Blautopf
Der Blautopf ist eine Karstquelle am Ostrand der Schwäbischen Alb im Norden der Stadt Blaubeuren, rund 16 Kilometer westlich von Ulm. Er ist Ursprung des Flusses Blau und fällt durch die ausgeprägte Blaufärbung seines Wassers auf, die je nach Lichteinfall in unterschiedlicher Intensität erscheint.
Nach mittlerer Schüttung gilt der Blautopf als zweitgrößte Karstquelle der Schwäbischen Alb und als zweitgrößte Einzelquelle Deutschlands. Das unterirdische Blauhöhlensystem, das die Quelle speist, gehört zu den bedeutendsten Höhlenforschungsgebieten Süddeutschlands.

| Typ | Karstquelle |
| Lage | Blaubeuren, Ostrand der Schwäbischen Alb, 16 km westlich von Ulm |
| Höhe Wasserspiegel | 512 m ü. NHN |
| Quelltopf-Durchmesser | ca. 40 m an der Oberfläche |
| Quelltopf-Tiefe | 21 m |
| Schüttung (Mittel) | 2.280 l/s |
| Schüttung (Maximum) | 32.670 l/s |
| Einzugsgebiet | ca. 160 km² |
| Abfluss | Fluss Blau, mündet nach ca. 22 km in die Donau bei Ulm (466 m ü. NHN) |
| Schutzstatus | Bedeutendes Geotop und Geopoint des UNESCO Geopark Schwäbische Alb (seit 2019) |
Beschreibung und Wasserfarbe
Der Blautopf verdankt seinen Namen der charakteristischen Blaufärbung, die das Wasser unabhängig vom Wetter zeigt, in ihrer Intensität jedoch mit dem Lichteinfall variiert. Diese Eigenfarbe ist keine Besonderheit von Mineralien oder Algen, sondern eine physikalische Eigenschaft des Wassers selbst: Bei ausreichender Schichtdicke absorbiert reines Wasser Licht im roten Bereich des sichtbaren Spektrums, konkret um 770 nm, was auf eine Kombinationsschwingung des Wassermoleküls zurückgeht.
Der hohe Wasserdruck hat im Lauf der Zeit einen trichterförmigen Quelltopf herausgearbeitet. An der Oberfläche misst er etwa 40 Meter im Durchmesser, seine Tiefe beträgt 21 Meter. Der Wasserspiegel liegt auf 512 m ü. NHN.
Geologie und Einzugsgebiet
Als Karstquelle tritt am Blautopf Wasser wieder zutage, das zuvor in einem weiträumigen Gebiet in den Untergrund versickert ist. Das Einzugsgebiet umfasst rund 160 Quadratkilometer. Im Karstgebiet existieren keine oberirdischen Abflüsse; das gesamte Wasser fließt unterirdisch ab.
Die Schüttung schwankt erheblich: Sie kann von mindestens 250 l/s bis auf maximal 32.670 l/s ansteigen, je nach Niederschlagslage. Im Mittel werden 2.280 l/s erreicht. Neben der Blautopfhöhle – früher Blauhöhle genannt – entwässert auch die Hessenhauhöhle über die Quelle; eine hydraulische Verbindung zwischen beiden wurde bei einem Markierungsversuch am 21. April 2012 nachgewiesen.

Das Blauhöhlensystem
Unter dem Blautopf erstreckt sich das Blauhöhlensystem, das aus der Blautopfhöhle und der Vetterhöhle besteht. Die ersten 1.200 Meter der Blautopfhöhle sind dauerhaft wassergefüllt und damit nur für speziell ausgebildete Höhlentaucher zugänglich. Ab dem Einstieg in einer Wassertiefe von rund 21 Metern beginnt das eigentliche Höhlensystem.
Am 23. September 2006 entdeckten Jochen Malmann und Andreas Kücha von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf in der Blauhöhle eine außergewöhnlich große Halle, der sie den Namen Apokalypse gaben. Mit einer Länge von 170 Metern, einer Breite von 50 Metern und einer Höhe von 50 Metern stellt die trockene Halle eine geologische Besonderheit in dieser Region dar.
Im April 2010 ermöglichte eine 17 Meter tiefe Bohrung neben der Bundesstraße 28 erstmals einen trockenen Zugang ins Blauhöhlensystem. Dieser Landweg ist allerdings ausschließlich Höhlenforschern vorbehalten.
Erforschungsgeschichte und Tauchen
Den ersten dokumentierten Tauchversuch im Blautopf unternahm 1880 ein Helmtaucher. Der Quelltopfboden in 21 Metern Tiefe wurde jedoch erst 1957 von einem Taucher erreicht. In den folgenden Jahrzehnten erkundeten mehrere Taucher und Forscher das wassergefüllte Höhlensystem; bis Mitte der 1980er Jahre war Jochen Hasenmayer maßgeblich an der Erforschung der Blautopfhöhle beteiligt.
Mehrere Tauchunfälle, darunter tödliche, veranlassten die Stadt Blaubeuren dazu, den Blautopf seit den 1980er Jahren für Freizeittaucher zu sperren. Sondergenehmigungen erhalten Einsatztaucher der DLRG, der Verein für Höhlenkunde München e. V. (VHM München), die Arbeitsgemeinschaft Blautopf der HFGOK (Höhlenforschungsgruppe Ostalb Kirchheim) sowie Gruppen mit wissenschaftlichem Auftrag. Der letzte schwere Unfall ereignete sich 2003, als ein Mitglied des Hasenmayer-Teams nur noch tot geborgen werden konnte.

