Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb
Die Welterbestätte »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« umfasst sechs Höhlen im Achtal (Alb-Donau-Kreis) und im Lonetal (Grenzgebiet Alb-Donau-Kreis / Landkreis Heidenheim), in denen die ältesten bekannten figürlichen Kunstwerke des Menschen gefunden wurden. Die UNESCO nahm sie 2017 als Kulturerbe in ihre Welterbeliste auf.
Die Fundstücke – darunter Elfenbeinfigurinen und Knochenflöten – stammen aus dem Aurignacien, einer Kulturepoche zwischen etwa 42.000 und 31.000 v. Chr., und belegen die frühe künstlerische und musikalische Tätigkeit des anatomisch modernen Menschen in Europa.

| Typ | UNESCO-Weltkulturerbe (Kulturerbe) |
| Eintragungsjahr | 2017 (41. Sitzung des Welterbekomitees) |
| Eintragungskriterium | Kriterium (iii) |
| Vorschlagsjahr | 2015 (Vorschlag Baden-Württemberg) |
| Anzahl Höhlen | 6 (drei im Achtal, drei im Lonetal) |
| Schutzbereich | 462,1 ha (zwei getrennte Areale) |
| Pufferzone | 1.158,7 ha gesamt |
| Kulturepoche der Funde | Aurignacien, ca. 42.000–31.000 v. Chr. |
| Bekannte Fundstücke | Mehr als 50 figürliche Darstellungen sowie Relikte von 24 Flöten (Stand 2016) |
| Lage | Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, Deutschland |
Geographische Lage und Ausdehnung
Die Welterbestätte gliedert sich in zwei räumlich voneinander getrennte Areale. Das erste liegt im Tal der Ach im Alb-Donau-Kreis, das zweite im Lonetal, das sich über das Grenzgebiet von Alb-Donau-Kreis und Landkreis Heidenheim erstreckt.
Jedes Areal enthält drei Höhlen und ist von einer Pufferzone umgeben. Der gesamte Schutzbereich beträgt 462,1 ha, die Pufferzonen zusammen 1.158,7 ha.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Das Aurignacien
Das Aurignacien bezeichnet die älteste Kultur des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa und dauerte von etwa 42.000 bis 31.000 v. Chr. Klimageschichtlich fällt diese Epoche in die letzte Kaltzeit, die in Süddeutschland als Würm-Kaltzeit bekannt ist.
In dieser Zeit breitete sich der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) über Europa aus, während der Neandertaler verschwand. Im Aurignacien entstanden erstmals figürliche künstlerische Darstellungen – sowohl als Höhlenmalerei als auch als plastische Kleinkunst – sowie die ersten zweifelsfrei als solche anerkannten Knochenflöten.
Die Kunsterzeugnisse des Aurignaciens und der nachfolgenden Kälteperioden werden übergreifend als Eiszeitkunst bezeichnet.

Bedeutung der Funde
Aus den Höhlen des Ach- und Lonetals und ihrer unmittelbaren Umgebung sind insgesamt mehr als 50 figürliche Darstellungen sowie Relikte von 24 Flöten aus dem Aurignacien bekannt (Stand 2016). Die häufig aus Mammutelfenbein gefertigten Figuren und Musikinstrumente gelten als das beeindruckendste frühe Ensemble von Kunstwerken, das bislang bekannt ist.
Die im Hohlen Fels gefundene Venusfigurine zählt mit einem geschätzten Alter von etwa 42.000 bis 38.000 Jahren zu den ältesten bekannten figürlichen Darstellungen des menschlichen Körpers weltweit. Der ähnlich alte Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel zeigt eine Gestalt mit menschlichem Körper sowie Kopf und Gliedmaßen eines Höhlenlöwen.
In der Vogelherdhöhle wurden Tierfigurinen gefunden, die auf etwa 40.000 Jahre datiert werden. Aus dem Geißenklösterle stammen Knochenflöten mit einem Alter von 42.000 bis 43.000 Jahren.
Einschreibung als UNESCO-Welterbe
Baden-Württemberg schlug die sechs Höhlen 2015 unter der Bezeichnung »Höhlen der ältesten Eiszeitkunst« für die deutsche Vorschlagsliste zur UNESCO-Aufnahme vor. Die Einschreibung erfolgte 2017 durch Beschluss der 41. Sitzung des Welterbekomitees, nun unter der Bezeichnung »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb«.
Da die geologischen Formationen der Höhlen selbst keine außergewöhnlichen Merkmale aufweisen, wäre eine Aufnahme als Naturerbe nicht möglich gewesen. Die UNESCO bezog daher die Eiszeitkunst ausdrücklich als konstitutives Element in die Kulturerbedefinition ein. Die Einschreibung stützt sich auf das Kriterium (iii).
Die Fundstellen werden als »Wiege der Kunst« bezeichnet und gelten als eine der frühesten Siedlungsregionen des modernen Menschen in Europa.

