb als Teil der Welterbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Grundlage dieser Anerkennung ist der außergewöhnliche universelle Wert der in den Höhlen geborgenen eiszeitlichen Kunstwerke, zu denen die Vogelherd-Figuren als Schlüsselzeugnisse zählen.
Häufige Fragen
Wo liegt die Vogelherdhöhle?
Die Vogelherdhöhle liegt bei Niederstotzingen im Lonetal auf der östlichen Schwäbischen Alb, an der Landstraße 1168 zwischen Niederstotzingen und Bissingen ob Lontal. Sie befindet sich im ehemaligen Archäopark Vogelherd.
Warum ist die Vogelherdhöhle berühmt?
Die Höhle ist vor allem wegen der elf Vogelherd-Figuren aus Mammutelfenbein bekannt, die 1931 in den Aurignacien-Schichten entdeckt wurden. Sie gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Seit 2017 ist die Höhle Teil des UNESCO-Welterbes »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«.
Wann und von wem wurde die Vogelherdhöhle entdeckt?
Der Heidenheimer Heimatforscher Hermann Mohn entdeckte die Höhle am 23. Mai 1931, als er im Aushub vor einem Dachsbau Feuersteinabsplisse fand. Noch im selben Jahr führte der Tübinger Prähistoriker Gustav Riek eine dreimonatige Ausgrabung durch.
Welche Zeitperioden sind in der Vogelherdhöhle belegt?
Die Schichtenfolge reicht von der Eem-Warmzeit über das Micoquien und Moustérien bis zum Aurignacien und Magdalénien. Die oberste Schicht enthält Funde aus dem Neolithikum, und die Basis der Sedimente reicht bis in die Bronzezeit. Die intensivste Nutzung fällt in das frühe Jungpaläolithikum (Aurignacien).
Stimmt es, dass in der Vogelherdhöhle frühe menschliche Skelette aus der Eiszeit gefunden wurden?
Die 1931 geborgenen menschlichen Überreste, darunter die Schädel »Stetten 1« und »Stetten 2«, wurden lange dem Aurignacien zugeordnet. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass sie aus dem Neolithikum stammen und keinen Zusammenhang mit der jungpaläolithischen Besiedlung der Höhle haben.
Wie groß ist die Vogelherdhöhle?
Die Höhle hat eine Gesamtfläche von etwa 170 m². Der Hauptdurchgang der Großen Vogelherdhöhle ist rund 40 m lang, ebenso wie die Kleine Vogelherdhöhle. Die ursprüngliche Deckenhöhe betrug drei bis vier Meter.
Warum ist die Vogelherdhöhle so gut erhalten geblieben?
Der gute Erhaltungszustand geht auf eine Deckenversinterung zurück, die mit dem Beginn des Holozäns einsetzte. Obwohl die Höhle sehr nah unter der Erdoberfläche liegt, schützte diese Versinterung das Gewölbe vor den Zerstörungskräften des warmzeitlichen Klimas.
Was ist mit dem Lochstab und dem Anhänger aus der Vogelherdhöhle passiert?
Ein als »Schwirrblatt« bezeichneter Lochstab und ein doppelt durchlochter Anhänger aus Mammutelfenbein wurden von Gustav Riek an der Einmündung des Ostganges in die Haupthalle gefunden. Beide Artefakte gelten heute als verschollen.
Quellen
- Wikipedia: Vogelherdhöhle — Faktengrundlage dieses Eintrags