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Aachtopf

Der Aachtopf, auch Aachquelle genannt, liegt östlich der Kleinstadt Aach im Hegau (Baden-Württemberg) und gilt als die wasserreichste Quelle Deutschlands. Aus der Karstquelle entspringt die Radolfzeller Aach, die nach 32 km bei Radolfzell in den Bodensee mündet.

Das im Aachtopf zutage tretende Wasser stammt zu rund zwei Dritteln aus der Donauversinkung zwischen Immendingen und Fridingen. Ein unterirdisches System von Karstwassergerinnen verbindet beide Gebiete; zwei Teilabschnitte davon – die Aachhöhle und die Donauhöhle – sind durch Höhlentaucher und Höhlenforscher erkundet worden.

Redaktion ANTIBERGStand: 14. Oktober 2026
Aachtopf
Aachtopf 2014 06 17Foto: Hubert Berberich (HubiB) · CC BY 3.0
TypKarstquelle (Quelltopf)
LageÖstlich von Aach, Hegau, Baden-Württemberg
Wasserspiegel476 m ü. NHN (aufgestaut um rund 2 m)
Quelltopf-Ausdehnungrund 80 m lang, bis zu 30 m breit
AbflussRadolfzeller Aach, mündet nach 32 km in den Bodensee
HauptwasserherkunftDonauversinkung zwischen Immendingen und Fridingen
Verbundene HöhlenAachhöhle (ca. 500 m erforscht), Donauhöhle (ca. 950 m bekannt, Stand 2024)
SchutzstatusNaturdenkmal seit Oktober 1939, ausgewiesenes Geotop
Besonderheit FaunaErste Höhlenfische Europas (pigmentlose Bachschmerle) seit 2015 nachgewiesen

Lage und Entstehung des Quelltopfs

Der Aachtopf befindet sich am Nordhang des Eisrandtals, das sich von Aach nach Eigeltingen erstreckt. Dieses Tal bildete sich vor etwa 16.000 bis 18.000 Jahren beim Abschmelzen des Rheingletschers am Ende der letzten Eiszeit; seitdem liegt die Karstquelle an dieser Stelle.

Der Geologe Albert Schreiner geht davon aus, dass sich die Quelle vor der letzten Eiszeit rund zwei Kilometer weiter südlich bei Volkertshausen befand und dort von pleistozänen Sedimenten überdeckt wurde. Der heutige Aachtopf entstand demnach als eine Art Notausgang, als das Schmelzwasser des Rheingletschers das Eisrandtal erodierte. Sinterbecken und Tropfsteinreste, die Jochen Hasenmayer 1971 in 17 Metern Tiefe in der Aachhöhle antraf, stützen diese Interpretation, da sie nur in einer lufterfüllten Höhle entstanden sein können.

Beschreibung des Quelltopfs

Der Quelltopf misst rund 80 Meter in der Länge und bis zu 30 Meter in der Breite. Der Wasserspiegel wurde zur Energiegewinnung um etwa zwei Meter aufgestaut, was umfangreiche Abdichtungsmaßnahmen an benachbarten Gebäuden erforderte. Die Ufer des Quelltopfs sind vollständig befestigt; im Norden finden sich kleinere Felspartien, die häufig von Efeu bedeckt sind.

Die Hauptquelle bilden zwei in Nord-Süd-Richtung verlaufende Spalten im nördlichen Teil des Quelltopfs, jeweils ein bis zwei Meter breit. Bei niedriger Schüttung und klarem Wasser lassen sie sich vom Steg aus beobachten. Am Boden des Quelltopfs – abseits der eigentlichen Wasseraustritte – wächst ein dichter Rasen des Haken-Wassersterns.

Im Südwesten teilt sich der Abfluss: Links zweigt die Radolfzeller Aach ab, rechts führt ein Kanal zum oberen der zwei Wasserkraftwerke in Aach. Neben dem oberflächlichen Abfluss strömt Wasser auch durch den bis zu 17 Meter mächtigen Talkies; bei niedrigen Schüttungen liegt der Grundwasserspiegel dabei deutlich unter dem Wasserspiegel des Flusses.

