Wimsener Höhle
Die Wimsener Höhle liegt im Gemeindegebiet von Hayingen auf der Schwäbischen Alb, etwa drei Kilometer nördlich von Zwiefalten. Sie ist die einzige Wasserhöhle Deutschlands, die mit einem Wassergefährt befahren werden kann, und gilt daher als singuläres Naturdenkmal im deutschen Karstsystem.
Aus der Höhle tritt die Zwiefalter Aach als Karstquelle aus. Der mittlere Abfluss beträgt 590 Liter pro Sekunde; bei Hochwasser wurden bis zu 6240 l/s gemessen, das Minimum liegt bei 60 l/s.

| Lage | Hayingen, Landkreis Reutlingen, Schwäbische Alb, Baden-Württemberg |
| Typ | Ganghöhle, Wasserhöhle, Karstquelle |
| Gesamtlänge | 1470 m |
| Für Besucher zugänglich | weniger als 147 m (unter 10 % der Gesamtlänge) |
| Besonderheit | einzige mit einem Kahn befahrbare Wasserhöhle Deutschlands |
| Entspringende Quelle | Zwiefalter Aach (min. 60 l/s, Mittel 590 l/s, max. 6240 l/s) |
| Ersterwähnung | 1447 (urkundlich) |
| Offizielle Bezeichnung | auch Friedrichshöhle (seit 1803) |
| Schutzstatus | Naturdenkmal, Geotop und Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb |
Beschreibung und Zugänglichkeit
Die Höhle erstreckt sich über eine vermessene Gesamtlänge von 1470 Metern. Für Besucher ohne Spezialausrüstung sind weniger als zehn Prozent davon erreichbar: Bereits rund 70 Meter hinter dem Eingang senkt sich die Höhlendecke bis auf die Wasseroberfläche ab, sodass eine Weiterfahrt per Kahn endet und der Gang nur noch für Taucher passierbar ist.
Der übrige Teil der Ganghöhle wurde ausschließlich mit Tauchausrüstung erkundet. Der Kahnabschnitt erlaubt dennoch einen unmittelbaren Eindruck des aktiven Karstgewässers und der Höhlenräume nahe dem Eingang.
Hydrologie: Die Zwiefalter Aach
Unmittelbar aus der Höhle tritt die Zwiefalter Aach hervor, eine typische Karstquelle mit stark schwankenden Schüttungsmengen. Die Spannweite reicht vom Minimalwert von 60 Litern pro Sekunde bis zum Hochwassermaximum von 6240 l/s; der langjährige Mittelwert liegt bei 590 l/s.
Kurz unterhalb des Höhlenausganges wurde der Bach spätestens im zwölften Jahrhundert für die Wimsener Mühle aufgestaut. An gleicher Stelle steht heute ein kleines Wasserkraftwerk.
Name und historischer Hintergrund
Die Höhle trägt offiziell den Namen Friedrichshöhle, vergeben zu Ehren von Kurfürst Friedrich II. von Württemberg, dem späteren König Friedrich I., der die Höhle am 9. August 1803 besuchte. Philipp Christian von Normann-Ehrenfels, dem Schloss Ehrenfels mit dem dazugehörigen Wimsen und der Höhle verliehen worden war, ließ aus Dankbarkeit über dem Eingang eine lateinische Inschrift anbringen.
Die Inschrift lautet in deutscher Übertragung: »Dankbar begrüßt den hohen Besuch die hier waltende Nymphe. Fröhlicher fließet dir nun, Friedrich, die rauschende Ach.« Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich dennoch die Bezeichnung Wimsener Höhle nach dem Ort Wimsen durchgesetzt.
Geschichte der Erforschung
Die erste urkundliche Erwähnung der Höhle datiert auf das Jahr 1447. Eine erste teilweise Vermessung erfolgte 1910, blieb aber auf den vom Wasser versperrten Eingangsbereich beschränkt.