Museen und wissenschaftliche Aufarbeitung
Die paläolithischen Artefakte werden schwerpunktmäßig in vier Museen präsentiert: im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (in Höhlennähe im Achtal), im Museum Ulm, im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart sowie im Museum der Universität Tübingen MUT.
Mehr als die Hälfte der in diesen Museen ausgestellten Originale befindet sich im MUT Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen.

Häufige Fragen
Wann wurde die Welterbestätte eingetragen?
Die sechs Höhlen wurden 2017 auf der 41. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees unter dem Namen »Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb« in die Welterbeliste aufgenommen. Baden-Württemberg hatte sie 2015 zur Aufnahme vorgeschlagen.
Welche Höhlen gehören zur Welterbestätte?
Die Stätte umfasst sechs Höhlen, aufgeteilt auf zwei Areale: drei im Achtal (Alb-Donau-Kreis) und drei im Lonetal (Grenzgebiet Alb-Donau-Kreis und Landkreis Heidenheim). Zu den bekanntesten zählen der Hohle Fels, der Hohlenstein-Stadel und die Vogelherdhöhle sowie das Geißenklösterle.
Was macht die Funde aus diesen Höhlen so bedeutend?
Die Artefakte aus dem Aurignacien (ca. 42.000–31.000 v. Chr.) gehören zu den ältesten bekannten figürlichen Kunstwerken der Menschheit. Dazu zählen Elfenbeinfigurinen wie die Venusfigurine aus dem Hohlen Fels (ca. 42.000–38.000 Jahre alt) und der Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel sowie Knochenflöten aus dem Geißenklösterle (42.000–43.000 Jahre alt).
Warum wurden die Höhlen als Kulturerbe und nicht als Naturerbe eingestuft?
Die geologischen Formationen der Höhlen sind nach UNESCO-Einschätzung nicht außergewöhnlich genug für eine Aufnahme als Naturerbe. Da die Bedeutung der Stätte auf den in ihr gefundenen Kunstwerken beruht, nahm die UNESCO die Eiszeitkunst selbst als konstitutives Element in die Kulturerbedefinition auf.
Wo können die Originalfunde besichtigt werden?
Die Artefakte sind auf vier Museen verteilt: das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren, das Museum Ulm, das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und das Museum der Universität Tübingen MUT. Mehr als die Hälfte der Originale befindet sich im MUT Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen.
Wie viele Kunstwerke wurden bislang in den Höhlen gefunden?
Stand 2016 sind aus den Höhlen des Ach- und Lonetals und deren Umgebung mehr als 50 figürliche Darstellungen sowie Fundstücke und Relikte von 24 Flöten aus dem Aurignacien bekannt.
Aus welchem Material wurden die Figuren gefertigt?
Ein Großteil der Figuren ist aus Mammutelfenbein geschnitzt. Dieses Material stand den Bewohnern der Region während der Würm-Kaltzeit durch die damalige Mammutfauna zur Verfügung.
Quellen
- Wikipedia: Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb — Faktengrundlage dieses Eintrags