Aachtopf
Badisches Landmuseum, Inventarnummer BA 2021 00003 00280 Werner Käß Markierungsversuch Aachtopf, Entnahme Wasserprobe an NebenaustrittFoto: de:Werner Käß · CC0

Nebenquellen und hydrologische Besonderheiten

Neben den Hauptspalten gibt es zahlreiche Nebenquellen, die teils im Quelltopf selbst, teils im rund einen Kilometer langen Anschlussstück der Radolfzeller Aach liegen. Zu den auffälligsten zählt der Waller, rund 50 Meter unterhalb der Hauptquelle gelegen, aus dem zeitweise sprudelnd Wasser austritt.

Etwa zehn Meter westlich der Hauptquelle liegt eine Estavelle – eine Quelle, die je nach Wasserstand ihr Verhalten wechselt: Bei niedriger Schüttung verschluckt sie Wasser, bei hoher Schüttung gibt sie Wasser ab. Ein Markierungsversuch von 1971 zeigte, dass das dort versinkende Wasser überwiegend in talwärts gelegenen Nebenquellen wieder austritt, jedoch nur einen kleinen Teil von deren Gesamtschüttung ausmacht.

Das Donau-Aach-System und die Donauversinkung

Rund zwei Drittel des Wassers im Aachtopf stammen aus der Donauversinkung, einem Phänomen zwischen Immendingen und Fridingen, bei dem Donauwasser in den Untergrund versickert und unterirdisch zum Aachtopf gelangt. Es existieren drei Hauptversinkungsstellen mit wahrnehmbarer Versinkung: eine bei Immendingen oberhalb eines Wehrs (13,5 km Entfernung zum Aachtopf), die Hauptversinkungsstelle Brühl im Mäander zwischen Immendingen und Möhringen (12,0 km) sowie eine weitere im Mäander südlich von Fridingen (19,0 km).

Die Abflussbahnen von der Versinkung bei Immendingen und der Hauptversinkungsstelle Brühl verlaufen vermutlich weitgehend identisch. Die mittlere Abstandsgeschwindigkeit des unterirdisch fließenden Wassers beträgt 188 m/h bei einem Gefälle von 14,5 Promille.

Aachtopf
Badisches Landmuseum, Inventarnummer BA 2021 00003 00241 Werner Käß Aachtopf, Hauptaustritt bei HochwasserFoto: de:Werner Käß · CC0

Erforschung der Aachhöhle

Die Aachhöhle schließt sich unmittelbar an die Hauptaustrittsspalten im Aachtopf an und ist bislang durch Höhlentaucher erkundet worden. Bereits 1886 gab es einen ersten Tauchvorstoß, der bis zu einer Düse in 12 Metern Tiefe gelangte; die dort herrschende Strömung ließ ein weiteres Vordringen nicht zu. Jochen Hasenmayer erkundete die Höhle 1962 auf 110 Metern und drang 1969 rund 500 Meter weit nach Norden vor.

Von den Quellspalten aus fällt der Hauptgang zunächst 17 Meter in die Tiefe; er ist ein bis drei Meter breit und drei bis sechs Meter hoch. Ein Parallelgang verläuft ebenfalls nach Norden; zudem existieren Abzweigungen nach Süden. Im Norden endet die erkundete Aachhöhle nach etwa 500 Metern an einer Versturzmasse, die zur sogenannten Tiefen Grube gehört – einer Doppeldoline mit je rund 40 Metern Durchmesser und etwa 20 Metern Tiefe.

Höhlentauchen im Aachtopf ist ausschließlich bei geringer Schüttung möglich. Trübes Wasser und Abzweigungen erhöhen die Gefahr erheblich.

Die Donauhöhle

Auf der Suche nach einer Fortsetzung der Aachhöhle begann ab 1990 eine Höhlenforschungsgruppe im nördlichen Teil der Tiefen Grube einen Schacht abzuteufen. Im November 2003 stieß man dabei in mehr als 100 Metern Tiefe auf die Donauhöhle, die auch als Schwarze Donau bezeichnet wird. Nach dem Stand von 2024 sind von ihr rund 950 Meter bekannt.