Hammerwerk und historische Nutzung
Am Blautopf steht ein Hammerwerk, das vom Quellwasser angetrieben wird. Die Genehmigung für eine Hammerschmiede mit Schleiferei erhielt der Huf- und Waffenschmied Abraham Friedrich im Jahr 1804 von der Stadt Blaubeuren. Betrieben wurde sie in ursprünglicher Form bis 1889; danach folgte eine Umgestaltung zur mechanischen Werkstatt, die bis 1956 in Betrieb blieb.
Danach diente das Blautopfhaus zunächst nur noch als Abstellraum. Anfang der 1960er Jahre entschied man sich, die handwerkliche Tradition wieder erlebbar zu machen. Eine geeignete Hammerschmiede wurde in Bad Oberdorf im Allgäu gefunden und nach zweijähriger Einbauarbeit am Blautopf installiert. Seit Mitte der 1960er Jahre ist sie in ihrer ursprünglichen Funktion zu besichtigen.
Lage und Besuch
Der Blautopf liegt im Norden der Stadt Blaubeuren, die zum Landkreis Alb-Donau-Kreis gehört. Blaubeuren ist über die Bundesstraße 28 erreichbar; der Blautopf selbst ist von der Innenstadt aus fußläufig zugänglich. Per Fahrrad lässt sich die Quelle über einen Abstecher vom Donauradweg erreichen.
Die Quelle zieht schätzungsweise zwischen 300.000 und 500.000 Besucher pro Jahr an. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten sind über die offiziellen Seiten der Stadt Blaubeuren erhältlich.

Schutzstatus
Seit 2019 ist der Blautopf als bedeutendes Geotop und Geopoint im UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet. Diese Einstufung würdigt die geologische und wissenschaftliche Bedeutung der Karstquelle sowie des angeschlossenen Höhlensystems.
Der Geopark Schwäbische Alb ist Teil des UNESCO Global Geoparks-Netzwerks und umfasst eine Vielzahl geologisch bedeutsamer Standorte in der Region.
Häufige Fragen
Warum ist das Wasser des Blautopfs blau?
Die Blaufärbung ist eine physikalische Eigenschaft des reinen Wassers. Bei mehreren Metern Schichtdicke absorbiert Wasser Lichtanteile im roten Bereich des sichtbaren Spektrums (um 770 nm), was auf eine Kombinationsschwingung des Wassermoleküls zurückgeht. Die genaue Intensität der Farbe variiert je nach Lichteinfall.
Wie tief ist der Blautopf?
Der trichterförmige Quelltopf reicht bis in eine Tiefe von 21 Metern. An der Oberfläche beträgt sein Durchmesser etwa 40 Meter. Der Einstieg in das wassergefüllte Höhlensystem beginnt in dieser Tiefe.
Darf man im Blautopf tauchen?
Das Tauchen im Blautopf ist seit den 1980er Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt. Hintergrund sind mehrere tödliche Tauchunfälle. Sondergenehmigungen erhalten ausschließlich speziell ausgebildete Höhlentaucher und Einsatzkräfte anerkannter Organisationen wie der DLRG oder der HFGOK.
Wie groß ist das Höhlensystem hinter dem Blautopf?
Das Blauhöhlensystem besteht aus der Blautopfhöhle und der Vetterhöhle. Die ersten 1.200 Meter der Blautopfhöhle sind dauerhaft wassergefüllt. Dahinter liegt die 2006 entdeckte, trockene Halle Apokalypse mit 170 Metern Länge, 50 Metern Breite und 50 Metern Höhe.
Welchen Schutzstatus hat der Blautopf?
Seit 2019 ist der Blautopf als bedeutendes Geotop und Geopoint des UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgewiesen. Diese Auszeichnung gilt für die Karstquelle selbst und das angeschlossene unterirdische Höhlensystem.
Wie gelangt man zum Blautopf?
Der Blautopf liegt im Norden der Stadt Blaubeuren, die über die Bundesstraße 28 erreichbar ist. Von der Innenstadt ist die Quelle zu Fuß erreichbar. Radfahrer können über einen Abstecher vom Donauradweg anreisen.
Quellen
- Wikipedia: Blautopf — Faktengrundlage dieses Eintrags