Erst 1959 gelang es, einen Siphon zu durchtauchen, wodurch die weitere Erkundung möglich wurde. Jochen Hasenmayer drang in den Jahren 1961 bis 1975 bis zu 400 Meter weit und 40 Meter tief in das Höhlensystem vor und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur Kenntnis der Unterwasserbereiche.
Archäologische Funde
Im Jahr 1995 kamen in der Höhle Tonscherben und Menschenknochen zutage, die zumindest zum Teil aus der späten Bronzezeit stammen. Ihr Vorhandensein belegt, dass die Höhle in dieser Epoche trockener und zu Fuß begehbar war.
Als weiterer Beleg für frühere Trockenphasen gelten Tropfsteine, die nur im luftgefüllten Raum entstehen können, heute jedoch in mehr als zwei Metern Wassertiefe liegen. Der gegenwärtige Wasserstand ist also historisch gesehen vergleichsweise hoch.
Schutzstatus und Einordnung
Die Wimsener Höhle ist als Einzelgebilde-Naturdenkmal eingetragen und wird im Schutzgebietsverzeichnis der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg geführt. Zusätzlich ist sie als besonderes Geotop und Geopoint im UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet.
Aktuelle Informationen zu Besuchsmöglichkeiten, Führungen und Zugang sind über die offizielle Webpräsenz der Schauhöhle erhältlich, da sich Öffnungszeiten und Konditionen ändern können.

Häufige Fragen
Warum ist die Wimsener Höhle einzigartig in Deutschland?
Sie ist die einzige Wasserhöhle in Deutschland, die mit einem Wassergefährt – einem Kahn – befahren werden kann. Alle anderen Wasserhöhlen des Landes sind allenfalls mit Tauchausrüstung zugänglich.
Wie weit kann man die Höhle als normaler Besucher erkunden?
Besucherinnen und Besucher werden per Kahn in die Höhle gefahren. Rund 70 Meter hinter dem Eingang senkt sich die Decke bis auf die Wasseroberfläche ab, was die Kahnfahrt beendet. Das entspricht weniger als zehn Prozent der Gesamtlänge von 1470 Metern; der Rest ist nur für Taucher zugänglich.
Welcher Fluss entspringt aus der Wimsener Höhle?
Aus der Höhle tritt die Zwiefalter Aach hervor. Ihre Schüttung schwankt stark: Der Mittelwert liegt bei 590 Litern pro Sekunde, das Maximum bei 6240 l/s, das Minimum bei 60 l/s.
Woher stammt der Name Friedrichshöhle?
Der Name ehrt Kurfürst Friedrich II. von Württemberg, den späteren König Friedrich I., der die Höhle am 9. August 1803 besuchte. Philipp Christian von Normann-Ehrenfels ließ daraufhin eine lateinische Widmungsinschrift über dem Eingang anbringen. Im Volksmund hat sich jedoch der Name Wimsener Höhle gehalten.
Seit wann ist die Höhle urkundlich bekannt?
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1447. Eine systematische Vermessung begann 1910, und ab 1959 konnten nach dem Durchtauchen eines Siphons auch die tiefer liegenden Teile erforscht werden.
Welche archäologischen Funde wurden in der Höhle gemacht?
1995 wurden Tonscherben und Menschenknochen entdeckt, die teilweise aus der späten Bronzezeit datieren. Damals war der Wasserstand niedriger und die Höhle trocken begehbar, was auch durch Tropfsteine belegt wird, die heute in über zwei Metern Wassertiefe liegen.
Welchen Schutzstatus besitzt die Wimsener Höhle?
Die Höhle ist als Einzelgebilde-Naturdenkmal eingetragen und als Geotop sowie Geopoint im UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet.
Wer hat die Unterwasserbereiche der Höhle erforscht?
Eine wichtige Rolle spielte der Höhlentaucher Jochen Hasenmayer, der zwischen 1961 und 1975 bis zu 400 Meter weit und 40 Meter tief in die Höhle vordringen konnte. Möglich wurde dies nach dem ersten Durchtauchen eines Siphons im Jahr 1959.
Quellen
- Wikipedia: Wimsener Höhle — Faktengrundlage dieses Eintrags