Die Donauhöhle gilt als Teil des übergeordneten Karstwassersystems, das Donauversinkung und Aachtopf miteinander verbindet. Ihre genaue Ausdehnung und der vollständige Verlauf des unterirdischen Gerinnesystems zwischen Donauversinkung und Aachtopf sind jedoch noch nicht abschließend erforscht.

Aachtopf
Donau Aach System MarkierungsversucheFoto: Hozro · CC0

Fauna, Schutzstatus und Besuch

Im Jahr 2015 wurden in der Aachhöhle die ersten Höhlenfische Europas nachgewiesen: eine Population der Bachschmerle, die sich in Anpassung an das lichtlose Höhlengewässer durch fehlende Pigmentierung und zurückgebildete Augen auszeichnet.

Der Aachtopf ist seit Oktober 1939 als Naturdenkmal geschützt und zusätzlich als Geotop ausgewiesen. Er ist von einer parkartigen Anlage umgeben. Für aktuelle Informationen zu Zugangsmöglichkeiten empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit der Stadtverwaltung Aach oder zuständigen Naturschutzbehörden.

Häufige Fragen

Woher stammt das Wasser im Aachtopf?

Rund zwei Drittel des Wassers im Aachtopf kommen aus der Donauversinkung zwischen Immendingen und Fridingen, wo Donauwasser durch Schlucklöcher im Kalkgestein versickert. Es fließt unterirdisch durch ein Karstwassersystem und tritt am Aachtopf wieder ans Tageslicht. Die mittlere Abstandsgeschwindigkeit auf diesem Weg beträgt 188 m/h.

Warum liegt der Aachtopf genau an dieser Stelle?

Der heutige Standort entstand durch die Erosion des Eisrandtals beim Abschmelzen des Rheingletschers vor etwa 16.000 bis 18.000 Jahren. Zuvor befand sich die Karstquelle nach Einschätzung des Geologen Albert Schreiner rund zwei Kilometer weiter südlich bei Volkertshausen, wurde aber von pleistozänen Sedimenten überdeckt. Der aktuelle Aachtopf bildete sich als neuer Austrittsort des unterirdischen Karstwassers.

Kann man die Aachhöhle tauchen?

Höhlentauchen in der Aachhöhle ist nur bei geringer Schüttung des Aachtopfs möglich, da bei höherem Wasserstand Sicht und Strömungsverhältnisse das Tauchen ausschließen. Trübes Wasser und Abzweigungen im Höhlensystem stellen erhebliche Gefahren dar. Die Höhle ist bislang auf einer Länge von rund 500 Metern erkundet.

Was hat es mit den Höhlenfischen im Aachtopf auf sich?

2015 wurde in der Aachhöhle eine Population der Bachschmerle entdeckt – die ersten Höhlenfische, die in Europa nachgewiesen wurden. Die Tiere haben sich an das lichtlose Leben im Höhlengewässer angepasst: Sie sind pigmentlos und besitzen zurückgebildete Augen.

Wie ist der Aachtopf geschützt?

Der Aachtopf steht seit Oktober 1939 unter Naturdenkmalschutz und ist zusätzlich als Geotop ausgewiesen. Er liegt in einer parkartigen Anlage, deren Ufer vollständig befestigt sind.

Was ist die Tiefe Grube und welche Bedeutung hat sie?

Die Tiefe Grube ist eine Doppeldoline nördlich des Aachtopfs, bestehend aus zwei Trichtern mit je rund 40 Metern Durchmesser und etwa 20 Metern Tiefe. An ihrem nördlichen Rand begann ab 1990 eine Höhlenforschungsgruppe zu graben, um eine Fortsetzung der Aachhöhle zu finden. Im November 2003 wurde dabei in über 100 Metern Tiefe die Donauhöhle entdeckt, von der mittlerweile rund 950 Meter bekannt sind.

Quellen

  1. Wikipedia: Aachtopf — Faktengrundlage dieses Eintrags